Die Fastenzeit – wenn die Tage vor Ostern mehr Lust als Frust bedeuten…Die Fastenzeit – wenn die Tage vor Ostern mehr Lust als Frust bedeuten…

Einheit: Die Fastenzeit – wenn die Tage vor Ostern mehr Lust als Frust bedeuten…

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 20-40 Min. (Vorbereitung: 10-20 Min.)
Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiete: Events + Projekte, Predigtvorbereitung, Schulung
Redaktion: echt.

Einleitung

„Frühlingszeit bedeutet Fastenzeit“, so die Mama während sie in einem dicken Kochbuch mit Sahnetorten blättert und Stift und Zettel neben sich bereithält. „Bäckst du uns mal wieder eine schöne Torte zum Kaffeetrinkern?“ fragt Lukas, der Kleine. „Geht nicht, ist doch Fastenzeit!“ erwidert daraufhin Johanna, die Große. Mama lächelt und blättert weiter im Backbuch. „Das ist doch doof!“ mault Lukas, der fast nichts lieber tut als zu essen. „Guckst du nach, wie viel Zucker in den leckeren Torten steckt, Mama?“ bohrt Lukas weiter. „Klar, ist doch Fastenzeit!“ erwidert die große, kluge Schwester, deren Bauch knurrt, obwohl Mamas Fastenzeit eben erst begonnen hat. „Eigentlich“ setzt Johanna vorsichtig an, „eigentlich sind wir doch gar nicht so dick wie andere und deshalb müssten wir doch eigentlich auch gar nicht fasten, oder?“

Die Fastenzeit 

Ehrlich gesagt konnte ich lange Zeit nichts anfangen mit der sogenannten Fastenzeit. Jedes Jahr wieder sind sie mir vor Ostern begegnet, die Menschen, die auf die Frage: „Magst du ein Eis?“ oder „Wie wäre es mit einem Stück Kuchen?“ geantwortet haben: „Aber es ist doch Fastenzeit…“ Und einmal habe ich es vor einigen Jahren sogar selbst probiert. 40 Tage lang habe ich versucht, Schokolade bzw. Süßes allgemein zu fasten (wobei Kuchen bei mir schon noch erlaubt war). Doch ich muss gestehen, weit bin ich damit nicht gekommen. Irgendwann siegte das süße Verlangen dann doch und ich unterbrach das Lernen für eine Klausur wegen einem Gang zum Süßwarenregal des nächsten Supermarktes. In den darauffolgenden Jahren habe ich zwar keinen Versuch des Schokoladenfastens mehr unternommen, doch schon allein durch meine fastenden Mitmenschen war ich immer wieder „gezwungen“ mich mit der Fastenzeit vor Ostern auseinander zu setzen. Doch je mehr ich darüber nachdachte, desto absurder schien mir der Gedanke, den Schokoladenverzicht mit dem Osterfest zusammenzubringen. Ein wenig mehr reizte mich da schon die Aktion „40 Tage ohne…“ – ohne Fernsehen, ohne Alkohol, ohne Auto, ohne…. Doch auch das hatte für mich persönlich einen ganz starken Beigeschmack, der nach Druck, Zwang und Leistung schmeckte. So sehr ich es auch versuchte, ich selbst konnte diesem Gedanken des selbst auferlegten Verzichtes nichts Befreiendes abgewinnen.

Warum überhaupt fasten?

Außerdem tauchte bei mir die Frage auf: Was mache ich, wenn ich mir das vornehme und dann doch nicht schaffe? Bin ich dann ein schlechter Christ, ein Versager gar? Und wie geht das zusammen: Zum einen das Osterfest an sich, das von Leben, von Auferstehung und von Sieg erzählt und dann auf der anderen Seite die 40 Tage zuvor, die Fastenzeit, durch die ich mich hindurchquäle und wo ich mir selbst etwas auferlege, nur damit ich… -Ja, wozu mache ich das eigentlich mit, das Fasten, das Verzichten? Geht es mir nur darum, dazu zu gehören zum Kreise der Fastenden? Oder möchte ich gerne auf einen Teil meiner Bequemlichkeit, meiner Gewohnheiten verzichten, um zu sehen, dass es auch ohne geht? Oder möchte ich eine zeit intensive Beschäftigung „fasten“, um mehr Zeit zu haben zur Stille, zur Andacht, zum Gebet? – Was ist meine Motivation, während der Fastenzeit zu fasten?

Sicher, es mag Menschen geben, für die genau dieser selbst auferlegte Verzicht das richtige ist, die am Ende der 40 Tage befreit aufatmen können und stolz sind, weil sie die Zeit vor Ostern nicht (nur) für Gewohnheiten genutzt haben, sondern bewusst verzichtet und losgelassen haben. Die Frage ist nur: Was bleibt hängen von dieser Fastenzeit? Ist mit Ostern, dem Fest des Anfangs, dann alles vorbei?

