Der Klingelbeutel geht um

Einheit | Hintergrund/ Grundsatz
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Der Klingelbeutel geht um

Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppen: Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Verband: Deutscher EC-Verband
Redaktion: echt.
Zeitbedarf: 10-20 Min. (Vorbereitung: 5-10 Min.)
Bibelstelle: Maleachi 3,10 anzeigen
Bibelstelle
Maleachi 3,10

10Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der Herr Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

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5 Fragen zu meinem Spendenverhalten

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mich als Kind wunderte, dass in unserer Kirchengemeinde zweimal Geld eingesammelt wurde. Einmal während dem Gottesdienst mit einem Klingelbeutel, der an einer langen Stange befestigt war und der von den Presbytern geschickt durch die Reihen geschoben wurde und einmal am Ausgang auf einem flachen Holzteller. Und noch mehr wunderte ich mich über das Ergebnis, das dann jeweils einen Sonntag später bekannt gegeben wurde: „Die Sammlung der Kollekte betrug 37 D-Mark und 42 Pfennige, die Sammlung am Ausgang ergab 25 D-Mark und 98 Pfennige.“ Das war viel – viel Kleingeld. Ich erinnere mich aber auch gut an einen Gottesdienst einer internationalen Gemeinde, in der ich einmal predigen durfte. Die Kollekte war Teil des Lobpreisteiles und bei einem Lied durfte die Gemeinde vorne zum Altar kommen und Geld in einen Kasten hineinlegen. Die Pastorin ermutigte die Gemeinde, Gott mit dem anvertrauten Geld zu ehren. Viele Leute kamen nach vorne, klatschend, tanzend und legten ihre Gabe in diesen Behälter. Das war ein Fest. Ich konnte am Ende sehen, dass der Kasten mit vielen Scheinen gut gefüllt war.

Wenn es um das Thema „Geld“ geht, dann geht es an unsere Substanz, ans Eingemachte. Niemand lässt sich gerne ins Portemonnaie greifen und noch weniger lässt man sich vorschreiben, wie man mit seinem Geld umzugehen hat. Und doch hat das Thema „Geld“ auch mit meinem Glauben zu tun. Wenn Jesus der Herr ist, darf er es auch über meine Finanzen sein? Ehrt mein Umgang mit Geld Gott? Wenn ich mit Menschen über Geld spreche, dann höre ich selten „Ich habe genug!“. Häufiger höre ich ein Klagen darüber, wie wenig man im Vergleich zu anderen verdient und wie viel Monat am Ende des Geldes noch vorhanden ist. Und doch: Geld geben ist keine Frage des Kontostandes, sondern des Verstandes. Geld geben, spenden, ist eine Frage des Lebens- und Glaubensstils. Am Umgang mit Geld zeigt sich, was meine inneren Einstellungen sind. Wie verhalte ich mich in anderen Bereichen? Bin ich dort auch großzügig, sparsam oder gar geizig? Durch bestimmte Erfahrungen, Vorbilder und Entscheidungen hat sich mein Umgang mit dem Thema „Geld“ entwickelt.

Weit verbreitet ist die Annahme, dass man als Christ 10% seines Einkommens spenden sollte.
Woher kommt das eigentlich und 10% von was eigentlich: Brutto oder Netto?

Im AT gibt es die berühmte Bibelstelle vom Zehnten: „Bringt aber den Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der Herr Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle.“ (Mal. 3,10) Von daher gibt es die Regel, „den Zehnten“ (also 10%) für Gott zu geben. Dabei gibt es verschiedene Varianten. 3. Mose 27,30-33 spricht davon, dass der Zehnte voll Gott gehört, 5. Mose 14,22-28 spricht davon, dass man den Zehnten vor Gott genießen und ihn teilen soll. Und 2. Mose 25,2 betont die Freiwilligkeit der Gabe. Bei allen Stellen geht es um Naturalien und Besitztümer, so dass sich die Frage von Brutto und Netto nicht stellt. Das war alles Brutto. Wenn jemand 1000 kg Korn als Ertrag hatte, wurden 100 kg dem Tempel (und für die Leviten) zur Verfügung gestellt. Auch stellt sich die Frage nach dem Zehnten im NT nicht mehr, da sie dort nicht aufgenommen wird. Hier werden nicht mehr einzelne Sachen haarklein geregelt. Der Schwerpunkt wird nun darauf gelegt, dass wir unser ganzes Leben nach Gott ausrichten, so dass es ihn ehrt (Kol. 3,1.17). Dazu gehört auch der Umgang mit den Finanzen. Durch Jesus hast du eine ganz neue Freiheit bekommen, so dass du nicht mehr an alte Regeln gekettet bist (Gal. 5,1). Manch einer hätte gerne wieder alles geregelt, darf aber jetzt in Freiheit unter der Leitung des Heiligen Geistes entscheiden, ob er „den Zehnten“, „den Zwanzigsten“ oder „den Fünften“ gibt. Paulus findet allerdings wichtig, Zeichen der Großzügigkeit und nicht des Geizes zu senden (2. Kor. 9,5) und auch er betont, wie so häufig, die Freiwilligkeit (2. Kor. 9,7). 

