Gebet im Kloster – ein ErfahrungsberichtGebet im Kloster – ein Erfahrungsbericht

Gebet im Kloster - ein Erfahrungsbericht

Hintergrund/ Grundsatz

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 20-40 Min. (Vorbereitung: 10-15 Min.)
Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene, Teens (12-16 Jahre)
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde
Redaktion: echt.

Mit Ideen zur Umsetzung in der Gruppe

„Siebenmal am Tag singe ich dein Lob und nachts stehe ich auf, um dich zu preisen.“
(Ps 119,62.164)

Diese Bibelstelle ist der Ursprung klösterlicher Stundengebete. Als ich in Frankreich zwei Jahre lang in einem Kloster gelebt habe, habe ich zweimal am Tag, morgens und abends, diese Stundengebete miterlebt. Diese Art von Gebet, ein gemeinsames Singen, Beten, Rezitieren von Psalmen und Hymnen, Meditieren und vor Gott Kommen zu einer bestimmten Stunde am Tag, war für mich etwas völlig Neues. Ganz zu Anfang war mir diese Art des Betens so fremd, dass mich die Überforderung davon abgehalten hat, ruhig zu werden und Gott zu spüren. Ich konnte mich nicht wirklich darauf einlassen. Ich konnte nicht verstehen, warum man sich unbedingt zu bestimmten Uhrzeiten trifft, die manches Mal so gar nicht in den geplanten Tagesablauf passen oder mich in einem Moment erwischen, in dem ich gerade vielleicht lieber allein wäre. Der Blick auf die Uhr löste so einige Male Stress in mir aus, meine noch nicht beendete Arbeit jetzt sofort liegen lassen zu müssen, um so noch pünktlich in der Kapelle zu erscheinen. Ebenso war mein Anspruch hoch, zeitgleich innerlich ruhig zu werden und sofort in „Gebetsstimmung“ zu sein. Als Nicht-Mitglied des Ordens war ich nicht dazu verpflichtet, an den Gebeten teilzunehmen. Ich hätte für mich einfach beschließen können, dass dies nicht mein Weg ist, mit Gott zu kommunizieren. Doch auch wenn ich noch nicht wusste, was genau es war, habe ich gespürt, dass diese Gebete mich angesprochen und innerlich aufgewühlt haben. Es hat mir einen neuen Raum eröffnet, mit Gott in Kontakt zu treten, und ihn noch einmal auf eine andere Art und Weise und auch in einer anderen Intensität in meinem alltäglichen Leben zu spüren.

Je länger ich diesen Rhythmus mitgelebt habe, je öfter ich in die Kapelle geeilt bin und Arbeit liegen geblieben ist, je öfter ich mich nicht in Stimmung gefühlt habe und es trotzdem auf einen Versuch habe ankommen lassen, desto routinierter wurde ich. Und damit meine ich nicht, dass mein Gebet in irgendeiner Weise zu einer Routine geworden ist, die nur noch nach Schema F abgespielt werden musste. Ich habe verstanden, dass es absolut Sinn macht, in der vielleicht im ersten Moment am unpassendsten erscheinenden Zeit die Arbeit zu unterbrechen, innezuhalten und sich Gott hinzuwenden. Denn Gott begleitet mich durch meinen Tag, er ist bei mir. Aber solange ich in andere Dinge vertieft bin, die wichtiger erscheinen als meine eigenen Bedürfnisse, wird es gerade im Arbeitsleben immer Wichtigeres geben, das mich daran hindert, mir Zeit für mich und Gott zu nehmen. Durch diese Unterbrechungen konnte ich meinem Tag einen ganz neuen Rhythmus geben. Vor allem bin ich morgens geerdeter und in mir ruhiger in den Arbeitstag gestartet. Das morgendliche Gebet hat mir Kraft für den Tag gegeben und mich daran erinnert, wenn ich es mal vergessen habe, dass Gott mich durch meinen Tag begleitet, dass Er an meiner Seite ist.

Und irgendwann war ich glücklich, durch das Gebet am Abend gezwungen zu sein, die Arbeit für den heutigen Tag zu beenden und nun Zeit für die wirklich wichtigen Dinge meines Lebens zu haben. Natürlich gab es auch dann Tage, an denen ich mich in der Kapelle völlig fehl am Platz gefühlt habe, weil mir gerade nach allem anderen zu Mute war, als mich zu sammeln und mit Gott zu reden. Oder es tobte etwas in mir, so dass ich gerade eigentlich nicht auf meditative und ruhige Art und Weise mit Ihm sprechen wollte, sondern am liebsten laut rausgeschrien hätte, was mich bewegt. An manchen Tagen bin ich so vielleicht auch aufgewühlter oder wütender aus dem Gebet gegangen, als ich die Kapelle betreten hatte, aber das kennen wir wahrscheinlich alle. Gebet klappt eben nicht immer auf Knopfdruck. So wie ein Gespräch mit einem guten Freund auch mal schiefgehen kann, weil man sich missversteht, sich nicht richtig darauf einlassen kann oder mit den Gedanken einfach gerade ganz woanders ist, so ging es mir auch manchmal in der Kapelle. An anderen Tagen war ich sehr froh darum, dass mir die Worte durch die mitbetenden Schwestern abgenommen und ausgesprochen wurden, wenn mir die Worte fehlten. Auch dieses Miteinander, die Gemeinschaft, die im Kloster herrscht, nicht allein zu sein und durch das gemeinsame Gebet in Gottes Gegenwart aneinander Anteil zu haben und zu geben und auch Belastendes nicht allein aushalten zu müssen, ist mir in diesen Momenten viel deutlicher und wertvoller geworden.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland, in ein Leben außerhalb von Klostermauern, ist mir erst so richtig bewusst geworden, wie wichtig mir die Stundengebete inzwischen geworden sind, wie sehr sie meinen Tag strukturiert und geprägt haben, und welches Bewusstsein sie in mir geschaffen haben. Die Stundengebete haben für mich trotz allem nicht das eigene, stille und persönliche Gebet ersetzt. Oft habe ich frühmorgens, vor allem aber spätabends, wenn ich mir sicher sein konnte, dass mir außer der Oberschwester auf ihrem abendlichen Rundgang niemand mehr begegnen würde, noch einmal in der Kapelle gesessen. So schön die Stundengebete auch waren, brauchte ich auch Zeit, in der ich mich mit meinen ganz persönlichen Anliegen und auf meine eigene Art und Weise an Gott wenden konnte. Mit meinen eigenen Worten, in meinem eigenen Tempo, zu der Zeit, zu der ich etwas zu sagen hatte.

Ideen für die Umsetzung in der Gruppe:

A. J. Gordon sagte sinngemäß einmal Folgendes: „Du kannst mehr tun als beten, WENN du gebetet hast, aber du kannst nie mehr tun als beten, BEVOR du gebetet hast.“

Glauben wir das? Und wenn nicht, was hindert uns?

Sprecht gerne miteinander:

  • Was bedeutet Gebet für DICH?
  • Wie betet ihr am liebsten?
  • Was könnt ihr empfehlen?

PS: Betet doch zum Abschluss DAS Gebet (Vater Unser ;)).

  • Autor / Autorin: Erfahrungsbericht aus dem Kloster von: Chiara Heyer
  • Autor / Autorin: Ideen für die Umsetzung in der Gruppe: Stine Ariane
  • © Deutscher EC-Verband