Die Flut kommt – Eine Geschichte vom »gar nicht so lieben« Gott?!Die Flut kommt – Eine Geschichte vom »gar nicht so lieben« Gott?!

Einheit: Die Flut kommt – Eine Geschichte vom »gar nicht so lieben« Gott?!

Verband: CVJM-Westbund
Zeitbedarf: 60-90 Min. (Vorbereitung: 20 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche, Konfis, Teens (12-16 Jahre), Mädchen
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde
Redaktion: KON
Benötigte Materialien: Bibel, Edding(s), großes Plakat
Bibelstelle:

Wesentliches zum 1. Buch Mose

In den fünf Büchern Mose wird, ausgehend von der Schöpfung der Welt, die Geschichte des Volkes Israel erzählt: von den Erzväter-Überlieferungen bis zum Tod von Mose. Im ersten Buch Mose (Genesis, d. h. Schöpfung) reicht die Geschichte von den Urgeschichten (u. a. Schöpfung der Welt, Vertreibung aus dem Garten Eden, Sintflut) hin bis zu Josef, der von seinen Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft wird. Dank Gottes Hilfe steigt er dort zum Stellvertreter des Pharaos auf – und lässt später seine Familie nach Ägypten kommen, um sie vor einer großen Hungersnot zu retten.

Unser Text findet sich also noch ganz am Anfang der Geschichte Gottes mit den Menschen, als Gott sich noch nicht mit dem Volk Israel fest verbunden hatte.

Die Auslegung

»Gott löschte das Leben auf der Erde völlig aus«, so lesen wir es in Vers 23. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht – aber im ersten Moment sehe ich keine Hoffnung darin, dass ja mit Noah und seiner Familie noch Menschen sicher in dem Boot untergebracht sind. Im ersten Moment denke ich an all die Menschen, die eben nicht in dieser Arche sind, sondern die hilflos in den Fluten umkommen, die verzweifelt nach Hilfe Ausschau halten und dann doch ertrinken.

Ja, ich weiß – diese Menschen hatten durch ihr Verhalten selbst für diese Katastrophe gesorgt. Sie hätten sich doch anders verhalten können. Aber auch wenn diese Menschen voll Bosheit waren (nachzulesen in Kapitel 6,5), denke ich doch, dass sie, zumindest für ihre Familie, ihre Kinder und Ehepartner, Liebe empfanden und sicherlich fürchterlich gelitten und Angst erlebt haben in diesen letzten Stunden und Momenten ihres Lebens.

Mich erinnert es dann immer an die Menschen, die im Mittelmeer, auf dem Weg in ein besseres Leben, Angst vor den Fluten durchstehen müssen – und nicht selten den Tod finden oder den Tod eines geliebten Menschen erleben müssen. Wenn mir solche Gedanken durch den Kopf gehen, dann frage ich mich wirklich, wie Gott es damals aushalten konnte, dieses Leiden zu erleben. Und der Gedanke an einen liebenden und gütigen Gott ist dann ganz weit weg.

Aber dann komme ich zu der Erkenntnis, dass Gott zwar auf der einen Seite durchaus ein furchterregender, quasi fürchterlicher, und zorniger Gott ist (oder ist »resigniert« der bessere Ausdruck?), dass er aber in diesem Zorn und seiner Wut nicht die Fürsorge gegenüber Noah und seiner Familie vernachlässigt. »Der HERR schloss hinter ihm zu« können wir in Kapitel 7, Vers 16 lesen. Gott selbst übernimmt also die Verantwortung dafür, dass Noah und allen anderen in der Arche jetzt nichts mehr passieren kann. Er steht mit seiner göttlichen Macht dafür ein, dass durch diese Schiffstür kein Wasser eindringen kann und die Menschen und Tiere in dem Boot sicher sind. So sehr die Wellen in dieser Flut auch toben mögen – die Arche steht unter Gottes Schutz. Gott denkt auch über die lange Regenzeit und die anschließende Flut an seinen Schützling Noah. »Aber Gott hatte Noah und die Tiere in der Arche nicht vergessen«, heißt es in Kapitel 8,1. Ich vermute mal, die Zeit bis dahin ist Noah und den anderen ganz schön lang geworden.

