Leid – und was helfen kann, es besser zu machen

Einheit | Bibelarbeit
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Leid – und was helfen kann, es besser zu machen

Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Verband: Deutscher EC-Verband
Redaktion: echt.
Zeitbedarf: 30-60 Min. (Vorbereitung: 10-20 Min.)
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1. Erklärungen zum Text

Dieser Text ist einem langen Abschnitt aus dem Hiob-Buch entnommen, indem die Gespräche der drei Freunde mit Hiob beschrieben sind. Nachdem es zu dieser „Wette“ zwischen Gott und dem Satan kam und nachdem Hiob alles (Familie, Haus, Hof und Lebensperspektive) verloren hatte, kamen seine drei Freunde zu ihm. Zunächst einmal haben sie einfach nur mit ihm getrauert. Sieben Tage und sieben Nächte lang saßen sie bei ihm, ohne ein Wort zu reden (2,11-13). Nach Hiobs Klage über seine Situation kommt es zu diesen Gesprächen. Jeder der drei Freunde redet dreimal und darauf gibt es jeweils eine Antwort von Hiob. Hier haben wir es mit der ersten Rede des Freundes Elifas aus der Stadt Teman zu tun. Das sind die einzigen Angaben, die zu seiner Person oder Biographie gemacht werden können.

Dieser lange Teil des Buches (Kapitel 4-27) ist sehr kunstvoll gegliedert und so verwundert es auch nicht, dass die drei Freunde in ihrer beschriebenen Persönlichkeit und mit ihren Argumenten sehr unterschiedlich sind. Bildad ist sehr konservativ, traditionalistisch eingestellt und so argumentiert er auch. Zofar geht an die ganze Sache sehr denkerisch heran und versucht vom Kopf her Lösungen zu finden. Und Elifas, der in diesem Abschnitt zur Sprache kommt, betrachtet das Ganze auf einer eher spirituell-geistlichen Ebene. Der Umgang mit dem Leid und der Versuch einer Tröstung kann ganz unterschiedlich sein.

Auffallend ist, dass die Argumentation der drei Freunde in der Form zwar sehr unterschiedlich ist, in ihrem Grundanliegen sind sie aber sehr ähnlich. Sie argumentieren alle im „Tun-Ergehens-Zusammenhang“. Dieser besagt, dass das, was Menschen tun, auch eine Auswirkung darauf hat, wie es ihnen geht: Wer sich gut verhält, dem geht es auch gut – und wer sich schlecht verhält, dem geht es auch schlecht. Da steckt sicher viel Wahres drin, aber bei Hiob – das ist letztlich die Botschaft des ganzen Buches – kommt diese Begründung des erfahrenen Leides an seine Grenzen. Die Schlussfolgerung von Elifas ist, dass Hiob durch seine begangene Sünde seine Schwierigkeiten selbst verursacht hat. Für ihn besteht die Lösung darin, Gott um Vergebung zu bitten. Dagegen betont Hiob ja immer und immer wieder, dass er nichts falsch gemacht hat und auch Gott schließt sich dieser Argumentation an (1,22; 42,7). Die Aussagen dieses Abschnittes sind nicht unbedingt falsch und haben in gewisser Weise auch ihre Berechtigung: natürlich kommt es vor, dass wir durch das erfahrene Leid etwas lernen können (17-18) und natürlich haben wir auch die Hoffnung, dass nach schweren Zeiten wieder bessere kommen (19-26). Aber diese Begründungen greifen bei Hiob einfach zu kurz.

Bezeichnend ist darum auch der letzte Vers: Elifas und seine Freunde haben diese Argumentation „erforscht“. Es ist ihre menschliche Weisheit, die aber hier viel zu kurz greift. An dieser Stelle wird aber auch zugleich deutlich, dass der ganze Abschnitt eben nicht die richtige Herangehensweise an das Problem ist. Während Hiob immer sich selbst im Lichte Gottes gesehen und ihn gesucht hat, haben sich seine Freunde auf die eigene Logik verlassen. Aber „richtige“ Weisheit im Sinne der Bibel ist nicht Wissen, sondern Ehrfurcht vor Gott (vgl. Ps 111,10; Spr. 1,7).

2. Bedeutung für den heutigen Hörer

In diesem Abschnitt stecken für heute im Wesentlichen zwei Fragen:

  • Wie gehen wir mit leidvollen Erfahrungen um?
  • Und wie können wir anderen Menschen dabei helfen, mit Leid besser klarzukommen?

Eine Möglichkeit des Umgangs mit dem Leid ist, darin etwas zu sehen, wodurch wir uns entwickeln und reifen können oder wodurch wir etwas lernen. Eine andere Möglichkeit ist, den Blick auf das zu richten, was in Zukunft passieren wird, verbunden mit der Hoffnung, dass das Leben wieder besser wird.

Die Geschichte und das Buch Hiob zeigen, dass beide Möglichkeiten nicht immer richtig und zielführend sind. Hiob wurde immer als gerecht bezeichnet, deshalb brauchte er nichts zu lernen. Zudem ist es immer schwierig, jemandem, der in leidvollen Zeiten lebt, das positive Ende zu zeigen. Das kann (und will) man in diesen Zeiten nicht unbedingt erkennen.

