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| Materialart: | Kreativangebot |
| Zielgruppen: | Junge Erwachsene, Mitarbeitende |
| Einsatzgebiet: | Gruppenstunde |
| Verband: |
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| Redaktion: | Jugendgottesdienstmaterial |
| Zeitbedarf: | - Min. |
| Bibelstelle: |
Offenbarung 21,5 anzeigen Bibelstelle
Offenbarung 21,5 5Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! Lutherbibel 2017, © Deutsche Bibelgesellschaft |
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Baustein
Dieser Beitrag beschreibt eine Projektidee, wie sie in Stuttgart umgesetzt wurde. Sie kann auch an anderen Orten gelingen. Im Zentrum des Projektes stand das Ziel, neue, unbekannte Orte im gesamten Stadtgebiet aufzusuchen und vor Ort etwas Neues zu erfahren – auch über sich selbst.
„Komm raus aus deinen vier Wänden. Mach dich mit anderen auf den Weg und entdecke Neuland. Lass dich ein auf andere Sichtweisen und lerne dich und Gott neu kennen.“ Mit diesen Worten haben wir zu einer Veranstaltungsreihe eingeladen, bei der wir mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Entdeckungsreise gegangen sind. Wir, das war ein kleines Vorbereitungsteam der Evangelischen Jugend Stuttgart. Als wir das Format entwickelten, war der Ausgangspunkt unserer Überlegungen folgender: In unserer Umgebung gibt es viele spannende Orte, aber viele Menschen bewegen sich im Alltag oft nur in einem kleinen Radius und wissen gar nicht, welche interessanten und inspirierenden Plätze ihnen entgehen. Wir wollten diese Schätze heben und die weißen Flecken auf unserer inneren Landkarte mit Farbe füllen. Wir wollten dieses Neuland entdecken und so eine Art Mini-Abenteuer am eigenen Wohnort erleben. Und diese besonderen Orte, die wollten wir verbinden mit Lebens- und Glaubensthemen. Schließlich ist „Neuland betreten“ auch eine bekannte Herausforderung und Einladung für die Menschen in der Bibel, oder? Sei es im wörtlichen Sinn, wie bei Mose oder Abraham, die alle vertrauten Pfade hinter sich ließen, um das von Gott versprochene Land zu finden. Oder im übertragenen Sinn, wie bei den Zuhörerinnen und Zuhörern Jesu, die herausgefordert wurden, gewohnte Denkmuster zu durchbrechen und Gott neu kennenzulernen. Der Name für unser Projekt war also gefunden: „Neuland“ sollte es heißen, denn Neuland wollten wir betreten – mit den Füßen und im Herzen.
Unser Konzept ist einfach: Wir treffen uns zu einer bestimmten Uhrzeit am örtlichen Bahnhof und fahren gemeinsam zu einem ungewöhnlichen Zielort, den wir vorher nicht verraten. Bereits in der Bahn gibt es erste Ice-Breaker-Fragen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und schon langsam aufs Thema des Tages einzustimmen. Am Überraschungsort angekommen, erkunden wir gemeinsam die Umgebung, bekommen Input mit einem Bibeltext und erleben „hautnah“ den Zugang zu einem Lebensthema.
Phasen eines Neuland-Treffens
Der konkrete Ablauf wird immer ans Thema, die Teilnehmenden und die Gegebenheiten vor Ort angepasst. Das sieht dann beispielsweise so aus:
Wir sitzen in einem relativ dunklen und kühlen Raum. Die nackten Glühbirnen verbreiten kaltes Licht. Die Stimmung ist gedämpft. In der letzten halben Stunde haben wir eine Führung durch einen Luftschutzbunker erhalten und tauschen uns jetzt bei einem Getränk dazu aus. Hier haben Menschen während des Krieges bei Fliegerangriffen Schutz gefunden. Wer nicht rechtzeitig da war, wenn die schwere Tür zufiel, musste draußen bleiben. Dicht auf dicht musste man hier ohne Tageslicht ausharren; zwar geschützt, aber auch gefangen. Wir sprechen darüber, was uns Sicherheit wert ist, und was Freiheit. Ob die beiden sich manchmal widersprechen. Und was von beidem wir eigentlich von Gott erwarten.
