verurteilt – verkannt – (au)verstandenverurteilt – verkannt – (au)verstanden

Einheit: verurteilt – verkannt – (au)verstanden

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 45-75 Min. (Vorbereitung: 10-20 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Redaktion: echt.
Bibelstelle: Johannes 19,16-30
Johannes 19,16-19,30

16Da überantwortete er ihnen Jesus, dass er gekreuzigt würde.

Jesu Kreuzigung und Tod

Sie nahmen ihn aber, 17und er trug selber das Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha. 18Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

19Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der Juden König. 20Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache. 21Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der Juden König, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König. 22Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

23Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten, nahmen seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock. Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück. 24Da sprachen sie untereinander: Lasst uns den nicht zerteilen, sondern darum losen, wem er gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

25Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena. 26Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! 27Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

28Danach, als Jesus wusste, dass schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet. 29Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und legten ihn um einen Ysop und hielten ihm den an den Mund. 30Da nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht. Und neigte das Haupt und verschied.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Bibelarbeit zu Joh 19,16-30: Stefan Heine erklärt zunächst die Hintergründe des Textes. Anschließend beleuchtet er unterschiedliche Verständnisse der Kreuzigung Jesu. Ein Methodenteil mit Fragen zum Weiterdenken beschließt die Bibelarbeit.


Vorschau:

1. Erklärungen zum Text

Die Kreuzigung war die Hinrichtungsart, die für Verbrecher und Aufständische angewandt wurde. Sie wurde öffentlich in einer Art „Volksfest“ vollzogen. Der Verurteilte schleppte den Querbalken des Kreuzes selbst zur Hinrichtungsstätte; davor wurde eine Tafel – der sog. titulus – mit der Urteilsbegründung getragen. Am Richtplatz wurde der Nackte auf den Querbalken genagelt oder gebunden und anschließend am senkrechten Pfahl hinaufgezogen, an dem auch der titulus angebracht wurde. Am Kreuz blieb der Verurteilte bis zu seinem Tod durch Ersticken hängen, was viele Stunden oder Tage dauern konnte.

(…)

2. Bedeutung für den heutigen Hörer

Es entsteht der Eindruck, dass Jesus still hingenommen hat, was da mit ihm geschieht. Dabei könnte man denken, dass er nur ganz passiv erduldet hat. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Er trägt sein Kreuz selbst zum Hinrichtungsplatz. Nichts von der ganzen Grausamkeit bleibt ihm erspart. Und in der Äußerung „Ich habe Durst“ wird deutlich, dass hier ein Mensch aus Fleisch und Blut leidet. Ganz am Ende „übergibt er seinen Geist“ (so die wörtliche Übersetzung); d. h. Jesus selbst trifft die Entscheidung, zu sterben. Er ist nicht derjenige, der freiwillig tut, was sein Auftrag vom Vater im Himmel ist.

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3. Methodik für die Gruppe

3.1 Fragen zur Textarbeit

  • Was ist das Besondere am Text, wenn ihr ihn mit der Parallele in Mk 15,20b-41 vergleicht?
  • Lest Psalm 22. Welche Motive daraus findet ihr im Johannes-Text wieder? Welche bei Markus? Welche Absicht könnte der Autor des Johannes-Evangeliums verfolgen, dass er mit einem solchen Schrifterweis argumentiert?

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  • Autor / Autorin: Stefan Heine
  • © Deutscher EC-Verband

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