Lästern – nicht unterschätzen

Einheit | Hintergrund/ Grundsatz
Einheit | Hintergrund/ Grundsatz

Lästern – nicht unterschätzen

Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppen: Jugendliche, Junge Erwachsene, Mitarbeitende
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde, Schule + Jugendarbeit, Schulung
Verband: CVJM Deutschland
Redaktion: CVJM Deutschland
Zeitbedarf: 5-10 Min. (Vorbereitung: 5-10 Min.)
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Ein Wort ist wie ein Pfeil – einmal von der Sehne geschnellt, ist es nicht mehr zurückzuholen…

Sommerfreizeit mit Sonne und Strand. Jeden Morgen ist eine Stunde mit Gott reserviert. „God’s News!“, unsere Bibelarbeit. Heute geht es um Verhalten und Werte. Der Bibeltext spricht sich gegen üble Nachrede, Lüge und Zorn aus (Eph. 4,25ff.). Die weiterführenden Gedanken und Meinungen der Teens verdichten sich zum Thema „Lästern“. Das sitzt! Mitten im Leben der jungen Menschen. Lästern gehört zum Alltag wie die Fahrkarte zum Schulbus.

In der vertrauten Kleingruppe reden sie hektisch durcheinander. Alle sind Opfer und Täter im Lästeralltag. Vorurteile weitertratschen, ungefiltert Meinungen übernehmen, übel nachreden sind nur einige Muster von Lästern.

Nicht lästern – geht nicht

Als Freizeitleiter lenke ich die Diskussion dahin, dass jeder entscheiden kann, ob er im Lästerwald mitläuft oder sich dem Opfer hilfreich zur Seite stellt. Alle stimmen mir zu! „Im Prinzip Ja – in der Praxis Nein!“, lautet das Statement der Jugendlichen. Wer nicht mitlästert, ist schon einen Schritt aus dem Kreis der Vertrauten getreten. Wer sich gar zum Opfer stellt, der hat schnell die Clique gegen sich. Die komplexe Dynamik der Peergroup schafft diese scheinbar widersinnige Situation. Ihr Postulat: Du gehörst dazu, wenn wir uns auf einer Linie befinden. Abweichler geraten in die Klatschspalte der Gemeinschaft. Was „sich auf einer Linie befinden“ konkret bedeutet – ebenso was konkret „Abweichung“ bedeutet, kann von Tag zu Tag variieren. Denn die ganze Gruppe arbeitet diesen Verhaltenskodex aus und tariert täglich ihr soziales Miteinander in Nuancen neu.

Insofern ist Klatsch und Lästern eine Form der sozialen Kontrolle und hat sogar den positiven Aspekt, dass sich keiner seines Gruppenstatus sicher sein kann. Das betrifft gleichermaßen die mächtigen Meinungsmacher als auch die müden Mauerblumen. Es bedarf zum Beispiel nur eines neuen Songs im Hitradio, der das Thema Mauerblume aufgreift, und es kann passieren, dass sich die Gruppe der eigenen Blume zuwendet, sie zum Blühen bringt und auf den Thron des vormals Mächtigen hebt.

Lästern – die Brisanz des Themas habe ich unterschätzt. Junge Menschen leben in komplexen Sozialstrukturen, die sich täglich verändern und in denen sie ihren Status erobern müssen. Die Furcht, Opfer von Lästereien zu werden, bestimmt das Verhalten im Kontext der Peergroup. Lästern gehört zum Alltag wie die Fahrkarte zum Schulbus.

Respekt – gegen lästern

Eine Teilnehmerin berichtet stolz, dass sie mit vier Freundinnen abgesprochen habe, nicht mehr übereinander zu lästern. Egal in welchem Sozialkontext sich einzelne gerade befinden. Sie vertrauen einander und üben einen lästerfreien Lebensstil in dem ihnen möglichen Rahmen ein. Respekt!

Und die Freizeitgruppe? Sie hatte ihr Thema gefunden und hielt daran fest. Zwei schrieben eine Story über zwei Lästermäuler, die während des Schulausflugs ein Zimmer teilen mussten. Drei entwarfen Charaktere zu Darstellern der Story. Einige wuchsen zu Fotografen und Powerpointexperten heran. Nach drei Tagen präsentierten sie ihre „Fotostory“ als Folge einer Daily-Soap. Während dieser Aktivität blühte die Gruppe auf. Sie respektierten ihre Fähigkeiten, entdeckten Neugier und Lernwille und ernteten Bewunderung und Respekt für ihr Ergebnis.

  • Autor / Autorin: Andreas Graf
  • © CVJM Deutschland
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