Sag mir die Wahrheit!Sag mir die Wahrheit!

Einheit: Sag mir die Wahrheit!

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 60-120 Min. (Vorbereitung: 10-30 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiete: Events + Projekte, Gruppenstunde
Redaktion: echt.
Benötigte Materialien: Bürgermeister (oder anderer Politiker für Diskussionsabend), Film "Die letzte Stufe"
Bibelstelle: Johannes 18,28-40
Johannes 18,28-18,40

Jesu Verhör vor Pilatus

28Da führten sie Jesus von Kaiphas vor das Prätorium; es war aber früh am Morgen. Und sie gingen nicht hinein in das Prätorium, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passamahl essen könnten. 29Da kam Pilatus zu ihnen heraus und sprach: Was für eine Klage bringt ihr vor gegen diesen Menschen? 30Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten dir ihn nicht überantwortet. 31Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Es ist uns nicht erlaubt, jemanden zu töten. 32So sollte das Wort Jesu erfüllt werden, das er gesagt hatte, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde.

33Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief Jesus und sprach zu ihm: Bist du der Juden König? 34Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus, oder haben dir’s andere über mich gesagt? 35Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan? 36Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; aber nun ist mein Reich nicht von hier. 37Da sprach Pilatus zu ihm: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es: Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. 38Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit?

Und als er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. 39Ihr habt aber die Gewohnheit, dass ich euch einen zum Passafest losgebe; wollt ihr nun, dass ich euch den König der Juden losgebe? 40Da schrien sie wiederum: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Räuber.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Bibelarbeit zu Joh 18,28-40: Maik Weidemann beleuchtet zunächst den Text unter dem Stichwort „Wahrheit“. Anschließend zeigt er das Konfliktpotenzial auf, das entsteht, wenn über Politik oder Religion diskutiert wird und fragt, ob angesichts dessen die Religion nicht doch Privatsache sein sollte. Mit Blick auf Jesus als „Wahrheit“ verneint er diese Frage. Ein Methodenteil beschließt die Bibelarbeit.


Vorschau:

1. Erklärungen zum Text

Ein zentrales Motiv unseres Textes besteht im Hin und Her zwischen „rein und unrein“, „heilig und weltlich“, Religion und Politik“. Auf der einen Seite sehen wir die jüdischen Führer, die Jesus nach dem religiösen Prozess (Joh 18,12-27) vor den weltlichen Herrscher Pilatus schleifen. Unter der Obrigkeit der Römer war ihnen zwar erlaubt, in innerjüdischen Angelegenheiten zu richten, jedoch nicht die Todesstrafe zu vollstrecken. Daher brauchen sie die Unterstützung des Pilatus. Dieser tut sich schwer damit, in der ohnehin aufgeheizten Stimmung im besetzten Land, ein religiös motiviertes Todesurteil zu verantworten. Er versucht die Wogen zu glätten und befragt den Angeklagten selbst. Da Pilatus keine Schuld feststellen kann, versucht er Jesus anlässlich eines Straferlasses zum Passahfest in die Freiheit zu entlassen. Doch die jüdische Obrigkeit möchte lieber einen Räuber in Freiheit wissen, als einen, vor dem sie Angst haben, weil er ihnen die eigenen, sicher geglaubten Überzeugungen raubt. Inmitten dieser Gemengelage stellt Pilatus die zentrale Frage: „Was ist Wahrheit?“

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2. Bedeutung für den heutigen Hörer

„Über Religion und Politik spricht man nicht.“ So lautet eine landläufige Meinung. Aber warum ist das so? Weil es bei Religion und Politik oft um persönliche Überzeugungen geht. Wenn nun die eigenen Wahrheiten von Anderen in Frage gestellt werden, wird es brenzlig. Das Ganze verschärft sich noch, wenn Religion und Politik direkt aufeinandertreffen. Hier ist der Kampf um Wahrheiten nicht fern.

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3. Methodik für die Gruppe

Bibeltext aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten

a) Teilt die Gruppe in drei Teile ein und gebt allen den gleichlautenden Bibeltext.

1. Gruppe: die jüdischen Führer
2. Gruppe: Pilatus
3. Gruppe: Jesus

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  • Autor / Autorin: Maik Weidemann
  • © Deutscher EC-Verband