Ein anderes Treffen. Wir Mitarbeitenden werfen uns vielsagende Blicke zu. Der ältere Mitarbeiter des Feuerwehrmuseums, der uns freundlicherweise eine Führung gegeben hat, überzieht seine eingeplante Redezeit schon lange. Doch dann erzählt er, wie er bei seinen Einsätzen Gottes Gegenwart erlebt hat und wie sein Glaube ihm geholfen hat, auch schwierige Situationen zu überstehen. „Rufe mich an in der Not“, dieser Bibelvers bekommt plötzlich ganz existenzielle Bedeutung. Es ist mucksmäuschenstill im Raum und unsere Teilnehmenden lauschen berührt seinem Lebensbericht.
So oder so ähnlich können Neuland-Treffen aussehen. Durchführen kann man sie fast überall: ob mit der Bahn oder zu Fuß, ob Indoor oder Outdoor. Als Ort für ein Neuland-Treffen eignet sich fast alles, was uns interessant vorkommt. Manchmal bekommt man auch zu einem eigentlich verschlossenen Gelände Zutritt, wenn man freundlich fragt … Bei der Auswahl der Orte ist ein wichtiges Kriterium, dass man im Anschluss an die „Ortserkundung“ noch einen Platz hat, wo man in Ruhe zusammensitzen und sich austauschen kann. Das kann mal ein Besprechungszimmer, aber auch mal ein nahegelegenes Café sein. Falls ihr selber Lust bekommt, bei euch Neuland-Treffen durchzuführen, startet am besten mit der Frage nach dem Wo. Wenn ihr einen spannenden Ort gefunden habt, überlegt euch, welches Lebens- und Glaubensthema sich damit verknüpfen lässt. Hier ein paar Beispiele: Krankenhaus: Was sind meine Verletzungen?; Park: Schöpfung, Entspannung, Tauferinnerung; Ruine, Lost Place: Was bleibt? Meine Zeit in Gottes Händen; Kläranlage: Sündenvergebung; Kindergarten, Spielplatz: Was heißt es, Kind Gottes zu sein?; Fitnessstudio: Ich bin wunderbar geschaffen. Was bringt mich in Bewegung?; Tankstelle: Wo kann ich auftanken, was gibt mir Kraft?
Übrigens: Während der Corona-Pandemie haben wir das Konzept weiter entwickelt zu „Blessing Places“. Auch hier geht’s darum, draußen unterwegs zu sein, neue Orte zu entdecken und sie mit dem eigenen Leben und Glauben in Verbindung zu setzen. Allerdings nicht mit einer Gruppe, sondern zu einem selbstgewählten Zeitpunkt allein (oder mit einer Freundin / einem Freund), einfach anhand einer Google-Maps-Karte. Werbung dafür kann man digital machen, oder mit Postkarten – oder einfach mit einem QR-Code am jeweiligen Ort … Hier gibt es weitere Infos, wie man Blessing Places gestalten kann:
www.jugendarbeit.online/dpf_einheit/blessingplaces
Wenn wir uns an einem Ort befinden, den wir vorher noch nie besucht haben, passiert einiges Spannendes im Gehirn. Wir verlassen Bekanntes und müssen uns neu orientieren. Wir sehen, riechen und hören Ungewohntes. Dadurch werden neue Lösungsansätze gesucht, wir werden angeregt, kreativer zu sein und sind „wacher“ und offener. So kann sich ein Ort eindrücklich mit einem Thema verbinden. Ich habe zum Beispiel schon viele Andachten gehört zum Thema Schuld und Vergebung, aber kann mich an kaum eine genauer erinnern. Was mir aber im Gedächtnis geblieben ist, ist eine Neuland-Veranstaltung, bei der wir auf dem Birkenkopf waren, genannt „Monte Scherbelino“. Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs dieser höchste Punkt im Stadtgebiet Stuttgarts um über 40 Meter an, weil hier die Trümmer der zerstörten Gebäude der Stadt aufgehäuft wurden. Wir waren noch im Dunkeln morgens losgegangen und erlebten den Sonnenaufgang oben. Unter uns die Trümmer, vor uns die rote Morgensonne – ein neuer Tag, ein neuer Anfang, den Gott schenkt. Neuland, das wir mit ihm entdecken können!
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