Shit happens … oder wie man Zufriedenheit lernen kannShit happens … oder wie man Zufriedenheit lernen kann

Einheit: Shit happens … oder wie man Zufriedenheit lernen kann

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 30-60 Min. (Vorbereitung: 20-30 Min.)
Materialarten: Bibelarbeit, Stundenentwurf
Zielgruppen: Jugendliche, Mitarbeit
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde, Predigtvorbereitung
Redaktion: TEC:
Benötigte Materialien: Bilder, Postkarten, Posts zum Thema Glück und Zufriedenheit (Entweder ausgedruckt und ausgelegt oder mit einem Beamer auf der Leinwand), Bibel (Entweder in Buchform oder als App auf dem Smartphone), Stifte und Zettel bzw. Laptop und Beamer (Um die Ergebnisse der Kleingruppenzeit festzuhalten), Lautsprecher (Falls du den Einstieg mit einem Musikvideo nimmst)
Bibelstelle: Philipper 4,10-20

1. Vorbemerkungen 

Viele Spruchpostkarten oder Posts rufen dir zu: Sei glücklich, sei zufrieden, sei dankbar. Doch so einfach, wie es der weise, philosophische Text vor dem Sonnenuntergangsfoto sagt, scheint es nicht zu sein. In Zeiten von Flatrates, All-You-Can-Eat, unbegrenzten Streamingmöglichkeiten und Zugriff auf alle möglichen Sachen im Internet ist Zufriedenheit und Glücklichsein eine Kunst, die schwer zu erlernen scheint. Da triggert Paulus schon ein bisschen, wenn er schreibt: „Ich habe gelernt, in jeder Lebenslage zurechtzukommen. Ob ich nun wenig oder viel habe, beides ist mir durchaus vertraut, und ich kann mit beidem zufrieden sein: Ich kann satt sein und hungern; ich kann Mangel leiden und Überfluss haben.“ (Philipper 4,11-12 HfA). Da lohnt es sich mal nachzuforschen, wie Paulus zu so einer Lebenszufriedenheit gekommen ist.

2. Zielgedanke

Jugendliche sollen Anregungen aus dem Philipperbrief bekommen, wie ihnen der Glaube an Christus hilft in ihrem Leben Zufriedenheit, Demut und Dankbarkeit zu erlernen.

3. Einführung 

Paulus schreibt den Brief an die Gemeinde in Philippi aus dem Gefängnis in Rom (Philipper 1,13). Die Gemeinde in Philippi wurde von Paulus und seinen Mitarbeitern Silas, Timotheus und Lukas etwa 50 n. Chr. als erste Gemeinde auf dem europäischen Kontinent gegründet (Apg. 16,11ff). In Philippi lernte er Lydia, die Purpurhändlerin kennen, die durch ihn zum Glauben an Jesus kam und in deren Haus sich später die neue Gemeinde traf. In Philippi werden Paulus und Silas auch verhaltet, weil sie einer Sklavin einen Wahrsagegeist austreiben und somit die Einnahmenquelle ihres Besitzers zunichte machten. Paulus hatte also hier in Philippi Erstaunliches aber auch Schmerzhaftes erlebt und war daher mit der Gemeinde dort eng verbunden. Wahrscheinlich ist das einer der letzten Briefe, die Paulus vor seiner Hinrichtung schreibt. Trotz Haft strotzt der Brief voll Herzlichkeit und Dankbarkeit.

4. Methodik für die Gruppe

Je nachdem wie aktiv oder redefreudig eure Gruppe ist, kannst du zwischen verschiedenen Methoden und Abläufen wählen. Nach dem gewählten Einstieg kommt ein erster Austausch in der Gruppe, um Erfahrungen und Gedanken zum Thema wahrzunehmen (etwa 10 Min). Danach kommt die Bibelarbeit mit einem kleinen Input (evtl. über den Kontext des Briefes aus 3. Einführung) und einer Kleingruppenarbeit (etwa 15 – 20 Min.). Zum Schluss soll es konkret werden. Entweder jeder nimmt sich persönlich eine Sache von den „Zufriedenheits“-Tipps vor oder ihr stellt euch als Gruppe einer Challenge, die ihr gemeinsam in der kommenden Zeit durchzieht (etwa 15Min). Wenn ihr euch wieder trefft, tauscht euch über eure Erfahrungen aus.

