Vater, Mutter, Kind – alles eine Frage der Ehre!?

Einheit | Bibelarbeit
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Vater, Mutter, Kind – alles eine Frage der Ehre!?

Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Verband: Deutscher EC-Verband
Redaktion: echt.
Zeitbedarf: 30-60 Min. (Vorbereitung: 10-20 Min.)
Bibelstelle: Epheser 6,1-6,4 anzeigen
Bibelstelle
Epheser 6,1-6,4

6

1Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist recht. 2»Ehre deinen Vater und deine Mutter«, das ist das erste Gebot, das eine Verheißung hat: 3»auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden« (5. Mose 5,16).

4Und ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Ermahnung des Herrn.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Benötigte Materialien: großes Plakat, Papier und Stift
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1.   Erklärungen zum Text

Der Epheserbrief ist einer von mehreren Briefen, die Paulus während seiner Gefangenschaft(en) geschrieben hat. Der Brief ging zunächst als Rundschreiben an alle Gemeinden in Kleinasien, bis er schließlich in der Hauptstadt Ephesus landete. Der besondere Stil zeigt, dass Paulus viel Zeit verwendete und ihn gut durchdachte. So zieht sich das Thema „Einheit“ wie ein roter Faden durch den Brief. Während die Kapitel 1-3 darstellen, dass Gott durch Christus neues Leben schenkt, geht es in den Kapiteln 4-6 um die Umsetzung der neuen Maßstäbe in die Praxis. So gehört der vorliegende Bibelabschnitt zu den sogenannten Haustafeln (Eph. 5,21-6,9 vgl. Kol. 3,18-4,1), welche zur konkreten Anwendung des Glaubens im Alltag (Ehe, Familie und Beruf) auffordern.

V. 1-3: Im Blickpunkt stehen die Beziehungen innerhalb der Familie. Dabei wendet Paulus sich zunächst an die Kinder. Es ist „recht“, d.h. es entspricht Gottes Willen und seiner Ordnung, dass Kinder ihren Eltern gehorchen und dabei ist „im Herrn“ (= sie gehören dem Herrn) der maßgebliche Grund. Als weitere Begründung zitiert Paulus leicht verändert das vierte Gebot (2. Mo.  20,12 / 5. Mo.  5,16), welches er als „erstes“ Gebot bezeichnet im Sinne von „sehr wichtig“. Die Eltern zu ehren (wörtl. „Gewicht verleihen“) meint, sie bedingungslos wertzuschätzen und für ihr Wohl zu sorgen. Zu dem Anspruch kommt der Zuspruch eines materiellen Segens und langen Lebens: Kinder, die ihre Eltern ehren, werden selbst irgendwann Eltern sein, die die gleiche Wertschätzung von der jüngeren Generation erwarten können. Ein „Generationenvertrag“ für eine gesunde Gesellschaft.

V. 4: Die Erziehung damals geschah durch beide Elternteile. Nach römischem Recht (wie auch im alten Israel) hatte der Vater als Familienoberhaupt absolute Autorität. Paulus warnt hier aber die Eltern (wörtl. „Väter“) vor Autoritätsmissbrauch,  z.B. dass sie Frust und Ärger an den Kindern auslassen oder sie überfordern. Denn die Erziehung geschieht im Auftrag Gottes und steht – nach dem neuen Maßstab – unter der Herrschaft Christi. Er hat die höchste Autorität. Daher sollen sich Tat (wörtl. „Zucht“) und Wort (wörtl. „Ermahnung“) an ihm ausrichten. Das ist Freiheit und Verpflichtung zugleich und beeinflusst die Auswahl der pädagogischen Maßnahmen. Die bestehende Familienordnung wird nicht abgeschafft, sondern bekommt im Licht Jesu betrachtet einen neuen Wert.

2. Bedeutung für den heutigen Hörer

Das Leben besteht aus Beziehungen und die erste und prägendste Beziehung ist die zwischen einem Kind und seinen Eltern. Für ein Erwachsenwerden und –sein ist es wichtig, das Verhältnis zu den Eltern zu reflektieren. Das Problem ist ja: Meine Eltern kann ich mir nicht aussuchen! Selbst wenn sie nicht mehr leben, stamme ich von ihnen ab. Einige empfinden dies als Segen, andere als Belastung oder gar als Fluch. Und ist es nicht eigentlich meistens sogar beides?

Die Bibel ist zwar kein Erziehungsbuch, gibt aber mit dieser kurzen, dennoch inhaltsschweren Bibelstelle grundlegende Tipps für ein gutes Miteinander in einer Familie: Paulus stellt klar, dass meine Eltern mir von Gott zugeteilt wurden. Wie ich mit ihnen umgehe, das wird irgendwann auf mich zurückfallen. Die Beziehung zu ihnen ist so grundlegend wie eine Schablone, von der ich meine anderen Lebensbeziehungen abzeichne. Es ist das Beste, was ich für mich selbst tun kann, auf ein gutes Verhältnis zu den eigenen Eltern hinzuarbeiten! Daher gilt das Gebot, die Eltern zu ehren, weiterhin uneingeschränkt. Aber was genau bedeutet denn „ehren“?

2.1 Ehren heißt: Gottes Gabe akzeptieren

„Ehren“ bedeutet wörtlich „wertschätzen, Gewicht geben“. Die eigenen Eltern sind ein „gewichtiger“ Faktor für mein Leben, allein schon, weil Gott sie für mich ausgesucht hat. Egal, wie sie sich bisher verhalten haben – dafür müssen sie sich vor Gott verantworten – aber in ihnen begegnet mir Gottes Entscheidung und ich habe den Auftrag, sie aus seiner Hand anzunehmen und sie als Eltern zunächst einmal zu akzeptieren.

