Erbarmen und Herz – Gedanken zur JahreslosungErbarmen und Herz – Gedanken zur Jahreslosung

Einheit: Erbarmen und Herz – Gedanken zur Jahreslosung

Verband: CVJM-Westbund
Zeitbedarf: 60-90 Min. (Vorbereitung: 10-15 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Kinder/ Pre-Teens (10-13 Jahre), Teens (12-16 Jahre), Mädchen
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Redaktion: KON
Benötigte Materialien: DIN-A4-Blätter, Edding(s), große Pappen (bunt), Bindfaden (mehrere in Girlandenlänge), Lochstanze
Bibelstelle:

Der Artikel bietet eine biblische Auslegung der Jahreslosung sowie Inspirationen und Vorschläge, sich mit dem Text und dem Begriff »Barmherzigkeit« kreativ auseinander zu setzen.


Vorschau:

An der Jahreslosung 2021 zeigt sich ein Phänomen. Es ist ein starker Satz Jesu, ein Satz mit Nachdruck. Ein Satz, den man kennt. Die Jahreslosung wird zum Paradebeispiel für das Phänomen unseres gerne gepflegten christlichen word circles, unserer »kirchlichen« Sprache – man könnte auch etwas provozierender sagen, für unseren christlichen Hochmut, für unsere Sprache der Besonderen, für das „Na klar, Barmherzigkeit!“ – Was meinen wir hier eigentlich?

Es gibt Verse in der Bibel, und die Jahreslosung 2021 gehört dazu, die wir lesen und speichern – und abhaken. Diese Verse, die uns selbst so bekannt und geläufig sind und die vielleicht auch in unserem christlichen Umfeld so oft zitiert und ausgelegt werden, dass wir sie irgendwann unter »verstanden« abspeichern. Das ist an sich nichts Schlechtes, schwierig wird es nur, wenn wir aus »verstanden« irgendwann unterbewusst »abgehakt« werden lassen. Das bedeutet, es gibt dann Sätze und Wörter, die wir so oft gehört haben, dass sie uns nicht mehr herausfordern, Wörter, von denen uns unser Hirn suggeriert, wir hätten ihre Bedeutung umfassend begriffen und verstanden und die uns vermeintlich total klar sind, die wir überlesen oder die wir eben gar nicht mehr richtig wahrnehmen. »Barmherzig sein, ja klar, kenn ich, kann ich, mach ich doch!«, ist so eine Überzeugung, bei der wir uns beim Lesen ertappen können.

Das ist nicht gut, eigentlich ein dickes Problem. Warum? Wenn wir nicht mehr fragen, Wörter nicht mehr hinterfragen, wird unser Glaube und auch unser Bild von unserem Gott schnell ziemlich unspannend, um genau zu sein, langweilig, nicht mehr wirklich herausfordernd. Wenn wir denken, alle diese Eigenschaften Gottes wie Barmherzigkeit, Güte und Gnade umfassend verstanden zu haben, werden wir unterbewusst aufhören, weiter zu forschen, die Bibel zu studieren und nicht nur zu lesen – und wir werden auch aufhören, Dinge von Gott zu erwarten.

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  • Autor / Autorin: Miriam Müller-Schewtschuk
  • Autor / Autorin:
  • © CVJM-Westbund