Aus der zweiten in die erste Reihe / Wie baue ich einen Nachfolger auf?

Einheit | Hintergrund/ Grundsatz
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Aus der zweiten in die erste Reihe / Wie baue ich einen Nachfolger auf?

Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Teens (12-16 Jahre), Junge Erwachsene (18+)
Einsatzgebiet: Schulung
Verband: Deutscher EC-Verband
Redaktion: TEC:
Zeitbedarf: - Min. (Vorbereitung: - Min.)
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1. Zwei Thesen zur Grundhaltung

These 1: Dass es in vielen unserer Jugendarbeiten nicht vorwärtsgeht, liegt an einem Leitermangel.

Wie in jeder Firma und Institution braucht Jugendarbeit vor Ort einen Leiter bzw. eine Leiterin, der/die für die Arbeit verantwortlich zeichnet. Hier ist nicht eine rein theoretische Leitung gemeint, sondern die hier beschriebene Aufgabe des Leitens ist vielmehr eine Herzensangelegenheit. Nur ein begeisterter und von der Arbeit überzeugter Leiter kann Mitarbeiter fördern und von der Jugendarbeit begeistern.

These 2: Es gibt nicht zu wenige potenzielle Leiter/Leiterinnen in unseren Jugendarbeiten.

Oft sind vorhandene Leiter so auf ihre Aufgabe fixiert (eine Aufgabe kann auch die eigene Abnabelung aus der Jugendarbeit sein), dass sie keinen Blick haben für potenzielle Nachfolger. Ein anderer Grund kann eine sehr starke Prägung der Jugendarbeit durch den vorhandenen Leiter sein, sodass man sich eine andere Person mit anderen Fähigkeiten in der Leiterschaft nicht vorstellen kann.

2. Mitarbeiter begleiten

2.1 Begleiten heißt: mit dem anderen unterwegs sein

Ein Schlüssel der Mitarbeiterbegleitung ist das Interesse an der Person. Wenn sich immer alles nur um die Aufgaben in der Jugendarbeit dreht, dann baue ich mit der Zeit eine persönliche Distanz zu den Mitarbeitern auf. Es fallen Sätze wie: „Immer, wenn du dich meldest, willst du was.“ Persönliches Interesse an der Person selbst ist absolut wichtig. Was beschäftigt mein Gegenüber momentan? Welche Interessen hat er oder sie? Wie steht’s mit dem geistlichen Leben? Nur wer weiß, was sein Gegenüber beschäftigt und bewegt, kann einschätzen, zu was er fähig ist.

2.2 Begleiten heißt: Vertrauen schaffen

Punkt 2.1 und 2.2 sind nur möglich, wenn ein Vertrauensverhältnis besteht.

2.3 Begleiten heißt: Im Gespräch sein

Ludwig Wittgenstein (1889–1951, Philosoph) hat einmal gesagt: „Die Grenzen deiner Sprache sind die Grenzen deiner Welt.“ Begleiten heißt, Raum schaffen für hören und reden. Ein gemeinsamer Austausch zwischen Mitarbeitern ist das A und O einer intakten Mitarbeiter- und Leiterschaft. Hier geht es darum, dass Persönliches, Fachliches und Geistliches offen ausgetauscht werden kann. Nur so weiß man voneinander und kann auch manche Reaktion bzw. Arbeitsweise verstehen. Warum tickt der so? Warum wehrt sie sich gegen eine bestimmte Methode …

2.4 Begleiten heißt: Wesentliche Fragen stellen

Wie oft sind wir fixiert darauf, dass unsere Jugendarbeit so oder so sein müsste, dass man dieses oder jenes von einem Mitarbeiter doch erwarten müsse, dass bestimmte Aktionen und Projekte durchgeführt werden sollten, dass die Jugendarbeit schön und erfüllt wäre, wenn … und hier hat jeder so seine Vorstellungen.

