Alles neu – eine göttliche Verheißung

Einheit | Hintergrund/ Grundsatz
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Alles neu – eine göttliche Verheißung

Enthalten in:
Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene, Mitarbeitende
Einsatzgebiete: Gottesdienst, Gruppenstunde, Predigtvorbereitung
Verband: Praxisverlag buch+musik bm gGmbH
Redaktion: Jugendgottesdienstmaterial
Zeitbedarf: - Min.
Bibelstelle: Offenbarung 21,5 anzeigen
Bibelstelle
Offenbarung 21,5

5Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!

Lutherbibel 2017, © Deutsche Bibelgesellschaft

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Eine Auslegung der Jahreslosung 2026

Auslegung

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! 
Καὶ εἶπεν ὁ καθήμενος ἐπὶ τῷ θρόνῳ· ἰδοὺ καινὰ ποιῶ πάντα (Novum Testamentum Graece) 
Der auf dem Thron saß, sagte: „Ich mache alles neu.“ (Basisbibel)  
Dann sagte der, der auf dem Thron saß: „Gebt acht, jetzt mache ich alles neu!“ (Gute Nachricht Bibel) 
Er, der auf dem Thron saß, sprach: „Seht, ich mache alles neu.“ (Einheitsübersetzung) 
Der auf dem Thron saß, sagte: „Sieh doch, ich mache alles neu!“ (Hoffnung für alle) 
Et dixit qui sedebat un throno ecce nova facio omnia. (Biblia Sacra Vulgata) 
And he that sat upon the throne said: “Behold, I make all things new.“ (King James Version)

Aller guten Dinge sind drei

Schon wieder dieses Wörtchen „alles“. Auch die Jahreslosung für 2026 beinhaltet wieder dieses kleine Wörtchen mit der großen Bedeutung. Nach „Alles in Liebe“ (2024) und „Prüft alles“ (2025) nun also „alles neu“. Dabei gehören die drei Jahreslosungen durchaus zusammen: Wenn die Grundlage allen Tuns die Liebe ist, dann kann man auch alles einmal auf den Prüfstand stellen. Trotzdem bleiben diese beiden ersten Schritte stets unvollendet ohne diese dritte ­Jahreslosung, die verheißt: „Alles wird neu!“

Legte die Jahreslosung 2025 noch nahOb das nun absichtlich war oder nicht, es ist ein passender Dreischritt für die Jahre 2024–2026. Ob das etwas mit der aktuellen Kirchenlage zu tun hat oder nicht, ob das Zufall war oder nicht, das vermag ich nicht zu beurteilen. Klar ist nur: Über dem Jahr 2026 steht dieses Verheißungswort Gottes. Eine Verheißung für unser Leben, für unsere Gemeinden und für unsere Welt. Weil Gott verspricht, dass er eben nicht nur ein paar Dinge, sondern alles neu machen wird.

Die Offenbarung: Apokalypse Now!

Die Jahreslosung stammt aus dem Buch der Offenbarung. Dieses Buch ist das letzte Buch in der Bibel. Darin bekommt der Seher Johannes einen exklusiven Einblick in die himmlische Realität und den himmlischen Gottesdienst. Er bekommt Einblicke in den Thronsaal Gottes. Und ihm wird das Ende der Welt gezeigt. Dabei sieht er, wie Jesus seine Herrschaft aufrichtet und in diesem Zuge massiven Gegenwind erhält. Denn das Böse schart ebenso seine Anhänger um sich. Schließlich kommt es zur Vernichtung alles Bösen, bevor Gott ein für allemal sein Reich aufrichtet und das ewige Reich Gottes anbricht, in dem es ­keinerlei Leid mehr geben wird.

Die Offenbarung wird als apokalyptische Schrift eingeordnet. Der griechische Name der Offenbarung ist sogar Apokalypse. Dieses Wort kommt vom griechischen Wort apokaluptō und bedeutet „enthüllen“. Apokalypse meint also, dass eine verborgene Realität – nämlich die des Himmels – enthüllt wird.

Es gab im Judentum mehrere solcher Schriften, in denen einer berühmten biblischen Person Zugang zur himmlischen Welt gewährt wird. In der damaligen Zeit war bspw. die Himmelsreise des Henoch weit verbreitet. Die Offenbarung ist jedoch die einzige apokalyptische Schrift im neutestamentlichen Kanon.

