Gefühle? Alle okay!

Einheit | Gottesdienst-Entwurf
Einheit | Gottesdienst-Entwurf

Gefühle? Alle okay!

Enthält: 1 Beitrag
Materialart: Gottesdienst-Entwurf
Zielgruppe: Familien
Einsatzgebiet: Gottesdienst
Kategorie: Kirche-Kunterbunt
Verband: EJW - Evangelisches Jugendwerk in Württemberg
Redaktion: Kirche Kunterbunt
Zeitbedarf: 120-180 Min. (Vorbereitung: 60-90 Min.)
Bibelstelle: Psalm 139,2-139,4 anzeigen
Bibelstelle
Psalm 139,2-139,4

2Ob ich sitze oder stehe: Du weißt es.

Meine Absicht erkennst du von fern.

3Ob ich gehe oder ruhe: Du merkst es.

Alle meine Wege sind dir bekannt.

4Noch liegt mir kein Wort auf der Zunge,

schon weißt du, Herr, was ich sagen will.

BasisBibel 2012/2020, © Deutsche Bibelgesellschaft

Weitere Bibelstellen: Psalm 22,2, Psalm 73,3, Epheser 4,26
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Einführung: Alle Gefühle sind okay

Gefühle gehören zu unserem Leben – sie sind Teil dessen, wie Gott uns geschaffen hat. Freude, Traurigkeit, Wut, Angst oder Enttäuschung sind weder richtig noch falsch, sondern zeigen, was in uns vorgeht. Die Bibel macht deutlich, dass wir mit all diesen Gefühlen zu Gott kommen dürfen. In den Psalmen jubeln Menschen vor Freude, klagen ihre Verzweiflung heraus, weinen, sind wütend oder sogar neidisch. Gott weist sie deshalb nicht zurück. Er kennt ihre Gedanken und Gefühle schon, bevor sie ausgesprochen werden und nimmt sie ernst.

Auch im Alltag erleben wir, dass starke Gefühle Beziehungen belasten oder Missverständnisse entstehen lassen. Doch wenn wir einander mit Liebe, Verständnis und offenen Ohren begegnen, können aus Trennung wieder Nähe und aus Verletzungen neue Wege entstehen. Deshalb müssen Gefühle nicht unterdrückt werden – sie dürfen da sein. Entscheidend ist, wie wir mit ihnen umgehen. Gottes Liebe lädt uns ein, ehrlich mit unseren Gefühlen umzugehen, sie vor ihn zu bringen und auch die Gefühle anderer wahrzunehmen und ernst zu nehmen.

WILLKOMMENS-ZEIT

Material: 4 leere Gläser beschriftet, farbige Glassteine, Papier, Stifte

Stationsbeschreibung: Es stehen drei leere Gläser/Vasen bereit. Jede und jeder bekommt am Eingang einen Glasstein und wirft ihn in das Glas, das der eigenen Antwort entspricht.

Frage: Was macht dich traurig?
Nimm einen Glasstein und lege ihn in das Glas, dessen Antwort am ehesten auf dich zutrifft. Oder schreibe deine eigene Antwort auf einen Zettel und lege ihn in das vierte Glas.

Auf den Gläsern steht:

  1. Streit
  2. Schlechtes Wetter
  3. Wenn etwas nicht funktioniert
  4. Meine eigene Antwort (dafür Stifte und Papier bereithalten)
Begrüßung

Herzlich willkommen zu Kirche Kunterbunt!
Schön, dass ihr da seid, ob zum allerersten Mal oder schon öfter.
Unser Traum von Kirche Kunterbunt ist, dass Menschen hier einander und Gott begegnen.
Hier ist ein Ort, an dem wir gemeinsam eine Auszeit vom Alltag haben, an dem wir zusammen kreativ und aktiv werden. Wir laden euch ein, hier mitzumachen und mit anzupacken und gemeinsam als Familie oder Team unterwegs zu sein. 
Wir feiern diese Kirche Kunterbunt in Gottes Namen und ich lade euch ein, die Bewegungen mitzumachen:

Wir feiern Kirche Kunterbunt im Namen Gottes, des Vaters (Arme als Dach über den Kopf), der uns schützt, wie ein Dach
im Namen Jesu (Hände auf den Boden klopfen), der uns Halt gibt, wie ein fester Boden
und im Namen des Heiligen Geistes (sich selbst umarmen), der uns nahe ist, wie ein lieber Mensch.
Amen

