Der Ruf der FreiheitDer Ruf der Freiheit

Einheit: Der Ruf der Freiheit

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 30-60 Min. (Vorbereitung: 10-20 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiete: Gruppenstunde, Predigtvorbereitung
Redaktion: echt.
Benötigte Materialien: Moderationskarten, Stift(e)
Bibelstelle: Jesaja 61,1-6

1. Erklärungen zum Text

Die Prophetenbücher stellen an uns besondere Herausforderungen: Was von dem, was der Prophet sagt, ist nun schon eingetreten und welches Ereignis steht noch aus? Wie ernst soll ich die Aussagen nehmen und wie all die Bilder verstehen? Gehöre ich auch zu den Adressaten oder geht es hier nur um das Volk Israel? Genau diese Spannung bringt auch der Text aus Jesaja mit sich. Gut, dass Jesus zu einem Teil schon klar Stellung bezogen hat:

Vers 1-2a bezieht Jesus in Lukas 4,18-21 klar auf sich und erklärt, dass diese geniale Botschaft in ihm ihre Erfüllung gefunden hat. Diese Botschaft ist eine befreiende Botschaft. Das gnädige Jahr unterstreicht dies zusätzlich. Sehr wahrscheinlich ist es ein Verweis auf das Erlassjahr aus 3. Mose 25,8 ff. Nach dem Mosaischen Gesetz sollten alle 50 Jahre die Sklaven freigelassen und Schulden erlassen werden. Die Verse sind somit eine bewusste Ermutigung für alle, die in Gefangenschaft leben, Leid erfahren und trauern. (Für die Israeliten war dies teils schon durch ihre Befreiung aus der Gefangenschaft und Rückkehr in die Heimat in Erfüllung gegangen.) Der Prophet möchte einen Wandel beim Adressaten bewirken: Der Trauernde soll zum Lobenden werden, die (seelisch) Verletzten zu Gesunden und der Gefangene zum Freien. Es wird deutlich, welche Auswirkung eine so kraftvolle Botschaft auf Menschen haben kann. Sie werden völlig verändert, sodass die Botschaft nicht mehr nur eine innere Auswirkung hat. Diese Veränderung ist auch nach außen deutlich sichtbar. Gehen wir entlang des Textes, fällt deshalb auf: Anfangs waren die Empfänger der guten Botschaft passiv und wurden durch diese verändert.

Doch in Vers 4 werden sie aktiv. Die Menschen, die zuvor innerlich verändert wurden, fangen an, ihre Umgebung zu verändern. Sie machen sich auf und bauen Städte wieder auf. Das Land, das über siebzig Jahre brach lag, wird wieder bebaut. Dieser Aufbau geschah nach der Rückkehr aus Babylon.

In den Versen 5 und 6 vollzieht sich eine Wandlung, da der Prophet die Menschen nun direkt („ihr“) anspricht. Dies unterstreicht die Verheißung der direkten Segenslinie durch das Volk Israel an die Menschheit. Dass Fremde für die Israeliten in diesem Zusammenhang arbeiten, kann bitter aufstoßen. Dennoch erhalten sie dadurch Anteil am Segen, der Israel zugesprochen wird und können teilhaben an der Verheißung.

2. Bedeutung für heute

Israel wurde befreit und getröstet, doch was hat das alles mit mir heute zu tun? Dadurch, dass Jesus den Text auf sich bezieht wird deutlich, dass es nicht nur um die Befreiung der Israeliten aus der Gefangenschaft und deren Rückkehr nach Israel geht.

Jesus kommt auf die Erde und diese gute Botschaft gilt uns allen: Er, der Sohn Gottes, übernimmt unseren Platz und wird von der Vergeltung Gottes getroffen. Dies ist für uns Realität geworden und Grundlage unseres Glaubens. Die Herausforderung des Textes liegt in der Frage, welche Bedeutung dies für uns als Christen hat? Beziehen wir lediglich den Zuspruch (V.1-2a) auf uns, da Jesus nur diese beiden Verse in Lukas 4,18-21 zitiert oder lassen wir uns auch auf die nachfolgenden Verse aus Jesaja ein?

Die Erfüllung der Prophezeiung durch Jesus hat für uns eine weitreichendere Bedeutung als die Tilgung unserer Schuld. Genauso, wie die Botschaft Jesajas für die Israeliten aus dem Trost heraus einen Einfluss auf ihre Umwelt vorsieht, möchte uns das Evangelium auch zu einer Einflussnahme auf unsere Umwelt auffordern.

