Gott trägt in AngstGott trägt in Angst

Einheit: Gott trägt in Angst

Verband: EJW - evangelisches Jugendwerk in Württemberg
Zeitbedarf: 60 Min. (Vorbereitung: 30 Min.)
Materialarten: Erlebnispädagogische Übung, Stundenentwurf
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Konfis, Teens (12-16 Jahre)
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Redaktion: der Steigbügel
Benötigte Materialien: Absperrband (ca. 100m), Augenbinde(n), Mausefallen, Stifte und Zettel (für jeden Teilnehmenden), Holzbretter (als Wegkennzeichung am Boden (ca. 5-8 Meter beidseitig)), Leckereien, Auswertungsfragebogen
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Erlebnispädagogischer Stundenentwurf zum Umgang mit Angst

Bedarf an Mitarbeitenden: Der Rahmen sowie die Gesprächsrunden können von ein bis zwei Mitarbeitenden bestritten werden. Für die verschiedenen Abschnitte des „Hab-keine-Angst-Weg“ sind fünf Mitarbeitende notwendig, die gleichzeitig im Einsatz sind.

Raum: Im Freien mit viel Platz, z. B. Waldstück, große Wiese mit Bäumen usw. Ihr benötigt Möglichkeiten, um einen Parcour mit Absperrband anzubringen. Auf einer freien Wiese eignen sich alternativ extra angebrachte Holzpfosten.


Start (5 min)

Lied „Was macht mir Angst / Whom Shall I Fear“ (Feiert Jesus 5, Nr. 112) oder Ähnliches

Hinführung (5 min)

Jeder Teilnehmende erhält Zettel und Stift. Instruktion: „Kennst du dieses Gefühl? Angst! Schon als kleine Kinder kennen wir Ängste. Oft wollen wir es nicht zugeben. Aber wenn wir ehrlich sind: Wir alle kennen Ängste. Welche Ängste hast du aktuell am ehesten oder hast du erst kürzlich erlebt? Schreibt eure möglichen Ängste auf eure Zettel.“

Hierfür wird ca. zwei bis drei Minuten Zeit gegeben.

Instruktion nach Ablauf dieser Zeit: Steckt eure Zettel mit den aufgeschriebenen Ängsten in eure Hosentaschen oder haltet sie gut in der Hand.

Herzstück: „Hab-keine-Angst-Weg“ (30 min)

Überblick über den „Hab-keine-Angst-Weg“

Die Teilnehmenden laufen nun den „Hab-keine-Angst-Weg“ ab. Dieser sollte über diverse Hindernisse und mit einigen Kurven mittels eines Absperrbandes aufgebaut sein. Die Teilnehmenden erhalten die Instruktion, diesen blind und schweigend zu gehen und sich mit einer Hand dauerhaft am Absperrband festzuhalten, um so den Weg gezeigt zu bekommen. Die Blindheit steht dabei für die Unsicherheit, wohin ein Weg führt, vor dem man Angst hat. Allerdings wird am Anfang die Zusage gegeben, dass sie vor Hindernissen gewarnt und geschützt werden. Die Teilnehmenden laufen den Parcours einzeln und im Abstand von ca. zwei Minuten.

Wichtig ist, dass der Parcoursverlauf nicht vorher einsehbar ist.

Folgende Aufteilung des Parcours ist empfehlenswert. Details zu den einzelnen Streckenabschnitten finden sich weiter unten:

  1. Eine erste mittellange Strecke, in der sie mit der Blindheit vertraut werden.
  2. Eine zweite Strecke, auf der ein „böser“ Mitarbeitender angstmachende Kommentare auf die Teilnehmenden einredet.
  3. Gegen Ende der zweiten Strecke kommt ein Mitarbeitender ins Spiel, der diese mit ermutigenden Kommentaren ausgleicht und übertönt.
  4. Ein Streckenabschnitt mit diversen Hindernissen. An jedem Hindernis sollte ein Mitarbeitender stehen, der vor diesem warnt.
  5. Als Abschluss des Parcours wartet eine Strecke ohne Absperrband, die mit Mausefallen ausgelegt ist. Durch diese führt ein Mitarbeitender die Teilnehmenden mit seiner Stimme.