Gott ist da. Wir reden mit ihm und beten:
„Hallo Gott. Danke für diesen Sonntag. Danke für alle, die heute hier sind. Lass du uns heute etwas von dir spüren und entdecken. Sprich du in unser Herz hinein. Amen“

Lied (z.B. Superduperspitzenklasse)

Thema: Alle Gefühle sind okay

  • Die Gläser von der Willkommenszeit zeigen
  • evtl. einen Zettel aus Glas 4 vorlesen
  • bei bröseligen Gefühlen hilft manchmal ein Perspektivwechsel (Atmen, Schluck Wasser, lachen,…) manchen hilft es, darüber mit Herzensmenschen zu reden. Oder mit Gott.
  • Stationenvorstellung: Wir haben verschiedene Stationen für euch, in denen ihr diesen Gefühlen noch einmal nachspüren dürft
AKTIV-ZEIT
Station 1: Wutball basteln

Material: Luftballons, Sand / Mehl / Linsen, Trichter, Filzstifte / Eddings

Befüllt den Luftballon mit Sand o.ä. und knotet ihn zu. Schneidet einem zweiten Luftballon das Ende ab und stülpt ihn über den gefüllten Ballon. Jetzt könnt ihr ein wütendes Gesicht darauf malen oder den Ballon anderweitig schmücken oder verzieren.

Stationsbeschreibung:

An dieser Station könnt ihr einen Wutball basteln. Wenn du wütend bist, hilft dir der Ball, die Wut rauszulassen: du kannst ihn knautschen, drücken, ziehen, werfen.
Und eine Station weiter kannst du auch gleich etwas damit EINWERFEN!

Gesprächsimpuls: Gibt es etwas, was dich richtig wütend macht? In welchen Situationen würde dir dieser Ball helfen?

Station 2: Wutball werfen

Material: verschiedene Kisten / Dosen / Bauklötze

Stationsbeschreibung: Auf mehreren Tischen werden Türme mit den unterschiedlichen Materialien aufgebaut, die eingeworfen werden sollen. Der Schwierigkeitsgrad erhöht sich von Tisch 1 (z.B. große, leichte Kisten) bis zum letzten Tisch. Bei den Türmen zum Einwerfen steigert sich der Schwierigkeitsgrad.

Gesprächsimpuls:
Je länger wir die Wut in uns tragen, umso schwerer ist es manchmal, mit ihr umzugehen und sie loszuwerden.
Was hilft dir in deinem Leben, Wut rauszulassen oder überhaupt zuzulassen? Manchmal kann es helfen, die Wut rauszulassen. In welchen Momenten erlebt ihr „kleinere“ Wut, wann die heftige?

Station 3: Gefühlsmemory

Material: Gesichter / Gefühlsmonster ausgedruckt (Findet ihr zum Beispiel bei etsy)

Stationsbeschreibung: An dieser Station könnt ihr ein großes Memory spielen! Spielt es entweder zu zweit gegeneinander oder als Team einfach zum Spaß. Es gibt Karten, auf denen Gesichter gezeigt werden. Ihr müsst erraten, welches Gefühl dieses Gesicht zeigt und es dem passenden Gefühlsnamen zuordnen. Die Gefühlsnamen stehen auf weiteren Karten. Ordnet die Pärchen zueinander zu.

Gesprächsimpuls:
Wie siehst du aus, wenn du ein bestimmtes Gefühl hast? Sieht man dir deine Stimmung von Weitem an oder behältst du deine Gefühle eher für dich?

Station 4: Scherben erlaubt!

Material: alte Fliesen (gibt’s z.T. über Kleinanzeigen geschenkt), Schutzbrille, Hammer, Acrylstifte o.ä., große Wanne

Stationsbeschreibung: Hier könnt ihr auf eine Fliese schreiben oder malen, was euch wütend macht. Dann geht’s zur Sache: Als Erstes wird eine Schutzbrille aufgesetzt. In  Begleitung eines Erwachsenen darf die Fliese zerschlagen werden, sodass Scherben entstehen.

Gesprächsimpuls: Was macht dich gerade so richtig wütend?
Wer oder was hilft dir dabei, die Wut zuzulassen?

