Er-wählt

Einheit | Theologischer Artikel
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Er-wählt

Materialart: Theologischer Artikel
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Verband: Deutscher EC-Verband
Redaktion: echt.
Zeitbedarf: 15-20 Min. (Vorbereitung: 10-15 Min.)
Bibelstelle: Johannes 15,16 anzeigen
Bibelstelle
Johannes 15,16

16Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, auf dass, worum ihr den Vater bittet in meinem Namen, er’s euch gebe.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

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Ich kann mich festlegen, weil Gott sich für mich festgelegt hat

Ich liebe den Wahlsonntag: Zum Lokal fahren, einparken, die anderen Wähler grüßen, Wahlbenachrichtigung abgeben, Stimmzettel entgegen nehmen, in der Kabine meine Kreuze machen und den gefalteten Umschlag in die Urne stecken. Es ist ein herrliches Ritual, mit dem wir unser demokratisches Recht zelebrieren. Besonders lieb ist mir die Kommunalwahl. Ich kenne nämlich unseren Bürgermeister persönlich und weiß, wie er sich für seine Bürger und damit auch für mich einsetzt. Unermüdlich arbeitet er für die Weiterentwicklung unserer kleinen Stadt, obwohl ihm das oft wenig Anerkennung, dafür aber viel Kritik oder sogar Verleumdung einbringt. Mit meiner erneuten Wahl reagiere ich auf seine Hingabe an uns Bürger und auch an mein Wohlergehen.

ER hat gewählt

Wenn wir uns für Gott entscheiden und ein Leben unter seiner Leitung wählen, reagieren wir damit auf die Wahl, die Gott bereits getroffen hat und auf seine Hingabe an uns. „Nicht ihr habt mich ausgewählt, sondern ich habe euch ausgewählt“ sagt Jesus zu seinen Jüngern (Joh 15,16). Natürlich treffen wir auch eine Entscheidung, aber die ist immer eine Antwort auf Gottes Entscheidung für uns. Wir können mit Gott nur befreundet sein, weil er uns zuerst eine Freundschaftsanfrage geschickt hat. Unsere E-Mail an Gott schreiben wir nicht aus dem Stand heraus, sondern immer nur als Klick auf „Antworten“. Unsere Bekehrung ist, ebenso wie die sogenannte Glaubenstaufe, immer nur ein „ja ich will“ auf die Einladung Gottes.

Diese Einverständniserklärung, ein Leben unter der Leitung des Heiligen Geistes zu führen, ist ein Schritt in die Freiheit. Freiheit ist keine Bindungslosigkeit, sondern der Eintritt in das Element, für das wir geschaffen sind. „Frei wie ein Vogel im Wind“ sagen wir, weil der Wind das Element ist, für das der Vogel geschaffen wurde. Für den Flug im Wind ist sein Federkleid konstruiert, so dass er sich von diesem mühelos tragen lassen kann. Der Fisch ist frei im Wasser. Dort kann er sich optimal bewegen und seine Gaben entfalten. Der Mensch ist geschaffen für das Leben in der Gegenwart Gottes. Dort können wir zu unserer ganzen Schönheit aufblühen und die Gaben entfalten, die der Schöpfer uns gegeben hat. Heilsame Kreativität entfalten, Barmherzigkeit üben und überschwängliche Freude empfinden – zu alle dem inspiriert uns die Aura Gottes. „Frei wie ein Mensch“ in der Gegenwart Gottes.

Frei vom Gesetz

Die Freiheit der Kinder Gottes zeigt sich zunächst als Freiheit von etwas. Es ist die Freiheit von dem vergeblichen Versuch, uns selbst für die Gegenwart Gottes tauglich zu machen. Das Neue Testament beschreibt das als Freiheit von allen möglichen Gesetzen, durch deren Einhaltung wir vergeblich versuchen, die Freundschaft Gottes zu erzwingen. Martin Luther ist dem in einer seiner Hauptschriften „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ nachgegangen. Im 10. Abschnitt schreibt er: „So sehen wir, dass ein Christenmensch an dem Glauben genug hat; er bedarf keines Werkes, damit er fromm sei.“ Wie wir gleich sehen werden, bedeutet das keineswegs „dass wir müßig gehen und übel tun möchten …“ Es bedeutet aber „dass wir keines Werks zur Frommheit und um Seligkeit zu erlangen bedürfen.“ Frei vom Gesetz!