Die Parcoursabschnitte im Detail

1. Erster Streckenabschnitt:

Die Teilnehmenden gehen die ersten ca. zwei bis drei Minuten, ohne dass Hindernisse im Weg sind. Der Mitarbeitende am Start achtet darauf, dass die Teilnehmenden im Abstand von zwei Minuten losgehen. Er instruiert mit folgenden Worten:
„Auf dich wartet ein Weg, den du blind und schweigend abgehst. Fasse mit deiner rechten Hand an das Absperrband. Bleibe immer an diesem Band. Es wird dich sicher den Weg entlangführen. Gerade hast du Dinge oder Situationen aufgeschrieben, die dir Angst machen. Wenn wir Angst haben, fühlen wir uns teilweise wie Menschen, die einen unbekannten Weg blind gehen müssen.

Auf dich wartet ein Weg mit unterschiedlichen Herausforderungen. Aber hab keine Angst! Du bist nicht allein. Halte dich am Band fest. Dir werden unterwegs unterschiedliche Menschen begegnen. Lerne zu unterscheiden, welchen du vertrauen kannst und wer dir nur noch mehr Angst machen will. So lange das Band geht, halte dich unbedingt daran fest und lasse es nie los! Und nun, geh mutig vorwärts!“

2. und 3. Angst-Stimme gegen Ermutigungs-Stimme:

Nach ca. zwei bis drei Minuten blindem Laufen gesellt sich ein Mitarbeitender dazu, der den Weg mit entmutigenden Kommentaren erschwert. Er kann Sätze sagen, wie etwa:

  • Diesen Weg schaffst du nie – er ist viel zu schwer!
  • Dreh lieber um! Du wirst dabei draufgehen!
  • Du bist viel zu unfähig, um das zu schaffen! Schau dich doch mal an!
  • Keiner ist bei dir, du bist ganz allein.
  • Deine Ängste werden dich fertig machen.

Dieser Mitarbeitende begleitet den Weg für ca. eine Minute. Er sollte darauf achten, die Sätze mit einer bewusst angstmachenden Stimme zu sprechen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, um den Bogen nicht zu überspannen. Ihr solltet eure Teilnehmenden gut kennen, um zu wissen, wie viel ihr den einzelnen zumuten könnt und wer eine weichere Ansprache braucht.

Nach einer Minute gesellt sich der Mitarbeitende dazu, der ermutigend dagegenhält. Er kann – mit freundlicher und vertrauensvoller Stimme, ermutigende Sätze sprechen. Dabei sollte er immer wieder den Namen des Teilnehmenden verwenden, um eine persönliche Ansprache zu verdeutlichen. Der böse und der ermutigende Mitarbeitende überlappen sich anfangs mit ihren Ansagen noch, ehe sich der böse Mitarbeitende zurückzieht und beim nächsten Teilnehmenden mit seinem Durcheinanderbringen beginnt. Einige Satzvorschläge für den ermutigenden Mitarbeitenden:  

  • Hab keine Angst, … (Name). Diese Sätze sind eine Lüge. Ich bin bei dir und werde dich begleiten.
  • Geh ruhig weiter, … (Name). Ja, auf dich warten Herausforderungen. Aber du bist mein geliebtes Kind. Ich lasse dich nicht allein.
  • Bleibe einfach am Band. Halte dich fest, der schwere Weg wird ein gutes Ende nehmen!

Auch diese Passage dauert ca. eine Minute. Der ermutigende Mitarbeitende schickt den Teilnehmenden schließlich mit folgenden Worten auf den weiteren Weg:

„Nun gehe mutig den weiteren Weg. Es werden Herausforderungen und Hindernisse auf dich warten. So, wie du vor verschiedenen Dingen Angst hast, die real sein können, gibt es auch hier reale Hindernisse. Aber ich verspreche dir: vor jedem Hindernis ist jemand für dich da. Ich lasse dich nicht gegen eine Wand laufen!“

4. Weg mit Hindernissen:

Baut nun zwei bis drei Hindernisse auf den Weg. Ein Mitarbeitender begleitet diesen Streckenabschnitt und sorgt mit freundlichen Warnungen dafür, dass der Teilnehmende gut durch diesen Weg kommt.

