70x 7x / Die Herausforderung der Vergebung

Einheit | Bibelarbeit
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70x 7x / Die Herausforderung der Vergebung

Enthalten in:
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Teens (12-16 Jahre), Junge Erwachsene (18+)
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Verband: Deutscher EC-Verband
Redaktion: TEC:
Zeitbedarf: 60-80 Min. (Vorbereitung: 30-40 Min.)
Bibelstelle: Matthäus 18,21-35 anzeigen
Bibelstelle
Matthäus 18,21-18,35

Von der Vergebung (Der Schalksknecht)

21Da trat Petrus hinzu und sprach zu ihm: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Ist’s genug siebenmal? 22Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.

23Darum gleicht das Himmelreich einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. 24Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner Silber schuldig. 25Da er’s nun nicht bezahlen konnte, befahl der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und zu zahlen. 26Da fiel der Knecht nieder und flehte ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s alles bezahlen. 27Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht und ließ ihn frei und die Schuld erließ er ihm auch.

28Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach: Bezahle, was du schuldig bist! 29Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir’s bezahlen. 30Er wollte aber nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war.

31Als nun seine Mitknechte das sahen, wurden sie sehr betrübt und kamen und brachten bei ihrem Herrn alles vor, was sich begeben hatte. 32Da befahl ihn sein Herr zu sich und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast; 33hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt habe? 34Und sein Herr wurde zornig und überantwortete ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte, was er schuldig war.

35So wird auch mein himmlischer Vater an euch tun, wenn ihr nicht von Herzen vergebt, ein jeder seinem Bruder.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

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1. Zielgedanke

Vergebung erleben, leben und weitergeben, um bereit zu leben!

2. Methodik für die Gruppe

2.1 Einstieg

Lest gemeinsam den Bibeltext laut vor!

2.2 Hauptteil

Starte mit einem Impuls, der immer wieder durch (Inter)Aktionen unterbrochen ist!

70x 7x Unmöglich

70x 7x bedeutet insgesamt 490-mal. Eine Angabe, die deutlich macht, dass man beim Vergeben nicht aufrechnen kann. Oder hast du schon mal jemandem 490-mal vergeben?

Interaktion: 

Wo gibst du jemandem die Schuld? Wo hört Vergebung bei dir auf?

Ich finde das total nachvollziehbar, aber damit wäre es eigentlich überhaupt gar keine Vergebung, sondern eher aufgeschoben, aber nie und nimmer aufgehoben. Darum geht es aber, die Entlastung, dass die Schuld tatsächlich KEINE Bedeutung mehr hat. Nicht in Beliebigkeit, alles ist egal, sondern in Liebe, Nächstenliebe, weil wir alle auf die Vergebung Gottes angewiesen sind. Wir auch!

Das Verhältnis der Beträge im Text ist ca. 30 Millionen zu 100€. 30 Millionen€ Schulden wären für mich niemals im Leben zu bezahlen.

Beispiel: Haus und Arbeiter in Indien

Wenn ich ein Haus im Wert von 300.000 Euro besitzen möchte, und mir die Bank sagt, dass das so in Ordnung ist, mir das Geld sogar schenkt und ich nichts mehr zurückzahlen muss, dann ist es schon krass. Stellen wir uns vor, wir würden danach jemandem begegnen, der uns einen Euro schuldet. Wir wissen eigentlich genau, dass er uns das Geld nicht zahlen kann, weil er einfach arm ist. Trotzdem würden wir das Geld einfordern. Dann wäre das doch eine verkehrte Welt. Wer so viel geschenkt bzw. vergeben bekommen hat, der kann doch auf einen Euro verzichten, oder? Wir würden sagen: Lass den einen Euro stecken, ist geschenkt. Das ist doch tatsächlich irgendwie selbstverständlich, oder? Ich würde ihn am liebsten noch zum Essen einladen. Klar, ist ja nur ein Euro, aber warum können wir oft genau das nicht: jemandem vergeben, obwohl uns so extrem vergeben wurde?

Wenn ich jetzt ein Arbeiter in Indien bin, der sich verschuldet hat und das mein Leben lang abarbeiten muss, es aber trotzdem nie schaffen werde und meine Kinder diese Schuld noch abarbeiten müssen und vermutlich auch noch ihre Kinder, dann wird klar, wie unmöglich die Schuld zu ertragen ist. Der Kniefall in der Geschichte macht deutlich, wie aussichtslos seine Situation ist. Jetzt gesagt zu bekommen, deine Schuld ist weg, einfach übernommen, ist lebensverändernd. Und dennoch hat er nichts. Er ist vielleicht angewiesen auf die 100 Euro, die ihm jemand schuldet. Jetzt kommt die Spannende Stelle: 100 Euro einfordern oder beschenken, weil man beschenkt ist?