Sicherlich könnt ihr euch noch an die ersten Wochen der Corona-Krise erinnern, als wir aufgefordert waren, möglichst zu Hause zu bleiben, unsere Freunde nicht zu sehen, die Schule ausfiel und sich unser Leben quasi nur noch zu Hause abspielte? Menschen in anderen Ländern waren ja noch schlimmer dran – während wir wenigstes jederzeit alleine oder mit der Familie draußen spazieren gehen, Fahrrad oder Inliner fahren durften, mussten die tatsächlich in ihren Wohnungen oder Häusern bleiben – wochenlang war kein Kind auf der Straße! Und vielen von uns ist diese Zeit schon mega schwer gefallen.

Jetzt stell dir mal vor, wir reden nicht von fünf Wochen, sondern von fünf Monaten! Ich vermute, Noah dürfte öfter mit dem Zweifel konfrontiert worden sein, dass Gott ihn womöglich vergessen haben könnte – einfach aus dem Grund heraus, dass es so lange gedauert hat. Aber dann hat Gott ihm gezeigt, dass er ihn nicht vergessen hat. Gott sorgte stattdessen für einen Wind, der das Wasser noch schneller verschwinden ließ und er sorgte für einen »sicheren« Landeplatz: Denn statt auf einem Berg festzusitzen, hätte die Arche auch an einem Gipfel zerschellen können.

Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Auch im Zorn und in den großen Katastrophen meines Lebens ist Gott bei mir! Er schenkt mir mit seinem Wort schon in den »guten Zeiten« Orientierung und Hilfe, sodass es mir möglich ist, den Herausforderungen meines Lebens zu begegnen. Sollte es dann doch mal zum Äußersten kommen, ist er für mich da und trägt mich hindurch. Und auch wenn es mal länger dauert (z. B. 150 Tage J ), dann darf ich darauf vertrauen, dass Gott mich nicht vergessen oder verlassen hat: Er wird handeln und mein Leben wieder auf gute und sichere Bahnen lenken.

Ablauf

Einstieg

  • gemeinsam singen und beten
  • sammelt im Brainstorming auf Plakaten alle Eigenschaften, die ihr mit Gott in Verbindung bringt – sind es mehr positive oder negative Begriffe?
  • überlegt gemeinsam: welche Geschichten kennt ihr, wo Gott nicht als »der liebe Gott« erscheint?

Hauptteil

Du liest den Text in Abschnitten vor (die Übersetzung »Hoffnung für alle« eignet sich auch sehr gut) – dazwischen kannst du Fragen stellen, um miteinander ins Gespräch zu kommen:

  • nach Vers 5: was wäre dir durch den Kopf gegangen, wenn du von Gott so einen Auftrag bekommen hättest?
  • nach Vers 7: mit welchen Gedanken hättest du die Arche betreten?
  • nach Vers 14: welche Tiere hätten dich am meisten/wenigsten gefreut?
  • nach Vers 16: was ginge dir jetzt durch den Kopf?
  • nach Vers 22: was denkst du über die Menschen, die nicht an Bord sind?
  • nach Vers 24: was würdest du in dieser Zeit am meisten vermissen?
  • nach Vers 3: worauf freust du dich jetzt am meisten? Wie hast du Gott in den letzten Monaten in der Corona-Zeit erlebt?

Schluss

  • Auslegung
  • stille Phase: Alle überlegen, wo sie schon einmal Bewahrung erlebt haben.
  • Gebetsrunde: Dankt Gott für alles Gute, was er bereits geschenkt hat. Bittet für die Herausforderungen, die euch aktuell belasten.

Literaurempfehlung: in Büchern wie »Einmal Himmel und zurück« v. Bottke / Hutchings findet ihr aktuelle Beispiele, wie Gott heute noch im Leben von Teens wirkt!

  • Autor / Autorin: Sandra Thies
  • © CVJM-Westbund

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