Jesus befreit uns von der Sünde und schafft Veränderung in uns. Mit dem Wirken Jesu ist das Reich Gottes angebrochen. Die Veränderung hat vor 2000 Jahren begonnen (Lk 17,21). Die Gemeinde war nicht ausschließlich befreit, um eine beruhigende Aussicht für das Leben nach dem Tod zu erhalten. Ihr Auftrag war es, die Welt durch die Botschaft von Jesus zu verändern.

Ein Beispiel hierfür aus dem 18./19. Jahrhundert wäre William Wilberforce. Durch seinen Glauben wurde ihm klar, dass vor Gott alle Menschen gleich sind und der Sklavenhandel den Menschen nicht gerecht wurde. Wilberforce setzte es sich zum Ziel, den Sklavenhandel abzuschaffen und veränderte nicht nur seine Heimat Großbritannien, sondern auch die Vereinigten Staaten, Indien und weite Teile Europas grundlegend und brachte zehntausenden Sklaven die Freiheit.

Ähnlich wie für Wilberforce kann das Evangelium für uns Veränderung bringen. Jesus hat uns befreit, leider lassen wir uns im Alltag oft gefangen nehmen. Wie Wilberforce durch seinen Glauben befreit wurde und sich hieraus für Freiheit eingesetzt hat, können wir uns, wenn wir uns unserer eigenen Freiheit bewusst sind, für die Freiheit anderer einsetzen.

3. Methodik für die Gruppe

3.1 Einstieg ins Thema

Um sich der eigenen Freiheit bewusst zu werden, ist es wichtig herauszufinden, was Freiheit für den einzelnen bedeutet. Daher kann zu Anfang jeder auf eine Moderationskarte schreiben, was er/sie braucht, um frei zu sein. Die Karten werden gesammelt und auf dem Boden verteilt. Auf Grundlage der Karten erarbeitet ihr eure Definition von „Freiheit“.

3.2 Bibeltext

Nun kann der Bibeltext gemeinsam gelesen werden und jeder bekommt im Anschluss ein paar Minuten Zeit, um den Text noch einmal allein oder zu zweit in Ruhe durchzugehen. Verständnisfragen werden gesammelt und können so im Rahmen der Bibelarbeit aufgegriffen werden. Vertiefenden Fragen, können in folgende Richtung zielen:

  • Was bedeutet der Text für dich (besonders im Zusammenhang mit Lukas 4,18-21)?
  • Was begeistert dich?
  • Womit tust du dich schwer?

3.3 Kleingruppenphase

  • Inwieweit hat Jesus dich befreit?
  • Gibt es in deinem Leben etwas, das dich gefangen hält? (Schädliche Verhaltensmuster, Schuldbewusstsein, Abhängigkeiten, falsche Prioritäten oder Ziele usw.) Was willst du dagegen tun?
  • Wo siehst du in deinem Leben Ungerechtigkeit und wo werden andere in ihrer Freiheit eingeschränkt?
  • Wie kannst du ihnen helfen?

3.4 Umsetzung im Alltag

Vor der Umsetzung im Alltag ist es sinnvoll, die eigene Grundlage zu prüfen: Bin ich mir bewusst, dass Jesus mich befreit hat oder zweifle ich tief in mir doch daran? Wenn wir uns bewusst sind, wie befreiend die Botschaft vom Kreuz ist, wird uns das von Grund auf verändern. Gibt es eine Angewohnheit, die dich gefangen nimmt? Vielleicht möchtest du ja mit jemanden darüber reden und für dich beten lassen? Überlegt gemeinsam, welche konkreten Schritte du gehen kannst und bleibt im Austausch.

Zur persönlichen Umsetzung bietet es sich an, die nächsten Tage ein Tagebuch zu führen, um die Umsetzung bewusst zu erleben, eigene Verhaltensmuster zu erkennen und Erfolgserlebnisse festzuhalten.

Tauscht euch aus: Wo möchtest du dich konkret für Freiheit einsetzen? Gibt es in deinem Umfeld Menschen, die in ihrer Freiheit eingeschränkt werden? Wie kannst du ihnen helfen? Gibt es in eurer Runde andere, die das gleiche auf dem Herzen haben? Dann schließt euch zusammen, vernetzt euch und holt euch gegebenenfalls Rat bei Menschen, die bereits Erfahrung sammeln konnten. Oft ist es sinnvoll, mit kleinen Schritten zu starten, zuzuhören und darauf aufzubauen.

3.5 Liedvorschläge

  • Break Free – Hillsong
  • I am free – Newsboys
  • Amazing grace – John Newton

3.6 Filmvorschlag

  • Amazing grace (Der Mann, der die Welt veränderte) von Michael Apted
  • Das Glücksprinzip
  • Autor / Autorin: Samuel Aßmann
  • © Deutscher EC-Verband