Frei zur Hingabe

Die Freiheit der Kinder Gottes ist aber nicht nur Freiheit von, sondern vor allem Freiheit zu etwas. Wir sind dazu befreit, unsere Bestimmung zu leben. Wir sind frei, alles auf diese eine Karte zu setzen und dem Gott, der unsere Freiheit vorbereitet hat, vollständig zu vertrauen. Wir sind frei, den Verdacht abzulegen, dass uns für empfangene Wohltaten doch irgendwann eine Rechnung präsentiert wird. Wir sind frei davon, uns einen Plan B zu machen für den Fall, dass das Leben mit Jesus doch nicht die Erfüllung bringen sollte, die er uns verspricht. In bin frei, mein angeborenes und durch schlechte Erfahrungen mit Menschen genährtes Misstrauen abzulegen und mein Schicksal voll und ganz in Gottes Hand zu legen.

Das Logo unseres Jugendverbandes ist weise gestaltet und man hat durch alle Anpassungen an das jeweilige Corporate Design daran festgehalten, dass bei „Entschieden für Christus“ das C immer vorne steht und gleichzeitig das E umschließt. Weil es so ist, weil Christus und seine Entscheidung für uns unserer Entscheidung für ihn immer vorausgeht, können wir sie wagen. Wir dürfen sie wagen und müssen sie eigentlich wagen, wenn wir uns seiner alles verändernden Gegenwart und der Freiheit, die er schenkt, nicht entziehen wollen. Es klingt vielleicht wie Theologie, tatsächlich ist diese Entscheidung aber der überwältigende Liebesakt, der Gott glücklich macht und uns in die Freiheit führt, für die wir geschaffen sind.

Frei zum Dienst

„Nicht ihr habt mich ausgewählt, sondern ich habe euch ausgewählt“ sagt Jesus und setzt fort: „Ich habe euch dazu bestimmt, dass ihr hinausgeht und reiche Frucht bringt.“ Oha – es kommt also doch was nach. Nichts mit bedingungsloser Freiheit und Liebe? Folgt die Forderung auf dem Fuß? Nein! Die Sache mit der Frucht ist keine Einschränkung, sondern eine Konkretisierung von Gottes liebender Zuwendung.

Der Mensch hat kein inspirierendes Leben, wenn er es im Bett oder vor der Spielekonsole verbringt. Um wirklich zu leben, muss man raus gehen und es krachen lassen! „Leben in Fülle“ gibt es nicht im stillen und heimlichen Konsum der Liebe Gottes. Freiheit ruft danach, sich mit Jesus in seine Mission zu stürzen und mit ihm die Welt umzukrempeln. Dabei ist Frucht bringen keine Anforderung, sondern eine Verheißung. Wer nicht im geistlichen Bett liegen bleibt, wird erleben, wie durch ihn etwas geschieht. Es geht nicht darum, selber etwas Großes zu initiieren, sondern darum, sich gebrauchen lassen. Wer sich dem nicht verweigert, wird sich als Kind Gottes spüren und sein volles Potential entfalten. Freiheit die nur von etwas und nicht zu etwas genutzt wird, ist vergeudete Freiheit!

Luther, der Wiederentdecker der Freiheit, beginnt seine Freiheitsschrift mit dem Satz: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan.“ Er fügt aber nahtlos an „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“ und konkretisiert das im 27. Abschnitt folgendermaßen: „So will ich solchem Vater, der mich mit seinen überschwänglichen Gütern so überschüttet hat, wiederum frei, fröhlich und umsonst tun, was ihm wohlgefällt und meinem nächsten gegenüber  … nichts mehr tun als das, wovon ich sehe, dass es ihm not, nütze und selig ist …“. So geht Freiheit. So geht Leben in Fülle. Auf geht’s!

  • Autor / Autorin: Rudolf Westerheide
  • © Deutscher EC-Verband
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