Die erste Liebe verlassen … / Wie der Glaube wieder Feuer fängtDie erste Liebe verlassen … / Wie der Glaube wieder Feuer fängt

Einheit: Die erste Liebe verlassen … / Wie der Glaube wieder Feuer fängt

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 30-45 Min. (Vorbereitung: 45-90 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Teens (12-16 Jahre)
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Redaktion: TEC:
Benötigte Materialien: Bibel(n), Bänder, 1 Baumstamm, Wolle
Bibelstelle: Offenbarung 2,1-2,11
Offenbarung 2,1-2,11

2

Die sieben Sendschreiben

1Dem Engel der Gemeinde in Ephesus schreibe: Das sagt, der da hält die sieben Sterne in seiner Rechten, der da wandelt mitten unter den sieben goldenen Leuchtern: 2Ich kenne deine Werke und deine Mühsal und deine Geduld und weiß, dass du die Bösen nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die sagen, sie seien Apostel und sind’s nicht, und hast sie als Lügner befunden 3und hast Geduld und hast um meines Namens willen die Last getragen und bist nicht müde geworden. 4Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. 5Denke nun daran, aus welcher Höhe du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, werde ich über dich kommen und deinen Leuchter wegstoßen von seiner Stätte – wenn du nicht Buße tust. 6Aber das hast du für dich, dass du die Werke der Nikolaïten hassest, die auch ich hasse.

7Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der im Paradies Gottes ist.

8Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: 9Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut – du bist aber reich – und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden, und sind’s nicht, sondern sind die Versammlung des Satans. 10Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.

11Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Vorbemerkungen

Die Offenbarung des Johannes ist für viele Jugendliche buchstäblich ein Buch mit sieben Siegeln (Offb 4). Sie wird oft mystifiziert oder prophetisch verklärt. Nur wenig Hilfen gibt es, damit Teenager einen fundierten Zugang zu diesem Buch bekommen, hat es doch eine starke Symbolik und fast Angst machende Aussagen über das Ende der Welt und die neue kommende Welt. Sie wird oftmals in einen Topf geworfen mit anderen Endzeitprophetien, wie zum Beispiel die des Nostradamus. Darin liegt aber auch der Reiz, und das macht es spannend, gerade Teenagern dieses Buch nahezubringen und auf ihre aktuelle Situation zu beziehen.

In den sieben Sendschreiben wird deutlich, dass die Offenbarung an ganz bestimmte Gemeinden geschrieben wurde, die der Seher Johannes in einer Zeit der großen Not zu ermutigen versuchte, standhaft zu bleiben. Ende des 1. Jahrhunderts gab es eine große Christenverfolgung. Kaiser Dometian (81–96 n. Chr.) wollte seine Verehrung als göttlicher Kaiser durchsetzen, was die Christen aus gutem Grund (1. Gebot) nicht mitmachen konnten. Somit wird die Offenbarung des Johannes oftmals als „Trostbuch“ für angefochtene Christen gesehen.

Die Offenbarung des Johannes ist gespickt mit Symbolen und Zahlen, die man symbolisch deuten kann, somit steht die Zahl sieben auch für eine Ganzheit. Es sind sieben Gemeinden (Offb 1,4) und sieben Sendschreiben (Offb 2, 1ff.), später sind es sieben Siegel und sieben Posaunen, die zum Weltgericht blasen. Sicherlich kann auch eine Deutung dieser Symbolik für Teenager interessant sein, im Zeitalter der Dan-Brown-Romane, in denen der Symbologe Robert Langdon sich immer wieder auf den Weg macht, Übles abzuwenden.

Noch vorweg: Die sieben Sendschreiben haben jeweils den gleichen Aufbau:

  1. Adresse
  2. Der erhöhte Herr stellt sich vor (immer Bezug zu Kap 1!)
  3. Lob und/oder Tadel (Lob fehlt bei Sardes und Laodizäa – Tadel bei Smyrna und Philadelphia)
  4. Bußmahnung
  5. Aufforderung zum Hören
  6. Verheißung für die, die treu bleiben

Einstieg

Man kann sich gut auf geheimnisvolle Weise über das Thema der Zahlensymbolik an die Offenbarung oder in unserem Fall an die sieben Sendschreiben annähern. Man kann beispielsweise wie der Symbologe Robert Langdon Rätsel lösen oder die Teens fragen, was sie mit verschiedenen Zahlen verbinden:

1 = Einheit, 2 = Paar, 4 = Himmelsrichtungen, 7 = Vollendung der Schöpfung, 12 = Stämme, Jünger …)

Wir können aber auch gleich mit dem Thema Liebe einsteigen, welches das Thema ist, an dem die Gemeinde in Ephesus arbeiten muss. Somit kann man ein paar Liebeslieder zu Beginn einspielen, die möglichst schnulzig sein sollten („Marmor, Stein und Eisen bricht …“ oder „Er gehört zu mir, wie mein Name an der Tür“).

