RĂŒckkehr? Kehrtwende!RĂŒckkehr? Kehrtwende!

Einheit: RĂŒckkehr? Kehrtwende!

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 30-60 Min. (Vorbereitung: 10-20 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde
Redaktion: echt.
Bibelstelle: Hesekiel 3,12-3,21
Hesekiel 3,12-3,21

Der Prophet als WĂ€chter ĂŒber Israel

(vgl. Kap 33,1-9)

12Und ein Wind hob mich empor, und ich hörte hinter mir ein Getöse wie von einem großen Erdbeben.

Gelobt sei die Herrlichkeit des Herrn an ihrem Ort!

13Und es war ein Rauschen von den FlĂŒgeln der Gestalten, die aneinanderschlugen, und auch ein Rasseln der RĂ€der neben ihnen, ein Getöse wie von einem großen Erdbeben. 14Da hob mich der Wind empor und fĂŒhrte mich weg. Und ich fuhr dahin in bitterem Grimm meines Geistes, und die Hand des Herrn lag schwer auf mir. 15Und ich kam zu den WeggefĂŒhrten, die am Fluss Kebar wohnten, nach Tel-Abib und setzte mich zu denen, die dort wohnten, und blieb dort unter ihnen sieben Tage ganz verstört.

16Und als die sieben Tage um waren, geschah des Herrn Wort zu mir: 17Du Menschenkind, ich habe dich zum WĂ€chter gesetzt ĂŒber das Haus Israel. Du wirst aus meinem Munde das Wort hören und sollst sie vor mir warnen. 18Wenn ich dem Gottlosen sage: Du musst des Todes sterben!, und du warnst ihn nicht und sagst es ihm nicht, um den Gottlosen vor seinem gottlosen Wege zu warnen, damit er am Leben bleibe, – so wird der Gottlose um seiner SĂŒnde willen sterben, aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. 19Wenn du aber den Gottlosen warnst und er sich nicht bekehrt von seinem gottlosen Wesen und Wege, so wird er um seiner SĂŒnde willen sterben, aber du hast dein Leben errettet.

20Und wenn sich ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit abwendet und Unrecht tut, so werde ich ihn zu Fall bringen und er muss sterben. Denn weil du ihn nicht gewarnt hast, wird er um seiner SĂŒnde willen sterben, und seine Gerechtigkeit, die er getan hat, wird nicht angesehen werden; aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. 21Wenn du aber den Gerechten warnst, dass er nicht sĂŒndigen soll, und er sĂŒndigt auch nicht, so wird er am Leben bleiben; denn er hat sich warnen lassen, und du hast dein Leben errettet.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

1. ErklÀrungen zum Text

Israel hat den Krieg verloren, und viele sind nach Babylon verschleppt worden: weit weg von der Heimat, dem Tempel und ohne König. Dabei hatte Gott doch David und seinem Nachkommen ein ewiges Königtum versprochen! (2. Sam 7,16) In dieser verzweifelten Situation erscheint Hesekiel auf einmal die ĂŒberwĂ€ltigende Herrlichkeit Gottes (vgl. Hes 1,28). Mit dabei sind die sogenannten „Gestalten“, Cherubim (vgl. Hes 1,5-27) und ein Wind, der Hesekiel zu den WeggefĂŒhrten bringt. Da hat Hesekiel allen Grund, nur verstört in der Ecke zu sitzen!

Gott ĂŒberfordert Hesekiel aber nicht, sondern lĂ€sst ihm sieben Tage Zeit, bevor er ihm seinen Auftrag mitteilt: Er soll ein Prophet werden, also die Verantwortung dafĂŒr tragen, dass die Menschen noch die Chance zur Umkehr haben. Wird Hesekiel den Menschen diese Chance aus Bequemlichkeit verschweigen, so wird Gott ihn dafĂŒr zur Rechenschaft ziehen: „Sein Blut will ich von deiner Hand fordern.“

Das Blut eines Ermordeten schreit zu Gott, wie das Blut von Abel (1. Mose 4,10). Und Gott hört die Stimme des ungerecht vergossenen Blutes und wird es rÀchen (5. Mose 32,35). Wenn Hesekiel dem Menschen verschweigt, dass er sterben muss, tötet er faktisch diese Person.

