Ganz schön nah – Bibelarbeit zu Lukas 7,36–50Ganz schön nah – Bibelarbeit zu Lukas 7,36–50

Einheit: Ganz schön nah – Bibelarbeit zu Lukas 7,36–50

Verband: CVJM-Westbund
Zeitbedarf: 20-45 Min. (Vorbereitung: 15-45 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Teens (12-16 Jahre), Mädchen
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde
Redaktion: KON
Bibelstelle: Lukas 7,36-50
Lukas 7,36-7,50

Jesus, der Pharisäer und die Prostituierte

36Ein Pharisäer hatte Jesus zum Essen eingeladen. Jesus ging in sein Haus und legte sich zu Tisch.

37In derselben Stadt lebte eine Frau, die als Prostituierte bekannt war. Als sie hörte, dass Jesus bei dem Pharisäer eingeladen war, kam sie mit einem Fläschchen voll kostbarem Salböl. 38Weinend trat sie an das Fußende des Polsters, auf dem Jesus lag, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Mit ihren Haaren trocknete sie ihm die Füße ab, bedeckte sie mit Küssen und salbte sie mit dem Öl.

39Als der Pharisäer, der Jesus eingeladen hatte, das sah, sagte er sich: »Wenn dieser Mann wirklich ein Prophet wäre, wüsste er, was für eine das ist, von der er sich da anfassen lässt! Er müsste wissen, dass sie eine Hure ist.«

40Da sprach Jesus ihn an: »Simon, ich muss dir etwas sagen!«

Simon sagte: »Lehrer, bitte sprich!«

41Jesus begann: »Zwei Männer hatten Schulden bei einem Geldverleiher, der eine schuldete ihm fünfhundert Silberstücke, der andere fünfzig. 42Weil keiner von ihnen zahlen konnte, erließ er beiden ihre Schulden. Welcher von ihnen wird ihm wohl dankbarer sein?«

43Simon antwortete: »Ich nehme an: der, der ihm mehr geschuldet hat.«

»Du hast recht«, sagte Jesus.

44Dann wies er auf die Frau und sagte zu Simon: »Sieh diese Frau an! Ich kam in dein Haus und du hast mir kein Wasser für die Füße gereicht; sie aber hat mir die Füße mit Tränen gewaschen und mit ihren Haaren abgetrocknet. 45Du gabst mir keinen Kuss zur Begrüßung, sie aber hat nicht aufgehört, mir die Füße zu küssen, seit ich hier bin. 46Du hast meinen Kopf nicht mit Öl gesalbt, sie aber hat mit kostbarem Öl meine Füße gesalbt.

47Darum sage ich dir: Ihre große Schuld ist ihr vergeben worden. Eben deshalb hat sie mir so viel Liebe erwiesen. Wem wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe.«

48Dann sagte Jesus zu der Frau: »Deine Schuld ist dir vergeben!«

49Die anderen Gäste fragten einander: »Was ist das für ein Mensch, dass er sogar Sünden vergibt?«

50Jesus aber sagte zu der Frau: »Dein Vertrauen hat dich gerettet. Geh in Frieden

Gute Nachricht Bibel, © Deutsche Bibelgesellschaft

Dieser Text ist im Grunde eine Liebesgeschichte – nicht im romantischen Sinn, aber: Es geht um körperliche Nähe, um Eifersucht, um Macht, um Missverständnisse, um Verstand und Gefühle …, alles drin! Allerdings ganz anders, als man vielleicht vermuten würde.

Wer liebt am meisten?

Diese Frage steht im Mittelpunkt. Und: Kann man Liebe messen?

Text: Lukas 7,41–43

[lesen, Antwort offen lassen] 41 Jesus begann: »Zwei Männer hatten Schulden bei einem Geldverleiher, der eine schuldete ihm fünfhundert Silberstücke, der andere fünfzig. 42 Weil keiner von ihnen zahlen konnte, erließ er beiden ihre Schulden. Welcher von ihnen wird ihm wohl dankbarer sein?« 43 Simon antwortete: »Ich nehme an: der, der ihm mehr geschuldet hat.« »Du hast Recht«, sagte Jesus.

Wie würdet ihr die Frage beantworten, die Jesus stellt? [Zeit lassen zum Antworten] Ein relativ einfaches »Rätsel« und eine logische Antwort. Warum stellt Jesus diese Frage? Was ist die »Moral von der Geschichte«? Dies ist ein Gleichnis, eine Beispielgeschichte – und solche Gleichnisse haben bei Jesus meistens einen konkreten Anlass oder Hintergrund.

