Für Gott nur das Beste…Für Gott nur das Beste…

Einheit: Für Gott nur das Beste…

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 60-90 Min. (Vorbereitung: 10-40 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde
Redaktion: echt.
Benötigte Materialien: Fotos (von Orten, an denen man Gott begegnen kann; ausgedruckt oder digital), Laptop (falls die Fotos digital gezeigt werden sollen), Beamer (falls die Fotos digital gezeigt werden sollen)
Bibelstelle: 2. Chronik 2,1-17
2. Chronik 2,1-2,17

2

1Und Salomo zählte 70000 ab, die Lasten tragen, und 80000, die im Gebirge Steine hauen sollten, und 3600 Aufseher über sie. 2Und Salomo sandte zu Hiram, dem König von Tyrus, und ließ ihm sagen: Wie du mit meinem Vater David tatest und ihm Zedern sandtest, dass er sich ein Haus baute, in dem er wohnte, – 3siehe, ich will dem Namen des Herrn, meines Gottes, ein Haus bauen, das ihm geheiligt werde, um gutes Räucherwerk vor ihm zu räuchern und ständig Schaubrote zuzurichten und Brandopfer am Morgen und am Abend, an den Sabbaten und Neumonden und an den Festen des Herrn, unseres Gottes, wie es allezeit für Israel gilt. 4Und das Haus, das ich bauen will, soll groß sein; denn unser Gott ist größer als alle Götter. 5Aber wer vermag es, ihm ein Haus zu bauen? Denn der Himmel und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen. Wer bin ich denn, dass ich ihm ein Haus baue, es sei denn, um vor ihm zu opfern? 6So sende mir nun einen weisen Mann, der mit Gold, Silber, Bronze, Eisen, rotem Purpur, Karmesin und blauem Purpur arbeiten kann und der Bildwerk zu schnitzen versteht zusammen mit den Weisen, die bei mir in Juda und Jerusalem sind und die mein Vater David bestellt hat. 7Und sende mir Zedern-, Zypressen- und Sandelholz vom Libanon; denn ich weiß, dass deine Knechte das Holz des Libanon zu hauen wissen. Und siehe, meine Leute sollen mit deinen Leuten sein, 8dass man mir viel Holz zubereite; denn das Haus, das ich bauen will, soll groß und wunderbar sein. 9Und siehe, ich will den Holzhauern, deinen Knechten, die das Holz behauen, 200000 Scheffel Weizen und 200000 Scheffel Gerste und 20000 Eimer Wein und 20000 Eimer Öl geben.

10Da antwortete Hiram, der König von Tyrus, in einem Brief und sandte zu Salomo: Da der Herr sein Volk liebt, hat er dich zum König über sie gemacht. 11Und Hiram schrieb weiter: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels, der Himmel und Erde gemacht hat, dass er dem König David einen weisen, klugen und verständigen Sohn gegeben hat, der dem Herrn ein Haus bauen will und auch ein Haus für seine Königsherrschaft! 12So sende ich nun einen weisen und verständigen Mann, Hiram, meinen Berater; 13er ist der Sohn einer Frau von den Töchtern Dan, und sein Vater ist ein Tyrer gewesen. Der versteht zu arbeiten mit Gold, Silber, Bronze, Eisen, Steinen, Holz, rotem und blauem Purpur, feiner Leinwand und Karmesin, und Bildwerk zu schnitzen und alles, was man ihm aufgibt, kunstreich zu machen mit deinen Weisen und mit den Weisen meines Herrn, des Königs David, deines Vaters. 14So sende nun mein Herr seinen Knechten, wie er gesagt hat, Weizen, Gerste, Öl und Wein, 15so wollen wir das Holz hauen auf dem Libanon, soviel du bedarfst, und wollen es auf Flößen übers Meer nach Jafo bringen. Von da musst du es hinauf nach Jerusalem schaffen.

16Und Salomo zählte alle Fremdlinge im Lande Israel, nachdem schon sein Vater David sie gezählt hatte, und es fanden sich 153600. 17Und er machte von ihnen 70000 zu Trägern und 80000 zu Steinhauern im Gebirge und 3600 zu Aufsehern, die die Leute zum Dienst anhielten.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