Hesekiel wird so zum WĂ€chter des Volkes (vgl. Hes 33,1-9), der von seinem Turm aus das drohende Unheil ankĂŒndigt: „Ihr wollt zurĂŒck nach Israel, in die Heimat? Macht erst mal eine Kehrtwende in eurem Leben!“ Hesekiels Aufgabe ist es, nur die Warnung deutlich auszusprechen. Das macht Gott in allen Kombinationen deutlich: 
 wenn ein Gerechter oder ein Gottloser die Warnung hört und nicht umkehrt. 
 wenn ein Gerechter die Warnung hört und tatsĂ€chlich umkehrt… Aber halt! Eine Variante fehlt: Dass ein Gottloser von Hesekiel gewarnt wird und tatsĂ€chlich zum Leben umkehrt. Die Warnung zum Gehorsam gegen das Gesetz kann nur Menschen auf dem richtigen Weg halten, aber sie kann gottlosen Menschen nicht die Kraft geben, umzukehren. Erfolgreich kann die Warnung zwar theoretisch auch bei Gottlosen sein (V.18), aber praktisch ist sie es nur beim Gerechten (V.21).

Gott greift in aller Deutlichkeit ein, um die Israeliten zur Kehrtwende zum Leben zu bringen. Seine Motivation wird in Hesekiel 18,23 deutlich: „Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, spricht Gott der HERR, und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt?“

2. Bedeutung fĂŒr heute

Auch wenn es vermutlich keiner von uns so krass erlebt hat wie Hesekiel: Auch in unser Leben tritt Gott oft ganz anders, als wir es erwartet haben. Sind auch wir nicht manchmal eher verstört, als dass wir endlich andere stören?

Dass Christen Störenfriede sind, liegt aber nicht an unseren seltsamen Meinungen, sondern daran, dass Gott gesprochen hat. Er hat allen Menschen ihre Lage klargemacht, dass auf die SĂŒnde der Tod folgt. Das ist nicht unsere Ansicht, sondern Gottes klares Wort, das auch heute gilt: Die Belohnung fĂŒr die SĂŒnde ist der Tod (Röm 6,23).

Aber hatte Hesekiel nicht einen besonderen Auftrag, den ich nicht habe? Sicher hat Gott zu Hesekiel ganz besonders gesprochen, aber er konnte zu Hesekiel auch noch nicht durch die Bibel reden. Zu uns redet er sogar noch klarer und eindeutiger als zu Hesekiel: In der Bibel! Dort haben wir Gottes verlÀssliches Wort, das Bestand haben wird, auch wenn Himmel und Erde vergehen (Mt 24,35).

Ist das nicht eine furchtbare Botschaft? Die Nachricht vom sicheren Tod ist tatsÀchlich eine schreckliche Botschaft, aber um diese Erkenntnis kommt eigentlich keiner herum: Der Tod ist sicher, das Leben nicht. Deshalb spricht Hesekiel von der harten Hand Gottes und ist ganz verstört. Aber Gott gibt ihm sieben Tage Zeit, sich zu erholen.

Unsere Lage als Christen hat sogar noch mehr Vorteile gegenĂŒber Hesekiel: Wir mĂŒssen nur mehr die leichte Last Christi tragen (Mt 11,30) und jeder hat die Chance, gerettet zu werden. Gott will sogar dem gottlosesten SĂŒnder die Kraft zur Umkehr schenken. NatĂŒrlich ist auch fĂŒr uns der Missionsbefehl (Mt 28,18-20), wie fĂŒr Hesekiel Gottes Beauftragung, nichts anderes als ein Befehl. Aber wir sitzen nicht in Babylon und warten auf den König, sondern wissen, dass unser König Jesus lebt. Unsere Banner tragen nicht nur die Proklamation des Todesurteils, sondern auch die Verheißung des Lebens!

Genau wie Hesekiel sind wir auch heute WĂ€chter, aber wir sehen nicht die heranrĂŒckende Streitmacht des Todes, sondern wir sehen das gewaltige Heer des Himmels, das auch den Tod schon besiegt hat! Leben wir in dieser Siegesgewissheit? Werden wir unserer Aufgabe als WĂ€chter fĂŒr unsere Stadt gerecht? Warnen wir vor dem Tod und loben den Sieg des Lebens? Oder nuscheln wir die Nachricht nur unhörbar in uns rein?

