Lass dich warnen! Eine Herausforderung Jesu zum PerspektivwechselLass dich warnen! Eine Herausforderung Jesu zum Perspektivwechsel

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Einheit: Lass dich warnen! Eine Herausforderung Jesu zum Perspektivwechsel

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 60-90 Min. (Vorbereitung: 15-25 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Redaktion: echt.
Benötigte Materialien: Kinderwagen, Brille, Spielzeug, Fragezeichen, Bibel(n), Papier und Stift
Bibelstelle: Markus 10,13-16
Markus 10,13-10,16

Die Segnung der Kinder

(Mt 19,13-15; Lk 18,15-17)

13Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. 14Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. 15Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. 16Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

1. Erklärungen zum Text

Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Unterwegs spricht er mit dem Volk und ihren religiösen Anführern über Gott. Er erklärt, wie ein Leben mit Gott aussehen kann. Es geht um die Frage von Scheidung und Wiederheirat (Verse 2-12). Es geht um die Frage: Wie komme ich in den Himmel (Verse 17-27)? Es geht um gelebte Nachfolge. Mitten zwischen diese theologischen und ethischen Fachgesprächen fällt die Geschichte von der Kindersegnung.

V.13: Menschen aus dem Volk möchten ihre Kinder von Jesus segnen lassen. In diesem Segnen steckt die Bedeutung von anrühren, Hände auflegen, berühren. Es war zur Zeit Jesu durchaus üblich, dass Väter ihre Kinder segneten und ein Rabbi seine Schüler. Die Eltern zeigen mit ihrem Wunsch, dass sie Jesus als einen von Gott eingesetzten Lehrer sehen. Sie wollen, dass ihre Kinder durch Jesus mit Gott in Berührung kommen.

Die Jünger fahren die Eltern mit groben Worten an. Sie tadeln, sind unfreundlich und wollen Eltern und Kinder wegschicken. Vielleicht waren Worte dabei wie: „Stört Jesus nicht. Seid doch leise. Die Kinder verstehen doch sowieso noch nichts von Jesu Botschaft.“

V.14: Jesus reagiert auf die Worte und Taten seiner Jünger „unwillig“. Jesus wird zornig auf seine Jünger-Mitarbeiter. Sie sind dabei, einen großen Fehler zu machen. Gleich zweimal betont er, dass er die Kinder gerne bei sich haben möchte: „Lasst die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran!“. Warum ist ihm das so wichtig? Weil „solchen“, also den Kindern, das Reich Gottes gehört. Jesus sieht in den Kindern „very important persons“ (VIP) und möchte, dass sie so behandelt werden.

V.15: Jetzt geht es um das Empfangen. Gottes Reich lässt sich „aufnehmen, annehmen und empfangen“. Das sind passive Worte. Gottes Reich kann ich wie ein Geschenk annehmen. Brisant daran ist, dass das Reich Gottes sich nur empfangen lässt. Ich kann es weder verdienen noch erarbeiten. Wer ein Interesse daran hat, in den Himmel zu kommen, kann auf Aktionismus verzichten. Er sollte eher Freude am Annehmen von Geschenken haben.

V.16: Jetzt kommt es zur Segens-Handlung durch Jesus. Er legt den Kindern die Hände auf, er nimmt sie in den Arm und segnet sie. Der Wunsch nach der Segnung und die Segnung selber bilden somit den Rahmen um unseren Text.

Zum Vergleich: Paralleltexte finden sich in: Mt. 19, 13-15 und Lk. 18, 15-17.

2. Bedeutung fĂĽr heute

Beim Lesen dieses Textes kommt vielen Lesern als erstes die Taufe in den Sinn. Oft wird der Text bei Taufgottesdiensten vorgelesen. Das hat durchaus seine Berechtigung. Genauso gehört dieser Text jedoch auch zu den „Reich Gottes“-Texten. Es ist mehr als ein Text, der zeigt, wie wichtig Jesus Kinder sind. Der Text ist eine ausdrückliche Mahnung oder sogar Warnung an Gottes Mitarbeiter und an Erwachsene, die Jesus nachfolgen wollen. ACHTUNG: Wenn du dir Gottes Reich nicht schenken lassen willst, wirst du nicht hinein kommen! Aus dem oft als „süßer Text für Kinder“ verstandenen Text wird also ein „Mahntext an jeden Erwachsenen“. Erwachsene Überheblichkeit und übertrumpfendes Wissen sind jetzt nicht wichtig. Es geht darum, sich von Jesus hinterfragen zu lassen.

Ein Gutes ist: Jeder von uns kann von eigenen Erfahrungen zehren. Jeder war Kind und die Meisten werden sich erinnern, wie es war, sich ohne Hintergedanken beschenken zu lassen. Diesen eigenen Fundus wieder auszugraben, hilft, die Mahnung von Jesus zu beherzigen.

Ein zweites Gutes ist: Wir sollen vor Gott werden wie ein Kind. Nicht vor unseren Eltern oder Freunden. Es geht um unsere Beziehung zu Gott. Der Text will also mahnen und herausfordern. Folgende Fragen stellt er heute an uns:

  • Welche Erinnerungen an „schenken und beschenkt werden“ habe ich aus meiner Kindheit?
  • Welche Fähigkeiten hat ein Kind, die einem Erwachsenen oft verloren gehen? Welche dieser Eigenschaft sollen wir fĂĽr Jesus aktiv halten?
  • Wie fĂĽhle ich mich als Gottes Kind?
  • An welchen Stellen mĂĽssen wir unser Verhalten oder unsere Einstellung ändern?
  • Wie verhalte ich mich als Mitarbeiter Gottes gegenĂĽber Kindern?
  • Welchen anderen Menschen fĂĽhle ich mich ĂĽberlegen? Wen behandele ich abwertend?
  • Wie kann ich Gottes Reich annehmen und trotzdem erwachsen und reflektiert glauben?