Herausfordernd ist, in schwierigen Zeiten auf Gott und nicht so sehr auf das persönlich erfahrene Leid zu schauen. Der Wendepunkt in Hiobs Leben ist der Moment, als er Gott ganz neu und ganz persönlich kennenlernt (42,5; vgl. Ps 73,16f.)

Erschwerend kommt hinzu, dass sowohl (persönliche) Erfahrung als auch die Beobachtung der Menschen und der gesamten Welt zeigen, dass der „Tun-Ergehens-Zusammenhang“ manchmal auch durchaus zutreffend ist. Da gilt es wirklich gut zu unterscheiden und zu bewerten. Und im Zweifelsfall kann es dann auch besser sein, vorsichtshalber zu schweigen.

Was Elifas leider nicht geschafft hat, war das umzusetzen, was Paulus später an die Gemeinde in Philippi geschrieben hat (Phil 4,5). In vielen Übersetzungen steht in diesem Vers das Wort „Güte“, aber Martin Luther übersetzte es ursprünglich mit „Lindigkeit“. Er spielte dabei auf die schmerzmildernde Wirkung der Linde an. So sollen auch wir sein: durch unser Zuhören und unser Reden sollen wir schmerzlindernd wirken, sollen anderen helfen, mit ihren Erfahrungen des Leides besser umzugehen. Indem wir uns gegenseitig ernst nehmen und Hilfe anbieten – und nicht nur Richtigkeiten von uns geben – werden wir zu Menschen, die anderen auch in schwierigen Zeiten des Lebens begleiten und Situationen verbessern können.

Jemand hat einmal gesagt: „Ein gebrochenes Herz heilt man nicht mit Logik, man heilt es mit Liebe.“ Können wir darin auch für uns einen Auftrag sehen?

3. Methodik für die Gruppe

3.1 Einstieg:

Miteinander schweigen – diese kleine Übung wird jeweils paarweise durchgeführt, wichtig dabei ist, dass kein Wort gesprochen wird. Beide versuchen, die jeweilige Stimmungslage des Gegenübers zu erkennen und darauf zu reagieren. Die Reaktion kann ein Nachahmen, eine Weiterführung oder eine mögliche Hilfestellung sein.

Hiobsbotschaften – diesen Begriff für schlimme Nachrichten kennen wahrscheinlich alle. Überlegt gemeinsam, warum das so genannt wird und findet aktuelle Beispiele dafür.

3.2 Erarbeitung:

Fragen zum Nach- und Weiterdenken:

  • Was zeichnet eine gute Freundschaft aus?
  • Welche Vorteile hat es, wenn wir miteinander schweigen können?
  • Was können wir unseren Freunden in leidvollen Situationen sagen? Was hilft? Was hilft eher nicht?
  • Elifas hatte gute Absichten, er lag aber letztlich falsch. Wie können unsere guten Absichten und unser Tun übereinstimmen?

Elifas argumentiert letztlich so, dass es einen Grund für Hiobs Leid gibt. Dieser Grund muss in negativem Verhalten oder in seiner Sünde liegen. Überlegt gemeinsam, ob es immer einen Zusammenhang geben muss von dem, was wir tun und dem, was wir erleben. Wo stimmt es und wo kommt dieser Ansatz an seine Grenzen?

3.3 Vertiefung:

Reden:

In der Bibel gibt es auch einige Klagepsalmen. Lest gemeinsam den Psalm 13.

  • Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede gibt es zur Hiobsgeschichte?
  • Wie kann es gelingen, in schwierigen Zeiten trotzdem zu Gott zu beten?
  • Wie geht David, der den Psalm geschrieben hat, mit seiner Situation um?

Klagen:

Schreibt einen eigenen Klagepsalm. Ihr könnt dazu ein persönlich erfahrenes Ereignis nehmen, oder ihr denkt an schlimme Situationen (wie z.B. Naturkatastrophen). Überlegt gemeinsam oder in kleinen Gruppen, was auf jeden Fall in diesem Psalm vorkommen sollte.

Dichten:

Manchmal fällt es uns schwer, anderen zu zeigen, wie es uns wirklich geht. Lest euch gemeinsam das Gedicht „Wer bin ich?“ von Dietrich Bonhoeffer durch. Jeder schreibt seine ersten Gedanken und Empfindungen zu diesem Gedicht auf einen Zettel. Wenn die Gemeinschaft in der Gruppe gut ist, könnt ihr darüber auch ins Gespräch kommen.

Losgehen:

Macht euch Gedanken darüber, wie ihr anderen Menschen, die schwierige Zeiten durchmachen, ganz konkret helfen könnt. Wollt ihr davon etwas in der nächsten Zeit umsetzen?

3.4 Liedvorschläge

  • Wie lange noch (Feiert Jesus III, 108)
  • Dir gehört mein Lob (Feiert Jesus IV, 53)
  • Führe mein Innerstes zur Ruhe (Feiert Jesus III, 67)
  • Autor / Autorin: Tillmann Schlotterbeck
  • © Deutscher EC-Verband
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