2.2 Ehren heißt: Dankbarkeit zeigen

Ehren bedeutet in einem zweiten Schritt, meinen Eltern für alles zu danken, was sie Gutes für mich getan haben. Martin Luther hat gesagt: Ohne die tägliche Fürsorge unserer Eltern wäre doch ein jeder von uns „hundert Mal in seinem Unflat erstickt“ oder „im Dreck verfault“. Diese Dankbarkeit gegenüber den Eltern kann sich z.B. darin ausdrücken, dass man ihnen Beachtung schenkt, ihnen mitteilt, was einen bewegt, sie besucht , anruft oder sie mit Hilfe unterstützt. Aber was ist, wenn man ihnen nicht dankbar sein kann, weil sie sich nicht ehrwürdig verhalten? Dann kommt der nächste Schritt:

2.3 Ehren heißt: Fehler vergeben

Meine Eltern sind (auch nur) Menschen mit Fehlern! Manches gelingt ihnen nicht gut und einige Verhaltensweisen sind völlig daneben. Aber auch dann sollen sie geehrt werden, indem ich mit Jesus in die Vergangenheit gehe und ihnen ihre Fehler vergebe. Das beginnt mit (m)einer Entscheidung! Dieser dritte Punkt ist nicht immer leicht und bedeutet nicht, alles gutzuheißen, was sie getan haben. Es geht darum, meine Bitterkeit loszulassen, damit ich nicht ein Leben lang eine Last mit mir herumschleppe, weil ich nachtragend geworden bin.

2.4 Ehren heißt: Grenzen setzen

Nicht nur Kinder brauchen Grenzen, sondern auch die Eltern! Sie dürfen den Kindern nicht ihr Leben verbauen und sie in ihrer Selbständigkeit und freien Entfaltung hindern. So soll ich als Erwachsener zwar meine Eltern wertschätzen und für sie sorgen, muss ihnen aber nicht mehr in allem gehorchen wie ein kleines Kind. Unberechtigte Ansprüche meiner Eltern haben hier keinen Platz, weil ich nicht ihnen gehöre, sondern allein Gott!

Es gilt letztlich für beide Seiten: Kinder wie Eltern stehen unter der Herrschaft Gottes. Von IHM sind Christen abhängig – nicht von ihrer biographische Prägung. An IHM ist jede Erziehungsmethode zu messen. In diesem Bewusstsein sollen Eltern ihren Kindern ein gutes Vorbild sein (vgl. Eph 4,1-3) und die Kinder ihren Eltern die Ehre erweisen, die ihnen gebührt.

3. Methodik für die Gruppe

Da in einer Jugendgruppe oder in einem Junge-Erwachsenen-Kreis die wenigsten schon eigene Kinder haben, liegt der Fokus dieser Bibelarbeit auf der Beziehung zu den eigenen Eltern.

3.1 Einstieg

Wähle eine Frage zum Einstieg aus:

  • An welche Fernseh-Sendung erinnert dich deine Familie manchmal? „GZSZ“, „Fred Feuerstein“, „Aktenzeichen XY ungelöst“, „Eine schrecklich nette Familie“, …?
  • Wer hat dich in deiner Familie besonders geprägt und worin (positiv/negativ)?
  • Wenn du das Verhältnis zu deinen Eltern bewerten solltest, welche Schulnote würdest du geben?

3.2 Begegnung mit dem Text

Bibeltext lesen

Lies den Bibeltext dreimal langsam und deutlich vor, am besten in verschiedenen Bibelübersetzungen (www.bibleserver.com). Die anderen hören zunächst nur zu, ohne den Text zu sehen.

Aussagen sammeln

Lege ein Plakat mit der Überschrift „Eltern“ und ein Plakat mit der Überschrift „Kinder“ aus. Sammelt jeweils stichwortartig die Aussagen bzw. Aufforderungen, die der Bibeltext über Eltern bzw.  Kinder macht.

3.3 Vertiefung

Diskutiert die Aussagen des Bibeltextes anhand folgender Fragen. Das Gespräch kann mit Impulsen aus 2. ergänzt werden.

  • Was bedeutet es konkret, die Eltern zu ehren?
  • Wo fällt es dir schwer, deine Eltern als Gottes Gabe zu akzeptieren?
  • Wie kannst du deinen Eltern Dankbarkeit zeigen?
  • Bist du bereit, deinen Eltern ihre Fehler zu vergeben?
  • Wo musst du deinen Eltern Grenzen setzen?
  • Was ist konkret damit gemeint, dass Kinder nicht ungerecht behandelt werden sollen?
  • Gibt es Erziehungsmethoden, die man als Christ vermeiden sollte? Wenn ja, welche?

3.4 Abschluss

Variante 1

Wie möchtest du deine Eltern konkret ehren? In welchem der vier Bereiche (Eltern akzeptieren, Dankbarkeit zeigen, Fehler vergeben, Grenzen setzen) möchtest du in der nächsten Zeit ausdrücklich dran bleiben? Tauscht euch kurz darüber aus und betet füreinander.

Variante 2

Schreibe deinen Eltern einen Brief. Was möchtest du ihnen sagen? Was bewegt dich aufgrund dieser Bibelarbeit? Wer möchte, kann den Brief auch tatsächlich an seine Eltern schicken.

Variante 3

Stell dir vor, du bist Vater/Mutter. Welche 3 Prinzipien wären dir bei der Erziehung deiner Kinder wichtig?

  • Autor / Autorin: Holger Sielemann
  • © Deutscher EC-Verband
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