„DU kommst hier nicht rein!“„DU kommst hier nicht rein!“

Einheit: „DU kommst hier nicht rein!“

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 30-60 Min. (Vorbereitung: 15-20 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde, Predigtvorbereitung
Redaktion: echt.
Benötigtes Material: Bilder von Prominenten

1. Erklärungen zum Text (Apostelgeschichte 9,19b-31)

Dass Jesus plötzlich auftaucht (9,5), stellt alles auf den Kopf und sorgt für Entsetzen. Offensichtlich bei allen! Erstens bei Saulus. Jesus selbst stellt sich ihm in den Weg, als Saulus Richtung Damaskus unterwegs ist, um die Christen dort zu jagen und gefesselt nach Jerusalem zu bringen (Apg 9,2). Die Begegnung mit Jesus haut ihn um, sodass er drei Tage lang weder sehen noch essen kann (Apg 9,1-9).
Zweitens entsetzten sie sich in den Synagogen (Apg 9,21): Es war doch Saulus gewesen, der noch vor kurzer Zeit mit allen Mitteln diese neue, sich gefährlich ausbreitende Sekte bekämpft hatte. Und jetzt sollte solch ein starker und zielstrebiger Mann plötzlich selbst dieser offensichtlichen Irrlehre verfallen sein? Unfassbar! Dazu war er noch überzeugend, ja, sehr überzeugend! Er musste aus dem Weg geräumt werden. Daher versuchte der Statthalter des Königs Aretas ihn in Damaskus in seine Gewalt zu bringen (2. Kor 11,32 f.), doch mithilfe der Mitchristen konnte der einst so stolze Gelehrte Saulus, direkter Schüler des großen Gamaliel, äußerst knapp – und ziemlich unrühmlich – entkommen (Apg 9,25). So wurde schon nach wenigen Tagen wahr, was Gott ihm hatte mitteilen lassen: „Du wirst wegen mir viel leiden müssen!“ (Apg 9,16)
Drittens werden selbst Hananias und viele andere Christen von Furcht und Entsetzen gepackt, weil sie einfach nicht glauben können, dass Saulus jetzt wie ausgewechselt sein soll (Apg 9,13 f.+26)! Viele von ihnen hatten seinen Hass sicherlich am eigenen Leibe erfahren oder mit ansehen müssen, wie Schwestern und Brüder, Eltern oder Freunde aufgrund ihres neuen, ungewöhnlichen Glaubens bedroht, gefangen oder sogar ermordet worden waren. War sein Erscheinen vielleicht eine Falle? Wer weiß!? Der Gedanke daran saß jedenfalls tief. Nach Galater 1,16-18 waren seit dem Ereignis vor Damaskus drei lange Jahre vergangen, in denen Saulus in Arabien unterwegs war, bevor er nach Jerusalem kam, um die Apostel kennenzulernen. Trotzdem brauchte es immer noch die Fürsprache des angesehenen Barnabas, damit die Apostel ihre Furcht überwinden konnten, ihn aufzunehmen (Apg 9,26-28). Doch als die Christen endlich gemerkt hatten, dass Saulus – jetzt Paulus – tatsächlich ihr Bruder geworden war, da war klar: Trotz Leid und Bedrängnis würde niemand die Verbreitung von Gottes Botschaft aufhalten können. Nicht in Jerusalem, nicht in Judäa, nicht in Samarien (Apg 1,8; 9,31) und – wie in den folgenden Kapiteln zu sehen sein wird – nicht in der ganzen Welt. Denn Jesus ist stärker als der größte Verfolger.

2. Bedeutung für heute

Paulus versucht, sich zur Gemeinde zu halten. Er möchte gern Teil davon sein. Aber man lässt ihn nicht (Apg 9,26). Erst Barnabas bricht das Eis. Paulus erscheint uns immer als die ganz große Nummer in der Urgemeinde. Aber zu Beginn war er das nicht! Barnabas war der, der ihm etwas zutraute, ihn in die Mitarbeit hineinnahm und ihm zeigte, wie Gemeinde funktioniert, wie die Jesus-Leute ticken – oder wie sie ticken sollten. Er war ein bewährter Mann, „voll Heiligen Geistes und Glaubens“ (Apg 11,22-24). Ein Vorbild. Er setzte sich voll für Jesus ein, nicht nur von Herzen, sondern auch mit seinem Besitz (Apg 4,36 f.). Er holte Paulus später als Kollegen in die Gemeinde nach Antiochia (Apg 11,25 f.), bevor sie dann gemeinsam zur ersten Missionsreise aufbrachen (Apg 13,1-3). Erst ein Streit darüber, ob sie Markus zur nächsten Reise mitnehmen sollen oder nicht, entzweit die beiden (Apg 15,36-40). Und Barnabas lässt Paulus ziehen. Er weiß, dass Paulus ihn nun nicht mehr braucht. Er hat ihm jetzt alles beigebracht. Barnabas tritt in die zweite Reihe zurück, verbreitet das Evangelium in seiner Heimat Zypern (Apg 4,36; 15,39) und wird in der Apostelgeschichte nicht mehr erwähnt.

Doch ohne Barnabas kein Paulus, und ohne Paulus … schwer zu sagen, wie sich die Christenheit ohne ihn ausgebreitet hätte. Und wer weiß, wie sie diesen letzten Schritt des Auftrags von Jesus – „… bis ans Ende der Welt“ (Apg 1,8) – geschafft hätten.