Das Update – Jesus Christ 1.1

Das Buch der Offenbarung zeigt uns einen ganz anderen Jesus Christus als die Evangelien. Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zeigen Jesus als Menschen, der hungrig ist, der weint, der leidet und stirbt. Die Offenbarung stellt den auferstandenen und erhöhten Christus vor Augen, der in Macht und Herrlichkeit eingesetzten ist:

„Sein Kopf und seine Haare waren weiß wie weiße Wolle, ja wie Schnee. Seine Augen glichen lodernden Flammen. Seine Füße glänzten wie Golderz, das im Schmelzofen glüht. Seine Stimme klang wie das Tosen von Wassermassen. In seiner rechten Hand hatte er sieben Sterne und aus seinem Mund kam ein doppelschneidiges, scharfes Schwert. Sein Gesicht leuchtete so hell, wie die Sonne zur Mittagszeit“ (Offb 1,14-16 BB).

Dieser Jesus Christus wird als der Urheber der Offenbarung bezeugt. Er offenbart seinen Dienerinnen und Dienern, was zukünftig geschehen wird (vgl. Offb 1,1).

Der perfekte Abschluss

Somit ist die Offenbarung ein perfekter Abschluss des biblischen Kanons. Denn indem sie beschreibt, wie die Welt zu Ende geht und das neue Reich Gottes anbricht, schließt sie den biblischen Erzählbogen.

Angefangen beim Buch Genesis, das von der Schöpfung der Welt erzählt und davon, wie das Böse in die Welt kommt, erzählt die Offenbarung von der Vernichtung des Bösen und der Neuschöpfung der Welt durch das Wirken Gottes.

Somit spannt sich ein heilsgeschichtlicher Bogen vom ersten bis zum letzten Buch der Bibel. Und zwischen den Buchdeckeln der Bibel findet sich sozusagen die komplette Weltgeschichte.

Wer war eigentlich dieser Johannes?

Es gibt verschiedene Ansichten darüber, um wen es sich beim Empfänger der Offenbarung handelt. Die Offenbarung gibt keine nähere Auskunft, ob es sich bei Johannes um den Jünger Jesu handelt oder nicht.

Klar ist: Es ist ein Johannes, der aufgrund seines Glaubens und seiner Lehre auf die Insel Patmos in Griechenland verbannt wurde. Er selbst nennt sich „euer Bruder“ (Offb 1,9). Dort, in der Abgeschiedenheit der Insel, begegnet er dem auferstandenen Christus und empfängt von ihm das Buch der Offenbarung, bzw. er muss alles aufschreiben, was er sieht (Offb 1,19).

In der altkirchlichen Tradition glaubte man, dass es sich bei Johannes tatsächlich um den Jünger Jesu handelt, den Sohn des Zebedäus, der uns auch in den Berichten der vier Evangelien begegnet. Da das Buch der Offenbarung erst am Ende des 1. Jh. nach Christus auftaucht, wird diese Behauptung oft angezweifelt, da Johannes sonst sehr alt geworden wäre. Viele Theologen gehen davon aus, dass die Offenbarung aus der sog. „johanneischen Schule“ stammt. Das bedeutet, dass sie davon ausgehen, dass die Offenbarung von einem Kreis von Theologinnen und Theologen verfasst wurde, die ihre Schriften ganz im Sinne von Johannes verfasst haben.

Wer war dann der Verfasser, was war sein Hintergrund? Darüber lässt sich nur mutmaßen. Er selbst bezeichnet sich als Mitarbeiter Jesu. Und vielleicht hat er als gläubiger Christ unter der Verfolgung durch den römischen Staat gelitten und geliebte Menschen und Mitchristinnen und Mitchristen leiden und sterben sehen. Möglicherweise war er selbst römischer Staatsbürger und entging deshalb der Hinrichtung, kam aber ins Gefängnis auf die Insel Patmos. Dort hatte er, der in der Tradition auch als „Seher von Patmos“ bezeichnet wird, Visionen. Darin sah er, wie sich Gott der Seinen annimmt und in seinem Plan die gesamte ­Schöpfung zu einem guten Ziel führt.

