Der Ruf der FreiheitDer Ruf der Freiheit

Einheit: Der Ruf der Freiheit

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 30-60 Min. (Vorbereitung: 10-20 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Redaktion: echt.
Benötigte Materialien: Moderationskarten, Stift(e)
Bibelstelle: Jesaja 61,1-61,6
Jesaja 61,1-61,6

61

Die frohe Botschaft von der kommenden Herrlichkeit

1Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkĂŒndigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; 2zu verkĂŒndigen ein gnĂ€diges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden, 3zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, schöne Kleider statt eines betrĂŒbten Geistes gegeben werden, dass sie genannt werden »BĂ€ume der Gerechtigkeit«, »Pflanzung des Herrn«, ihm zum Preise.

4Sie werden die alten TrĂŒmmer wieder aufbauen und, was vorzeiten zerstört worden ist, wieder aufrichten; sie werden die verwĂŒsteten StĂ€dte erneuern, die von Geschlecht zu Geschlecht zerstört gelegen haben. 5Fremde werden hintreten und eure Herden weiden, und AuslĂ€nder werden eure Ackerleute und WeingĂ€rtner sein. 6Ihr aber sollt Priester des Herrn heißen, und man wird euch Diener unsres Gottes nennen. Ihr werdet der Völker GĂŒter essen und euch ihrer Herrlichkeit rĂŒhmen.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

1. ErklÀrungen zum Text

Die ProphetenbĂŒcher stellen an uns besondere Herausforderungen: Was von dem, was der Prophet sagt, ist nun schon eingetreten und welches Ereignis steht noch aus? Wie ernst soll ich die Aussagen nehmen und wie all die Bilder verstehen? Gehöre ich auch zu den Adressaten oder geht es hier nur um das Volk Israel? Genau diese Spannung bringt auch der Text aus Jesaja mit sich. Gut, dass Jesus zu einem Teil schon klar Stellung bezogen hat:

Vers 1-2a bezieht Jesus in Lukas 4,18-21 klar auf sich und erklĂ€rt, dass diese geniale Botschaft in ihm ihre ErfĂŒllung gefunden hat. Diese Botschaft ist eine befreiende Botschaft. Das gnĂ€dige Jahr unterstreicht dies zusĂ€tzlich. Sehr wahrscheinlich ist es ein Verweis auf das Erlassjahr aus 3. Mose 25,8 ff. Nach dem Mosaischen Gesetz sollten alle 50 Jahre die Sklaven freigelassen und Schulden erlassen werden. Die Verse sind somit eine bewusste Ermutigung fĂŒr alle, die in Gefangenschaft leben, Leid erfahren und trauern. (FĂŒr die Israeliten war dies teils schon durch ihre Befreiung aus der Gefangenschaft und RĂŒckkehr in die Heimat in ErfĂŒllung gegangen.) Der Prophet möchte einen Wandel beim Adressaten bewirken: Der Trauernde soll zum Lobenden werden, die (seelisch) Verletzten zu Gesunden und der Gefangene zum Freien. Es wird deutlich, welche Auswirkung eine so kraftvolle Botschaft auf Menschen haben kann. Sie werden völlig verĂ€ndert, sodass die Botschaft nicht mehr nur eine innere Auswirkung hat. Diese VerĂ€nderung ist auch nach außen deutlich sichtbar. Gehen wir entlang des Textes, fĂ€llt deshalb auf: Anfangs waren die EmpfĂ€nger der guten Botschaft passiv und wurden durch diese verĂ€ndert.

Doch in Vers 4 werden sie aktiv. Die Menschen, die zuvor innerlich verĂ€ndert wurden, fangen an, ihre Umgebung zu verĂ€ndern. Sie machen sich auf und bauen StĂ€dte wieder auf. Das Land, das ĂŒber siebzig Jahre brach lag, wird wieder bebaut. Dieser Aufbau geschah nach der RĂŒckkehr aus Babylon.

In den Versen 5 und 6 vollzieht sich eine Wandlung, da der Prophet die Menschen nun direkt („ihr“) anspricht. Dies unterstreicht die Verheißung der direkten Segenslinie durch das Volk Israel an die Menschheit. Dass Fremde fĂŒr die Israeliten in diesem Zusammenhang arbeiten, kann bitter aufstoßen. Dennoch erhalten sie dadurch Anteil am Segen, der Israel zugesprochen wird und können teilhaben an der Verheißung.

2. Bedeutung fĂŒr heute

Israel wurde befreit und getröstet, doch was hat das alles mit mir heute zu tun? Dadurch, dass Jesus den Text auf sich bezieht wird deutlich, dass es nicht nur um die Befreiung der Israeliten aus der Gefangenschaft und deren RĂŒckkehr nach Israel geht.

Jesus kommt auf die Erde und diese gute Botschaft gilt uns allen: Er, der Sohn Gottes, ĂŒbernimmt unseren Platz und wird von der Vergeltung Gottes getroffen. Dies ist fĂŒr uns RealitĂ€t geworden und Grundlage unseres Glaubens. Die Herausforderung des Textes liegt in der Frage, welche Bedeutung dies fĂŒr uns als Christen hat? Beziehen wir lediglich den Zuspruch (V.1-2a) auf uns, da Jesus nur diese beiden Verse in Lukas 4,18-21 zitiert oder lassen wir uns auch auf die nachfolgenden Verse aus Jesaja ein?

