Ich habe nichts gegen Ausländer, aber …

Einheit | Erlebnispädagogische Aktivität
Einheit | Erlebnispädagogische Aktivität

Ich habe nichts gegen Ausländer, aber …

Materialart: Erlebnispädagogische Aktivität
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Teens (12-16 Jahre)
Einsatzgebiete: (Jugend-)Gottesdienst, Freizeiten, Gruppenstunde, Schulung
Verband: Deutscher EC-Verband
Redaktion: TEC:
Zeitbedarf: 60-90 Min. (Vorbereitung: 45-60 Min.)
Bibelstelle: Jesaja 1,17LUT17 anzeigen
Bibelstelle
Jesaja 1,17

17lernt Gutes tun! Trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Benötigte Materialien: Beamer, Internet, Laptop, Whiteboard, Lautsprecher, Bibel(n)
Anhang:
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Gib Fremdenhass und Ausgrenzung keine Chance!

1. Vorbemerkungen

Nachdem wir im Herbst 2015 eine Willkommenskultur feierten, ist der Ton gegenüber Menschen aus anderen Kulturen, Nationen und Religionen rauer geworden. Die Statistiken zu rechter und menschenfeindlicher Gewalt sind exponentiell gestiegen. Hasskommentare in den sozialen Medien sind hemmungsloser geworden und die AfD bietet Menschen mit Menschenfeindlichkeit und rechter Gesinnung eine politische Heimat. Auch fromme Christen können menschenfeindlichen Vorurteilen verfallen und (Mit)Täter von Gewalt werden.

2. Zielgedanke

Menschenfeindlichkeit in jeder Form ist Gottesfeindlichkeit.

3. Einführung inkl. Exegese

Laut einer Studie der Universität Leipzig liegt der Anteil mit einer ausländerfeindlichen Haltung deutschlandweit bei 20%. Bei Älteren ist der Anteil höher als bei Jüngeren. In Bundesländern, in denen weniger Ausländer wohnen (neue Bundesländer und Bayern) ist die Ausländerfeindlichkeit höher als in denen, wo mehr Menschen mit ausländischem Hintergrund leben.

Hintergrundinfos zum Thema und Zusammenfassung der Studie „Enthemmte Mitte“:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/rechtsextremismus-studie-die-enthemmte-mitte-a-1097321.html

https://www.boell.de/sites/default/files/uploads/2016/06/2016-06-die_enthemmte_mitte_pk.pdf

Bibelarbeit: Jesus unser Sündenbock

Der berühmte christliche Religionsphilosoph René Girard hat sich überall auf der Welt Konflikte angeschaut und gemerkt, dass über Tausende von Jahren ähnliche Konfliktmuster entstehen. Wenn innerhalb einer Gruppe oder Gesellschaft sich ein Konflikt hochschaukelt, kann es für viele sehr gefährlich werden. Um dieser Gefahr aus dem Weg zu gehen, so hat Girard herausgefunden, wird ein gesellschaftlicher Sündenbock gesucht (im Dritten Reich waren es u. a. die Juden, Behinderte und Homosexuelle), auf den die Schuld geladen werden kann. Sie werden dann unterdrückt, abgewertet, verfolgt, sind Objekt des Hasses und werden sogar getötet.

Sobald der Sündenbock ausgeschaltet ist, fühlt es sich für die anderen wie eine Erlösung an. Auch Jesus war der Sündenbock, der zwischen den führenden Juden und Pilatus als Feind auserkoren und geopfert wurde (Joh 11,51-53). Weil Jesus aber offensichtlich unschuldig war, hat er dadurch unser sündiges Verhalten der Ausgrenzung und der Sündenbocksuche offensichtlich gemacht. Einstellungen wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung von Ausländern, Muslime oder anderen Gesellschaftsgruppen, sind nichts weniger als die Suche nach einem Sündenbock. Als Christen wissen wir, dass Christus als unschuldiger Sündenbock gestorben ist, um uns von dem Drang zu befreien, immer wieder neue Sündenböcke und Feindbilder zu suchen. Stattdessen dürfen wir als Friedensstifter Versöhnung schaffen und uns für die einsetzen, die als Sündenböcke herhalten müssen.

In der Konfliktforschung werden folgende Kategorien für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aufgestellt:

  • Religiöse Diskriminierung (Antisemitismus, Islamophobie, …)
  • Geschlechterbasierte Diskriminierung und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung (Sexismus, Homophobie)
  • Diskriminierung aufgrund der nationalen oder ethnischen Herkunft (Ausländerfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Angehörige von Sinti & Roma)
  • Diskriminierung aufgrund von sozialem und ökonomischem Status oder körperlicher Einschränkung (Arbeitslose, Menschen mit Behinderung, Obdachlose, Asylbewerber, …)

4. Einstieg

a) In einem sozialen Experiment wird ein Geflüchteter von zwei Rechtsextremen angepöbelt. Wie reagieren die Menschen, die das mitbekommen?

b) Im zweiten Schritt bekommen die Teilnehmenden die Begriffe aus der gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (z. B. Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, …) auf Karten zugeteilt. Auf einer Tafel oder einer Wand werden die Kategorien (z.B. religiöse Diskriminierung) geschrieben und die Teilnehmenden können ihre Karten den Kategorien zuordnen.
Kurze Diskussion: Können einige Punkte mehreren Kategorien zugeordnet werden? Geht jeden Punkt durch und sucht nach einem Beispiel aus der Praxis.