Fakt ist: Man weiß es nicht genau, wer der Verfasser war. Und trotzdem wirken seine Worte. Sie haben den Menschen damals – und denen nach ihnen bis heute – Hoffnung gegeben, dass Erlösung, Veränderung, Transformation möglich ist. Denn Gott verspricht darin: „Ich mache alles neu“. Was in Kreuz und Auferstehung, an Karfreitag und Ostern begann, ist allen, die daran glauben, verheißen.

Sieben auf einen Streich

Gleich sieben Gemeinden sind als Adressaten der Offenbarung auszumachen: Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea (Offb 1,11). Alle diese Orte liegen im Gebiet der heutigen Türkei. Johannes (auch wenn die Verfasserschaft nicht endgültig geklärt werden kann, wird, um der Lesbarkeit willen, der Name Johannes für den Autor der Offenbarung verwendet) wird von Jesus selbst beauftragt, die Offenbarung an diese sieben Orte zu schicken. Und nicht nur das, sondern jede Gemeinde bekommt ein eigenes „Sendschreiben“ vom auferstandenen Christus (Offb 2-3). Sozusagen ein direktes „Feedback vom Chef“, wie sich die Gemeinde so macht.

Diese sieben Sendschreiben enthalten sowohl Lob für einige Gemeinden, die sich im Glauben bewährt haben, aber sie legen auch den Finger in die Wunde, wo es nicht gut läuft. Sie sparen keineswegs mit Kritik. Letztendlich sind alle Gemeinden aufgerufen, an ihrem Glauben an den auferstandenen Jesus ­Christus festzuhalten.

Die Offenbarung soll den sieben Gemeinden in einer schwierigen Zeit Hoffnung machen und die Gemeindemitglieder trösten. Die Zeit der Verfolgung und des Todes wird vorübergehen. Gott wird Gericht halten und am Ende alles Böse vernichten. Sein Reich wird anbrechen. Das ist eine zentrale Botschaft der Offenbarung.

Verstehst du auch, was du da liest?

Die Offenbarung ist ein Buch, das anders gelesen werden muss als z. B. die Evangelien. Denn das Geschehen spielt sich eben nicht auf der Erde ab und an Orten, die uns bekannt sind. Sondern die meiste Zeit beschreibt sie das Geschehen im Himmel. Einem Ort, von dem wir zwar viele Vorstellungen haben, der uns aber nicht wirklich bekannt ist. Das macht die Auslegung und das Verständnis des Buches so herausfordernd.

Es gibt sehr interessante, teils chaotische und durchaus verwirrende Einblicke und Abschnitte: Da sind Wesen, die man sich nur schwer vorstellen kann, wie z. B. ein Lamm mit sieben Hörnern und sieben Augen (Offb 5,6). Da wird über Orte gesprochen, die zwar bekannt sind, aber ziemlich sicher nicht wirklich gemeint sind, wie z. B. Babylon (Offb 18 f.). Dazu gibt es Drachen, Panther, ganz viele Engel, himmlische Schlachten, die vier apokalyptischen Reiter, den Thron Gottes, ein Buch mit sieben Siegeln, Gläubige und Ungläubige, den feurigen Abgrund, das neue Jerusalem und noch ganz viel mehr. Klingt fast wie ein ­ziemlich abgefahrener Fantasyroman.

Damit soll keineswegs behauptet werden, dass wir die Offenbarung einfach links liegen lassen können, weil es eh niemand verstehen kann. Aber es ist Vorsicht geboten, die geschilderten Bilder für unsere Zeit eindeutig zu interpretieren. Denn voreilige Schlüsse können schnell in die Enge und zu falschen Schlüssen führen.

Ein Beispiel, damit es klarer wird …

Im Buch der Offenbarung gibt es beispielsweise eine Gestalt, die all das verkörpert, was gegen Gottes Willen ist: die sog. „Hure Babylon“. Sie wird bezeichnet als „die Stadt, die an den Wasserläufen liegt“ (Offb 17,1 BB). Diese Beschreibung passt zu Babylon, der Stadt im heutigen Irak. Dennoch erscheint sie Johannes in Gestalt einer Frau, die in edle Gewänder gekleidet ist und auf einem abscheulichen Wesen reitet. Auf ihrer Stirn steht geschrieben: „Babylon, die Große, die Mutter aller Huren und aller abscheulichen Dinge auf der Erde“ (Offb 17,5 BB). Sie bringt alle Königreiche zu Fall, die sich mit ihr einlassen und sie wird am Ende der Zeiten von Gott zur Rechenschaft gezogen. Nun gibt es verschiedene Meinungen ­darüber, wie die Beschreibung der Hure Babylon zu deuten ist:

