Erde, Kressesamen, Töpfchen, Malerfließ
Predigt zu Johannes 12,24 – “Das Weizenkorn, das in die Erde fällt”
Stellt euch vor, ihr seid auf einem großen Feld. Es ist Frühling, und der Bauer geht mit einem kleinen Sack voller Weizenkörner auf das Feld. Er nimmt eines der Körner und pflanzt es in die Erde. Vielleicht denkt ihr: „Was soll denn jetzt die Geschichte? Es ist nur ein kleines Korn. Was kann daraus schon Großes werden?“ Doch was der Bauer weiß, ist, dass dieses eine kleine Korn, das in die Erde fällt, nicht einfach nur ein unbedeutendes Korn bleibt. Es wird sich verwandeln und durch den natürlichen Prozess des Wachstums zu einer Pflanze werden. Diese Pflanze wird viele weitere Körner hervorbringen, und diese Körner können wieder gepflanzt werden, um noch mehr Pflanzen zu bringen. Und so wächst die Ernte immer weiter – das ist exponentielles Wachstum. Klingt wie eine Matheaufgabe oder? Ich war in Mathe immer mies, darum geht’s mir also nicht…
Was wie ein winziges, unscheinbares Korn aussieht, hat das Potenzial, etwas riesiges, unvorstellbares Wachstum zu bewirken. Und genau diese Vorstellung von Wachstum – das exponentielle Wachstum – daran denkt Jesus, wenn er in Johannes 12,24 sagt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“
1. Das Weizenkorn und exponentielles Wachstum:
Wenn wir uns das natürliche Wachstum eines Weizenkorns anschauen, verstehen wir, was Jesus meint. Ein einziges Korn, das in die Erde fällt, wird nicht nur eine Pflanze hervorbringen, sondern tausende von Körnern über die Zeit. Das ist exponentielles Wachstum: Es fängt klein an, aber mit den richtigen Bedingungen und dem richtigen Prozess wird es immer mehr, immer schneller. Mich fasziniert das: das Wachstum, das von einem einzigen Korn ausgeht, kann zu einer ganzen Ernte führen. Und das ist der Punkt, den Jesus uns zeigt: Was als kleiner, unscheinbarer Anfang beginnt, kann eine riesige Ernte hervorbringen – mehr, als wir uns vorstellen können. Von einem Korn wird keiner satt, mit einem Korn kann keiner ein Brot backen. Aber wenn das eine stirbt und sich damit vermehrt, dann wird man davon satt, dann kann man damit Brot backen.
Aber dieses Wachstum beginnt nur, wenn das Korn „stirbt“ – es muss in die Erde fallen, es muss in die Dunkelheit, bevor es das Licht sehen und wachsen kann. Es ist der Moment des „Loslassens“, der entscheidend ist. Der erste Schritt ist immer der, dass das Korn nicht mehr das bleibt, was es war. Es muss sich auflösen und umwandeln, damit neues Leben entstehen kann.
2. Jesus und das Wachstum der Erlösung – Passionszeit und Ostern:
Wir sind in einer sehr besonderen Zeit im Jahr – der Passionszeit und dem Osterfest. Diese Zeit erinnert uns besonders an das, was Jesus für uns getan hat. In der Passionszeit denken wir an sein Leiden und seinen Tod – das „Sterben“ des Weizenkorns, von dem er selbst gesprochen hat. Wenn wir in diesen Tagen über Jesus nachdenken, dann sehen wir den Moment, in dem er bereit ist, „in die Erde zu fallen“ – er geht freiwillig zum Kreuz, um für uns zu sterben.
Aber der Tod von Jesus ist nicht das Ende. Wie das Weizenkorn, das in die Erde fällt und stirbt, damit neues Leben entsteht, so ist auch der Tod von Jesus der Beginn von etwas Großem und Neuem.
Ostern feiert genau diesen Moment: Jesus ist auferstanden! Das bedeutet, dass er durch den Tod hindurchgegangen ist, um uns neues Leben zu schenken. Genau wie aus einem einzelnen Korn viele Körner hervorgehen, hat Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung viele Menschen – uns – neues Leben gebracht. Und wie das Weizenkorn, das aus der Dunkelheit der Erde herausbricht und Frucht bringt, so bricht auch Jesus’ Auferstehung aus der Dunkelheit des Todes hervor und bringt für uns das Licht des ewigen Lebens.
3. Exponentielles Wachstum in unserem Leben:
Jetzt stellen wir uns die Frage: Was hat das mit uns zu tun? Was bedeutet dieses exponentielle Wachstum für uns? Wenn wir dem Bild des Weizenkorns folgen, dann bedeutet das für uns, dass auch unser eigenes Leben und unser Glaube in gewisser Weise wachsen kann – und das nicht nur in kleinen Schritten, sondern in einer Art exponentiellem Wachstum. Aber wie?
Beispiel 1: Veränderung im Freundeskreis
Stellt euch vor, du bist erst ganz frisch mit Jesus unterwegs. Der Glaube ist für dich noch ganz neu. Vielleicht hast du erst kürzlich angefangen, regelmäßig in die Kirche zu gehen oder hierher zu kommen. Am Anfang fühlst du dich vielleicht klein und unsicher, als ob du allein bist, mit deinen Fragen und deinen Zweifeln.