5. Weg mit Mausefallen:

Am Ende des durch Absperrband vordefinierten Weges wartet der letzte Mitarbeitende. Hier sind auf einem Weg mit einer Länge von ca. fünf bis acht Metern gespannte Mausefallen aufgebaut. Der Weg sollte durch Markierungen (z. B. lange Holzbretter) links und rechts abgegrenzt sein.

Der Mitarbeitende wird den Teilnehmenden am Ende des Bandes ansprechen und dazu auffordern, sich barfuß mithilfe der Stimme des Mitarbeitenden durch den Mausefallenweg führen zu lassen, ohne dass eine Falle zuschnappt.

Wichtiger Hinweis: die Mausefallen sollten entgegen der Laufrichtung aufgebaut sein. Das bedeutet, dass man nicht mit den Zehen in die Fallen tappen kann, sondern von „hinten“ an die Falle stoßen würde. Somit besteht die Angst vor den Mausefallen nur im Kopf. In der Realität ist keine Gefahr vorhanden. Nehmt trotzdem nur einfache Mausefallen, auf keinen Fall Rattenfallen.

Instruktion durch den Mitarbeitenden:
„Bis hierher bist du gekommen. Herzlichen Glückwunsch! Du darfst jetzt für zwei bis drei Sekunden deine Augenbinde hochziehen und einen kurzen Blick auf die letzte Wegstrecke werfen (zwei bis drei Sekunden ermöglichen). Du hast einen Weg mit einigen Mausefallen gesehen. Alle sind gespannt. Da kann man schon Angst bekommen. Wie so manchmal im realen Leben. Ja, du kannst Angst haben. Aber: Hab keine Angst. Gott ist stärker als jede Schwierigkeit. Auch hier musst du keine Angst haben. Ich werde dich mit meiner Stimme so führen, dass du sicher durch den Mausefallenweg kommst, ohne dir wehzutun. Es gibt zwar keine 100%ige Garantie – wie im echten Leben auch, kann es Schmerzen geben. Aber vertraue, dann wirst du auch diesen Weg schaffen.“

Nun führt der Mitarbeitende den Teilnehmenden mit seiner Stimme durch den Weg. Am Ende spricht er folgende Worte:
„Herzlichen Glückwunsch. Du hast den Weg geschafft. Du hast dir nach diesem herausfordernden Weg eine Belohnung verdient. Sie wartet dort (auf gedeckten Tisch zeigen). Dort findest du auch Zettel und Stifte. Du kannst dir über die Fragen Gedanken machen, bis wir alle wieder dort zusammen sind.“

Die Teilnehmenden nehmen am gedeckten Tisch Platz und können sich über die folgenden Fragen Gedanken machen, die abgedruckt sind:

  • Warum hast du vor den Dingen Angst, die du vorhin aufgeschrieben hast?
  • Was hilft dir in Situationen, in denen du Angst hast?
  • Lies Johannes 16,33! Welche Auswirkung hat diese Aussage von Jesus auf die Situationen, in denen du Angst hast?
  • Was willst du von dieser Erfahrung für Situationen der Angst mitnehmen?

Reflexionsgespräch und Erfahrungsbericht eines Mitarbeitenden (15 min)

Wenn alle Teilnehmenden da sind und Zeit hatten, sich über die obigen Fragen Gedanken zu machen, schließt sich eine offene Gesprächsrunde an, die sich an diesen Fragen orientiert.

Abschließend können Mitarbeitende eigene Erfahrungsberichte geben, in denen sie ein Erlebnis erzählen, bei denen sie in einer Situation der Angst Gottes Hilfe erlebt haben. Mit einer gemeinsamen Gebetsrunde oder ein bis zwei weiteren passenden Liedern wird die Stunde abgeschlossen.

  • Autor / Autorin: Siggi Waldmann, Lebenszentrum Adelshofen
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