Station 5: Gefühls-Puzzle

Material: Smileys, die verschiedene Gefühle zeigen in der Hälfte durchgeschnitten, evtl. laminiert

Stationsbeschreibung: Hier sind einige Gefühle auseinander- und durcheinander geraten. Findet ihr die passenden Gesichtshälften?
Was kommt dabei heraus, wenn zwei Hälften zusammengefügt werden, die nicht zueinander passen?

Gesprächsimpuls: Passt das, was du fühlst immer zu dem, wie du dich zeigst? Wo wünschst du dir, dass Fühlen und Handeln mehr miteinander übereinstimmen?

Station 6: Gefühlsgläser basteln

Material: Leere Gläser, 5 verschiedene Farben (Abtön-oder Acrylfarbe), Pinsel, Marker, Optional: Aufkleber oder andere Deko

Stationsbeschreibung: Über Gefühle zu sprechen und sie zu verstehen, ist für Kinder und Erwachsene nicht immer einfach. Umso wichtiger ist es, Kinder dabei zu unterstützen, ihre Emotionen wahrzunehmen und offen auszudrücken. Das stärkt ihre emotionale Entwicklung und hilft ihnen, ihre Gefühle besser einzuordnen. Hier dürft ihr bunte Gefühlsgläser gestalten, die euch dabei helfen, eure Emotionen kennenzulernen.

Nehmt euch dazu 5 Gläser und bemalt jedes Glas in einer anderen Farbe. Gut trocknen lassen. Gestaltet dann mit einem Marker passende Gesichter für verschiedene Gefühle und malt diese auf die Gläser. (Dazu könnt ihr Vorlagen zur Verfügung stellen. Wenn das Trocknen zu lange dauert, können die Gläser auch zu Hause bemalt werden)

Sprecht gemeinsam darüber, welche Gefühle die Gläser darstellen und wann sie auftreten können, zum Beispiel:

😊 Freude: Wenn ich große Freude spüre.
😠 Wut: Wenn etwas nicht so klappt, wie ich möchte.
😟 Sorge: Wenn jemand krank ist.
🥹 Stolz: Wenn etwas gelungen ist.
😵‍💫 verwirrt: Wenn Dinge unklar sind.
😭 traurig: Wenn mein Herz schwer ist.
🙏 dankbar: Wenn Schönes erlebt wurde.

Im Alltag kann jedes Familienmitglied, wenn es ein bestimmtes Gefühl erlebt, eine Bohne oder andere kleine Gegenstände in das passende Glas legen. Am Ende des Tages bietet sich so eine schöne Gelegenheit, gemeinsam über die Erlebnisse und Gefühle des Tages zu sprechen.

Hier findet ihr eine Idee, wie diese Gefühlsgläser aussehen könnten: https://www.babysits.de/community-themen/1246/bastelidee-f%C3%BCr-gef%C3%BChlsgl%C3%A4ser-um-emotionale-intelligenz-zu-lernen/

Station 7: Schau in den Spiegel!

Material: ein oder mehrere Spiegel mit der nicht spiegelnden Seite aneinander, Karten mit Gesichtern darauf, die ein bestimmtes Gefühl darstellen

Stationsbeschreibung: An dieser Station könnt ihr Gefühle nachmachen.
Zieht eine Karte vom Stapel, schaut euch das Gefühl an. Wie sieht dein Gesicht aus, wenn du dich so fühlst?
Probiert es gemeinsam vor dem Spiegel aus. Ihr könnt den Spiegel von zwei Seiten benutzen und ein Rate-Spiel daraus machen. Welches Gefühl zeigt das Gesicht deines Gegenübers?

Gesprächsimpuls: Bei wem kannst du deine Gefühle ganz offen zeigen?

Station 8: Gefühls-Parcours

Material:

  • Kissen
  • Parcours-Hüttchen
  • Seile oder mit Kreide oder Kreppband aufgezeichnete Bahnen, in denen der Parcour absolviert wird
  • Zettel
  • Stifte
  • Luftballon

Aufbau der Station: Baut einen Bewegungsparcours mit verschiedenen Stationen. Ihr dürft dabei ganz kreativ werden und schauen, was in eurem Veranstaltungsort möglich ist (gibt es zum Beispiel eine Bank, unter der man durchkrabbeln kann oder einen langen Flur, den man langlaufen könnte?) In dem Parcour warten verschiedene Gefühls-Stadien. Als Erstes kommt man an die Wut-Station, wo man fest in ein Kissen boxen muss. Dann läuft man weiter und kommt zur Traurigkeits-Station, wo man aufschreiben muss, was bei Traurigkeit helfen kann. Dann läuft man weiter und kommt zur Angst-Station, wo man irgendein Stück balancieren muss. Dann kommt als Letztes die Freude-Station, wo man z.B. auf einen Luftballon ein fröhliches Gesicht malen muss. 