Auch eignen sich gut Einstiegsfragen, wie: „Wer erinnert sich noch an seine erste große Liebe?“ Oder an sein erstes Fahrrad, Musikinstrument oder was auch immer.

Bibeltext

Nun sollte gemeinsam der Bibeltext Offenbarung 2,1-11 gelesen werden.

Offener Austausch

Der Text ist so gehaltvoll und mit Symbolen gespickt, dass man sich gleich mit verschiedenen Fragen offen nähern kann:

  • Wie wirkt der Text auf euch?
  • Was versteht ihr?
  • Welche Symbole finden sich im Text, und was könnten sie bedeuten?
    • (sieben = Ganzheit der Gemeinde; Sterne = Zeichen der Universalität, Macht; Leuchter = das Licht der Gemeinde, Heiliger Geist …)

Dann sollte man erklären, was sie nicht verstehen, z. B. Nikolaiten: Der Name geht auf Nikolaus von Antiochia zurück, der in Apostelgeschichte 6,5 erwähnt wird. Vermutlich hielten sich die Nikolaiten über alles Irdische erhaben und nahmen an Opferkulten und unzüchtigen Ritualen teil.

Zielgerichtetes Gespräch über den Bibeltext

Wir können zunächst darüber sprechen, was Johannes an der Gemeinde lobt: Johannes lobt die Werke der Gemeinde, also das, was sie tut und hervorbringt, er lobt ihre Mühe, des Weiteren lobt er ihre Geduld und dass sie auf eine gute Lehre achtet.

Dann können wir überlegen, was er der Gemeinde vorhält, was fehlt. Bei allen guten Werken, aller Mühe und aller guten Lehre fehlt es am Entscheidenden, nämlich der Liebe! Die Liebe zu Jesus und untereinander ist das tragende Band, das die Gemeinde zusammenhält und stark macht. Dazu könnte man auch 1. Korinther 13 lesen. Dort geht es um eben genau das: Darum, dass man noch so hohe Offenbarungen haben kann, aber wenn es an der Liebe fehlt, ist alles nichts!

Wir können darüber nachdenken, woran man einen Christen heute erkennt, was macht ihn aus? Sind es Äußerlichkeiten, wie Haarschnitt und Kleidung, oder Dinge, die ein Christ eben nicht macht? Oder gibt es andere Kriterien, wie eine innere Haltung oder soziales Verhalten? Dazu könnte man den Vers aus den Abschiedsreden Jesu lesen, in dem es darum geht, dass man an unserer Liebe etwas sehen soll, was anziehend ist (Joh 13,35).

Persönliche Zeugnisse

Wir können die Teens, wenn sie denn schon entschiedene Christen sind, dazu ermutigen, zu erzählen, wie denn ihre erste Zeit als Christen war. Gab es eine Zeit, in der sie so richtig „brannten“? Wie sah das aus?

Gut wäre auch, wenn die Mitarbeiter ehrlich aus ihrem Leben erzählen würden, wie das bei ihnen war – vielleicht auch, wie es zu einer Zeit kam, in der die „erste Liebe“ erlosch, und wie man wieder neu zu ihr finden kann.

Von der Erkenntnis zum Bekenntnis

Der Bibeltext ermutigt die Teenager, wieder ganz neu zur ersten Liebe zurückzukehren, es geht also auch um Umkehr. Hierzu können am Schluss verschiedene symbolische Handlungen dienen, um sich wieder ganz neu an Jesus festzumachen:

Strauch mit Bändern

Die Teens können symbolisch ein Band an einen Ast knoten, um zu zeigen, dass sie sich wieder neu an Jesus festmachen wollen.

Baumstamm zum Einritzen

Der Teenkreisleiter kann einen alten Baumstamm besorgen, in den die Teens symbolisch ein Herz einritzen, in dem sie ihre Initialen mit denen von Jesus Christus zusammenbringen, vielleicht auch mit einem Datum. Dieser Baumstamm kann im Jugendraum aufgestellt werden.

Freundschaftsband

Die Teens können Freundschaftsbänder selbst gestalten, die sie dann tragen und die sie an ihre „große Liebe“ erinnern sollen.

Verkehrsschild

Die Teens können gemeinsam ein Verkehrsschild entwerfen, das dann in einer Gemeinschaftsaktion gebastelt wird und das ausdrückt, dass man zur ersten Liebe umkehren soll. Dieses Schild kann dann deutlich sichtbar für eine gewisse Zeit im Jugendraum aufgestellt werden.

  • Autor / Autorin: Marco Schlenker
  • © Deutscher EC-Verband