  • Man könnte es wörtlich meinen, dass es sich um die Stadt Babylon handelt, die ja auch schon in Genesis 11 als Stadt beschrieben wird, die sich gegen Gott auflehnt. Also quasi die Gegenspielerin Gottes.
  • Die bekannteste Interpretation lautet, dass es sich bei Babylon eigentlich um die Stadt Rom handelt, die zur Entstehungszeit der Offenbarung das Zentrum der Weltmacht Roms schlechthin war und die Christinnen und Christen unterdrückte und verfolgte. Dazu würde auch die Schilderung passen, dass die Frau das Blut der Zeugen Jesu trinkt (Offb 17,6). Aus Angst vor den römischen Behörden wurde Rom im Text als „Babylon“ bezeichnet, aber eigentlich wussten alle Bescheid, wer wirklich damit gemeint war. Also es handelt sich dabei um eine zeitgebundene Kritik an Rom.
  • Nun könnte aber die Hure Babylon auch als das Geld bzw. „der Mammon“ interpretiert werden. Eine große Versuchung für viele, die aber am Ende alle ins Verderben stürzt, die sich zu stark danach sehnen und sich für es aufopfern, weil es immer zu Ungerechtigkeit führt.
  • Oder sie könnte für die Unzucht und Sittenlosigkeit und den moralischen Verfall stehen, in der die Welt, der Meinung einiger Christinnen und Christen nach, versinkt.
  • Oder sie steht für die neue Bedrohung der künstlichen Intelligenz (KI). Sieht verlockend aus, stürzt aber am Ende alle ins Unglück.

Alle o. g. Interpretationen sind möglich. Alle passen für die jeweiligen Vertreterinnen/Vertreter, aber eben auch nur für sie. Es gibt einfach sehr vielzählige und unterschiedliche Möglichkeiten das Geschehen in der Offenbarung zu interpretieren.

Da passiert es leider, dass konkrete Endzeitvorhersagen getroffen und das Ende der Welt sehr klar, aber auch vorschnell, erkannt wird. Ich würde an dieser Stelle zu großer Vorsicht und Zurückhaltung raten. Den besten Tipp gibt Jesus, wenn er sagt: „Bleibt also wachsam! Denn ihr kennt weder den Tag noch die Stunde, in der der Menschensohn wiederkommt“ (Mt 25,13 BB).

Befehl vom König

Die Jahreslosung stammt aus dem 21. Kapitel der Offenbarung. Wir befinden uns also schon fast am Ende des Buches. Das Böse ist bereits besiegt, die Hochzeit des Lammes ist gefeiert und die neue Welt Gottes bricht nun an (Offb 21,1). Das neue Jerusalem, der Ort der Gegenwart Gottes, kommt aus dem Himmel auf die Erde herab (Offb 21,2 f.). Wir befinden uns also mitten in der Beschreibung der heilvollen Neugestaltung der Welt am Ende aller Zeit. Die Formulierung der Jahreslosung vereinfacht die Autorität des Sprechers. Sie verkürzt es auf: „Gott spricht“. Jedoch heißt es in Offenbarung 21,5: „Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe ich mache alles neu!“ (Lu).

Die Jahreslosung ist keine exakte Übersetzung, sondern eine Interpretation. Sie identifiziert den, „der auf dem Thron saß“, mit Gott. Das ist dem Sinn nach richtig, vereinfacht aber die Interpretation, wer hier spricht, und gibt den Text nicht wörtlich wieder.

Gott wird in der Offenbarung als einer geschildert, der auf dem himmlischen Thron sitzt. Umgeben von Herrlichkeit. Es unterstreicht, dass die folgenden Worte von höchster göttlicher Autorität stammen. Gott sitzt im Chefsessel. Auch der Prophet Jesaja im Alten Testament beschreibt Gott als auf dem Thron sitzend (Jes 6). Der Thron verdeutlicht den königlichen Status Gottes. Er herrscht. Sein Befehl ist zu befolgen. Gott selbst ist in letzter Instanz für sein Reich zuständig. Von seinem Thron aus lenkt er die Geschicke der Welt. Der Thron erhebt ihn auch über andere himmlische Wesen. Die Jahreslosung 2026 kommt also von höchster Stelle.