Ist der Zehnte immer gleich viel (wert)?
Muss ich, wenn ich wenig bekomme, nicht auch weniger geben?

Natürlich gehen da die Summen ganz schön weit auseinander. Wenn du 40 € Taschengeld bekommst, sind 4 € schon ganz schön viel (du denkst an einen leckeren Döner). Wenn du 800 € BAföG bekommst, könntest du die 80 € an anderer Stelle bestimmt auch gut für ein Paar neue Joggingschuhe gebrauchen. Und wenn du dann 2000 € verdienst sind 200 € schon eine ganz schöne Summe (mit der du deine Altersvorsorge aufpeppen könntest). Der Wert, die Summe, ist immer unterschiedlich. Aber der Schmerz kann immer der gleiche sein. Weh können 4 € tun und auch 200 €. Aber genauso kann es eine Freude sein, 2 € zu spenden oder 400 €! Es ist eine Frage der Einstellung und der Entscheidung. Paulus schreibt über die Christen in Mazedonien: „… und obwohl sie sehr arm sind, haben sie doch reichlich gegeben in ihrer Einfalt.“ (2. Kor. 8,2b) In ihrem Herzen waren sie frei. So ist Geben keine Frage des Reichtums, sondern des Herzens. Eine Erfahrung von mir unterstreicht diese Aussage. Als ich noch als Tischler gearbeitet habe, ist mir aufgefallen, dass Menschen, für die wir etwas in ihrer Sozialwohnung gemacht haben, mehr Trinkgeld gegeben haben, als Reiche, die in ihrer Villa wohnten.-  Obwohl die einfachen Leute die fünf Mark für etwas anderes gut hätten gebrauchen können. So ist Spenden, Teilen und Geben keine Frage von „muss“, sondern eine Frage von „darf“. Hilfreich finde ich, nicht von dem Geld abzugeben, dass ich am Ende des Monats übrig habe, sondern am Anfang des Monats zu geben, was ich mir vorgenommen habe.

Ist die Kirchensteuer im Zehnten schon inbegriffen? Kann ich die von meiner Spende dann einfach abziehen?

In Deutschland ist es üblich, dass bei Kirchenmitgliedern 9% der Einkommenssteuer als Kirchensteuer gezahlt werden. D. h, wer keine Einkommenssteuer zahlt, zahlt auch keine Kirchensteuer. Für die meisten Jugendlichen und Studenten sind Kirchensteuern also kein Thema, so dass sie von ihren Spenden nichts abziehen müssen :-). Wer aber z. B. als lediger Mensch 2000 € monatlich Brutto verdient, zahlt 18,32 € Kirchensteuer im Monat (siehe z. B. www.kirchenfinanzen.de). Das ändert sich, je nachdem, ob man verheiratet ist und/oder Kinder hat und ob man unter oder über bestimmten Steuergrenzen liegt.

Natürlich gibt es die Leute, die in die Kirche gehen und gar nichts in den Klingelbeutel tun. Sie sagen: „Wieso, ich zahl’ doch Kirchensteuern!“ Und damit haben sie grundsätzlich Recht. Eine Kirchengemeinde kann sowieso nicht von dem Kleingeld im Klingelbeutel leben, sondern zehrt von den Kirchensteuer-Einnahmen, die im Prinzip ein „Solidarbeitrag“ sind. Anders sieht es bei Ev. Gemeinschaften (LKGs) , ECs oder Freikirchen aus, die sich selber finanzieren müssen. Die könnten nicht von freiwillig bezahlten 9% der Einkommensteuer (über)leben. Man muss also unterscheiden, zu welcher Kirche oder Gemeinde man gehört.

