Sexualität warnend wertschätzenSexualität warnend wertschätzen

Einheit: Sexualität warnend wertschätzen

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 60-120 Min. (Vorbereitung: 90-120 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Teens (12-16 Jahre)
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Redaktion: TEC:
Benötigtes Material: Handouts (mit Bibelstelle und Fragen)
Bibelstelle: 2. Samuel 13,1-13,22
2. Samuel 13,1-13,22

13

Amnon und Tamar

1Und es begab sich danach: Absalom, der Sohn Davids, hatte eine schöne Schwester, die hieß Tamar; und Amnon, der Sohn Davids, gewann sie lieb. 2Und Amnon grämte sich, sodass er fast krank wurde, um seiner Schwester Tamar willen; denn sie war eine Jungfrau, und es schien Amnon unmöglich, ihr etwas anzutun.

3Amnon aber hatte einen Freund, der hieß Jonadab, ein Sohn von Davids Bruder Schima, und dieser Jonadab war ein sehr kluger Mann. 4Der sprach zu ihm: Warum bist du so elend von Tag zu Tag, du Königssohn? Willst du mir’s nicht sagen? Da sprach Amnon zu ihm: Ich habe Tamar, die Schwester meines Bruders Absalom, lieb gewonnen. 5Jonadab sprach zu ihm: Lege dich auf dein Bett und stelle dich krank. Wenn dann dein Vater kommt, dich zu besuchen, so sprich zu ihm: Lass doch meine Schwester Tamar kommen, damit sie mir Krankenspeise gebe und vor meinen Augen das Essen bereite, dass ich zusehe und von ihrer Hand esse.

6So legte sich Amnon hin und stellte sich krank. Als nun der König kam, ihn zu besuchen, sprach Amnon zum König: Lass doch meine Schwester Tamar kommen, dass sie vor meinen Augen zwei Kuchen mache und ich von ihrer Hand esse. 7Da sandte David zu Tamar ins Haus und ließ ihr sagen: Geh hin ins Haus deines Bruders Amnon und mache ihm eine Krankenspeise. 8Tamar ging hin ins Haus ihres Bruders Amnon; er aber lag zu Bett. Und sie nahm den Teig und knetete ihn und bereitete ihn vor seinen Augen und backte die Kuchen. 9Und sie nahm die Pfanne und schüttete sie vor ihm aus; aber er weigerte sich zu essen. Und Amnon sprach: Lasst jedermann von mir hinausgehen. Und es ging jedermann von ihm hinaus. 10Da sprach Amnon zu Tamar: Bringe die Krankenspeise in die Kammer, dass ich von deiner Hand esse. Da nahm Tamar die Kuchen, die sie gemacht hatte, und brachte sie zu Amnon, ihrem Bruder, in die Kammer.

11Und als sie diese zu ihm brachte, damit er esse, ergriff er Tamar und sprach zu ihr: Komm, meine Schwester, schlaf bei mir! 12Sie aber sprach zu ihm: Nicht doch, mein Bruder, schände mich nicht; denn so tut man nicht in Israel. Tu nicht solch eine Schandtat! 13Wo soll ich mit meiner Schande hin? Und du wirst in Israel sein wie ein Ruchloser. Rede aber mit dem König, der wird mich dir nicht versagen. 14Aber er wollte nicht auf sie hören und ergriff sie und tat ihr Gewalt an und schlief bei ihr. 15Und Amnon wurde ihrer überdrüssig, sodass sein Hass größer war als vorher seine Liebe. Und Amnon sprach zu ihr: Steh auf, geh! 16Sie aber sprach zu ihm: Dass du mich von dir stößt, dies Unrecht ist größer als das andere, das du an mir getan hast. Aber er wollte nicht auf sie hören, 17sondern rief den Knaben, der ihm diente, und sprach: Treibe diese von mir hinaus und schließ die Tür hinter ihr zu!

18Und sie hatte ein Ärmelkleid an; denn solche Kleider trugen des Königs Töchter, solange sie Jungfrauen waren. Und als sein Diener sie hinausgetrieben und die Tür hinter ihr zugeschlossen hatte, 19warf Tamar Asche auf ihr Haupt und zerriss das Ärmelkleid, das sie anhatte, und legte ihre Hand auf das Haupt und ging schreiend davon. 20Und ihr Bruder Absalom sprach zu ihr: Ist dein Bruder Amnon bei dir gewesen? Nun, meine Schwester, schweig still; es ist dein Bruder, nimm dir die Sache nicht so zu Herzen. So blieb Tamar einsam im Hause ihres Bruders Absalom.

21Und als der König David dies alles hörte, wurde er sehr zornig. Aber er tat seinem Sohn Amnon nichts zuleide, denn er liebte ihn, weil er sein Erstgeborener war. 22Doch Absalom redete nicht mit Amnon, weder Böses noch Gutes. Denn Absalom hasste Amnon, weil er seine Schwester Tamar geschändet hatte.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Anliegen dieses Stundenentwurfs ist es, Jugendlichen, die auf Missbrauchserfahrungen zurückschauen, eine freundliche Einladung auszusprechen, Dinge zu verarbeiten. Als Beitrag zur Prävention sollten zugleich potenzielle Täter über die Folgen von Missbrauch aufgeklärt und Jugendliche sensibilisiert werden.


Vorschau:

Didaktische Vorüberlegungen

Missbrauchte Kinder leben in einer Konfliktlage widersprüchlicher Gefühle. Zentral ist dabei oft, dass sich die Mädchen für Mitwisser und mitverantwortlich für das halten, was passiert. Da der Täter in 50% der Fälle aus dem Nahfeld kommt (Helmut H. Koch, Marlene Kruck: „Ich werd’s trotzdem weitersagen! Prävention gegen sexuellen Missbrauch in der Schule (Klassen 1–10)“, Münster 2000, S. 35.), oft von dem Kind geschätzt und geliebt wird, scheuen sich Opfer häufig, den Täter zu konfrontieren. Dadurch aber wird eine Aufarbeitung der Folgen des Missbrauchs erschwert bis unmöglich gemacht.

Anliegen dieses Stundenentwurfs ist es, Jugendlichen, die auf Missbrauchserfahrungen zurückschauen, eine freundliche Einladung auszusprechen, Dinge zu verarbeiten. (Laut Untersuchungen im Dunkelfeld müssen wir davon ausgehen, dass mindestens 10,7 % der Frauen und 3,4 % der Männer auf Missbrauchserfahrungen zurückblicken. Andere Untersuchungen zeigen Häufigkeiten zwischen 12,5 % und 29 % bei Frauen und zwischen 4 % und 8,2 % bei Männern. Peter Zimmermann u. a.: Sexualisierte Gewalt gegen Kinder in Familien. Expertise im Rahmen des Projekts „Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen in Institutionen“, München 2010, S. 11 ff.)

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  • Autor / Autorin: Nikolaus Franke
  • © Deutscher EC-Verband