Mit heißer Kohle: Jesajas BerufungMit heißer Kohle: Jesajas Berufung

Einheit: Mit heißer Kohle: Jesajas Berufung

Verband: CVJM-Westbund
Zeitbedarf: 20-45 Min. (Vorbereitung: 15-30 Min.)
Materialarten: Bibelarbeit, Gebete/ Gebetsaktion, Stundenentwurf
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Teens (12-16 Jahre), Mädchen
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde, Predigtvorbereitung
Redaktion: KON
Benötigte Materialien: Blätter, Stift(e)
Bibelstelle: Jesaja 6,1-8

Wenn man sich »ganz schön den Mund verbrannt hat«, meinen wir heute damit in der Regel zwei verschiedene Dinge: Entweder ganz praktisch, dass man einfach zu heiß gegessen und sich so den Mund verbrannt hat – oder im übertragenen Sinn, dass jemand sehr unbedacht etwas gesagt hat, womit er sich selbst oder anderen geschadet hat. Im Alten Testament gibt es eine Geschichte, in der jemand erlebt, wie ihm der Mund verbrannt wird – aber nicht, um ihm Schmerzen zuzufügen, sondern um ihm Gutes zu tun!

Der Text Jesaja 6, 1–8 (GN)

Jesaja berichtet über seine Berufung zum Propheten

Es war in dem Jahr, als König Usija starb. Da sah ich den Herrn; er saß auf einem sehr hohen Thron. Der Saum seines Mantels füllte den ganzen Tempel. Er war umgeben von mächtigen Engeln. Jeder von ihnen hatte sechs Flügel; mit zweien bedeckte er sein Gesicht, mit zweien den Leib, zwei hatte er zum Fliegen. Die Engel riefen einander zu: »Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Herrscher der Welt, die ganze Erde bezeugt seine Macht!« Von ihrem Rufen bebten die Fundamente des Tempels und das Haus füllte sich mit Rauch. Vor Angst schrie ich auf: »Ich bin verloren! Ich bin unwürdig, den Herrn zu preisen, und lebe unter einem Volk, das genauso unwürdig ist. Und ich habe den König gesehen, den Herrscher der Welt!« Da kam einer der mächtigen Engel zu mir gefl ogen. Er hatte eine glühende Kohle, die er mit der Zange vom Altar genommen hatte. Damit berührte er meinen Mund und sagte: »Die Glut hat deine Lippen berührt. Jetzt bist du von deiner Schuld befreit, deine Sünde ist dir vergeben. « Dann hörte ich, wie der Herr sagte: »Wen soll ich senden? Wer ist bereit, unser Bote zu sein?« Ich antwortete: »Ich bin bereit, sende mich!«

Wesentliches zum Propheten Jesaja

Dieses Buch ist im Grunde eine Sammlung von prophetischen Schriften, die laut der heutigen Wissenschaft wohl nicht alle der historischen Person des Propheten Jesaja (»Der Herr ist Heil«) ben Amoz zugeschrieben werden können, der in der Zeit von 740–680 v. Chr. im Südreich Juda gelebt hat.

Wenn es auch nicht ganz klar ist, in welchem Zeitraum die Schriften verfasst wurden und das Buch damit »gewachsen« ist, lassen sich die Texte doch in drei Teile zusammenfassen. Teil 1 umfasst die Kapitel 1–39, hier geht es um die Androhung der Verschleppung des israelischen Volkes, um die Gefangenschaft in Babylon und das kommende Gericht. Kapitel 40–55 bilden den zweiten Block. Hier geht es um den Trost in Zeiten des Exils und die Ankündigung, daraus zurückzukehren und eine neue Blütezeit zu erleben. Der dritte Teil umfasst die letzten Kapitel und beschäftigt sich mit der Zeit nach der Rückkehr aus dem Exil und der Aussicht auf einen neuen Himmel und eine neue Erde für alle Gerechten.

Die Auslegung

Jesaja gehörte nicht zu den Menschen, die versuchten, dem (prophetischen Auftrag) Gottes aus dem Wege zu gehen – wie etwa Jona. Im Grunde war er total begeistert davon, sich in den Dienst Gottes zu stellen. Aber wie kam es dazu?

Aus dem Text lässt sich erkennen, dass Jesaja eine Vision gehabt haben dürfte, in der er Gott begegnet ist. So eine Begegnung musste auf jeden Fall tödlich verlaufen, so hatte es Jesaja zumindest aus den alten Schriften gelernt. Darum reagiert Jesaja auf dieses Aufeinandertreffen auch zunächst einmal eher geschockt und mit Entsetzen und mit der wichtigen Erkenntnis, dass er eigentlich nicht viel mehr war als ein sündiger Mensch, der aus einem sündigen Volk kam. »Sündig « deshalb, weil ihm in der Gegenwart Gottes deutlich auffiel, dass er selbst gar nicht mehr nach dem Willen Gottes gefragt und sein Leben danach ausgerichtet hatte – und das galt nicht nur für ihn, sondern auch für das restliche Volk der Israeliten.