Bist du als Mitglied einer Ev. Gemeinschaft gleichzeitig Mitglied einer Landeskirche, zahlst Kirchensteuern und spendest auch für deine Gemeinde, dann wäre es völlig legitim, die Kirchensteuern von deinem Spendenbetrag abzuziehen. Aber wie schon dargestellt, finde ich das den falschen Ansatz. Es geht nicht darum, wie viel ich zahlen muss, sondern ob in meinem Leben Geld die Hauptrolle spielt oder ein Mittel ist, das Gott mir anvertraut hat und mit dem ich „haushalten“ darf. Letztlich ist es die Frage, ob Jesus auch Herr über mein Geld ist (zwei herausfordernde Bibelstellen dazu: Mt. 6,24; Lk. 12,48).

Wohin sollte ich meinen Zehnten geben bzw. wie sollte ich da meine Prioritäten setzen?

Gemeinden brauchen Geld. Mission muss leben. Christliche Organisationen sind auf finanzielle Mittel angewiesen. In der Fülle von Möglichkeiten ist es gar nicht so einfach zu prüfen, wohin meine Geldmittel gehen sollen. Grundsätzlich halte ich es für richtig, dass Christen besonders christliche Spendenempfänger im Blick haben. Gemäß dem, was Paulus im Galaterbrief schreibt: „Solange uns noch Zeit bleibt, wollen wir allen Menschen Gutes tun; vor allem aber denen, die mit uns an Jesus Christus glauben.“ (Gal. 6,10, Hfa) Natürlich haben wir alle Menschen im Blick, aber da Menschen ohne Glaubensbezug in der Regel keine bewusst christlichen Werke fördern, sind da besonders Christen gefragt. Wenn man in das NT schaut, sind die Christen für ihren Gemeindealltag aufgekommen und haben dafür gesorgt, dass es finanziell läuft. Das war das Normale und ist auch ein gutes Prinzip heute (2. Kor 8,10ff). Darüber hinaus haben Gemeinden andere Gemeinden unterstützt (1. Kor. 16,1ff) und sich um Missionare gekümmert, oft unter Entbehrungen (Phil. 4,10ff). Denn schon damals war klar: Das Reich Gottes ist größer als die Ortsgemeinde. Gemeinden, Missionen und Werke, die sich selbst finanzieren, sind auf ihre Mitglieder und Freunde angewiesen, die sie unterstützen, da es selten externe Förderer gibt. Und jeder Kassierer wird jubeln, wenn du einen Dauerauftrag einrichtest – egal ob 5, 50 oder 100 €. Denn das ist Geld, mit dem der Kassierer rechnen kann. Manche Gemeinden geben auch 10% von ihrem Etat an Missionen und christliche Organisationen weiter.

Darf ich bei Finanzknappheit auch mal aussetzen mit dem Spenden?

Hier gibt es, wie für die meisten Finanzfragen, im NT keine Regel. Natürlich ist das Stichwort „Finanzknappheit“ ziemlich relativ. Für den einen herrscht gerade Knappheit, weil er sich einen schönen gebrauchten Golf 7 gekauft hat, für den anderen, weil er gerade arbeitslos geworden ist. Wie schon beschrieben, ist es eine ziemlich gute Sache, wenn die Spenden an das Einkommen gekoppelt sind. Natürlich kannst du bei Arbeitslosigkeit den Spendenbetrag anpassen. Natürlich hast du auch die Freiheit, deinen Dauerauftrag zu reduzieren, weil dein Konto durch das Auto jetzt leer ist und du jede Woche für 75 Euro tanken musst. Doch ich persönlich würde nie ganz aufhören, Geld zu geben. Lieber würde ich an anderen Stellen streichen. Ein großes Vorbild ist da für mich die arme Witwe, von der im Markus-Evangelium erzählt wird (Mk. 12,41-44). Jeder hätte es verstanden, dass sie sich von ihrem Geld etwas zu essen kauft, zumindest von dem einen „Scherflein“. Doch sie gibt alles. Sie gibt nicht von ihrem Überfluss, sondern von ihrem Mangel. In guten Zeiten spenden kann jeder, in schlechten Zeiten wird es zu einer Frage des Vertrauens. Ich stelle mir vor, dass die alte Witwe die beiden Münzen nicht mit einem verbissenen Gesicht gespendet hat, sondern mit einem zufriedenen Lächeln. Und ich denke mir: wie frei und reich ist diese Frau!

Grundsätzlich gilt: „Jeder (gebe), wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ (2. Kor 9,7) Und vielleicht schmeißt du, wenn das nächste Mal der Klingelbeutel umgeht, fröhlich einen fetten Schein hinein und freust dich darüber, wie sehr du gesegnet bist.

  • Autor / Autorin: Thomas Koschinski
  • © Deutscher EC-Verband
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