Anschließend kann auf der Wand oder per PPT die Grafik angezeigt werden.

Grafik: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

5. Hauptteil

Rollenspiel

Die Teilnehmenden teilen sich in zwei Gruppen auf und planen ein Rollenspiel, in der eine Diskriminierung oder Abwertung deutlich wird.
Anschließend gibt es eine Diskussion mit folgenden Fragen:

  • Wie habt ihr euch gefühlt? Konntet ihr euch in die Rolle des Opfers einfügen?
  • Was ist euch schwergefallen?
  • Habt ihr selbst Ähnliches als Opfer, Beobachter oder sogar als Mitläufer/Täter erlebt oder gesehen? Wie habt ihr reagiert? Bei dieser Frage sollte darauf hingewiesen werden, dass wir schneller als gedacht Mitläufer oder auch Täter werden können, gerade wenn wir als Gruppe unterwegs sind.

Die leitende Person stellt einige Daten und Fakten (aus der Einführung) der Gruppe in Bezug zu Menschen-/Fremdenfeindlichkeit in Deutschland vor.

Bibelarbeit

Einstiegsfrage für die Bibelarbeit: Was ist der christliche Auftrag angesichts von Menschenfeindlichkeit und Gewalt? Die Diskussion kann auf folgende zwei Punkte geführt werden:

1 . Selbstcheck Liebe

Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes und Christen sind gerufen, alle, ungeachtet ihrer Herkunft, religiösen Zugehörigkeit, sexueller Orientierung oder sozialem Status, zu lieben.

Frage an die Runde: Welche Gruppen (vgl. Schaubild Menschenfeindlichkeit) fallen uns am schwersten zu lieben? Warum ist das so? Wie können wir sicherstellen, dass wir nicht selbst zu Tätern oder Mitläufern (in Worten, Gedanken oder Aktion) werden?

Diskutiert den Satz: „Menschenfeindlichkeit in jeder Form ist Gottesfeindlichkeit“.

Impuls aus „Jesus, unser Sündenbock“
Diskussion: Welche der Menschengruppen werden in eurem Umfeld gern als Sündenböcke ausgesucht? Wie kann man das erkennen? (Parolen, Kommentare und Witze, …)
Ein beliebter Satz fängt so an: Ich hab nichts gegen Ausländer, aber… .

2. Aufstehen für Menschenwürde

Wir sind aufgerufen, für Menschen einzustehen und wo möglich zu schützen, die Opfer von Gewalt und Diskriminierung sind, und Frieden zu stiften.
Lest den Text aus Jesaja 1,17 und Matthäus 5,9.

Erklärung: Zu den Zeiten des AT gehörten die Waisen, Witwen und die Fremden zu einer Randgruppe. Als Sündenböcke waren sie leichte Beute.

Experiment „Ausländer sitzen hinten“

Schaut euch das Experiment an und überlegt, wie man richtig handeln sollte.

Rollenspiel 2

Spielt noch mal das Rollenspiel vom Anfang. Jetzt muss sich die Zuschauergruppe überlegen, wie sie den Opfern von Gewalt oder Diskriminierung helfen kann. Welche Möglichkeiten gibt es? Welche Methoden werden in beiden Filmen gezeigt?

Wenn die Situation gefährlich wird, gibt die Polizeiberatung folgende Tipps:
http://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/zivilcourage/tipps/

• Ich helfe, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen.
• Ich fordere andere aktiv und direkt zur Mithilfe auf.
• Ich beobachte genau und präge mir Täter-Merkmale ein.
• Ich organisiere Hilfe unter Notruf 110.
• Ich kümmere mich um Opfer.
• Ich stelle mich als Zeuge zur Verfügung.

6. Abschluss

Überlegt euch, wer in eurem Umfeld (Nachbarschaft, Schule, Freundschaften) diskriminiert, gemobbt oder Gewalt erleiden muss. Was könnt ihr tun, um der Person zu helfen? Erhebt die Stimme, wenn in euren Freundeskreisen oder in der Schule gegen bestimmte Menschengruppen gehetzt oder abfällig geredet wird.
Gestaltet ein Poster, eine Postkarte oder ein Motiv mit der Aussage:

→ Lesson of the day: Menschenfeindlichkeit in jeder Form ist Gottesfeindlichkeit.

  • Autor / Autorin: Gerhard Wiebe
  • © Deutscher EC-Verband
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