4.1 Einstieg 

Für „stille“ Gruppen: Zeige als Einstieg das Musikvideo „Porzellan“ von Farin Urlaub (YouTube-Link: https://youtu.be/NQsLQUhRNBI) oder ein aktuelles, der Gruppe bekanntes Lied über Glück und Zufriedenheit. Danach gehe kurz auf die Lyrics ein und geh dann zum zentralen Bibeltext in Philipper 4,11-12 über.

Für aktive Gruppen: Lege Spruchpostkarten bzw. ausgedruckte Spruchbilder (oder Posts) zum Thema Glück und Zufriedenheit aus oder zeige diese auf der Leinwand mit einem Beamer (einfach im Internet nach Bildern mit den Begriffen Glück und Zufriedenheit suchen). Nun soll sich jeder entscheiden, welcher Spruch ihm am besten gefällt und es kurz begründen. Wenn die Spruchbilder als Ausdruck oder Postkarte ausliegen, kann sich jeder zu dem jeweiligen Lieblingsspruch stellen.

Nach diesem Einstieg kommt nun der Input von dir.

4.2 Hauptteil 

Passend zu dem einen oder anderen Spruch gesellt sich auch ein Spruch von Paulus aus dem Philipperbrief dazu: „Ich habe gelernt, in jeder Lebenslage zurechtzukommen. Ob ich nun wenig oder viel habe, beides ist mir durchaus vertraut, und ich kann mit beidem zufrieden sein: Ich kann satt sein und hungern; ich kann Mangel leiden und Überfluss haben“ (Philipper 4,11-12 HfA). 

Warum kann Paulus so was sagen? Was hat ihn dazu gebracht? Was hat er erlebt? Um das herauszufinden, soll es nun die Bibel gehen. Am besten teilt sich die Gruppe in drei Kleingruppen auf und liest einen der folgenden Texte. Was findet ihr in eurem Text heraus, was eine Antwort auf die Frage sein könnte, warum Paulus zufrieden bzw. glücklich ist? Etwa 10 Minuten Zeit dafür. Nach der Kleingruppenzeit stellt jede Gruppe ihre Antworten vor. Am besten ihr schreibt in Schlagwörtern die Antworten auf ein großes Blatt Papier oder über PC an der Leinwand mit.

  • Gruppe 1:         1. Timotheus 6, 6 – 10
  • Gruppe 2:         2. Korinther 6, 3 – 10
  • Gruppe 3:         2. Korinther 11, 23 – 29

Falls du keine Kleingruppenzeit machen willst, kannst du den Inhalt der drei Bibeltexte auch zusammengefasst wie folgt weitergeben.

Paulus ist bewusst, dass wir Menschen nichts mit in die Welt gebracht haben und auch nichts mit hinausnehmen können (1.Timottheus 6, 6-10). So hinterfragt und kritisiert er ein Streben nach Macht, Reichtum und Besitz, was den Menschen auf kurz oder lang korrupt werden lässt und zu Fall bringt. Er ermutigt als Mentor seinen Mentee Timotheus, dass eine gesunde Ehrfurcht vor Gott und eine Haltung, auch mit wenigem (materiellen) Dingen zufrieden zu sein, viel besser ist als nach Macht, Reichtum und Besitz zu streben. 

Im 2. Korintherbrief (6, 3-10 und 11, 23-29) lesen wir, was Paulus als Apostel und Missionar alles erlebt und überlebt hat, weil er von Gottes Rettung in Jesus allen Menschen erzählen wollte. Da waren Gefängnisaufenthalte mit Folter in Philippi (Apg 16,22-23) und Lystra (Apg 14,19-20). Dreimal hat er Schiffbruch erlebt, dabei trieb er einen ganzen Tag auf dem offenen Meer. Er musste durch ein Fenster in der Stattmauer von Damaskus fliehen (Apg 9,23-25). Er ertrug Schlafmangel, bittere Kälte, er musste zeitweise zwangsweise fasten, da er kein Essen hatte. Aber nicht nur das, sondern er wurde auch von Menschen angefeindet und am schmerzlichsten, von scheinbaren Glaubensgeschwistern im Stich gelassen und runtergemacht.  Alles weil er Gott in seinem Leben erlebt hat und er weiß warum er das tut, was er tut. Gott hat ihn berufen und begabt. Und weil er nicht in seiner Komfortzone bleibt, muss er sich auf Gottes Kraft verlassen. Trotz Anfechtung und Leiderfahrung erlebt er Gott immer wieder in seinem Leben. Das gibt ihm immer wieder neue Kraft. Ohne Risiko, Verzicht und Vertrauen, dass Gott mit ihm ist, wäre Paulus nicht zu einem inspirierenden Glaubensvorbild geworden. Paulus war also auf keinen Fall ein Philosoph, der vor einer Bücherwand mit seinem Matetee im Kerzenschein saß und über das Lebensglück sann und die besagten Sonnenuntergangsspruchbilder kreierte. 

