Nur einer darf gehen – das Drama zum Passahfest

Einheit | Bibelarbeit
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Nur einer darf gehen – das Drama zum Passahfest

Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Verband: Deutscher EC-Verband
Redaktion: echt.
Zeitbedarf: 60-120 Min. (Vorbereitung: 20-40 Min.)
Bibelstelle: Matthäus 27,15-30 anzeigen
Bibelstelle
Matthäus 27,15-27,30

Jesu Verurteilung und Verspottung

15Zum Fest aber hatte der Statthalter die Gewohnheit, dem Volk einen Gefangenen loszugeben, welchen sie wollten. 16Sie hatten aber zu der Zeit einen berüchtigten Gefangenen, der hieß Jesus Barabbas. 17Und als sie versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr? Wen soll ich euch losgeben, Jesus Barabbas oder Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus? 18Denn er wusste, dass sie ihn aus Neid überantwortet hatten.

19Und als er auf dem Richterstuhl saß, schickte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heute viel erlitten im Traum um seinetwillen.

20Aber die Hohenpriester und die Ältesten überredeten das Volk, dass sie um Barabbas bitten, Jesus aber umbringen sollten. 21Da antwortete nun der Statthalter und sprach zu ihnen: Welchen wollt ihr? Wen von den beiden soll ich euch losgeben? Sie sprachen: Barabbas! 22Pilatus sprach zu ihnen: Was soll ich dann machen mit Jesus, von dem gesagt wird, er sei der Christus? Sie sprachen alle: Lass ihn kreuzigen! 23Er aber sagte: Was hat er denn Böses getan? Sie schrien aber noch mehr: Lass ihn kreuzigen! 24Da aber Pilatus sah, dass er nichts ausrichtete, sondern das Getümmel immer größer wurde, nahm er Wasser und wusch sich die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen; seht ihr zu! 25Da antwortete alles Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!

26Da gab er ihnen Barabbas los, aber Jesus ließ er geißeln und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt werde.

27Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich in das Prätorium und versammelten um ihn die ganze Kohorte 28und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an 29und flochten eine Dornenkrone und setzten sie auf sein Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König!, 30und spien ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit auf sein Haupt.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Benötigtes Material: Namensschilder (für Abschnitt 3.1)
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1. Erklärungen zum Text

Vers 15: Alle vier Evangelien bezeugen, dass es anlässlich des Passahfestes die Gewohnheit gab, einen inhaftierten Schwerverbrecher oder Mörder zu begnadigen. Veranlassen konnten dies allerdings nur die Römer, in diesem Fall der Gouverneur Pilatus.

Vers 16: Barrabas gehörte zu den Zeloten, einer jüdischen Widerstandsgruppe, die gegen die römische Besatzung kämpften (vgl. Joh. 18,40). Er war wegen Mordes angeklagt (vgl. Mk. 15,7; Lk. 23,19). „Bar Abba“ heißt „Sohn des Abba“ (Sohn des Vaters) und ist somit nicht der eigentliche Name von Barrabas. In mehreren Handschriften wird er „Jesus Bar Abba“ genannt. Allerdings ist das nicht sicher.

Vers 17-18: Normalerweise würde Pilatus Barrabas nie freilassen, weil er den Römern nur Ärger und Unruhe bringt. Aber er benutzt ihn als Instrument seiner Taktik. Ein raffinierter Schachzug ist das. Und er wusste, dass Jesus unschuldig war.

Vers 19: Während des Verfahrens wird Pilatus durch seine Frau davor gewarnt, einen Unschuldigen zu verurteilen. Träume zählten damals quasi als göttlicher Hinweis. Leider schlägt Pilatus die Warnung aus und seine Taktik Jesus frei zu bekommen geht ebenfalls nicht auf.

Vers 20: Die Hohenpriester stacheln das Volk auf.

Vers 21-23: Pilatus scheint überrascht, dass die Menge auf seine erste Frage „Welche von den beiden wollt ihr für euch freigelassen haben?“ mit dem Namen „Barrabas“ antwortet. Er versucht durch den Hinweis, Jesus würde doch der Messias genannt, die Menschen umzustimmen. Und wo es anfangs lediglich um die Freilassung ging, kippt die Stimmung nun und der schreckliche Ruf „Kreuzige ihn“ ertönt über den Hof. Auch der dritte Anlauf von Pilatus fruchtet nicht. Die Volksmenge schreit noch lauter. Niemand interessiert sich mehr für die Schuldfrage. Jetzt geht es nur noch um das Prestige zwischen Römern und Juden.

Vers 24: Den Vorgang des Händewaschens beschreibt nur Matthäus. Nach 5. Mose 21,6f. war es eine symbolische Handlung, um die Schuldlosigkeit an einem Mord öffentlich zu bezeugen (Sprichwort: „Ich wasche meine Hände in Unschuld.“).

Vers 26: Pilatus lässt Barrabas frei (Einzelamnestie) und spricht das Urteil über Jesus. Heute würde man das als „Justizmord“ bezeichnen.

Vers 27-30: Eine spezielle Truppe von Soldaten (Prätorianer) führt Jesus in ihre Kaserne ab. Dort versammeln sich ca. 600 weitere Soldaten (Kohorte), um das übliche Verspotten und Quälen des Verurteilten durchzuführen.