Lest nun den ganzen Text: Lk. 7,36–40 und 44–50

36 Ein Pharisäer hatte Jesus zum Essen eingeladen. Jesus ging in sein Haus und legte sich zu Tisch. 37 In derselben Stadt lebte eine Frau, die als Prostituierte bekannt war. Als sie hörte, dass Jesus bei dem Pharisäer eingeladen war, kam sie mit einem Fläschchen voll kostbarem Salböl. 38 Weinend trat sie an das Fußende des Polsters, auf dem Jesus lag, und ihre Tränen fi elen auf seine Füße. Mit ihren Haaren trocknete sie ihm die Füße ab, bedeckte sie mit Küssen und salbte sie mit dem Öl. 39 Als der Pharisäer, der Jesus eingeladen hatte, das sah, sagte er sich: »Wenn dieser Mann wirklich ein Prophet wäre, wüsste er, was für eine das ist, von der er sich da anfassen lässt! Er müsste wissen, dass sie eine Hure ist.« 40 Da sprach Jesus ihn an: »Simon, ich muss dir etwas sagen!« Simon sagte: »Lehrer, bitte sprich!« […] 44 Dann wies er auf die Frau und sagte zu Simon: »Sieh diese Frau an! Ich kam in dein Haus und du hast mir kein Wasser für die Füße gereicht; sie aber hat mir die Füße mit Tränen gewaschen und mit ihren Haaren abgetrocknet. 45 Du gabst mir keinen Kuss zur Begrüßung, sie aber hat nicht aufgehört, mir die Füße zu küssen, seit ich hier bin. 46 Du hast meinen Kopf nicht mit Öl gesalbt, sie aber hat mit kostbarem Öl meine Füße gesalbt. 47 Darum sage ich dir: Ihre große Schuld ist ihr vergeben worden. Eben deshalb hat sie mir so viel Liebe erwiesen. Wem wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe.« 48 Dann sagte Jesus zu der Frau: »Deine Schuld ist dir vergeben!« 49 Die anderen Gäste fragten einander: »Was ist das für ein Mensch, dass er sogar Sünden vergibt?« 50 Jesus aber sagte zu der Frau: »Dein Vertrauen hat dich gerettet. Geh in Frieden!« (Gute Nachricht Bibel, revidierte Fassung, durchgesehene Ausgabe, © 2000 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.)

Näher betrachtet

Die Geschichte kann verständlicher und lebendig werden, wenn wir sie wie einen Film betrachten und zwischendurch die Pausentaste drücken, um uns Einzelheiten genauer anzusehen:

Der Pharisäer Simon

  • Pharisäer bedeutet im Hebräischen »perushim« = die »Abgesonderten«, oder modern: Outsider. Dies war ursprünglich eine abfällige Bezeichnung durch Andere, die die Pharisäer dann aber selbst für sich übernommen haben, im Sinne von: Ja, wir sind etwas Besonderes!
  • Sie wollten ein reines, vorbildliches Leben führen: Keine Berührung mit unreinen Dingen oder Personen, mehr Almosen geben als vorgeschrieben, regelmäßig beten, ordnungsgemäß Steuern zahlen etc.
  • Sie hatten ein durchaus ernsthaftes Anliegen, Gott zu gefallen, in seine Nähe zu kommen – aber aus dem Heiligenschein wurde leider oft Scheinheiligkeit.

Gemeinsame Mahlzeit

  • Sie war eine Geste der Achtung und Wertschätzung für Gast und Gastgeber.
  • Sie war Gelegenheit zu philosophischem, politischem und theologischem Gedankenaustausch – meistens der Männer (oder Frauen) unter sich.
  • Mahlzeiten sind Lern-Gelegenheiten (siehe zum Beispiel Zachäus, Maria und Marta, Abendmahl, Auferstehung).

Die Frau

  • Sie war ein ungebetener Gast, ein Störfaktor in der Männerrunde.
  • Sie war eine stadtbekannte Sünderin, das heißt, vielleicht eine Prostituierte oder vielleicht einfach eine Frau, über die viel getratscht wurde.
  • Die Frau bleibt hier namenlos – von manchen wird vermutet, dass es Maria Magdalena war, aber das ist nicht belegt.
  • Sie nähert sich von hinten – wie eine Dienerin/ Sklavin und will damit einen großen Auftritt vermeiden.
  • Das Skandalöse ist: Sie stört den erlauchten Kreis, wird emotional, kommt Jesus zu nah.

