Der stille Helfer

Einheit | Bibelarbeit
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Der stille Helfer

Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Verband: Deutscher EC-Verband
Redaktion: echt.
Zeitbedarf: 45-90 Min. (Vorbereitung: 15-20 Min.)
Bibelstelle: Matthäus 12,15-12,21 anzeigen
Bibelstelle
Matthäus 12,15-12,21

Der Gottesknecht

(Mk 3,7-12; Lk 6,17-19)

15Da aber Jesus das erkannte, entwich er von dort. Und eine große Menge folgte ihm, und er heilte sie alle 16und gebot ihnen, dass sie ihn nicht offenbar machten, 17auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 42,1-4): 18»Siehe, das ist mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat; ich will meinen Geist auf ihn legen, und er soll den Völkern das Recht verkündigen. 19Er wird nicht streiten noch schreien, und man wird seine Stimme nicht hören auf den Gassen; 20das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht zum Sieg führt; 21und die Völker werden auf seinen Namen hoffen.«

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

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1. Erklärungen zum Text

Jesus erkennt das Vorhaben der Pharisäer (V.15). Welches das ist, zeigt der Blick in die vorangehenden Verse. Es geht um den Sabbat – was an diesem wöchentlichen Feiertag erlaubt ist und wer das festlegt. Jesus zeigt den Pharisäern auf, dass der Sabbat für den Menschen da ist und nicht umgekehrt (vgl. Mk. 2,27). Wenn Jesus also einem Menschen am Feiertag hilft, ist das völlig legitim. Sein Anspruch, festlegen zu dürfen, was am Sabbat erlaubt ist und was nicht, provoziert jedoch die Pharisäer so sehr, dass sie Jesus umbringen wollen. Dem entgeht Jesus, indem er weiterzieht. Von seinem Grundsatz, den Menschen zur Ehre Gottes zu helfen, lässt er aber nicht ab. Und damit sind wir mitten im Geschehen des Abschnitts. Jesus ist für alle Menschen da, die zu ihm kommen und Hilfe erbeten – und heilt alle Kranken. Doch dürfen sie nichts davon weitersagen. Wie viele werden sich daran gehalten haben? Es wird ja ihren Mitmenschen nicht verborgen bleiben, wenn eine Krankheit plötzlich verschwunden ist. Und für Jesus wäre das doch eine enorme Werbung. Wieso also verbietet er es den Geheilten, von ihm zu erzählen?

Eine Erklärung findet sich in Markus 1,45: Die Menschen sind so auf ihre Gesundheit fixiert, dass sie Jesus auf den Heiler reduzieren. Seine Botschaft vom Reich Gottes erreicht die Menschen nicht mehr. Eine weitere Erklärung für das Werbeverbot bringt Matthäus mit dem beigefügten Zitat. Mit dem Rückgriff auf das sogenannte „Gottesknechtslied“ aus Jesaja 42 verdeutlicht Matthäus, dass Jesus tatsächlich der seit langem angekündigte Retter ist, der Messias, der als Helfer auftritt, ohne großes Aufheben von seiner Person zu machen. Er ist vorbehaltlos für die Menschen da – auch und gerade für die, bei denen es sich vielleicht gar nicht oder nicht mehr zu lohnen scheint, was bildhaft deutlich gemacht wird: ein glimmender Kerzendocht z. B. produziert nur Qualm, aber kein Licht, wie es seine eigentliche Bestimmung wäre. Auch das geknickte Rohr kann seiner Aufgabe nicht mehr gerecht werden und ist eigentlich Müll. Doch geht der Auftrag des Messias deutlich über den des Wunderheilers hinaus: Er wird Gerechtigkeit schaffen, nicht nur für die Frommen oder für Israel. Sein Angebot der Gnade gilt allen.

2. Bedeutung für heute

Genauso wie für die Menschen, die Matthäus beim Schreiben vor Augen hatte, ist es auch für uns heute wichtig zu sehen, dass Gott seine Versprechen einhält und dass in Jesus tatsächlich alles erfüllt ist, was vom Messias im Alten Testament gesagt ist. Die Verknüpfung von Altem und Neuem Testament bewahrt davor, dass AT als veraltet beiseite zu legen. Es ist eben doch derselbe Gott, der im Alten wie im Neuen Testament handelt.

Doch fordert der Abschnitt auch deutlich heraus. Jesus heilt alle, heißt es. Gilt das heute auch noch? Wie sieht es aus mit denen, die wochen- oder sogar jahrelang um Besserung beten und nichts passiert? Hat sich Jesus dann im Vergleich zu damals geändert? Das sicher nicht. Hier heißt es zwar, dass er alle gesund gemacht hat, die zu ihm gekommen sind, aber viele sind andernorts eben doch krank geblieben. Jesus hatte nicht den Auftrag, die Menschen von aller Krankheit zu befreien. Er versetzte die Menschen nicht in paradiesische Zustände auf Erden, auch wenn wir von denen manchmal träumen, sondern er macht die Tür zu Gottes Reich auf.