Wenn sinnvoll, dann kann der Bewegungsparcour auf Zeit laufen und die schnellste Person gewinnt.

Wut-Station:

Hattest du das nicht mal bei irgendeinem Psalm gemacht, das man möglichst laut schreien sollte und dann messen, wie laut man schreien kann? Das fänd ich auch spannend.

Station 9: Gefühls-Stopptanz

Material:

  • Musikbox
  • vorbereitete Playlist mit verschiedenen Musik-Genres
  • bunte Blätter auf dem Boden, auf dem Gefühle als Emojis aufgemalt sind: wütend, fröhlich, traurig

Stationsbeschreibung: Wir spielen hier Stopp-Tanzen, aber mit besonderen Regeln: Es gibt unterschiedliche Songs. Manche klingen traurig, manche klingen wütend, manche klingen fröhlich und leicht. Wenn die Musik stoppt, dann müsst ihr auf dem Blatt stehen bleiben, das zu dem Gefühl in dem Song passt und dort einfrieren. Wer nicht beim „Stopp“ einfriert, muss leider die Runde verlassen.

Variante B (ohne Tanzen): Spielt die Songs ab und erratet, welches Gefühl in welchem Song transportiert wird.

Station 10: Mal dich blind und zeig dein Lächeln

Material:

  • Vorbereitete runde Pappe mit Gummiband an den Seiten (wird wie eine Maske vor das eigene Gesicht gespannt)
  • Bunte Stifte

Stationsbeschreibung:

Setzt euch die vorbereitete Pappmaske mit dem Gummiband vors Gesicht. Jetzt beginnt die Herausforderung: Könnt ihr, ohne euer Bild zu sehen, ein Gesicht auf die Pappe malen?

Nutzt die Stifte und lasst eurer Kreativität freien Lauf. Am Ende könnt ihr eure lustigen Kunstwerke miteinander vergleichen. Welche Gefühle zeigen die Gesichter? Lächeln sie, schauen sie überrascht oder vielleicht sogar ein bisschen verrückt? Lasst euch überraschen, was dabei entsteht!

FEIER-ZEIT

Wir werfen heute einen Blick in das Kinderzimmer von Familie Jedermann, die auch ein paar bröselige Gefühle erleben:

Theaterstück „Der zerbrochene Turm“

Personen: Tom (4 Jahre), Ida (7 Jahre), Mama (im Hintergrund)

Material: Tisch, XXL Jenga-Steine, Kartons, großes Kuschel-Herz

Moderation: Hier seht ihr Ida, sie ist 7 Jahre alt. Ihr Bruder Tom ist 4. Die beiden haben heute angefangen, einen Turm zu bauen, der mindestens so hoch werden soll wie Tom. Ihr seht hier, wie weit sie schon gekommen sind. Sehen wir uns einmal an, was als Nächstes passiert…

Ida und Tom stehen an einem kleinen Tisch und bauen gemeinsam einen hohen Turm aus Holzklötzen. Der Turm ist fast fertig. Bei der sich nun abspielenden Szene dürfen die Emotionen gern überzogen gespielt werden. Ida: Wut, Tom: Traurigkeit, Mutter: zunehmende Distanz / Genervtheit

Ida (stolz): „Schau mal, Tom! Unser Turm ist riesig!“

Tom (begeistert): „Ja! So hoch!“

Ida geht vorsichtig um den Turm, um den letzten Klotz ganz oben zu platzieren. Dabei streift sie versehentlich den Turm mit dem Ellbogen. Der Turm wackelt gefährlich.

Ida (erschrocken): „Oh nein!“

Tom (ängstlich): „Vorsicht, Ida!“

Der Turm stürzt um.