Gerade diese persönlichen Grenzerfahrungen mit Naturgewalten, mit politischen und religiösen Machthabern, mit eigenen Glaubenszweifeln und Enttäuschungen von Menschen, haben ihn ihm einen Glauben reifen lassen, der sich allein auf Christus verlässt. Er hat erlebt, dass die eigene Kraft schnell zu Ende ist und die eigene Planung und Kontrolle schnell an ihre Grenzen kommt. So geht unser Bibeltext auch weiter. Paulus kann mit allen Lebensumständen zufrieden sein, denn „alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt“ (Philipper 4, 13 HfA). Er hat erkannt, was viele Christinnen und Christen, die durch schweres Leid gegangenen sind, erkannten: „Du merkst erst dann, dass Jesus alles ist was du brauchst, wenn Jesus nur noch alles ist, was du hast“ (Corrie ten Boom).

4.3 Abschluss

Paulus schreibt die Ermutigung an die Philipper, nach dem er dies alles erlebt hat. D.h. wir dürfen also nicht so arrogant sein, zu denken, dass wir in unseren jungen Jahren auch „schnell“ zu so einem Gottvertrauen und zu einer Lebenszufriedenheit kommen. Doch wir können von Paulus Dinge lernen, Stück für Stück und Tag für Tag. Dazu folgende „Zufriedenheits“-Tipps, die entweder jeder für sich persönlich umsetzten kann oder die ihr euch als Gruppen-Challenge bis zum nächsten Mal stellt.

  • Verzicht. Verzichte von Zeit zu Zeit auf Dinge, die du täglich nutzt bzw. brauchst: Essen, Smartphone, Online sein, Serie schauen, Zocken usw. Wenn du Mut hast und mit deinen Eltern und deinem Hausarzt gesprochen hast, probiere mehrere Tage zu fasten, also nicht zu essen sondern nur Wasser, ungesüßte Tees oder klare Brühe zu dir zu nehmen.
  • Risiko. Verlass von Zeit zu Zeit mal deine Komfortzone, wage etwas, riskier etwas. Tue Menschen was Gutes. Sprich einen Obdachlosen an, lade ihn zu McDonalds ein. Gehe wandern und habe eine einsame Zeit mit Gott.
  • Leide. Das klingt jetzt ein bisschen seltsam, aber sei dir bewusst, dass auch wenn du enttäuscht wirst, oder Dinge im Leben passieren, die du nicht so geplant hast, dass Gott diese Zeiten nicht einfach wegnehmen, sondern mit seiner Kraft in dir durchstehen will. Nur wer den Regen zulässt, kann danach auch den Regenbogen sehen.
  • Dankbarkeit „light“. Nimm dir vor dem Schlafen gehen Zeit kurz nachzudenken, für was du heute dankbar bist. Wiederhole es am nächsten Abend, aber du darfst nicht die gleichen Dinge wie vom Vorabend sagen bzw. aufschreiben.
  • Dankbarkeit „Hardcore“. Wenn dich jemand blöde von der Seite anmacht oder irgendwas passiert, was dich verärgert oder runterziehen will, sag dir in deinem Herzen „Danke Gott für diese Situation, ich will sie annehmen und lernen, was du mir dadurch sagen und in mir bewirken willst“. 
  • Feier. Plane mit deiner Jugendgruppe oder deinen Freunden ein richtig leckeres Essen und zieht euch so richtig nice an. Feiere das Leben und Gottes Güte

Zum Schluss ist eine Gebetsgemeinschaft gut und der Segen des Paulus: „Darum ist es mein Wunsch, dass Gott, die Quelle aller Hoffnung, euch in eurem Glauben volle Freude und vollen Frieden schenkt, damit eure Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes immer unerschütterlicher wird“(Römer 13,15 NGÜ).

  • Autor / Autorin: Rene Markstein
  • © Deutscher EC-Verband

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