Die ErfĂŒllung der Prophezeiung durch Jesus hat fĂŒr uns eine weitreichendere Bedeutung als die Tilgung unserer Schuld. Genauso, wie die Botschaft Jesajas fĂŒr die Israeliten aus dem Trost heraus einen Einfluss auf ihre Umwelt vorsieht, möchte uns das Evangelium auch zu einer Einflussnahme auf unsere Umwelt auffordern.

Jesus befreit uns von der SĂŒnde und schafft VerĂ€nderung in uns. Mit dem Wirken Jesu ist das Reich Gottes angebrochen. Die VerĂ€nderung hat vor 2000 Jahren begonnen (Lk 17,21). Die Gemeinde war nicht ausschließlich befreit, um eine beruhigende Aussicht fĂŒr das Leben nach dem Tod zu erhalten. Ihr Auftrag war es, die Welt durch die Botschaft von Jesus zu verĂ€ndern.

Ein Beispiel hierfĂŒr aus dem 18./19. Jahrhundert wĂ€re William Wilberforce. Durch seinen Glauben wurde ihm klar, dass vor Gott alle Menschen gleich sind und der Sklavenhandel den Menschen nicht gerecht wurde. Wilberforce setzte es sich zum Ziel, den Sklavenhandel abzuschaffen und verĂ€nderte nicht nur seine Heimat Großbritannien, sondern auch die Vereinigten Staaten, Indien und weite Teile Europas grundlegend und brachte zehntausenden Sklaven die Freiheit.

Ähnlich wie fĂŒr Wilberforce kann das Evangelium fĂŒr uns VerĂ€nderung bringen. Jesus hat uns befreit, leider lassen wir uns im Alltag oft gefangen nehmen. Wie Wilberforce durch seinen Glauben befreit wurde und sich hieraus fĂŒr Freiheit eingesetzt hat, können wir uns, wenn wir uns unserer eigenen Freiheit bewusst sind, fĂŒr die Freiheit anderer einsetzen.

3. Methodik fĂŒr die Gruppe

3.1 Einstieg ins Thema

Um sich der eigenen Freiheit bewusst zu werden, ist es wichtig herauszufinden, was Freiheit fĂŒr den einzelnen bedeutet. Daher kann zu Anfang jeder auf eine Moderationskarte schreiben, was er/sie braucht, um frei zu sein. Die Karten werden gesammelt und auf dem Boden verteilt. Auf Grundlage der Karten erarbeitet ihr eure Definition von „Freiheit“.

3.2 Bibeltext

Nun kann der Bibeltext gemeinsam gelesen werden und jeder bekommt im Anschluss ein paar Minuten Zeit, um den Text noch einmal allein oder zu zweit in Ruhe durchzugehen. VerstÀndnisfragen werden gesammelt und können so im Rahmen der Bibelarbeit aufgegriffen werden. Vertiefenden Fragen, können in folgende Richtung zielen:

  • Was bedeutet der Text fĂŒr dich (besonders im Zusammenhang mit Lukas 4,18-21)?
  • Was begeistert dich?
  • Womit tust du dich schwer?

3.3 Kleingruppenphase

  • Inwieweit hat Jesus dich befreit?
  • Gibt es in deinem Leben etwas, das dich gefangen hĂ€lt? (SchĂ€dliche Verhaltensmuster, Schuldbewusstsein, AbhĂ€ngigkeiten, falsche PrioritĂ€ten oder Ziele usw.) Was willst du dagegen tun?
  • Wo siehst du in deinem Leben Ungerechtigkeit und wo werden andere in ihrer Freiheit eingeschrĂ€nkt?
  • Wie kannst du ihnen helfen?

3.4 Umsetzung im Alltag

Vor der Umsetzung im Alltag ist es sinnvoll, die eigene Grundlage zu prĂŒfen: Bin ich mir bewusst, dass Jesus mich befreit hat oder zweifle ich tief in mir doch daran? Wenn wir uns bewusst sind, wie befreiend die Botschaft vom Kreuz ist, wird uns das von Grund auf verĂ€ndern. Gibt es eine Angewohnheit, die dich gefangen nimmt? Vielleicht möchtest du ja mit jemanden darĂŒber reden und fĂŒr dich beten lassen? Überlegt gemeinsam, welche konkreten Schritte du gehen kannst und bleibt im Austausch.

Zur persönlichen Umsetzung bietet es sich an, die nĂ€chsten Tage ein Tagebuch zu fĂŒhren, um die Umsetzung bewusst zu erleben, eigene Verhaltensmuster zu erkennen und Erfolgserlebnisse festzuhalten.

Tauscht euch aus: Wo möchtest du dich konkret fĂŒr Freiheit einsetzen? Gibt es in deinem Umfeld Menschen, die in ihrer Freiheit eingeschrĂ€nkt werden? Wie kannst du ihnen helfen? Gibt es in eurer Runde andere, die das gleiche auf dem Herzen haben? Dann schließt euch zusammen, vernetzt euch und holt euch gegebenenfalls Rat bei Menschen, die bereits Erfahrung sammeln konnten. Oft ist es sinnvoll, mit kleinen Schritten zu starten, zuzuhören und darauf aufzubauen.

3.5 LiedvorschlÀge

  • Break Free – Hillsong
  • I am free – Newsboys
  • Amazing grace – John Newton

3.6 Filmvorschlag

  • Amazing grace (Der Mann, der die Welt verĂ€nderte) von Michael Apted
  • Das GlĂŒcksprinzip
  • Autor / Autorin: Samuel Aßmann
  • © Deutscher EC-Verband