Perspektivenwechsel: Nicht ich, sondern du, Christus und ihrPerspektivenwechsel: Nicht ich, sondern du, Christus und ihr

Einheit: Perspektivenwechsel: Nicht ich, sondern du, Christus und ihr

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 45-90 Min. (Vorbereitung: 20-40 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Mitarbeitende, Studenten
Einsatzgebiete: Gruppenstunde, Schulung
Redaktion: echt.
Bibelstelle: Matthäus 23,1-12
Matthäus 23,1-23,12

23

Gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer

(Mk 12,38-40; Lk 20,45-47; 11,39-52)

1Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern 2und sprach: Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und die Pharisäer. 3Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen’s zwar, tun’s aber nicht. 4Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür rühren.

5Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie von den Leuten gesehen werden. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Kleidern groß. 6Sie sitzen gern obenan beim Gastmahl und in den Synagogen 7und haben’s gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Rabbi genannt werden. 8Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. 9Und ihr sollt niemand euren Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater: der im Himmel. 10Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus. 11Der Größte unter euch soll euer Diener sein. 12Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

1. Erklärungen zum Kontext und zum Text

Zu dem wichtigsten jüdisches Fest, dem Passafest (hebr. Pessach = „vorbeigehen“ – 2. Mose 12,27), kamen viele Pilger nach Jerusalem, auch Jesus mit seinen Jüngern. In den Kapiteln 21-23 lesen wir die sogenannten Streitgespräche Jesu in Jerusalem. Sie finden zeitlich kurz vor seinem Leidensweg statt – zwischen dem Einzug in Jerusalem (Palmsonntag, Kap. 21) und dem letzten Abendmahl (Kap. 26).

Bis Kapitel 23 führt Jesus vergebliche Gespräche im Tempel mit der religiösen Elite, die ihn mit ihren Fragen nur überlisten, aber nicht als den Christus, d. h. den Gesalbten Gottes, den versprochenen Retter Gottes, für sein Volk anerkennen wollen.

Ab Kapitel 23 richtet sich Jesus mit seiner Rede an die Volksmenge und an seine Jünger. Wir können davon ausgehen, dass zu dieser Zeit deutlich mehr Menschen in Jerusalem waren als sonst – auch Nicht-Juden (s. Joh 12,20). Somit konnten sehr viele die Ereignisse erleben und die Worte Jesu hören.

V.1-7:

In seiner Rede verurteilt Jesus die Pharisäer und Schriftgelehrten – als Mose-Nachfolger dient ihre Religiosität nur den Äußerlichkeiten. Diese zeigen sich wie folgt:

1.an der Kleidung:

Gebetsriemen: In kleine schwarze Ledertäschchen wurden handgeschriebene Teile der 5 Bücher Mose gelegt. Diese wurden am Arm und auf der Stirn mit Lederbändchen befestigt. (vgl. 5. Mose 6,8). – Bilder darüber kann man unter „Tefillin“ googeln.

Quasten: Diese sollten an die Kleiderzipfel genäht werden, als Erinnerung an die Gebote (4. Mose 15,38-39). – Bilder können unter „Zizit“ gegoogelt werden.

2. an der sozialen Stellung:

Synagoge = die jüdische Kirche

3. an der Anrede:

Rabbi – aramäischer Titel für angesehene Lehrer zur Zeit Jesu

Die religiöse Elite Israels, die eigentlichen Theologen, haben nur eines im Blick: sich selbst. Ihre ursprüngliche Aufgabe ist es, die Schrift zu lehren und sie vorbildlich zu befolgen. Sie sitzen auf dem Lehrstuhl Mose. Mose war derjenige, der die Gesetze Jahwes dem Volk übergab. Mit ihm (und durch ihn mit dem Volk) schloss Jahwe einen Bund zum „Leben“ und zum „Frieden“ (vgl. Mal 2,4-5). Diese Rolle als „Mose-Nachfolger“ ist ein Privileg. Was die Aufgabe mit sich bringt, Vermittler zwischen Gott und Mensch zu sein, wird von den Theologen nicht erfüllt. Nur das eigene Ansehen zählt. Damit setzen sie sich selbst als Vermittler für diesen Bund Gottes außer Kraft.