Was trauen wir Menschen zu, die neu in unsere Kinder- und Jugendkreise kommen? Und die vielleicht von manchen nicht gern gesehen sind, weil sie eine schwierige Vergangenheit haben, weil sie ein bisschen extrem erscheinen, weil sie nicht die einfachsten Typen sind und auch nicht so richtig in die Gruppe passen. Das alles traf auch auf Paulus zu. Barnabas lässt sich davon nicht abschrecken. Denn Jesus selbst hatte eigentlich nur mit solchen Leuten zu tun (Apg 1,13): Einfache Fischer, Zöllner, ein Zelot (ein Widerstandskämpfer) mit sicherlich bedenklichen Ansichten. Jesus weiß, was Gott gerade aus solchen Menschen machen will. Daher hat er sie nicht abgeschrieben, sondern er riskiert es, in sie zu investieren: Zeit, Nerven und vieles mehr. Barnabas hat den Jesus-Blick. Habt ihr, hast du ihn auch?

3. Methodik für die Gruppe

3.1 Einstieg

Clip

Als Beispiel für ein Leben, das sich „Vom Saulus zum Paulus“ gewandelt hat, könnt ihr mit diesem Clip beginnen: https://www.youtube.com/watch?v=o6FlzZMiy58

Spiel

„Wolle ma se neilasse??“ Bilder von Prominenten mitbringen: Angenommen, diese Person käme in den Raum. Jeweils abstimmen: Wer dürfte bleiben, wer müsste gehen?

3.2 Bibeltext lesen

Der Bibeltext aus Apostelgeschichte 9,19b-31 ist ohne den Abschnitt davor (Apg 9,1-19a) nicht zu verstehen, deshalb lest auch diesen Teil oder fasst ihn zumindest kurz zusammen.

3.3 Bausteine zum Textverständnis

Spontan-Theater

Saulus schlendert im Schlepptau von Hananias zum ersten Mal durch die Tür einer noch ahnungslos versammelten Hausgemeinde in Damaskus. Spielt diese Szene nach. Wie reagieren die Gemeindemitglieder? Wie versuchen Hananias und Saulus sie zu beschwichtigen?

Schlagabtausch

Teilt die Gruppe in zwei Lager. Die einen sind dagegen, Saulus aufzunehmen und ihm Vertrauen zu schenken. Die andere Seite versucht, Argumente zu finden, warum ihm doch eine Chance gegeben werden sollte. Was denkt ihr, hat am Schluss den Ausschlag gegeben, dass sie ihn tatsächlich in ihrer Mitte aufgenommen haben?

Persönlichkeits-Check

Versucht etwas über Barnabas herauszufinden! Habt ihr eine Bibel-App mit Suchfunktion auf eurem Smartphone? Dann gebt seinen Namen als Suchbegriff ein und schaut ein paar Treffer nach. Wie würdet ihr den Charakter Barnabas‘ beschreiben? Wie handelt er, als Saulus nach Jerusalem kommt (Apg 9,27)? Was können wir von Barnabas lernen?

(Falls ihr alle vorbildlich eure Smartphones ausgeschaltet habt, hier ein paar Lesetipps: Apostelgeschichte 4,34-37; 11,22-26; 15,36-41.)

Persönliche Fragen und Gedanken zum Text

  • Kennst du jemanden, der auch „vom Saulus zum Paulus“ geworden ist? Also eine überraschende, positive Wende in seinem Leben gemacht hat, mit der nie jemand gerechnet hätte?
  • Gab es in deinem Leben schon einen Barnabas? Jemand, der dir gegen die Meinung anderer oder sogar entgegen deiner eigenen Einschätzung etwas zugetraut und dich so vorangebracht und gefördert hat? In Schule, Ausbildung, Sport, Familie? Und im Glauben? In der Gemeinde? Hast du ihm oder ihr schon einmal dafür gedankt?
  • Wo Saulus auftaucht, herrscht hier zuerst Entsetzen und Ablehnung. Welche Bedingungen sollte jemand erfüllen, der in euren Jugendkreis oder in eure Freundesclique kommt?
  1. Die richtigen Klamotten?
  2. Keine extreme politische Einstellung haben?
  3. Ehrlichkeit?
  4. Musikliebhaber?
  5. Keine „schräge“ Theologie vertreten?
  6. Unserer gewaltigen Intelligenz gewachsen sein?
  7. Sportler?
  8. Eine weiße Weste haben, keine krummen Dinger drehen?
  • Fällt euch jemand ein, der in der Vergangenheit in eurer Gruppe gern heimisch geworden wäre und sich für den Glauben interessiert hat, den ihr aber – bewusst oder unbewusst – nicht hineingelassen habt? Lohnt es sich, noch einmal mit diesem Menschen Kontakt aufzunehmen? Woran hat es damals gelegen? Wo seid ihr in der Situation möglicherweise schuldig geworden? (Wichtig bei dem Gedanken: Hier geht es nicht darum, einander Vorwürfe zu machen! Nehmt euch vielmehr Zeit, für diese Menschen zu beten. Und wo es nötig ist, bittet Gott um Vergebung, wo ihr selbst versagt habt.)
  • Wem kannst du zum Barnabas werden? Wem solltest du mehr Vertrauen schenken, wem eine Chance eröffnen?
  • Autor / Autorin: Christian Hoenemann
  • © Deutscher EC-Verband