Einander tragenEinander tragen

Einheit: Einander tragen

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 30-60 Min. (Vorbereitung: 15-25 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde, Schulung
Redaktion: echt.
Benötigte Materialien: Luftballon(s), umgedrehter Tisch (oder andere Platte), Bettdecken-Bezug
Bibelstelle: Galater 6,1-10

1. Erklärungen zum Text

Der Textabschnitt lässt sich in zwei Gedankenkreise gliedern: Der erste Gedankenkreis umfasst die Verse 1-5 und thematisiert die Sanftmut, während es im zweiten Gedankenkreis, in den Versen 6-10, um die Frage des „Gutseins“ geht. Bezugspunkt für beide Gedankenkreise sind die Früchte des Geistes.

V.1: „… nun kann es vorkommen, …“ (BB). Diese Formulierung finden wir ganz häufig im Gesetzbuch des Mose. In vielen Bibelübersetzungen findet sich hier einfach das Wort „wenn“ (Luther 17 z. B.). Diese Formulierung zielt immer auf eine Störung in der Gemeinschaft der Gläubigen. „… dass sich jemand zu einer Verfehlung verleiten lässt“ (BB), macht hier die Störung deutlich. Wie ist nun die Reaktion auf das sündhafte Handeln? Für Paulus ein Kernthema, schließlich widmet er sich stärker der Reaktion als der Ursache.

V.2.3: „… das Gesetz, das Christus gegeben hat.“ (BB) Paulus schlägt hier bewusst den Bogen zu Christus. Auch außerhalb der Gemeinde gibt es den Gedanken des gemeinsamen Lastentragens. Es ist keine christliche Erfindung. Allerdings ist der Gedanke des gegenseitigen Tragens von Schuld schon ein christliches Alleinstellungsmerkmal, welches von Christus selbst vorgelebt wurde. Paulus warnt auch vor frommgemeinter Arroganz, die sich über den gefallenen Mitchristen stellt. Der Vergleich mit den Geschwistern im Glauben ist nie hilfreich.

V.4.5: Wie geht nun eine gute Prüfung? Nicht im Vergleich, sondern im Blick auf das, was Gott in mich hineingelegt hat. Hat mein Handeln vor Gott Bestand? Wie stehe ich im Licht Gottes da? Diese Perspektive gilt es anzunehmen, und hierzu gilt es auch, ein Ja zu finden. Auf meine Stärken darf ich dann auch stolz sein.

„Jeder wird seine eigene Last tragen.“ Gerade im Zusammenhang mit Vers 4 wird deutlich, dass jeder auch Lasten zu tragen hat. Diese nüchterne Erkenntnis erdet jeden Selbstzufriedenen und motiviert in Sanftmut bzw. Freundlichkeit dem zu begegnen, der gerade besonders zu tragen hat. Solidarität zwischen den Glaubenden ist hier der Kerngedanke und der Abschluss des ersten Gedankenkreises.

V.6: Nun wird es konkret: Anscheinend gab es eine Vernachlässigung bei der Versorgung der Lehrenden durch die Glaubenden. Paulus schneidet hier einen Missstand an, den es in der Gemeinschaft der Glaubenden nicht geben darf. Die Gemeinde war für die komplette Versorgung der Lehrenden zuständig, d. h. für Nahrung, Kleidung, Geld und Unterkunft.

V.7: Der Ton wird schärfer: Das Verweigern der praktischen Nächstenliebe ist gleichbedeutend mit Gotteslästerung. Paulus bringt hier den schon sprichwörtlich gewordenen Ausspruch, dass der, der sät, auch Entsprechendes ernten wird.

V.8.9: Nach dem noch gängigen Bild von Saat und Ernte folgt nun der Übertrag in die geistliche Welt: Paulus fordert auf, den Boden des Heiligen Geistes zu säen, damit wir auch dort ernten. Paulus verweist somit auf die Dimension, die für uns Christen den Unterschied macht: Wir können auf den Heiligen Geist und sein Wirken bauen. Es folgt ein Appell, nicht nachzulassen in dem, was wir Gutes erkannt haben.

V.10: Paulus schließt mit der Aufforderung, dieses Gute allen Menschen zuteil werden zu lassen. Ohne Einschränkung! Übrigens: Das, was im Umgang mit Außenstehenden gilt, sollte für Geschwister im Geist selbstverständlich sein.

2. Bedeutung für heute

In der Lebenswelt Junger Erwachsener stellt die Forderung, einander zu tragen, ein Spannungsfeld dar. Auf der einen Seite ist da eine christlich sozialisierte Lebenswelt, in der gelebte Nächstenliebe mindestens gelehrt und im besten Fall vorgelebt wird. Auf der anderen Seite trifft man auf eine gesellschaftliche Prägung, die das eigene Streben und den eigenen Vorteil massiv propagiert. Sinnbild ist an dieser Stelle der Selfie-Trend. Nicht mehr der andere wird bildlich festgehalten, sondern man selbst soll möglichst groß im Fokus stehen.