Eine göttliche Verheißung

Interessanterweise ist die Jahreslosung das erste Wort in der Offenbarung, von dem es ausdrücklich heißt, dass Gott (der Schöpfer und Vater) spricht. Zuvor sprechen Christus, verschiedene Engel, Chöre der Heiligen, usw. Nun kommt eine Ansage von dem, der auf dem Thron sitzt. Und das ist einmal eine ­Verheißung: „Siehe, ich mache alles neu!“

Es ist wieder ein allmächtiges Schöpferwort, so wie am Anfang der Zeit, als Gott sprach: „Es werde Licht!“ (Gen 1,3). Es ist das Wort, das unbedingt geschieht. Weil es Gottes Wort ist, das Wort, das zugleich wirkt, was es spricht. Somit ist es eine Verheißung Gottes. Und indem es gesprochen wird, geschieht es bereits.

Eine Verheißung für die Welt

Diese Worte sind eine Ermutigung für die Welt. Sie verdeutlichen betont die transformative Kraft Gottes. Es ist ein Versprechen der vollständigen Erneuerung und Wiederherstellung der Schöpfung. Dies schließt sowohl die physische Welt als auch die geistliche Realität ein.

An vielen Ecken und Enden sehen wir, wie es mit unserer Welt bergab geht: Klimakrise, Krieg, Naturkatastrophen, Brände, Armut oder Spaltung in der Gesellschaft – es gibt viele Nöte und Probleme auf dieser Welt. Viele Themen, von denen man sagen könnte: „Hier muss sich Grundlegendes ändern.“, oder: „Ein Neustart wäre gut.“

Die Erneuerung umfasst das Ende aller Leiden, allen Schmerzens und des Todes, wie in den vorhergehenden Versen beschrieben (Offb 21,4). Die Jahreslosung verheißt uns: Alle Not, alle Bedrängnis, alles Schlechte, Ungerechte und Böse in der Welt, alle Zustände von Angst, Schrecken, Unterdrückung und Tod können nicht verhindern, dass Gott einmal alles neu machen wird. Zusammengefasst bedeutet das Dreierlei:

  1. Erneuerung und Hoffnung: Offenbarung 21,5 vermittelt die Hoffnung auf eine neue Schöpfung, in der alle gegenwärtigen Leiden überwunden sind. Das ist ein zentraler Gedanke im christlichen Glauben, der die Gläubigen ermutigt, in ihrem Glauben standhaft zu bleiben und auf Erlösung und Erneuerung zu hoffen. Begründet liegt dieser Gedanke im Osterereignis und seiner transformativen Kraft für das Leben der Gläubigen.
  2. Göttliche Autorität: Die Tatsache, dass Gott selbst diese Worte spricht, unterstreicht seine absolute Autorität und Macht, alles neu machen zu können. Es verdeutlicht, dass nichts außerhalb seiner Kontrolle liegt.
  3. Verlässlichkeit der Verheißungen: Die Aufforderung zu Verschriftlichung dieser Worte der Verheißung betont die Wahrheit und Gewissheit dieser Worte und soll, denjenigen, die daran glauben Sicherheit, Gewissheit und Vertrauen in Gott geben.

Denn Gott kann und er wird alles neu machen. Das ist die Hoffnung und die Verheißung für die Welt.

Wie in dem Disney-Klassiker Der König der Löwen: Unter dem schlechten König Scar leidet das Land. Alles Gras, alles Grün scheint geflohen zu sein. Das einst so fruchtbare Land ist unter der schlechten Herrschaft zu einem Ödland verkommen. Als jedoch der neue, der gute König seine Herrschaft antritt, da beginnt es zu regnen. Und aller Tod und alles Böse wird weggespült. Das Land blüht neu auf. So ähnlich stelle ich mir das auch vor, wenn Gott über unserer Welt sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“

Hoch die Hände, Wochenende?