V.8-12:

Zweitens spricht Jesus zu seinen Nachfolgern. Er fordert sie auf, auch praktisch ein Vorbild zu sein. Das sieht anders aus als bei der religiösen Elite.

  • Wie seine Nachfolger äußerlich aussehen müssen, erwähnt Jesus nicht ein einziges Mal.
  • Die soziale Stellung eines Nachfolgers ist nicht eine angesehene, sondern die eines Dieners.
  • Jünger Jesu haben keine Anrede, die auf eine soziale Höherstellung hindeutet. Seine Jünger sind Schwestern und Brüder. Der Titel „Rabbi“ und „Lehrer“ gehört allein Jesus, selbst die Anrede „Vater“ gilt allein Gott.

2. Bedeutung für heute

Jesus ermutigt seine Nachfolger, die Perspektive zu wechseln. Ihren Blick nicht auf sich selbst, sondern in zwei andere Richtungen zu lenken:

  • einmal aufeinander, indem sie einander als Brüder und Schwestern begegnen und einander dienend gegenüber stehen
  • zweitens gen Himmel, zum Vater, und zum einzigen Lehrmeister, Christus

Indem Jesus Christus als der größte Lehrmeister anerkannt wird, hat der Nachfolger selbst ein Vorbild darin, was es heißt, einander zu dienen. Klassisches Beispiel dafür ist die Fußwaschung Jesu (Joh 13), aber auch sein Umgang mit den gesellschaftlich Ausgestoßenen (Blinde und Gelähmte, Mt 21,14; die Ehebrecherin, Joh 8,2-11; der Zöllner Zachäus, Lk 19) und nicht zuletzt sein Kreuzestod für die Menschen. Er ist das absolute Beispiel der Erniedrigung: Er, als Gottes Sohn, verzichtet auf die himmlische Nähe zu seinem Vater und wird zu einem Menschen, der erniedrigt, gehasst und gekreuzigt wird.

Mit dem Perspektivwechsel ist sein Aufruf, sich klein zu machen, um groß zu sein, keine Last und keine Selbsterniedrigung, sondern Quelle der Kraft für ein wirklich gelungenes, dienendes Miteinander.

Jesus verurteilt die religiöse Elite wegen ihrer Kurzsichtigkeit, weil sie sich selbst in den Mittelpunkt stellen und damit das Wichtigste aus den Augen verlieren. Jesus verharmlost dieses Verhalten nicht, sondern spricht gar von der Höllenstrafe (Mt 23,33).

Nicht selten wird schmunzelnd gesagt: „Jeder ist sich selbst der Nächste“. Und da ist viel Wahres dran. Wir leben in einer Gesellschaft, in der das „ICH“ eine unglaubliche Rolle einnimmt. Die Werbung spricht davon, dass man das Gute verdient hat, man soll gewisse Waren kaufen, weil man es sich wert ist. Eine Propaganda, die die Denkweise prägt und formt. Das „Ich“ wird zum Zentrum der Welt. Jesus lehrt aber vertikal (zum Vorbild Jesus) und horizontal (zum Nächsten) zu schauen. Mit dieser Einstellung hat der Nachfolgende die Chance, Nachfolge nachahmenswert zu machen und nicht als hochmütiger, religiöser Fanatiker abgestempelt zu werden.

3. Methodik für die Gruppe

Einstieg

In die Mitte des Raumes wird ein Stuhl gestellt. Der Leiter stellt Fragen und schreibt die Antworten auf ein Flipchart auf:

  1. Was für eine Machtposition kann ein Stuhl symbolisieren?

( z. B. Königsstuhl, Präsidentenstuhl, Kanzlerstuhl, Bürgermeisterstuhl, …)

  • Was wird bei einem Menschen vorausgesetzt, bevor er solch einen „Stuhl“ in Besitz nehmen darf?

(z. B. gewählt oder berufen zu sein; Charakter und Kompetenz für den jeweiligen „Stuhl“ zu haben)

  • Was kann dazu führen, dass jemand die Berechtigung, auf diesem Stuhl zu sitzen, verliert?