Ein anderer Aspekt dieser Egoisierung betrifft auch das Thema Umgang mit Schuld. Individuelle Schuld wird nicht von der Gemeinschaft getragen, sondern eher tabuisiert und beim Einzelnen gelassen. Das Eingeständnis von Schuld ist kein Zeichen von Stärke, sondern von Versagen. Dieses Versagen hat der Einzelne dann auch selbst zu händeln.

Des Weiteren ist selbstloses Handeln gerade für materiell und finanziell besser gestellte junge Menschen auch „in“ und „hipp“. Organisierte Formen der Nächstenliebe wie Freiwilligendienste boomen, lassen aber natürlich Fragen offen, inwieweit dies dann Auswirkungen auf das tatsächliche Umsetzen der von Paulus geforderten Nächstenliebe hat.

3. Methodik für die Gruppe

Aktion

Wie viel Gewicht können Luftballons tragen?

Eine Ameise kann ja bekanntlich das 100-fache ihres Körpergewichts tragen. Was meint ihr, wie viel Gewicht können Luftballons tragen? Holt mal die Meinungen der Teilnehmenden ein und diskutiert kurz darüber.

Material:

Luftballons, Bettdeckenbezug, umgedrehter Tisch oder andere Platte

Ablauf / Aufbau:

  • Die Luftballons werden auf ca. 20-25 cm Durchmesser aufgeblasen und in den Bettdeckenbezug gesteckt, bis dieser gut gefüllt ist.
  • Anschließend wird der Tisch mit der Platte auf diesen gefüllten Bettdeckenbezug gestellt (Tischbeine nach oben).
  • Nun dürfen sich die Teilnehmenden nacheinander auf die Tischplatte stellen. In der Regel sollten bis zu fünf Erwachsene darauf stehen können.

Kurzer Gedanke dazu:

In Gemeinschaft (die Luftballons) lässt sich viel mehr tragen als allein.

Methode zum Bibellesen: Västeras-Methode

Benannt nach der schwedischen Kleinstadt Västeras, in der 1960er Jahren diese Methode entstanden sein soll.

Methodische Schritte

  • Der Text wird zuerst laut von einem Teilnehmenden vorgelesen.
  • Nun lesen noch mal alle Teilnehmenden den Text für sich intensiv durch.
  • Mithilfe von bestimmten Symbolen wird der Text markiert:
  • ? Fragezeichen – unklare Textstellen, die nicht verstanden wurden und Fragen offen gelassen haben
  • ! Ausrufezeichen – Textstellen, in denen etwas deutlich bzw. wichtig wird und der Leser eine Einsicht erhält
  • -> Pfeil – der Leser fühlt sich bei diesen Textstellen persönlich angesprochen
  • Nachdem alle Teilnehmenden den Text derart bearbeitet haben, wird er nun Vers für Vers durchgesprochen.

Hinweise zur Methode

  • Diese Methode lebt weniger von der moderierten Leitung, sondern vielmehr vom Austausch und Teilen der gewonnenen Erkenntnisse.
  • Wichtig ist hier, dass die Teilnehmenden ermutigt werden, über ihre Erkenntnisse und Markierungen zu sprechen.
  • Vorbereitete Fragen werden nicht benötigt. Allerdings kann der Leiter natürlich im Vorfeld seinen Text durcharbeiten und seine eigenen Markierungen als Gesprächsimpuls nutzen.
  • Die Erläuterungen zum Text dienen vor allem als Background-Informationen für den Leiter.

Gemeinsames Gebet

Methode: Darf-ich-für-dich-beten-Zettel

Zu Beginn der Gebetszeit teilt sich die Gruppe in Kleingruppen von 6 bis 8 Personen. In jeder Kleingruppe gibt es einen kurzen (!) Austausch über Anliegen, die die Teilnehmenden aufgrund der Bibelarbeit, aber auch darüber hinaus, bewegen.

Folgende Anliegen können euch im Gebet leiten:

  • Betet für euch als Gruppe / für eure Gemeinde.
  • Betet für einen wachen Blick für die Sorgen und Nöte der anderen.
  • Betet, dass Gott euch immer wieder Sanftmut und Barmherzigkeit schenkt.
  • Betet um Bewahrung vor falscher (frommer) Überheblichkeit.

Nun gibt es eine Gebetsgemeinschaft, in der jeder für jeden beten kann und darf. Am Ende der Gebetsrunde bekommt jeder einen Zettel, auf den er seinen Namen und einen Dank oder eine Bitte für die kommende Woche aufschreiben kann. Dann werden die Zettel eingesammelt, gemischt und in der Kleingruppe wieder neu ausgeteilt. Während der Woche betet dann jeder für die Person, deren Zettel ihm zugeteilt wurde.

In der nächsten Woche / beim nächsten Treffen macht ihr eine Austauschrunde über die Entwicklung eurer Gebetsanliegen. Bei wem hat sich was getan? Wo wurde Gebet erhört? Die Frage, wer für wen gebetet hat und wie viel gebetet wurde, wird nicht thematisiert.

  • Autor / Autorin: Christian Petersen
  • © Deutscher EC-Verband