2. Bedeutung für heute

Würde man diese Geschichte verfilmen, dann wäre es ein Drama oder eine Tragödie oder beides. Anfangs rechnet man als Leser/Zuschauer noch mit der Vernunft der anwesenden Bevölkerung. Sie mochten Jesus doch. Gegen Jesus hatte Barrabas doch keine Chance! Und da gab es ja auch noch den römischen Statthalter Pilatus. Er würde Barrabas nie frei lassen. Doch wie in jedem Drama nimmt die Geschichte ihren Lauf und steuert unweigerlich auf ein grausames Ende zu. Man mag und kann gar nicht mehr hinschauen.

Frage: Welche Bedeutung könnte diese Geschichte für uns heute haben?

Während des Prozesses haben mehrere Personen mit Jesus zu tun:

  • Barrabas – Bar Abba – Sohn des Vaters: Ob er vor diesem Tag Jesus jemals gesehen hat, wissen wir nicht. Nun aber tritt Jesus in sein Leben ohne sein Zutun. Und Jesus, der Sohn des Vaters im Himmel, wird ihm zur Rettung. Der Schuldspruch des einen wird zum Freispruch des anderen. Der Eine bezahlt mit seinem Leben und der Andere erhält sein Leben zurück.

Impuls: Erzählt euch gegenseitig, wie Jesus in euer Leben getreten ist.

  • Frau des Pilatus: Ihr Name wird nicht genannt, aber sie spielt eine wichtige Rolle in dem Prozess. Gott nutzt ihren „Traum-Aberglauben“, um sie und ihren Mann zu warnen. Sie nennt Jesus einen „Gerechten“. Ob sie dies dem jüdischen Sprachschatz entnommen hat?

Impuls: Jesus/Gott offenbart sich unterschiedlich im Leben von Menschen: im Gespräch mit einem Menschen, durch ein Lied, während eines Spaziergangs in der Natur, beim Lesen der Bibel, etc. Meistens begegnet er uns nicht nur auf eine Art und Weise. Wie begegnet Gott dir im Alltag?

  • Pilatus: Da er gute zehn Jahre als Präfekt in Judäa tätig war, wusste er von Jesus. Er war sogar von seiner Unschuld überzeugt. In Johannes 19,12f. erfahren wir, dass Jesus mit ihm ein intensives Kurzgespräch über die Wahrheit führte. Doch Pilatus weigerte sich, der Wahrheit zu folgen, die aus Jesus spricht.

Außerdem knickte Pilatus während des Verhörs ein. Laut Johannes 19,12f. drohten ihm die Juden, ihn beim Kaiser in Rom (Tiberius) anzuzeigen und dafür zu sorgen, dass er den Titel „Freund des Kaisers“ verliere. Dieser Drohung beugte er sich. Und die Warnung seiner Frau schlug er in den Wind.

Fragen: Kennst du Situationen, in denen es dir schwer fällt dich auf Jesu Seite zu stellen? Wenn ja, was könnte dir helfen, anders zu reagieren?

3. Methodik für die Gruppe

3.1 Einstieg

Drei Namensschilder (A4) mit „Barrabas“, „Pilatus“, „Frau des Pilatus“ beschriften und sichtbar hinlegen. Falls ihr biblische Erzählfiguren o.ä. habt, stellt zu jedem Namen eine Figur. Nun erzählt euch aus dem Stegreif, was ihr von diesen drei Menschen wisst. Dann überlegt sich jeder eine Frage, die er einer dieser drei Personen gerne stellen würde. Am besten die Frage aufschreiben. Teilt euch eure Fragen gegenseitig mit.

3.2 Bibel lesen

1. Runde: Lest nun gemeinsam die Geschichte.

2. Runde: Eine Person liest nochmals die Geschichte und eine andere Person liest jeweils aus Punkt 1 „Erklärungen zum Text“ die Anmerkungen parallel zu den Versen vor.

3. Runde: Lest miteinander  Punkt 2 „Bedeutung für heute“ und nehmt euch Zeit für die zwei Impulse und die Fragen zu den drei Personen Barrabas, Pilatus und Frau des Pilatus.

3.3 Vertiefung

Dazu gäbe es verschiedene Möglichkeiten:

  • Gestaltet zu den drei Personen jeweils eine Station zu einem Kreuz-/Passionsweg.

Bsp.: Pilatus – Schüssel mit Wasser steht auf einem Holzhocker – eine Textbetrachtung liegt daneben oder ein Spiegel hängt darüber.

Vielleicht könnt ihr diese Stationen während einer Gemeindeveranstaltung, in einem Gottesdienst oder bei einem Kreuzweg eurer Stadt/eures Orts durchführen.

  • Überlegt, wie dieses Ereignis in Jerusalem aus Sicht des Barrabas aussehen könnte. Wenn ihr gerne Theater spielt, könntet ihr das als „Improtheater“ spielen. Mögliche Szenarien: Barrabas sitzt nach der Haftentlassung mit seinen Zelotenfreunden am Lagerfeuer und erzählt. Oder aber: Die Jerusalem Post bittet ihn um ein Interview.

3.4 Ideen zum Abschluss

Überlegt nochmals kurz, was euch heute angesprochen hat und nehmt euch Zeit zum gemeinsamen Gebet.

  • Autor / Autorin: Petra Müller
  • © Deutscher EC-Verband
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