Aber du merkst, wie deine Einstellung sich verändert: Du bist freundlicher zu deinen Freunden, du gehst offener auf Menschen zu und zeigst mehr Interesse an deren Leben. Vielleicht fängt dein bester Freund oder deine beste Freundin an, von deinem Glauben zu hören und fragt dich nach deiner Meinung. Vielleicht ist es am Anfang nur ein Gespräch über den Glauben, aber nach einiger Zeit fängt diese Person an, selbst zu fragen: „Was bedeutet es eigentlich, an Gott zu glauben?“ Und dann, ganz plötzlich, siehst du, wie dein kleiner Glaube beginnt, in jemand anderem Frucht zu bringen. Dieser Freund oder diese Freundin wird dann vielleicht selbst zum Glauben finden – und so wächst der Glaube weiter, genauso wie das Weizenkorn immer mehr Körner hervorbringt.
Beispiel 2: Umgang mit Problemen und Herausforderungen
Ein anderes Beispiel: Du stehst vor einer Herausforderung, vielleicht in der Schule oder in einer schwierigen Situation zu Hause. Anfangs fühlst du dich völlig überfordert, aber du entscheidest dich, auf Gott zu vertrauen und ihm diese Herausforderung hinzuhalten. Du betest, du suchst Rat bei anderen und lässt dich auf den Prozess der Veränderung ein.
Im Laufe der Zeit merkst du, dass du mit Problemen anders umgehst – du hast mehr Geduld, du reagierst nicht mehr impulsiv, sondern denkst zuerst nach. Deine Freunde bemerken deine Veränderung und fragen, wie du es schaffst, so ruhig zu bleiben. Du erklärst ihnen, dass du Gott vertraust und dass er dir hilft, deine Ängste und Sorgen zu bewältigen. Und wieder siehst du, wie dein eigenes Wachstum in anderen Frucht bringt, weil auch sie anfangen, in schwierigen Momenten auf Gott zu vertrauen.
Diese Veränderungen in deinem Leben, die ganz klein angefangen haben, können sich wie exponentielles Wachstum entfalten. Deine Geduld, deine Freundlichkeit, dein Mut und dein Vertrauen in Gott können andere inspirieren und sie dazu bringen, ebenfalls zu wachsen. Du machst damit einen Unterschied!
Auch wenn du es vielleicht erst einmal gar nicht so direkt siehst. Ich erlebe das in meinem Beruf ganz oft. Zum Beispiel bei Beerdigungen. Oft frage ich mich, ob das für die Menschen überhaupt einen Unterschied macht, ob eine Beerdigung gut oder schlecht ist. Weil ich es oft gar nicht gleich sehen kann, was mit den Menschen nach der Beerdigung passiert. Ich begleite sie nur für eine ganz kurze Zeit. Dann merke ich, dass ich darauf vertrauen muss, dass Gott an den Menschen weiterarbeitet, wenn ich sie nicht mehr begleite. Dass vielleicht irgendwo ein Satz von mir hängen geblieben ist und der eine Mensch irgendwann anfangen wird, doch die Fragen nach Gott zu stellen und ihn besser kennen zu lernen.
Aber heute geht es nicht nur um die anderen, sondern auch um dich.
Jesus fragt dich ganz persönlich: Kommst du mit unter die Oberfläche? Lässt du mich da hin, wo es dunkel ist in deinem Leben? Unter die Erde? Da wo sonst niemand hin soll. Aber dahin, wo ich Dinge verändern kann in deinem Herzen. Damit du auch zu so einem Menschen wirst mit exponentiellem Wachstum. Für dich und dein Leben, aber auch für die Menschen in deinem Umfeld?
4. Passionszeit – Vorbereitung für das Wunder von Ostern:
In der Passionszeit stehen wir vor der Frage: Was muss in unserem Leben „sterben“, damit neues Leben wachsen kann? Vielleicht gibt es in deinem Leben etwas, das du loslassen musst – Ängste, schlechte Gewohnheiten, falsche Vorstellungen von dir selbst oder anderen.
Dann ist das heute eine Einladung, uns darauf vorzubereiten, uns von Gott verändern zu lassen, damit wir wie das Weizenkorn Frucht bringen können. Der Tod Jesu ist nicht das Ende, sondern der Anfang eines neuen, unvorstellbaren Lebens, das für uns alle möglich wird. Ostern erinnert uns daran, dass nach der Dunkelheit des Kreuzes immer das Licht der Auferstehung kommt – und dieses Licht bringt exponentielles Wachstum für unser Leben.
Amen.
Beim Säen und Ernten macht man sich manchmal die Hände schmutzig. Das gilt auch, wenn wir für das Reich Gottes arbeiten, damit dort die Ernte größer wird.
Das lassen wir jetzt ganz konkret werden: Ich habe hinten einen Malerfließ ausgelegt und lade euch ein, dass ihr euch ein kleines Töpfchen mit Erde füllt und ein paar Kressesamen einfüllt. In den nächsten Tagen dann ab und zu ein bisschen gießen. Es braucht gar nicht viel und aus den Körnern wächst eine Pflanze. Aus dem Tod ins Leben und schmecken tut es auch noch gut!
Aktion im Anschluss: Gemeinsam Kresse säen
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