Bei ihr wollen wir noch etwas genauer hinsehen:

Tränen

Die Frau reagiert sehr emotional, sie kehrt ihr Innerstes nach außen. Sind es Tränen der Freude? Erleichterung? Reue? Dankbarkeit? Scham? Auf jeden Fall ist sie überwältigt!

Haare

Dass sie ihre Haare offen trägt, war damals ungehörig, weil es erotisch wirkte und weist vielleicht auf ihre Vergangenheit hin. Die Haare einer Frau sind außerdem ihr Schmuck – und damit berührt sie dreckige Füße.

Küsse

Durch ihre Küsse kommt sie Jesus sehr nah – liebevoll, demütig, ehrerbietig, körperlich, sehr persönlich …

Duftöl/Salböl

Teures Parfumöl (300 Denar war der Jahreslohn eines einfachen Arbeiters) war reserviert für Könige, den Messias oder Totensalbungen. Es hatte einen kosmetischen und symbolischen Zweck und war etwas besonders Kostbares.

Jesus weiß es

Der Pharisäer denkt sich seinen Teil: »Wenn der wüsste, wer diese Frau ist, würde er sie nicht so nah an sich ranlassen. – Aber er sagt doch, er sei ein Prophet – dann müsste er sie doch durchschauen.« Jesus weiß alles! Er weiß nicht nur, wer die Frau ist – er kennt auch die geheimen Gedanken von Simon! Ohne, dass der seine Frage gestellt hat, antwortet Jesus ihm mit einer Beispielgeschichte – für Simon als Pharisäer eine scheinbar leichte Übung, er ist ja theologische Diskussionen und Rätsel gewöhnt. Trotzdem ist er vorsichtig bei der Deutung (»Ich nehme an …«) – es könnte ja eine Fangfrage sein. Es ist ein leichtes Rätsel mit einer einfachen Lösung – aber schafft Simon auch die Übertragung? Jesus hilft ihm dabei: »Sieh diese Frau an!« Es ist wie Blick in den Spiegel, in dem Simon sich selbst erkennt. Was er nicht getan hat, hat die Frau für Jesus getan – und noch viel mehr, viel liebevoller, viel herzlicher: Sie hat Jesus die Füße gewaschen, geküsst, gesalbt. Die Frau schenkt alles, was sie hat: all ihren Mut, Besitz, ihre Zuneigung und ihre Phantasie. Und Jesus schenkt etwas zurück: Er sieht sie an, und gibt ihr dadurch An-sehen!

Vertauschte Rollen

Plötzlich sind die Rollen vertauscht: Der selbstgerechte Pharisäer, der meint, nichts zu brauchen, steht der gerecht gesprochenen Sünderin gegenüber, die weiß, dass sie ganz auf Jesus angewiesen ist. Simon wollte nichts empfangen und konnte deshalb auch nichts weitergeben. Überhaupt stellt die Geschichte manches auf den Kopf:

  • Der Pharisäer – als vermeintlich Gelehrter – wird Schüler/Lernender.
  • Der Gast, Jesus, wird zum Herrn im Haus
  • Die Besucherin mit dem schlechten Ruf wird eine angesehene Frau.
  • Stumme Zuschauer werden zu Fragestellern. Am Ende steht die Frage der Gäste: »Wer ist der?« und sie geben die Frage an uns weiter: Wer ist Jesus – für dich? Wie stehst du zu ihm? Was bedeutet er dir? Wie nah bist du ihm? Es ist die Frage nach unserer Beziehung, unserer Liebe zu Jesus. Er erwartet keinen Beweis, sondern eine ehrliche Antwort.

Methodische Tipps

  • Ihr könnt die Erklärungen zu den Begriffen (Pharisäer, Mahlzeit, Frau) jeweils auf ein Schild schreiben, vielleicht mit Symbolen/Icons ergänzt – und jeweils eine Kleingruppe von Teilnehmerinnen erklärt den anderen einen der Begriffe.
  • Die Fragen am Ende sind sehr persönlich und sollten nur in der Gruppe besprochen werden, wenn genügend Vertrauen untereinander da ist. Eine gute Variante, bei der sich jede persönlich Gedanken machen kann, wäre zum Beispiel eine Zeit mit ruhiger Musik, in der sie einen ehrlichen, persönlichen Brief an Jesus schreiben können, wie nah oder fern sie sich ihm fühlen.
  • Autor / Autorin: Tanya Worth
  • © CVJM-Westbund

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