3. Methodik fĂŒr die Gruppe

3.1 Wahrheit oder LĂŒge

Reihum macht jeder Teilnehmer eine Aussage ĂŒber sich, bei der nicht auf den ersten Blick schon zu erkennen ist, ob sie stimmt oder nicht. Z. B. „Da, wo ich im letzten Jahr im Urlaub war, musste man sich das Wasser aus einem Brunnen holen.“ Oder „Ich habe die gesamte Bibel schon einmal komplett durchgelesen.“ Der Nachbar des ErzĂ€hlenden antwortet dann mit: Wahrheit oder LĂŒge – je nachdem, wie er die Aussage passend zur Person einschĂ€tzt.

Inhaltlich soll das Spiel zwei Fragen auslösen: Wie genau nehmen wir es mit der Wahrheit? Und vielleicht auch: Was erzĂ€hlen wir anderen von uns?  Welche guten Botschaften unsres Lebens haben wir Leuten, die wir vielleicht auch schon lĂ€nger kennen, bisher vorenthalten?

3.2 Zeit der Stille!?

Dann kann man einladen zur Zeit der Stille, alle sollen ruhig werden bis der Leiter die Gebetsrunde eröffnet. Wenn alle sich besonnen haben, erzeugt man ein lautes (!) GerĂ€usch. Etwa durch laute Musik, Schlagen auf einen Topf usw. Wichtig ist, dass das GerĂ€usch so laut ist, dass die Teilnehmer ganz verstört sind: Ihre Erwartungen an das ĂŒbliche, besinnliche „Stille Zeit-Gebetsgemeinschaft“-Feeling, werden radikal durchkreuzt.

3.3 Der Bibeltext

Der so verstörten Gruppe liest man jetzt den Hesekiel-Text vor. Im Anschluss daran aber bitte nicht gleich alles zerreden, sondern ein „stilles GesprĂ€ch“ initiieren – so wie auch Hesekiel zuerst gar nicht selbst gesprochen hat, sondern versucht hat, seine Gedanken zu sortieren. Dabei legt man je nach GruppengrĂ¶ĂŸe einige Plakate aus, auf denen folgende Verse/AussprĂŒche abgedruckt sind. Die Teilnehmer werden aufgefordert, dazu Stellung zu beziehen und ihre Gedanken auf dem Plakat zu vermerken. Gern können sie auch auf die anderen Kommentare reagieren, sodass ein „stilles GesprĂ€ch“ entsteht. Als Zitate wĂŒrde ich vorschlagen:

  • „Was hast du getan? Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“ (1. Mose 4,10)
  • „Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen, denn sie wachen ĂŒber eure Seelen – und dafĂŒr mĂŒssen sie Rechenschaft geben –, damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das wĂ€re nicht gut fĂŒr euch.“ (Hebr 13,17)
  • „Wir wissen ganz sicher, dass, wer auch immer die Wahrheit aussprechen kann und es nicht tut, der soll von Gott verdammt werden.“ (Der MĂ€rtyrer Justin, Dialog mit Trypho, 82)

Anschließend kann man die Plakate kurz vorlesen und nach Belieben Informationen aus den beiden vorigen Abschnitten ergĂ€nzen.

 3.4 Fragen zum Thema

Die Stunde beschließen, könnte man mit folgenden Fragen:

  • Kannst du dir vorstellen, aus Deutschland in eine ganz andere Kultur vertrieben zu werden (etwa nach Afghanistan)? Wie wĂŒrde es dir gehen, wenn du dort leben mĂŒsstest? Was wĂŒrdest du tun, wenn du deine Religion nicht leben darfst?
  • Wer hat schon einmal ein verstörendes Erlebnis mit Gott gehabt?
  • Bist du dir der Verantwortung fĂŒr deine Freunde bewusst? Was bedeutet diese Verantwortung konkret?
  • Warum verschweigen wir die Nachricht von SĂŒnde und Tod so gerne?
  • Was glaubst du: Warum fĂ€llt es uns so schwer, die beste Nachricht der Welt zu verbreiten – und so leicht, sinnlose BeitrĂ€ge auf Facebook, YouTube, Instagram oder WhatsApp zu teilen?

3.5 Thematisch passende Lieder

Aus Feiert Jesus! 4:

  • Nr. 22 Du allein rettest mich
  • Nr. 91 Wir alle
  • Nr. 97 Ich laufe, ich falle
  • Nr. 110 Wir halten hoch das Kreuz

3.6 Gebetsgemeinschaft

Am Ende könnt ihr nochmal eine Gebetsgemeinschaft starten – dieses Mal ohne Störung 
 😉

  • Autor / Autorin: Jan Reitzner
  • © Deutscher EC-Verband