Ida (wütend, mit geballten Fäusten):
„Nein! Unser schöner Turm! Das ist alles deine Schuld, Tom! Du hast mich abgelenkt!“
(Sie tritt frustriert gegen einige herumliegende Klötze)

Tom (traurig, mit zitternder Unterlippe):
„Aber… aber… ich wollte das nicht. Unser schöner Turm ist weg.“
(Er beginnt zu schluchzen)

Mama (ruft aus dem Nebenzimmer): „Was ist denn da los, Kinder?“

 [Die Mutter betritt das Wohnzimmer und sieht die Situation. Die beiden Kinder stehen auf der einen Seite des Tisches, die Mutter auf der anderen. Im Laufe der nächsten Sätze reagiert die Mutter unverständig auf die Gefühle der Kinder und distanziert sich von ihnen. Als Symbol stellt die Mutter nach jedem ihrer Sätze einen weiteren Karton als Mauer zwischen sich und den Kindern auf dem Tisch auf.]

Mama (seufzend): „Ach herrje, was habt ihr denn hier angestellt?“

Ida (immer noch wütend): „Tom hat mich abgelenkt und jetzt ist unser Turm kaputt!“

Tom (weinend): „Ich war’s nicht! Der schöne Turm ist weg…“

Mama (ungeduldig): „Jetzt stellt euch doch nicht so an, ihr beiden. Das ist doch nur ein Turm aus Klötzen.“  [Karton aufstellen]

Ida (protestierend): „Aber wir haben so lange daran gebaut!“

Mama (abwinkend): „Ida, sei nicht so wütend. Das bringt doch nichts. Räum lieber die Klötze auf.“ [Karton aufstellen]

Tom (schluchzend): „Aber Mama, ich bin so traurig…“

Mama (genervt): „Ach Tom, sei doch nicht traurig. Das ist wirklich kein Grund zum Weinen. Ihr könnt doch einfach einen neuen Turm bauen.“ [Karton aufstellen]

Ida (frustriert): „Ich will aber keinen neuen Turm bauen!“

Mama (bestimmt): „Jetzt reicht’s aber. Hört auf zu jammern, beide. Es sind nur Spielsachen. In fünf Minuten habt ihr das sowieso wieder vergessen. Räumt jetzt auf und dann gibt’s Abendessen.“ [Karton aufstellen]

Freeze

Moderation: Das war ein Einblick in Familie Jedermanns Kinderzimmer. Puh, da waren ganz schön starke Gefühle zu sehen! Welche habt ihr denn gesehen und gehört, vielleicht selber gespürt? Wie hat sich denn Tom gerade gefühlt? (Antworten sammeln) Tom war total traurig darüber, dass der schöne Turm kaputt gegangen ist. Vielleicht war er auch erschrocken darüber, dass Ida ihn deswegen geschimpft hat. (Tom hält einen traurigen Smiley vor sein Gesicht)
Und welche Gefühle habt ihr bei Ida gesehen? (Antworten sammeln) Ja, Ida war wütend und frustriert. Sie hatten sich solche Mühe gegeben! (Ida hält wütenden Smiley vor ihr Gesicht)

Und dann war da noch die Mama. Sie kam dazu und hat auf die Situation reagiert. Die Mama war ziemlich genervt von der Wut und von der Traurigkeit. Sie war gerade dabei, das Abendessen vorzubereiten und wollte gern, dass es schnell wieder ruhig wird und dass die Kinder damit aufhören, wütend und traurig zu sein. Und dabei ist hier zwischen den dreien etwas passiert. (Auf die Mauer zeigen, die zwischen Mutter und Kindern steht) Es ist eine Mauer entstanden. Die drei sind gerade nicht miteinander verbunden. So etwas passiert bei starken Gefühlen schnell mal. Zumindest kommt es in unserem Familienalltag immer wieder vor. Zum Glück gibt es ein tolles Mittel dagegen: (großes Kuschelherz zeigen)
Und das ist die Liebe.
Klingt für manche kitschig, ist aber echt so. Schauen wir uns an, was die Liebe bei Familie Jedermann aus der Situation macht:

Szene 2

Mutter: (Nimmt das Kuschelherz in die Hände, atmet tief durch und schaut auf das Herz) Moment mal. Ich bin gestresst wegen des Abendessens, aber meine Kinder brauchen mich jetzt. Ihre Gefühle sind wichtig. Ich kann ihnen zuhören und für sie da sein.

(Die Mutter reißt mit dem Herz die Kartonmauer ein und geht zu den Kindern. Dabei darf es ruhig laut krachen und die Kartons mit Gepolter zu Boden fallen)

Mutter: (wendet sich Ida zu) Ida, ich sehe, du bist wütend. Der Turm, den ihr gebaut habt, ist kaputt gegangen. Das ist bestimmt sehr frustrierend für dich.