1. Erklärungen zum Text

1.1 Zur Vorgeschichte

Einen Tempel zu bauen, war keine neue Idee von Salomo. Noch in der Wüste, nach dem Auszug Israels aus Ägypten, entstand die Vorstellung eines „Zeltes der Begegnung“ – die Stiftshütte (Ex 25f) wurde errichtet. Das mobile Heiligtum Israels drückte aus, dass Gott mit seinem Volk gemeinsam unterwegs war und mitten unter ihnen wohnte. Eigentlich war klar, dass Gott selbst kein Haus braucht. Die Orte, an denen Gott seinem Volk begegnete, waren sehr unterschiedlich. Das Zelt sollte der Ort werden, der die Israeliten ständig an die Gegenwart ihres Gottes erinnern sollte. Hier sollte ganz konkrete Begegnung von Gott und Mensch stattfinden.
Nachdem das Volk sesshaft geworden war und die kriegerischen Auseinandersetzungen langsam abklangen, kam König David angesichts seines eigenen Wohlstandes auf die Idee, für Gott ein Haus zu bauen (1. Chr 17). Es wird sogar berichtet, dass David schon einen großen Vorrat an Material für den Bau gesammelt hatte (1. Chr 22). Gott aber stoppt das Vorhaben: Einer von Davids Söhnen soll es zukünftig realisieren.
Während Salomo in den Königebüchern nach seiner Amtseinführung zunächst einige andere Dinge in Angriff nimmt, beginnt er seine Herrschaft in der Chronik sofort mit den weiteren Vorbereitungen für den Tempelbau. Bei ihm hängt der Bau des Gotteshauses mit seinem eigenen Hausbau zusammen (2. Chr 1,18). Die Anfrage an Hiram von Tyros, der schon an David Baumaterial geliefert hatte (1. Chr 14,1), erinnert an die Vorgeschichte.

1.2 Zum vorliegenden Text

In dem vorliegenden Textabschnitt handelt es sich um die schriftliche Vereinbarung eines Handels zwischen Israel und Tyros. Salomo braucht Material und Fachwissen, dass er in seinem eigenen Land nicht bekommt. Dafür bietet er eine angemessene Bezahlung an. Hiram lässt sich auf den Handel ein. Er besteht zwar auf Vorkasse, schickt aber, wie gewünscht, unverzüglich einen begabten Künstler nach Jerusalem, der ebenfalls Hiram heißt. Wenn man von den vielfältigen Fähigkeiten dieses Künstlers liest, wird auch eine gewisse Parallele zum Stiftshüttenbau deutlich (vgl. Bezalel in Ex 35,30f).

Salomo ordnet an, dass das Haus des Herrn groß und prächtig sein und aus den edelsten Materialien hergestellt werden soll. Die Idee ist, dass dadurch zumindest ein schwacher Abglanz der Herrlichkeit Gottes sichtbar gemacht wird. Außerdem soll man Gott das Beste und Wertvollste zur Verfügung stellen, was man hat.

Hätten neben dem Material und dem Bauleiter jedoch auch noch alle benötigten Arbeiter angemessen entlohnt werden müssen, wäre das Bauvorhaben vermutlich nicht realisierbar gewesen. Die Juden konnten laut Gesetz nicht zur Zwangsarbeit herangezogen werden, darum wurden einfach alle „Ausländer“ (ehem. Kriegsgefangene) für die Arbeit rekrutiert. Die große Zahl 153.600 erklärt sich aus der Größe des Bauvorhabens, das innerhalb von nur 7 Jahren realisiert wurde (1. Kön 6,38).

1.3 Zusammenfassung

Insgesamt kann man wohl sagen, dass Salomo sich das Haus Gottes einiges kosten ließ. Wenn man jedoch die gesamte Regierungszeit Salomos betrachtet, merkt man auch, dass sein Reichtum, seine prächtigen Bauten und auch seine Friedenspolitik durchaus ihre Schattenseiten hatten. Für die Finanzierung seiner Projekte kam hauptsächlich das Volk auf (1. Kön 5, 1-8 + 12, 4). Die vielen ausländischen Frauen am Hof Salomos, die vermutlich mit seinen diplomatischen Beziehungen zusammenhingen, „verführten“ ihn zur Anbetung fremder Götter (1. Kön 11). Er schaffte es letztlich nicht, das Königreich Israel auch für die Folgegeneration zu sichern. Kurz nach seinem Tod kam es zur Reichsteilung, es entstanden die Königreiche Israel im Norden und Juda im Süden (2. Chr 10).

2. Bedeutung für den heutigen Hörer

2.1 Gott ins Haus sperren

Salomo teilt nicht die Vorstellung anderer Völker, die meinen, ihrem Gott ein Wohnhaus bauen zu können. Gott ist viel größer „…und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen“ (V. 5). Er braucht kein Haus in Jerusalem. Dennoch soll um der Menschen willen ein Ort geschaffen werden, der ihnen hilft, Gott regelmäßig zu begegnen. Die Opfervorstellung des AT entwickelt sich in die gleiche Richtung – Gott ist nicht derjenige, der die Opfer braucht, sondern er ermöglicht Rituale, die es den Menschen der jeweiligen Zeit erleichtern sollen, Gott zu begegnen. Das gilt auch für uns: Selbst die schönsten Gemeindehäuser und die edelsten Kirchen (oder auch andere Projekte) beeindrucken Gott nicht automatisch.