Beispiel: Methaebene

Aus Gottes Perspektive sind die Schuld, die dich quält, und meine Schuld gleich. Die Schuld der beiden in der Bibel ist so weit ausauseinander wie London (7x) und Paris (70x 7x). Jetzt schauen wir uns Paris und London noch mal aus der Perspektive Gottes an. Der Vergleich Maus/Gottes Perspektive ist wohl eher so, als ob ich spucke und treffe weder London noch Paris mit meiner Körperflüssigkeit. Beide Städte sind also genauso weit weg?

70x 7x die Perspektive wechseln

Petrus zählt! Ist aber immerhin bereit, siebenmal zu vergeben. Dennoch vermittelt Jesus hier einen entscheidenden Grundsatz. Einen Lebensstil, den wir durch Jesus leben dürfen.

  • Vergebung gehört an die Stelle von Vergeltung.
  • Aufgehoben an die Stelle von Aufgeschoben!
  • Freiheit an die Stelle von Aufrechnen.
  • Aus Auge um Auge und Zahn für Zahn wird Vergebung. Wir rechnen das nicht mehr auf.
  • Du hast mich beleidigt und jetzt warte ich auf den Moment, es dir mindestens genauso zu tun.

Aktion: 

Drucke diese Satzteile aus und zerreiße sie, um deutlich zu machen, dass sie nicht mehr die Maxime ist.

Jesus wünscht sich von dir und von mir: Im Konflikt, der durchaus hart geführt werden kann, soll/muss, Vergebung als Ziel im Hinterkopf.

Vergebung ist mehr, als die Luft in unserer Lunge. Wir können die Luft nicht endlos anhalten. Wir können nur so Platz für neue Luft schaffen, indem wir ausatmen.  Wenn wir offen sind, anderen zu vergeben, dann werden wir auch offen sein, selbst die Vergebung Gottes zu empfangen. Aber wenn wir uns dafür verschließen, haben wir nicht begriffen, was die Vergebung für uns bedeutet. Irgendetwas stimmt nicht, wenn wir das, was wir empfangen, nicht weitergeben.

Natürlich haben wir bei dem Text sofort den Wunsch, dass die bestrafende Reaktion ausbleibt. Wir wünschen uns, dass Gott sich über das Versagen und das Vergeben hinwegsetzt und sagt: Ist schon gut. Kein Problem. Dabei klingt der Ausgang ganz unfromm, ganz und gar nicht nach Jesu Worten, sogar ganz schön gnadenlos. Aber hier an dieser Stelle wird deutlich, was Gott überhaupt nicht will und was er will.

Gott will sich nicht über unser Versagen, nicht vergeben zu können, hinwegsetzen. Er möchte, dass wir gerade das leben, sein Reich ausbauen, Versöhnung und Vergebung stiften. Wir sollen seine Liebe und Großzügigkeit weitergeben. Damit können wir Gott ähnlich sein, und genau so wollte er es. Wir sind alle Gott ähnlich gemacht. So steht es im Schöpfungsbericht. Wir sind Gott ähnlich. Wir können auch das weitergeben, was Gott uns gibt. Wir dürfen uns untereinander versöhnen, so wie Gott uns Versöhnung anbietet. Wir dürfen sogar unsere Feinde lieben. Klar scheitern wir auch mal daran, aber es ist ein Privileg!

Aktion: 

Sag den Teens in deinem Teenkreis: „Friede sei mit dir“ und ermutige sie, dies auch den anderen zuzusprechen!

70x 7x frei sein und nicht nur deine Welt verändern

Vergebung tut auch dir selber gut – weil du das frei gibst und abgibst! Du gibst ab, was dich sonst beherrscht, begrenzt, beschäftigt, dir zu schaffen macht, du aufrechnest, du dich an Dingen festhältst, die am Ende nicht so wichtig sind und die dir nicht guttun.

Vergebung tut gut. Dir und dem anderen.

Aber ich blockiere mich, will knarzig sein. Das schadet vor allem mir und natürlich auch dem anderen. Vergebung räumt die Altlasten aus dem Weg.

Manchmal verhindern wir, bewusst oder auch unbewusst, dass Gott sich und sein Reich in unserer Welt ausbreitet. Dabei beklagen wir uns immer als Erstes, wenn etwas ungerecht ist oder warum Gott das Leid zulässt.

Und die Frage verstehe ich, wir haben dennoch die Chance das auch mitzugestalten und aus dem Vollen zu geben. Wir können Frieden erleben zwischen Gott und uns, Frieden stiften zwischen uns und unseren Freunden, Bekannten, Verwandten, Nachbarn, Mitschülern, Arbeitskollegen und sogar Feinden.

Denn da wo die empfangene Vergebung nicht wirklich gelebt wird, da geht sie an Nichtverwendung ein und wird erstickt.

Das Entscheidende ist nicht, dass Gott mir vergibt. Das ist auch wichtig, vielleicht der Ursprung. Das Entscheidende ist, dass das wir Gottes Reich ausbauen. Da gehörst du mit deinem Leben genauso dazu wie der andere. Jesus wünscht sich von uns, dass wir sein Geschenk annehmen und es unser ganzes Verhalten prägt.

