Du sollst Gott lieben – wie geht das ohne Zwang? / Eine freiwillige EntscheidungDu sollst Gott lieben – wie geht das ohne Zwang? / Eine freiwillige Entscheidung

Einheit: Du sollst Gott lieben – wie geht das ohne Zwang? / Eine freiwillige Entscheidung

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 60-90 Min. (Vorbereitung: 60-90 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Teens (12-16 Jahre)
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Redaktion: TEC:
Benötigtes Material:
Bibelstelle: 2. Mose 20,2-17

„Du sollst Gott lieben“, das klingt nach Zwang, Regeln, Anstrengung. Doch bevor Gott sagt: „du sollst“, sagt er: „ich bin“. Er stellt sich uns als der Liebende vor und lädt uns ein, mit unserer Liebe darauf zu antworten. Diese Liebe hat weniger mit Gefühl und Verliebtsein zu tun, sondern wirkt sich ganz handfest auf unseren Alltag aus.


Vorschau:

Liebe ohne Zwang – geht das?

„Du sollst lieben“ klingt widersprüchlich. Klar: Man kann sich selbst dazu zwingen, freundlich zu anderen zu sein. Die Eltern können ihren Kindern „befehlen“, lieb zu ihrer komischen Tante zu sein. Aber jemanden wirklich zu lieben, kann man das befehlen? Ist Liebe nicht eine freie Entscheidung, die (auch) auf Sympathie und Gefühlen basiert? Ist es überhaupt noch Liebe, wenn sie angeordnet ist?

„Du sollst Gott lieben.“ Diesen Satz bezeichnet Jesus als das wichtigste Gebot überhaupt. Er hat seinen Ursprung im Alten Testament und zusammen mit der Nächsten- und der Selbstliebe ist er die Zusammenfassung aller Gebote. Wir kennen heute vor allem die Zehn Gebote, die Gott dem Volk Israel als Leitlinien an die Hand gibt. Was für diese gilt, gilt auch für das sogenannte Liebesgebot (Mt 22). Darum zwei Vorinformationen zu den Zehn Geboten:

1. Der Hintergrund ist entscheidend
Wer die Zehn Gebote aufsagt, fängt meist vorn an. Das 1. Gebot lautet: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ Doch tatsächlich beginnen die Zehn Gebote schon einen Vers früher (2. Mose 20,2; 5. Mose 5,6). Bevor Gott einmal „du sollst“ sagt, stellt er zuerst klar „ich bin“. Er erinnert daran, wer er eigentlich ist und welche Bedeutung das für das Volk Israel hat: „Ich bin der Herr dein Gott, der dich aus der Sklaverei in Ägypten geführt hat.“ Er ist der, der ihnen die Freiheit geschenkt hat. Er hat sie erwählt. Er liebt sein Volk. Das ist der Hintergrund, die Grundlage für jedes der folgenden Gebote.

2. „Du wirst“, nicht „du sollst“
Mit dieser Vorgeschichte bekommt das scheinbar drohende „du sollst“ der Gebote eine andere Bedeutung. Es geht nicht darum, stur zehn Regeln einzuhalten und dadurch ein besserer Mensch zu werden. Es geht darum, sich über Gottes Geschenk der Befreiung zu freuen! Ihm treu zu sein, dankbar zu sein für das, was er getan hat, was er aus einem kleinen Haufen von Sklaven gemacht hat: ein Volk, das in einem eigenen Land lebt. Darum „sollen“ die Israeliten Gott nicht lieben, sondern sie „werden“ ihn lieben, sie „werden“ den Sabbat halten und die weiteren Gebote befolgen. Das Halten der Gebote ist die Antwort auf das Geschenk, das Gott ihnen gemacht hat.

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  • Autor / Autorin: Katharina Schöpflin
  • © Deutscher EC-Verband