Ich für mich habe die Entdeckung gemacht, dass gerade durch die Zeit vor Ostern auch ein Aufbruch stattfinden kann, der dann im Osterfest gipfelt. Ostern ist für mich das Tor zum Leben. Durch die Auferstehung Jesu kann ich leben, bekommt mein Leben ein Ziel und eine neue Richtung. Ich bin eingeladen, zu leben. Und Leben bedeutet immer auch Neues wagen, Aufbrechen, Altes Loslassen, neue Schritte gehen. – Ich selbst bin ein Mensch, der Ordnungen liebt. Ich brauche feste Abläufe und Gewohnheiten, das gibt mir ein Stück weit Sicherheit im Leben. Ich bin eher ein beständiger und durchgeplanter Mensch. Vielleicht gerade deshalb ist mir in den letzten Jahren ein anderer Gedanke in der Fastenzeit wichtig geworden als der des Verzichtes. Diese Ordnungen und Strukturen in meinem Leben, die haben nämlich nicht nur Vorteile. Sie tragen auch dazu bei, dass mein Leben unflexibel und starr wird. Denn wenn ich mich immer nur auf meine festen Strukturen, auf Gewohnheiten, auf Ordnungen im Leben verlasse, dann können diese Strukturen auch zu einer Art Gefängnis für mich werden. Ich hinterfrage die Dinge, die ich tue nicht mehr und bin so auch nicht offen für Neues, für Belebendes in meinem Leben. Ich hangle mich an meinen Ordnungen und Strukturen entlang, Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr und merke gar nicht wie mein Leben immer mehr in einen Trott verfällt. Nicht mehr ich bestimme dann noch die Ordnungen und Strukturen in meinem Leben – ich werde bestimmt und von ihnen gelebt!

Wenn ich mich in der Fastenzeit vorbereiten möchte auf Ostern als das Fest des Lebens, der Auferstehung und der Befreiung, ergibt sich daher für mich eine ganz neue Herausforderung: Ich bin gefragt, meine bestehenden Ordnungen und Strukturen zu hinterfragen, zu verändern, damit mein Leben wieder ganz neu lebendig wird. Ich bin herausgefordert, dem Sinn so mancher Gewohnheiten auf den Grund zu gehen und Strukturen, die es nur noch um der Struktur willen gibt, zu verändern. Ich bin herausgefordert, Neues in meinem Leben zuzulassen, Altes und Gewohntes zu hinterfragen, um wieder ein Stück mehr Lebendigkeit in mein Leben hineinzulassen. Ich bin herausgefordert, die Dinge und Strukturen in meinem Leben aufzuspüren, die mir den Weg zu Gott versperren, die mich von Gott trennen.

Ich möchte in der Fastenzeit nicht mehr nur Verzichten um des Verzichtes willen, ich möchte nicht mit Anderen Mitleiden, nur um des Mitleidens willen. Ich möchte offen sein und das wieder neu einüben, was mir im Alltag dabei hilft, mich lebendig zu fühlen und befreit zu leben. – In einem Alltag, der bis oben gefüllt ist mit Terminen, festen Abläufen und viel Arbeit, kann das zum Beispiel eine halbe Stunde in der Woche sein, die ich mir Zeit nehme für einen Spaziergang, für eine Runde mit dem Fahrrad, für eine Pause auf dem Sofa, für eine gute Lobpreis-CD. In einem Alltag, der scheinbar keinen Raum mehr lässt für das persönliche Bibelstudium kann ich mir vornehmen, mir täglich oder wöchentlich ein Kapitel eines Bibelbuches vorzunehmen. Für einen Alltag, der gefüllt ist mit Facebook-Nachrichten, E-Mails oder dem Drang, immer so schnell als möglich über alle Neuigkeiten informiert zu sein bzw. zu informieren, kann die Fastenzeit dazu dienen, vor dem Zubettgehen auch mal eine ruhige CD zu hören, statt auch die letzten Minuten des Tages im World Wide Web unterwegs zu sein. Und derjenige, in dessen Leben demnächst eine wichtige Entscheidung ansteht, der kann gerade die 40 Tage vor Ostern bewusst dazu her nehmen, auf dem Weg der Entscheidung etwas näher ans Ziel zu gelangen.

Fazit

Die Fastenzeit – das muss nichts Zwanghaftes oder Aufgedrücktes an sich haben. Man kann in diesen Tagen vor Ostern auch einfach mal probieren, seine eigenen Lebensträume und Alltagswünsche – wenigstens ein Stück weit – in die Tat umzusetzen, um so dem Fest des Lebens, der Auferstehung und Befreiung vom Tod ein Stück näher zu kommen… Damit habe ich in den 40 Tagen die Chance, mich von dem zu trennen, was mich im Alltag von Gott trennt. Ich habe die Chance, etwas anders zu gestalten, damit auch in meinem Leben etwas anders werden kann! Und wer weiß, vielleicht wird so die Fastenzeit zu einem Tor der Veränderung, des Neubeginns, das auch hinüberreicht in die Zeit nach Ostern!

In diesem Sinne wünsche euch allen eine gesegnete, befreiende und verändernde Fastenzeit!

  • Autor / Autorin: Steffi Pfalzer
  • © Deutscher EC-Verband