Heißt das, wir können all unsere Bemühungen um Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung, usw. einfach lassen, weil ja am Ende alles neu gemacht wird? So wie ein Kind sagt: „Was soll ich versuchen zu lernen, wie man einen Nagel gerade in die Wand schlägt, wenn es am Ende doch die Mama oder der Papa macht?“

Nein, auf keinen Fall! Denn Gottes Verwandlung der Welt geschieht durch seinen Heiligen Geist. Und dieser Geist ist schon heute am Werk. Die Verwandlung der Erde geschieht nicht erst dann, wenn Gott genug hat und sich lange genug rausgehalten hat. Sondern Gott ist seit Beginn der Welt am Werk, diese durch sein Wort, sein Wirken und die Menschen, die zu ihm gehören, zu verändern.

In der Theologie nennt man das die missio dei, also die „Mission/Sendung Gottes“. Dabei geht es um ein ganzheitliches Verständnis dessen, was Gott auf der Erde tun möchte. Gott will nicht nur „Seelen für den Himmel retten“, sondern er möchte die Welt durch und durch verändern und neu machen. Wir dürfen an seiner Sendung, seiner Mission, Anteil haben. Wir dürfen und sollen mitgestalten. Gott möchte durch uns Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit in dieser Welt verbreiten. Das ist unser Auftrag. Und dabei können wir schon heute erleben, wie Gott Menschen und diese Welt verändert.

Zwei Mal „Aber“

Trotzdem erinnert uns die Jahreslosung an zwei Dinge: Erstens, das das Heil dieser Welt nicht an unserem Einsatz hängt, sondern an Gottes Wirken. Am Ende ist es Gott, der alles schafft und der hinter aller Verwandlung steht.

Zweitens, dass es am Ende aller Zeit nochmal einen qualitativen Sprung benötigt. Also: Die Welt ist nicht am Ziel, wenn die Natur blüht und der CO2-Ausstoß bei null ist. Denn so sehr wir uns auch bemühen, diese Welt in ihrem aktuellen Zustand bleibt vergänglich.

Paulus drückt es im Römerbrief so aus:
„Denn die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen – allerdings nicht durch ihre eigene Schuld. Vielmehr hat es Gott so bestimmt. Damit ist aber eine Hoffnung verbunden: Denn auch die Schöpfung wird befreit werden aus der Sklaverei der Vergänglichkeit. Sie wird ebenfalls zu der Freiheit kommen, die Gottes Kinder in der Herrlichkeit erwartet“ (Röm 8,20-21 BB).
Wenn also Gott alles neu macht, dann wird er sogar die Vergänglichkeit von ­dieser Welt wegnehmen.

Eine Verheißung für dich

Die Jahreslosung ist aber ebenso eine gute Nachricht für uns Menschen. Denn „alles neu“, das wünschen wir Menschen uns vielleicht auch in so manchen Bereichen unseres Lebens. Gerade zum Jahreswechsel haben viele die Hoffnung, dass „jetzt alles anders wird“: Ab jetzt mach ich mehr Sport, übe fleißiger mit meinem Instrument, bin weniger am Handy, besuche meine Oma regelmäßig, usw. Ich kenne nur wenige, die ihre guten Vorsätze das ganze Jahr über durchhalten.

Wir Menschen brauchen genauso ein „Makeover“ wie die restliche Schöpfung. Unser Leben ist auch nicht d as, was es eigentlich sein sollte. Die Bibel nennt das Sünde, die in unserem Leben ist. Die gängige Interpretation, dass Sünden kleine schlechte Taten sind, greift dabei zu kurz. Eine der verschiedenen Bedeutungen von Sünde ist „Zielverfehlung“. Also Sünde verhindert, dass wir das werden, wozu Gott uns geschaffen hat.

Deshalb steht im Zentrum der missio dei das Leben, Sterben und Auferstehen von Jesus Christus. Gott hat seinen Sohn gesandt, um dem Problem der Sünde zu begegnen. Durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung schenkt Gott uns die Lösung für das Problem.

Und wer an Jesus Christus glaubt, der bekommt ein neues Leben geschenkt. Das beginnt schon im Hier und Jetzt. Die Umgestaltung unseres Herzens und unserer Gedanken, die bewirkt Gott schon in diesem Leben. Aber auch nach dem Tod glauben Christinnen und Christen, dass Gott unsere vergänglichen Körper zum unvergänglichen Leben auferwecken wird.