Ida: (nickt) Ja, wir haben so lange daran gebaut!

Mutter: (zu Tom) Und Tom, du siehst traurig aus. War es schwierig für dich, als der Turm umgefallen ist?

Tom: (mit leiser Stimme) Ich habe den Turm gar nicht umgestoßen. Das war nicht meine Schuld. Ich bin nur traurig, weil er kaputt ist.

Mutter: (verständnisvoll) Ah, du warst also nicht derjenige, der ihn umgeworfen hat. Trotzdem fühlst du dich traurig. Das ist völlig in Ordnung. Ich verstehe, dass ihr beide enttäuscht seid. Es ist normal, solche Gefühle zu haben. Was braucht ihr jetzt?

Ida: Ich möchte den Turm wieder aufbauen, aber besser!

Tom: Ich will auch helfen.

Mutter: (überlegt kurz) Hm… Das Essen ist schon fast fertig. Wie wäre es, wenn wir jetzt gemeinsam essen und danach einen noch größeren Turm im Wohnzimmer bauen? Dort haben wir mehr Platz.

Ida: (begeistert) Oh ja! Wir könnten versuchen, ihn so hoch zu bauen, dass er dir bis zur Nase geht, Mama!

Tom: (klatscht in die Hände) Jaaa!

Mutter: Das klingt wunderbar! Lasst uns zuerst essen, damit wir Energie für unser großes Bauprojekt haben. Wisst ihr was? Ich bin echt froh, dass wir das zusammen machen werden. Eure Gefühle sind mir wichtig, und ich möchte immer für euch da sein.

(Die Familie geht gemeinsam von der Bühne ab, voller Vorfreude auf ihr gemeinsames Projekt nach dem Essen)

Input

Wenn etwas kaputt geht, können starke Gefühle dabei auftauchen. Bestimmt können viele von euch direkt eigene Beispiele für ähnliche Szenen nennen.
Gott hat uns Menschen so gemacht, dass wir Gefühle haben. Dazu gehören schöne Gefühle und auch die, die eher anstrengend sind. Und das ist völlig in Ordnung. Alle Gefühle sind okay.
Das ist ein Satz, den wir Erwachsene von euch Kindern lernen können. Alle Gefühle sind okay. Denn Kindern fällt es ganz leicht, ihre Gefühle zu spüren, sie zuzulassen und sie zu zeigen. Erwachsene haben das oft verlernt oder anders gesagt: Sie haben gelernt, ihre Gefühle sozialverträglich zu zeigen. Das ist an vielen Stellen auch eine wichtige Entwicklung. Schwierig wird es, wenn wir starke Gefühle gar nicht mehr zulassen oder sie unterdrücken.

Darum möchte ich mit euch zusammen eine Runde Gefühle zeigen üben. Kinder, ihr könnt das glaube ich noch viel besser, darum zeigt uns Erwachsenen mal, wie das geht. Und ihr Erwachsene, schaut euch von den Kindern ab und macht nach, was ihr seht.

Fangen wir bei etwas einfachem an: Freude. Wie klingt ihr, wenn ihr euch freut? Wie seht ihr dabei aus? Welche Bewegungen macht ihr dazu? (z.B.: Aufstehen, hüpfen, jubeln, klatschen, pfeifen,…)

Weiter geht’s mit dem nächsten Level: Wut oder Frust. Wie klingst du, wenn du wütend bist? (z.B.: stampfen, Fäuste schütteln, schreien, grollen,…)

Und wie sieht es aus mit der Traurigkeit? Gerade bei Erwachsenen ist das eher ein Gefühl, das sich ganz leise zeigt. Wie könnte das aussehen? (z.B. schluchzen, schniefen, wimmern, mit den Fingern wie Regen / Tränen auf den Schenkeln trommeln)

Alle Gefühle sind okay. Wir dürfen uns selbst mit allen Gefühlen liebhaben. Und es ist gut, wenn wir Menschen haben, die uns liebhaben und denen wir unsere Gefühle zeigen können. Gott will so ein Ort für uns sein. Er hat uns unendlich lieb und kennt unsere Gefühle, noch bevor wir sie zeigen. Wir hören ein paar Gedanken dazu aus der Bibel:

Bibelstellen zum Vorlesen

(von Familie Jedermann vorgelesen)

Aus Psalm 139,2+4
Herr, du hast mich erforscht und kennst mich genau. 
Ob ich sitze oder stehe: Du weißt es.
Meine Absicht erkennst du von fern.
Noch liegt mir kein Wort auf der Zunge, schon weißt du, Herr, was ich sagen will.