Doch nach seiner Erkenntnis wird er nicht bestraft, sondern befreit. Ein Engel Gottes kommt zu ihm und legt ihm glühende Kohlen auf die Lippen. AUTSCH! Das muss doch weh tun, möchte man meinen. Aber: weit gefehlt! Denn nichts ist von einem Schmerz zu lesen, der Jesaja für seine Sünden bestraft. Stattdessen können wir lesen, dass der Engel auf diese Weise alles von den »sündigen Lippen« Jesajas genommen hat, was ihm den Weg zu Gott versperren könnte. Auf einmal hört Jesaja nicht mehr nur alleine die Engel, die Gott zur Ehre singen und ihn loben. Nein, auf einmal kann Jesaja Gott selbst reden hören. Diese Tatsache überwältigt Jesaja vollends und aus diesem Erleben heraus stellt er sich gerne und von sich aus in den Dienst Gottes.

»Das wünsche ich mir auch: Gott einmal direkt erleben!

Ich möchte auch gerne seine Stimme hören, seine Engel sehen, seinen Heiligen Tempel betreten. DANN könnte ich auch wie Jesaja völlig frei und selbst bestimmt meinem Gott dienen und seinem Wort folgen.«

So einen Gedanken kennst du vielleicht – hast ihn in der einen oder anderen Variante selbst schon gedacht oder bei anderen gehört. Und ganz ehrlich? So wirklich frei kann ich mich auch nicht davon machen. Natürlich muss es klasse sein, Gott so direkt zu erleben und ich glaube, dass es eine absolute Motivationshilfe sein muss. Wie ein Power-Akku, der dann auf ewig hält und mich auch durch jede Durststrecke trägt. Dann könnte ich auch immer und jederzeit von Gott erzählen, von seiner Liebe und seiner Gnade und …

STOPP!

An der Stelle muss ich einfach mal unterbrechen und noch einmal nachdenken. Natürlich: Das, was Jesaja bei seiner Berufung erlebt hat, war zutiefst beeindruckend und lebensverändernd. Keine Frage! Aber um die Person des Jesaja genauer kennenzulernen, reicht es nicht, sich alleine seine Berufung anzusehen. Wer sich mit dem weiteren Leben des Jesaja beschäftigt, der merkt ganz schnell: Das war nicht alles immer nur toll! Tatsächlich wird in Jesaja 6,9–13 der Auftrag, den Jesaja erhält, sehr klar skizziert – und das liest sich nicht gerade einladend. Und so war es auch nicht. Jesaja musste seinem Volk schwere Dinge sagen, musste sie durch eine echt harte Zeit begleiten und dabei so einiges einstecken. Da kam auch Jesaja mehr als einmal an seine Grenzen und brauchte neue Kraft. Also nichts mit »PowerAkku«! Schon damals nicht …

Und noch einen Irrtum möchte ich aufklären: dass wir es heute schwerer als Jesaja haben, von Gott zu erzählen – nur aus dem Grund, dass uns vielleicht eine so krasse Berufung fehlt. Wenn wir es genau betrachten, haben wir es sogar besser als Jesaja. Der musste eine Ankündigung Gottes weitersagen, die dann viele Jahrzehnte auf ihre Erfüllung warten ließ. Das macht es sicherlich nicht gerade leicht, überzeugend zu verkündigen und die Menschen zur Umkehr zu bewegen. Wir haben Jesus, wissen von seinem Leben, Sterben und der Auferstehung und können so mit einem ganz anderen Hintergrund von ihm erzählen. Wir müssen niemanden dazu einladen, auf etwas zu warten – sondern dürfen dazu einladen, hier und jetzt etwas auszuprobieren und Gott zu erleben!

Es gibt auch keinerlei Hindernis mehr, das uns von Gott fernhält. Wir sind zwar genauso als Sünder unterwegs wie damals Jesaja, aber wir brauchen keinen Engel, der uns Kohlen auf die Lippen legt. Denn für uns gilt, dass Jesus all unsere Schuld und Sünde auf sich genommen hat, als er ans Kreuz ging. Darum ist der Weg zu Gott immer frei für uns, wenn wir ihn gehen wollen. Und zur Kraft und zum Trost wurde uns von Jesus der Heilige Geist geschickt, der uns immer wieder neu mit dem versorgen möchte, was wir brauchen. Wir stehen also keineswegs alleine da – sondern dürfen auf Gottes Begleitung vertrauen.

Ablauf der Bibelarbeit:

Einstieg

  • Gemeinsames Singen und Gebet
  • Austausch zu der Frage: Wo habe ich mal etwas echt Krasses erlebt?
  • Brainstorming: Was gehört zu einem »krassen Erlebnis«?

Hauptteil

  • Lesen des Textes
  • Gibt es Verständnisfragen? Dann bitte klären!
  • Jedes Mädchen bekommt ein Blatt, das Platz genug hat, um 3 Fragen zu notieren, die sich die Mädels zu dem Text überlegen sollen.
  • Wenn alle Fragen notiert sind, gehen die Blätter an die jeweils rechte Nachbarin, die ihre Antworten OBEN auf das Blatt notiert und dann das Blatt so umknickt, dass niemand die Antwort sieht.
  • Nun werden die Blätter wieder eine Person weitergereicht, die ebenfalls ihre Antworten notiert und das Blatt dann weiter knickt.
  • Wenn das Blatt wieder »angekommen« ist, bekommen alle genug Zeit, um die Antworten zu lesen und zu bedenken.
  • In einem anschließenden Gespräch werden die Antworten besprochen:
    • Sind alle Fragen geklärt? Gibt es Überraschungen?
    • Bleiben noch Fragen offen oder Nachfragen?

Schluss

  • Auslegung
  • Gebetsrunde: Sagt Gott Danke für das, was ihr heute erfahren habt!
  • Autor / Autorin: Sandra Thies
  • © CVJM-Westbund

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