Wir müssen lernen, in unseren Jugendarbeiten unter den Mitarbeitern wesentliche Fragen zu stellen. Warum muss das so sein? Ist das die einzige Alternative?

Wesentliche Fragen sind nicht dazu da, uns zu verunsichern, sondern uns wach zu halten dafür, was in der Jugendarbeit dran ist und wie die einzelnen Mitarbeiter die Situation einschätzen und in ihrer Art und Weise prägen können. Wesentliche Fragen sind nicht die Fragen, auf die man ohnehin immer dieselbe Antwort erwartet, sondern die Fragen, die Ausgangspunkt für eine weiterführende Diskussion sein können.

Wenn man im Gespräch mit Mitarbeitern ist, kann man über Antworten auf solche Fragen ganz oft das Potenzial des Mitarbeiters bzw. der Mitarbeiterin entdecken. Man findet heraus, wie engagiert, wie innovativ, wie geprägt der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin ist.

2.5 Begleiten heißt: Die Beziehung zu Gott lebendig halten

Mitarbeiter- und Leiterschaft funktionieren nur mit einer lebendigen Beziehung zu Gott. Wo gibt es in der Jugendarbeit Möglichkeiten, diese Beziehung gemeinsam als Mitarbeiter zu verlegen und auszubauen? In unserer EC-Jugendarbeit sollte das in Jugendbund bzw. Jugendkreis, Weihestunde passieren. Darüber hinaus finde ich eine persönliche Begleitung von Mitarbeitern, die man sich als zukünftige Leiter vorstellen kann, sehr sinnvoll. Eine Art von geistlichem Mentoring.

Die oben aufgeführten Punkte beziehen sich noch nicht konkret darauf, dass ich einen Nachfolger aufbaue. Aber sie sind wichtig, um potenzielle Leiter zu entdecken. Oft ist es so, dass fähige und begabte Menschen nicht in der ersten Reihe zu finden sind, sondern manchmal auch dahinter. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Mitarbeiter in unseren Jugendarbeiten begleiten, um unseren Blick für das Potenzial und die Fähigkeiten des bzw. der einzelnen zu schärfen.

3. Anforderungsprofil

Um einen Blick dafür zu bekommen, welche Eigenschaften ein Leiter haben sollte, ist folgende Grafik hilfreich.

  Menschlich Geistlich Fachlich  
unverzichtbar einfühlsam (Empathie) authentischer Lebensstil Gitarre spielen
  verantwortungsbewusst   gruppenpädagogische Fähigkeiten
  kritikfähig      
       
wünschenswert Selbstannahme seelsorgerische Kompetenz sportliche Fähigkeiten
       

Diese Tabelle legt keinen Wert auf Vollständigkeit, sondern soll als Beispiel dafür dienen, dass es gut ist, sich zu überlegen, welche Eigenschaften der Arbeit guttun würden. Dabei ist hilfreich, nicht nur darauf zu achten, was man selbst denkt, sondern auch die Meinung anderer einzuholen. Wer sich diese Punkte bewusst gemacht hat, hat es einfacher bei den Überlegungen, wer aus der Mitarbeiterschaft das Zeug dazu hat, eine Leitungsaufgabe zu übernehmen.

Dabei sollte man allerdings auch beachten, dass Menschen sich weiterentwickeln und auch an Aufgaben wachsen können.

4. Praktische Tipps

  • Nach dem Teenkreis mit den Mitarbeitern etwas unternehmen.
  • Gemeinsame Vorbereitungen für die Gruppenstunden.
  • Erfahrungsaustausch.
  • Immer wieder über die Schulter gucken lassen.
  • Kleine Stücke an Verantwortung abgeben.
  • Fachliches und geistliches Vorbild sein.
  • Auf Schulungen schicken und begleiten.

Quellen

Teamentwicklung, Herta Singer und Christine Malcherczyk, Gütersloher Verlagshaus, 2005

  • Autor / Autorin: lelowi
  • © Deutscher EC-Verband
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