(z. B. Vertrauen der Wähler wird entzogen; die Berufung wird widerrufen; Charakter und Kompetenz werden nicht dem Ziel entsprechend eingesetzt)

Texterarbeitung

Lest zusammen Maleachi 2,4-7.

Hier spricht Gott von einem Verbündeten, von Levi (dem Priestergeschlecht). – Frage: Was sind seine Voraussetzungen, damit Levi Gottes Verbündeter sein kann?

Lest danach zusammen Matthäus 23,1-7.

Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind hier Levis Nachkommen. – Frage: Wie entweihen die Schriftgelehrten den „Stuhl Mose“ (Mose ist „der“ Levit)? – Nimm hier zur Hilfe die Erklärungen des 1. Teils.

Zusammenfassung: Damit jemand auf dem „Stuhl Mose“ sitzen darf, gibt es Bedingungen: Die Kenntnis der Schriften und der ständige Kontakt mit Gott. Auf keinen Fall religiöse Äußerlichkeiten!

Lest nun zusammen Matthäus 23,8-12.

Was lehrt Jesus seine Zuhörer, seine Jünger und das Volk? Wie sollen sie sein? – Nehmt hier zur Hilfe die Erklärungen der Punkte 1 und 2.

Zusammenfassung: Jesus lehrt, dass seine Nachfolger nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Anderen Verantwortung tragen (einander dienen). Beide Aufgaben können nur mithilfe von Jesus erfüllt werden. Er ist die Quelle.

Für den Mitarbeiterkreis

Auch wenn man als Mitarbeitender in Jesu Namen unterwegs ist, ist es ratsam, immer wieder zu prüfen, ob man nur auf der „Position sitzt“ oder den vertikalen und horizontalen Blick noch hat.

Stellt euch folgende Fragen und tauscht euch darüber in Kleingruppen aus:

  • Was macht meinen Stuhl aus? Warum arbeite ich mit? – Brauche ich Ansehen? Brauche ich Anerkennung? Möchte ich mich wichtig fühlen? Brauche ich Publikum?
  • Wer ist mein Lehrer? Was muss geschehen, dass Jesus mein absoluter Lehrer wird oder bleibt?
  • Kann ich anderen ein Diener sein? Fällt es mir leicht? Fällt es mir schwer, der/die Dienende zu sein?

Betet in Kleingruppen, dass Jesus euren Stuhl ins rechte Licht rückt und euch die richtige Perspektive schenkt.

Den Anlass können Mitarbeitende nutzen, um Ihre Mitarbeit vor Gott und voreinander nicht nur symbolisch ins rechte Licht zu rücken, sondern ihr Versprechen zu erneuern. Als Zeichen dafür wird die Aufschrift: „Diener“ auf den Stuhl gehängt. Die Mitarbeitenden stehen im Kreis. Als Erneuerung ihrer Mitarbeit wiederholen sie das EC-Versprechen. Einer spricht vor, die anderen sprechen nach:

Jesus Christus ist mein Erlöser und Herr!
Darum möchte ich ihm die Ehre geben
und mein Leben nach seinem Willen gestalten.
Ich möchte auf sein Wort hören,
die Bibel lesen und beten.
Ich will im EC mitarbeiten,
am Leben meiner Gemeinde teilnehmen
und die Gemeinschaft der Christen stärken.
Anderen Menschen möchte ich
den Weg zu Jesus Christus zeigen.
Aus eigener Kraft kann ich das nicht.
Ich vertraue auf Jesus Christus.

Danach legt jeder seinen Namen, der vorher auf einem nett gestalteten Papier aufgeschrieben wurde, auf den Stuhl. Anschließend segnen die Mitarbeitenden einander in Zweiergruppen. Vorschlag: Segensgebete für Mitarbeitende aus FJ!5.

Abschluss

Lied: „Gott segne dich“ – FJ!5, Nr. 232

  • Autor / Autorin: Edit Szilágyi
  • © Deutscher EC-Verband