Paulus schreibt: „Gesät wird ein natürlicher Leib. Auferweckt wird aber ein Leib, der vom Geist Gottes geschaffen ist“ (1 Kor 15,44 BB).

Gottes Geist möchte uns schon im hier und heute verändern und uns ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Aber genau so dürfen wir erwarten, nach dem Sterben komplett neu und unvergänglich geschaffen zu werden. Das ist die Hoffnung und Verheißung für uns.

Eine Verheißung für die Kirche

Wenn Gott alles neu macht, was bedeutet das dann für eine (Landes-)Kirche, die aktuell mit ihren Reformen, theologischen Konflikten, fehlenden finanziellen ­Mitteln und zurückgehenden Mitgliederzahlen herausgefordert ist?

Zunächst mal: mit „alles“ ist natürlich auch die Kirche gemeint. Also Gott wird auch die Kirche „neu machen“. Das bedeutet aber nicht, dass er das Dach des maroden Kirchengebäudes repariert.
Es wäre falsch, an einen Punkt in der Zukunft zu denken, an dem Kirche super und attraktiv und unterhaltsam ist. Lasst uns die Jahreslosung doch eher von Gottes Handeln her verstehen: Gott ist jetzt am Werk. In dieser Welt. In seiner Kirche. Und er ist dabei, dass Menschen ihn kennenlernen, dass Menschen Heilung und Gerechtigkeit erfahren. Gott ist schon mitten dabei, seine Kirche zu erneuern.

Wir dürfen nur sein Wirken nicht mit einer Institution verwechseln. Sondern dort, wo Menschen in seinem Namen unterwegs sind und sich für seine „Mission“ ­einsetzen, da ist er durch seinen Geist am Werk.

Die Verheißung, dass er alles neu macht, ermutigt uns dazu, Neues auszuprobieren. Denn vielleicht will Gott ja gerade durch dich etwas Neues schenken.

Eine Verheißung, die garantiert wird

Das klingt jetzt alles super und total schön und stimmig. Trotzdem ändert sich erst einmal nichts an unserer aktuellen Lage. Immer noch treten Menschen aus der Kirche aus, immer noch geschieht – leider auch im Namen der Kirche – viel Unrecht. Also ist doch die Frage berechtigt: „Stimmt das überhaupt?“ Oder ist das nicht doch alles ein frommer Wunsch?

Dazu lesen wir noch den nächsten Vers nach der Jahreslosung. Denn es scheint so, als ob Johannes es auch nicht fassen kann. Er ist völlig perplex, als Gott das sagt, so als könnte er es in der aktuellen Lage gar nicht fassen. Und dann sagt Gott direkt zu Johannes: „Schreib alles auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr“ (Offb 21,5b BB).

Gott bürgt für sein Versprechen. Er stärkt Johannes und sagt: „Du hast dich nicht verhört. So wird es kommen.“

Eine Verheißung, die bei uns beginnt

Wir sind überzeugt, dass Gott einmal alles verwandeln wird. Warum wir das glauben? Weil wir an die Auferstehung Jesu glauben. Gott, der auch den Tod überwunden hat, der kann auch dieser Welt und uns sterblichen Menschen neues Leben schenken. Und er wird diese Welt komplett verändern. Alles wird neu! Wann genau er das macht, wann Jesus wiederkommt und sein Reich aufrichtet, wann alles unvergänglich gemacht wird, das bleibt sein Geheimnis.

Aber wir sind überzeugt, dass wir durch den Glauben schon heute Anteil bekommen an der verändernden Kraft Gottes, dem Heiligen Geist. Gott will unser Leben schon heute neu machen. Und er ist schon heute, in dieser Welt und in allen Krisen dabei, diese Welt nach seinem Willen umzugestalten. Und wir dürfen ein Teil davon sein. Das klingt doch verlockend!

Verwendete Literatur: Nestle, Eberhard / Aland, Kurt / Aland, Barbara: Novum Testamentum Graece, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 282012.

  • Autor / Autorin: Martin Grauer, Matthias Rumm
  • © Dieser Beitrag stammt aus dem Buch/E-Book "Alles neu" zur Jahreslosung 2026 - © 2025 Praxisverlag buch+musik bm gGmbH, Stuttgart - mehr Infos unter www.praxisverlag-bm.de/jugendgottesdienstmaterial
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