Im Namen das Volkes…Im Namen das Volkes…

Einheit: Im Namen das Volkes…

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 45-60 Min.
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Mitarbeitende, Studenten
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Redaktion: echt.
Bibelstelle: Ester 4,1-17
Ester 4,1-4,17

4

Mordechai bestimmt Ester, beim König für die Juden einzutreten

1Als Mordechai alles erfuhr, was geschehen war, zerriss er seine Kleider und kleidete sich in Sack und Asche und ging hinaus mitten in die Stadt und schrie laut klagend. 2Und er kam bis vor das Tor des Königs; denn es durfte niemand in das Tor des Königs eintreten, der den Sack anhatte. 3Und in allen Provinzen, wohin des Königs Wort und Gebot gelangte, war ein großes Klagen unter den Juden, und viele fasteten, weinten, trugen Leid und lagen in Sack und Asche. 4Da kamen die Dienerinnen Esters und ihre Kämmerer und erzählten ihr davon. Da erschrak die Königin sehr. Und sie sandte Kleider, dass Mordechai sie anzöge und den Sack ablegte; er aber nahm sie nicht an.

5Da rief Ester Hatach, einen von des Königs Kämmerern, der ihr diente, und gab ihm Befehl wegen Mordechai, um zu erfahren, was das wäre und warum er so täte. 6Da ging Hatach hinaus zu Mordechai auf den Platz der Stadt, der vor dem Tor des Königs war. 7Und Mordechai sagte ihm alles, was ihm begegnet war, auch die Summe des Silbers, das Haman versprochen hatte, in des Königs Schatzkammer darzuwägen, wenn die Juden vertilgt würden, 8und gab ihm eine Abschrift des Gesetzes, das in Susa angeschlagen war, sie zu vertilgen, damit er’s Ester zeige und es ihr sage und ihr gebiete, dass sie zum König hineingehe und zu ihm flehe und bei ihm Fürbitte tue für ihr Volk.

9Und als Hatach hineinkam und Ester die Worte Mordechais sagte, 10sprach Ester zu Hatach und gebot ihm, Mordechai zu sagen: 11Es wissen alle Großen des Königs und das Volk in den Provinzen des Königs, dass jeder, der ungerufen zum König hineingeht in den inneren Hof, Mann oder Frau, nach dem Gesetz sterben muss, es sei denn der König strecke das goldene Zepter ihm entgegen, damit er am Leben bleibe. Ich aber bin nun seit dreißig Tagen nicht gerufen worden, zum König hineinzukommen.

12Und als Esters Worte Mordechai gesagt wurden, 13ließ Mordechai Ester antworten: Denke nicht, dass du dein Leben errettest, weil du im Palast des Königs bist, du allein von allen Juden. 14Denn wenn du zu dieser Zeit schweigen wirst, wird eine Hilfe und Errettung von einem andern Ort her den Juden erstehen. Du aber und deines Vaters Haus, ihr werdet umkommen. Und wer weiß, ob du nicht gerade um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gekommen bist? 15Ester ließ Mordechai antworten: 16So geh hin und versammle alle Juden, die in Susa sind, und fastet für mich, dass ihr nicht esst und trinkt drei Tage lang, weder Tag noch Nacht. Auch ich und meine Dienerinnen wollen so fasten. Und dann will ich zum König hineingehen entgegen dem Gesetz. Komme ich um, so komme ich um. 17Mordechai ging hin und tat alles, was ihm Ester geboten hatte.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Eine Bibelarbeit zu Ester 4,1-17 und ihr „Opfer“ für das jüdische Volk. Haben wir das Stehvermögen, unseren Glauben auch gegen Widerstände zu leben und dafür auch Opfer zu bringen?


Vorschau:

1. Erklärungen zum Text

Das Buch Ester beschreibt wohl die Zeit im fünften vorchristlichen Jahrhundert im persischen Reich. Die Ester-Erzählung verdeutlicht die Problematik jüdischen Lebens in der Diaspora, in einer Exilsituation, sehr anschaulich. Die Anpassung an das religiöse und gesellschaftliche Umfeld geht so weit, dass die eigene jüdische Identität verleugnet wird. Dies trifft auch auf Ester zu, die hier dem Rat Mordechais folgt. Aufgrund der wachsenden Judenfeindlichkeit hat Mordechai Angst um Ester und das Volk. Wie sehr die Angst zutrifft, zeigt die Anzeige, die erfolgt, weil Mordechai Jude ist und Haman die Huldigung verweigert. Eine fast vollständige Assimilierung scheint überlebensnotwendig und einziger Ausweg zu sein….

2. Bedeutung für heute

Vor kurzem habe ich einen Artikel in einer Zeitschrift gelesen. Ausgehend von der zentralen Bedeutung des Opfertods Jesu für den christlichen Glauben ging es in dem Artikel zum einen um die Frage, ob Opfer-Bringen heute noch eine Bedeutung in unserer Gesellschaft hat. Zum anderen wurde die Frage gestellt, was es für einen Wert für die Gesellschaft haben könnte, wenn es hier auch opferbereite Menschen gibt. Die Zeitschrift stellte dann die Portraits von mehreren Menschen vor, die auf ihre eigene Weise zu großen Opfern bereit waren.

Helden des Alltags, opferbereite Menschen, sie sind wichtig für unser Leben und unsere Gesellschaft. Insofern bejaht die Zeit dieses christliche Lebensmotiv. Ja, wir brauchen opferbereite „Helden und Heldinnen“, auch wenn deren Einsatz nicht immer mit einem „happy end“ abschliesst.

Das finden wir auch bei Ester. In unserem Text ist der Dialog mit Mordechai die entscheidende Passage. Denn dort wächst im Herzen der Ester die Entscheidung sich für ihr Volk einzusetzen. Sie setzt alles auf eine Karte. Sie ist bereit, risikoreich zu leben (siehe V. 16). Wenn es gut geht, wird sie zur Retterin eines ganzen Volkes, geht es schief…

3. Methodik für die Gruppe

  • Einstieg
  • Hauptteil: Den Text kennen lernen, Vertiefung, Konkrete Vertiefungsfragen
  • Abschluss
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  • Autor / Autorin: Gemeinschaftswerk von Studierenden am Theologischen Seminar St. Chrischona
  • © Deutscher EC-Verband