3. Methodik fĂĽr die Gruppe

3.1 Reise in meine Kindheit

Es werden A 4 Zettel verteilt. Jeder darf in Erinnerungen schwelgen. Folgende Fragen sind möglich:

  • An diese Geschenke erinnere ich mich:
  • Die besten Geschenke waren:
  • Das unbeliebteste Geschenk war:
  • Auf einer Skala von 1-10: So wichtig sind mir Geschenke
  • Das war beim schenken / beschenkt werden bei uns ĂĽblich – Verhaltenskodex in meiner Familie (z.B.: Immer schön danke sagen, …)
  • Dieser Wunsch ist bis heute unerfĂĽllt geblieben:

Anschließend besprechen wir die ausgefüllten Zettel und beschäftigen uns mit ausgewählten Fragen aus Punkt 2 (Bedeutung für heute).

3.2 Personengruppen kommen zu Wort

Zunächst wird die Geschichte gemeinsam gelesen. Nun kommen die 4 Personen / Gruppen zu Wort: Im Gruppenraum werden Gegenstände platziert. Diese stellen verschiedene Orte für die Personengruppen dar.

Personengruppe Gegenstand (Beispiele)
1) Personen, die die Kinder bringen (Eltern,…) Kinderwagen, Fläschchen, Kinderjacke
2) das Volk (unbeteiligt, Zuschauer) Brille
3) Kinder (werden gebracht, laut, fröhlich) Schnuller, Spielzeug, Ball
4) JĂĽnger (muffig, tadelnd, unschlĂĽssig) GroĂźes Fragezeichen / Rufzeichen

Jeder Teilnehmer sucht sich aus den 4 „Orten“ einen aus, an den er sich begibt. Entweder wählt man eine Gruppe, weil sie einem besonders sympathisch ist oder weil jemand nachempfinden möchte, was diese Personen wohl gedacht haben. Jeder darf sich so in diese Personengruppe hineinstellen, setzen, legen, wie er möchte. Ein Mitarbeiter geht mit einem „Mikrophon“ durch die Gruppen und befragt die einzelnen Teilnehmer z.B. folgendermaßen:

  1. Wer bist du und warum sitzt / bist du hier?
  2. Welche Frage beschäftigt dich gerade?

Am Ende löst der Leiter die Gruppen auf und entlässt jeden aus seiner „Rolle“. Anschließend kann über die Ergebnisse der Befragung gesprochen werden.

3.3 Bei Gott bist du ein VIP! Oder auch: Segensbringer sein

Wir planen ein Event für Kinder und führen es beim nächsten Treffen durch. Wir überlegen gemeinsam, wie wir in Gottes Auftrag Kindern seinen Segen bringen können. (Ideen: Einen Gottesdienst für und mit Kindern gestalten, ein Krippenspiel durchführen, Flüchtlingskinder auf ein Eis einladen, Unterstützung eines Patenkindes, einen Schuhkarton für Weihnachten,…).

3.4 Gott erleben wie ein Kind

Jeder ist eingeladen, sich bei Gott als Kind zu „entspannen“. Vielleicht sind auch stille Zeiten, ein ½ Stunde Gebetsspaziergang oder eine Lobpreiszeit angebracht. Es können Bibeln zum „stöbern“ bereit liegen oder Zettel und Stifte für Teilnehmer, die einen Brief an Gott schreiben möchten. Weitere Umsetzungsideen ergeben sich aus der Frage: Wie möchte ich mit Gott, meinem Vater, Zeit verbringen? (auch Sandburg bauen, Lagerfeuer und puzzeln ist „erlaubt“). Bei Youtube finden sich Powerpoints zum Thema „Liebesbrief von Gott“ und “Geliebtes Kind Gottes“. Diese eignen sich als Abschluss des Abends.

3.5 Verlorenes wiederfinden

Hier geht es um die Vertiefung des Zielgedankens unseres Bibeltextes. In der ersten Runde gehen wir der Frage nach: „Welche Eigenschaften hat ein Kind, die uns Erwachsenen oft verloren gehen?“ Z.B.: Was können Kinder besser als Erwachsene? Wie gehen Kinder mit ihren Emotionen um? Wie drückt ein Kind „Vertrauen“ aus? Zu wem geht ein Kind, wenn es Hilfe oder Trost braucht?

In der zweiten Runde geben wir die Fragen an uns persönlich weiter: Was können Kinder besser als ich? Wie gehe ich mit Emotionen um? Wie drücke ich Vertrauen aus? Zu wem gehe ich, wenn ich Hilfe und Trost brauche?

In der dritten Runde stellen wir uns die Frage: Was nehmen wir von den Einsichten aus 1) und 2) als Merkposten zum Umsetzen mit? Diese Merkposten werden schriftlich festgehalten.

  • Autor / Autorin: Miriam Schäfer
  • © Deutscher EC-Verband