7×70: Er meinte damit natürlich nicht, dass wir nach dem vierhunderneunzigsten Mal aufhören sollen. 7×70, das meint:

  • immer,
  • jederzeit,
  • unbegrenzt.

Jesus ist auferstanden. Das ist einmal geschehen und gilt seitdem bis in Ewigkeit. Lasst uns die Welt prägen mit einer Hoffnung, die sich nicht totkriegen lässt!

Jedes Mal, wenn wir jemandem vergeben, geben wir einen Atemzug von der Luft, die wir in der Lunge haben oder einen Wassertropfen aus einem überlaufenden Eimer voll mit Wasser ab. 

Aktion:

Wassereimer füllen und das, was überläuft, in die Gruppe schleudern!

Dabei ist mir noch eins wichtig:

Wir sollen beim Vergeben und bei der gelebten Nächstenliebe nicht zu Opfern werden, die alles hinnehmen! Die entscheidende Frage ist, ob die Nächstenliebe und dein Vergeben etwas Gutes bewirkt hat? Oder wird nur Schlechtes kompensiert?

Eine bewusste Auseinandersetzung mit der Nächstenliebe zeigt: Nächstenliebe, da gehört die Vergebung für mich als zentraler Begriff rein, hat eine nachhaltige Wirkung!

Es ist nicht wischi waschi, kein Freifahrtschein, sondern Aufopferung pur.

Ehrlichkeit und Konfrontation sind Bestandteile der Nächstenliebe und können auch Bestandteile der Vergebung sein! Dabei geht es nicht darum aufzurechnen oder jemandem doch noch einen Seitenhieb mitzugeben.

Reife Nächstenliebe, will Versöhnung nachhaltig und nicht nur kurzfristig. Jesus liebt dich trotzdem. Wir dürfen nicht die Augen vor der Verantwortung verschließen! Gleichzeitig dürfen wir liebevoll Angst nehmen und nicht schüren! Das ist konfrontative Nächstenliebe, die zur Versöhnung führt!

Jesus reagiert nicht aus persönlicher Verletzung, er lässt aber auch nicht einfach alles stehen. Er vergibt unbegrenzt, weit mehr als 7x70x also 490-mal und hat bei seiner Nächstenliebe immer die Vergebung im Sinn. Er ist auch mal konfrontativ, aber mit guter Absicht. Er hat das Ziel der Vergebung im Hinterkopf. Unter diesen Vorzeichen können wir Jesu Gleichnis viel besser verstehen.

Jesus lebt konfrontative Liebe vor! Es gibt Momente, wo er ganz zart und liebevoll ist, und Momente, wo er liebevolle Streitbarkeit lebt. Jesus wünscht sich, dass wir die Vergebung, die wir empfangen, weitergeben, damit sein Reich bauen und die Welt ein bisschen besser machen.

Amen

2.3 Abschluss in Kleingruppen

Aktion: Abgeben

Vorbereitung:

Jeder Teilnehmer besorgt sich einen Stein (z. B. kleine Kieselsteine) und steckt ihn z. B. in seine Hosentasche.

 Durchführung:

In einer ersten Phase denken alle darüber nach, wo und an wem sie schuldig werden. Was macht mir Sorgen? Was fällt mir gerade schwer? Was macht mich traurig? Wo kann ich nicht loslassen? Wo kann ich nicht vergeben? Wo kann ich Vergebung nicht annehmen? Wo bin ich blockiert?

Dann können alle, die wollen, ihren Stein nehmen und ihn in die Mitte ablegen. Damit nennen sie Gott die „schweren Momente“ in ihrem Leben.

Wer mag, kann beim Ablegen des Steins den anderen mitteilen, welche Last er jetzt bei Gott ablegen möchte.

Ließ nochmal den Text aus Matthäus 18, 21-35

Fragen für ein Gespräch in kleinen Gruppen:

  • Wo hast du eine Frage zum Text? Was gefällt dir? Was stößt bei dir auf?
  • Was ist dir aus der Predigt hängen geblieben?
  • Wofür würdest du Schulden machen?
  • Wo erlebst du Ungerechtigkeit?
  • In welcher Situation fällt es dir schwer, nicht nach dem Motto „Auge um Auge“ zu denken?
  • Wo hast du in deinem Leben noch keine Versöhnung erlebt?

Abschlussaktion:

Vergeben leben (SMS schreiben, anrufen, Brief schreiben, persönliches Gespräch, …)

Wir möchten dich einladen, zum Abschluss Vergebung zu leben und das, was du von Gott empfangen hast, weiterzugeben, im Überfluss. Daher überlege dir jetzt eine Person, der du ihre Schuld erlassen möchtest. Schreibe ihr einen Brief oder eine SMS. Verabrede dich mit ihr für ein klärendes Gespräch, ruf sie an.

Bevor ihr das macht, möchte ich noch beten und die Kleingruppenphase schließen, damit ihr dann Zeit habt die Aktion durchzuführen, ohne dass wir hier noch mal einen Abschluss machen.

  • Autor / Autorin: lelowi
  • © Deutscher EC-Verband
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