Wenn nun aber doch jemand auf wundersame Weise gesund wird, soll man davon etwa nicht erzählen? Jesus hat seiner Gemeinde – und damit auch uns – den Auftrag gegeben, seine gute Botschaft weiterzutragen. Diese Botschaft enthält natürlich nicht nur Berichte von Heilungen, sondern vor allem die Nachricht der Erlösung, der Versöhnung, der Vergebung. Beide Aspekte gehören aber eindeutig zusammen: Der Jesus, der Menschen aus Liebe seine Vergebung anbietet und ihre Schuld auf sich nimmt, ist derselbe, der Menschen aus Liebe gesund macht. Man kann nicht von Jesus vor seiner Auferstehung ganz anders reden als danach. Genau deshalb ist es wichtig, auch das hier verordnete Schweigegebot mit dem sonstigen Handeln Jesu in Einklang zu bringen. An anderer Stelle ist er schließlich selbst deutlich wahrnehmbar und streitbar aufgetreten. Jesus will nicht einseitig wahrgenommen werden – weder von den Menschen damals, die ihn auf den Wunderheiler begrenzt haben, noch von uns heute. Ihn gibt es nur als Gesamtpaket, auch wenn das manchmal eine ziemliche Herausforderung für unser Denken und Leben darstellt.

3. Methodik für die Gruppe

Jesus, der stille, heilende Gottesknecht, der keine Werbung will – der Abschnitt zeigt einen bestimmten Aspekt vom Wesen Jesu auf. Damit will Matthäus ihn aber noch lange nicht vollständig beschrieben wissen. Jesus ist bspw. genauso der Krachmacher, der die Vollmacht besitzt, im Tempel aufzuräumen (Mt 21,12f). Und zu anderer Gelegenheit gibt er einem Geheilten sogar ausdrücklich den Auftrag, Werbung für Gott zu machen (Lk 8,39). Bei allem ist er aber immer der von Gott verheißene Retter. Deshalb sollen sowohl die verschiedenen Formen seines Auftretens in den Blick genommen werden als auch das von Matthäus eingefügte Zitat.

Bildet dazu zwei Gruppen – bei größeren Kreisen auch mehr. Es sollten Kleingruppen von jeweils 3 bis 6 Personen entstehen. Der Bibeltext kann vorab gemeinsam gelesen werden, sollte aber auf jeden Fall in den Kleingruppen nochmals wiederholt werden, z. B. in einer anderen Übersetzung. Beide Gruppen erhalten einen Aufgabenkatalog zum behandelten Text und zu weiteren Texten, mit denen verglichen werden soll. Bei mehr als 2 Gruppen werden die Aufgaben mehrfach verteilt. Wichtig ist, gleich zu Beginn zu betonen, dass es bei der Beantwortung kein „richtig“ oder „falsch“ gibt. Jeder soll einen persönlichen Zugang zum Text finden, der durchaus unterschiedlich aussehen kann.

Aufgabenkatalog Gruppe 1 zum Schweigegebot Jesu

  • Wieso sollen die Menschen nicht davon reden, was sie erlebt haben?
  • Könnt ihr dieses Verbot von Jesus nachvollziehen? Könntet ihr es einhalten, wenn ihr direkt betroffen wärt?
  • Seht euch Lukas 8,26-39 an. Wie passt es zusammen, dass Jesus dort dem Geheilten ausdrücklich aufträgt, von der Heilung zu erzählen, in Matthäus 12 die Menschen aber schweigen sollen?
  • Versucht euch in die jeweilige Lage zu versetzen:
    • von Menschen, die schweigen sollen, und es tatsächlich tun.
    • von Menschen, die sich nicht daran halten (Mk 1,43-35).
    • von Menschen, die reden sollen und es tun (Lk 8,26-39).

Stellt ein Gespräch zwischen diesen Leuten nach, in dem sie sich über ihr Erleben, ihre Gefühle und die Motive, aus denen sie geredet oder eben auch geschwiegen haben, austauschen.

Aufgabenkatalog Gruppe 2 zur Gottesknechtsprophetie Jesajas

  • Weshalb zitiert Matthäus aus Jesaja 42? Was möchte er damit ausdrücken?
  • Welche wesentlichen Eigenschaften soll der Messias laut dem Jesajazitat haben? Passen sie zum Leben Jesu?
  • Wieso ist es für Jesus wichtig, dass kein großes Aufheben um seine Person gemacht wird? Soll das ein Dauerzustand sein?
  • Seht euch Markus 11,15f an. Wie passt das dortige Verhalten Jesu mit dem ruhigen, nicht streitenden Gottesknecht von Jesaja zusammen?
  • Versucht euch in die jeweilige Lage hineinzuversetzen,
    • von Menschen, die sehen, dass Jesus keine große Aufmerksamkeit für seine erstaunlichen Wunder haben will.
    • von Menschen, die im Tempel anwesend sind, als Jesus die Händler hinauswirft.

Stellt ein Gespräch zwischen diesen Leuten nach, in dem sie sich über ihr Erleben, ihre Gefühle und ihren jeweiligen Eindruck von Jesus austauschen.

Nehmt euch in den Gruppen ausreichend Zeit (je nach Zusammensetzung der Gruppen können zwischen 15 und 45 Minuten veranschlagt werden), um die Aufgaben durchzusprechen und Antworten zu finden, die ihr auf einem Blatt Papier festhaltet. Anschließend kommen alle wieder im Plenum zusammen und die Gruppen stellen der jeweils anderen ihre Aufgaben sowie die gefundenen Antworten vor. Natürlich wird auch das Gespräch quasi als Zusammenfassung der Ergebnisse nachgestellt.

Zum Abschluss kann der Gruppenleiter noch einmal seine eigenen Erkenntnisse zu den Aufgaben zusammenfassen und/oder auf offengebliebene Fragen der Teilnehmenden eingehen.

  • Autor / Autorin: Sebastian Weigelt
  • © Deutscher EC-Verband
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