Paulus schreibt der Gemeinde in Ephesus (Eph.4,26) davon, dass wir zornig sein dürfen und gleichzeitig aufpassen sollen, was daraus entsteht:
Euer Zorn soll nicht dazu führen, dass ihr Schuld auf euch ladet!
Lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.

Psalm 22, ein uraltes Gebet, das auch Jesus kannte, beginnt mit einem Schrei der Traurigkeit und Verzweiflung:
2»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«
Fern ist meine Rettung, ungehört verhallt mein Hilfeschrei.
Und in einem anderen Gebet klingt die Traurigkeit so:
Sammle meine Tränen in deinen Krug; ich bin sicher, du zählst sie alle! Psalm 56,9:

Ein anderer Beter gibt zu, dass er neidisch ist, Psalm 73,3 ich war neidisch auf die Angeber, als ich sah, wie gut es denen ging, die nicht nach Gott fragen.
Und ein paar Sätze weiter zeigt er, wie er damit umgeht:
23 Trotzdem bleibe ich immer bei dir, Gott. Du hast mich an die Hand genommen. 24Du führst mich nach deinem Plan. Und wenn mein Leben zu Ende geht, nimmst du mich in deine Herrlichkeit auf.

Es gibt natürlich auch eine Menge Beispiele, wo Menschen mit ihrer Freude, Jubel oder Erleichterung zu Gott gekommen sind. Ihr habt gleich die Möglichkeit, das einmal auszuprobieren. Wir werden das am Beispiel der Traurigkeit machen. Wir hören und singen gleich ein Lied und ihr könnt für euch still überlegen oder miteinander reden: Worüber bist du traurig? Vielleicht habt ihr dazu auch schon am Eingang einen Stein eingeworfen, dann könnt ihr euch davon gegenseitig erzählen.

Wenn wir das Lied zweimal gesungen haben, spielen wir es noch eine Weile weiter. In dieser Zeit könnt ihr mit eurer Traurigkeit zu Gott kommen. „Sammle meine Tränen in deinem Krug, ich bin sicher, du zählst sie alle!“ So steht es in der Bibel. Wir haben hier vorne keinen Krug, sondern eine Vase. Als Symbol für die Tränen haben wir Glasmurmeln. Kommt nach vorn und lasst eine oder mehrere Murmeln in die Vase fallen. Nennt Gott das, was euch traurig macht. Davon geht die Traurigkeit nicht unbedingt weg. Aber es hilft zu erleben: Gott sieht sie, so wie ich diese Murmel sehe. Er zählt meine Tränen. Es ist ihm nicht egal, wie es mir geht.

Lied: Regenbogen (Albert Frey)

Luftschlangen-Segen

Alle Gefühle sind okay. Heute haben wir schon viele verschiedene Gefühle gesehen und erlebt. Wir beenden diese Feierzeit mit dem Luftschlangensegen, der das Gefühl Freude und Jubel zeigt.

Jeder und jede bekommt eine noch nicht gepustete Luftschlange.

Gott, der Vater, der dich geschaffen, berühre dich mit seiner Liebe.

(Luftschlange wird auf die nebenstehende Person gepustet)

 (Luftschlange wird in beiden Händen gehalten, die dadurch miteinander verbunden sind)

Jesus, der Sohn, der dein Freund sein will, bleibe mit dir verbunden.

Gott, der Heilige Geist, der in dir lebt, schenke dir Freude und Fröhlichkeit.

(Luftschlange wird mit Jubelruf in die Luft geworfen)

So segne dich Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

(nach dem Luftschlangensegen von Pfarrerin Katharina Jaehn)

a string of colorful streamers hanging from a ceiling

  • Autor / Autorin: Katharina Schöpflin und das Kirche Kunterbunt Team aus Senden
  • © EJW - Evangelisches Jugendwerk in Württemberg
In dieser Einheit sind folgende Materialien enthalten
  •  Was mache ich, wenn etwas kaputt geht?
    Was mache ich, wenn etwas kaputt geht?

    Nehemias Geschichte lädt ein, über eigene Brüche im Leben nachzudenken, über das, was kaputt gegangen ist und was uns traurig macht. Vor allem lädt diese Kirche Kunterbunt ein, Gefühle wie Wut,

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