2.2 Für Gott das Beste?

Auf der anderen Seite kann dieser Text dazu inspirieren, über das eigene Verhalten Gott gegenüber nachzudenken. Salomo wollte Gott mit den besten und edelsten Materialien ehren, die zudem von dem begabtesten Künstler weit und breit verarbeitet werden sollten. Wenn man das nicht so auslegt, als hätte er Gott damit nur oberflächlich beeindrucken wollen, sondern es als eine äußerliche Sichtbarmachung der innerlichen Prioritäten interpretiert, dann wird dieser Abschnitt vielleicht zu einer Herausforderung für unseren Alltag. – Für Gott nur das Beste?

2.3 Etwas Dynamisches erstarrt

An der Geschichte des Tempels kann man gut sehen, wie etwas Mobiles und Menschennahes („Zelt der Begegnung“) fest und unverrückbar wird. Eine anfangs dynamische Bewegung erstarrt aufgrund der eigenen Sesshaftigkeit. Die ursprüngliche Idee Gottes war es ja, sich in einem schlichten Zelt unters Volk zu mischen. Der Wunsch der Menschen war es, ein großes Bauwerk (zur Ehre Gottes) zu errichten. Dabei scheuten sie keine Mühen oder Kosten. In der dramatischen Geschichte des Jerusalemer Tempels setzt sich eine absolut starre Fixierung auf das Heiligtum in Jerusalem durch. Manchmal sind es die großen und schönen Dinge, die die Menschen dazu verleiten, sich zu sehr auf diese Äußerlichkeiten zu fixieren und die ursprüngliche Idee zu vergessen.

3. Methodischer Teil

3.1 Einstieg

Ein Mitglied der Gruppe oder der/die Gruppenleiter/in kümmert sich im Vorfeld darum, einige Bilder von Orten zu sammeln, an denen man besonders gut mit Gott reden kann. Die Bilder können dann ausgedruckt vorliegen oder auf dem Laptop/ Fernseher/ Beamer gezeigt werden (z.B. eine kleine Kapelle, eine Kathedrale, ein Sonnenaufgang am Strand, Berggipfel, ein Waldweg, eine dekorierte Gebetsecke…)

  • Schaut euch die verschiedenen Bilder zunächst einige Minuten kommentarlos an. Etwas Musik im Hintergrund kann helfen, sich auf die Bilder einzulassen.
  • Menschen begegnen Gott an unterschiedlichsten Orten auf unterschiedlichste Art und Weise. Welches der Bilder spricht dich am meisten an? Welches am wenigsten? Was fehlt?

Erzählt euch von euren eigenen heiligen Orten, an denen Gott euch begegnet ist.

3.2 Der Text

Lest den Text, jeder für sich, einmal in Ruhe durch.

  • Was spricht dich an oder was fällt auf?
  • Was irritiert dich oder erscheint dir unklar?

Jeder kann sich anschließend zu seinen Entdeckungen äußern. Die ersten Eindrücke werden einfach ohne Diskussion gesammelt und angehört.

3.3 Vertiefung

Für Gott nur das Beste? Mit dem Haus Gottes kann ja im übertragenen Sinne mehr gemeint sein, als nur der Ort oder das Gebäude für den Gottesdienst. Salomo hat groß von Gott gedacht und wollte auch, dass der Tempel diese Größe repräsentiert.

Partnerübung: Bildet Zweiergruppen und denkt euch eure Traumgemeinde aus: Welche Menschen finden sich dort? Wie sehen das Kirchengebäude und die Inneneinrichtung aus? Wie ist die Musik oder das Essen, der Gottesdienstablauf, oder …?

Tauscht euch in der gesamten Gruppe darüber aus, wie es euch bei der Übung gegangen ist. Ist es euch leicht gefallen, euch die Traumgemeinde vorzustellen oder war euch eher unwohl dabei?

  • Für Gott nur das Beste – Wie könnte das in deinem Leben konkret werden?
  • Für Gott nur das Beste – Welche Chancen und Risiken birgt diese Einstellung?

3.4 Schluss

Gott will dich in deinem Alltag begleiten und nicht nur an den großen Festen und den heiligen Feiertagen bei dir sein (das war die Grundidee des „Zeltes der Begegnung“). Was könnte dich im Alltag daran erinnern, dass Gott immer mitgeht, oder es dir immer wieder neu ins Bewusstsein rufen? Vielleicht hilft deine Idee auch den anderen.

  • Autor / Autorin: Radek Geister
  • © Deutscher EC-Verband