Wenn alles zerstört ist, hilft nur noch aufbauen!

Einheit | Andacht
Einheit | Andacht

Wenn alles zerstört ist, hilft nur noch aufbauen!

Enthalten in:
Materialart: Andacht
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Mitarbeitende
Einsatzgebiete: Gottesdienst, Gruppenstunde, Predigtvorbereitung
Verband: Praxisverlag buch+musik bm gGmbH
Redaktion: Jugendgottesdienstmaterial
Zeitbedarf: - Min.
Bibelstelle: Offenbarung 21,5 anzeigen
Bibelstelle
Offenbarung 21,5

5Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!

Lutherbibel 2017, © Deutsche Bibelgesellschaft

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Jesus in den Trümmern

Andacht

Es ist ein Bild zur Jahreslosung, das so ganz anders ist als die Jahreslosungsmotive, die man sonst so kennt: Da liegt der Schutt im Altarraum, Trümmer sind überall – und mitten drin Maria, die den toten Jesus in den Armen hält, unter einem ­übergroßen Kreuz.

Mich berührt dieses Bild, weil ich mich frage: Was um alles in der Welt ist in dieser Kirche passiert? Ob diese Kirche in einem Kriegsgebiet steht und der Einschlag der Granaten nicht einmal vor diesem heiligen Ort Halt gemacht hat? Oder wurde dieser Kirchenraum zur Müllhalde für den Bauschutt aus der ­Umgebung umfunktioniert?

Ich muss immer wieder auf Maria und ihren toten Sohn schauen. Mitten im Schutt ist Jesus. Und er ist selbst einer, dessen Leben in Trümmern liegt. Alles ist scheinbar zerstört, wofür Jesus sich eingesetzt hat: Er hat Liebe gepredigt und den Hass der Menschen auf sich gezogen. Er hat davon gesprochen, dass Gott wie ein Vater ist. Und nun scheint dieser Vater ihn im Stich gelassen zu haben. Aber gerade dieser kaputte Jesus in einer kaputten Kirche ist für mich ein wirklich starkes Bild: So ist Gott. Er ist mittendrin in den Trümmern und im Schutt unseres Lebens.
Für mich zeigt diese Altarruine mit Jesus und Maria: Als Christinnen und Christen glauben wir etwas unheimlich Schönes und Berührendes und gleichzeitigt ist dies völlig verrückt und unvorstellbar: Dass Gott Mensch wird in diesem Jesus von Nazareth und dass er am Kreuz stirbt und damit scheinbar alles zerstört ist, wofür Jesus gelebt hat. Gott ist nicht jemand, der weit weg ist und den unser Leben nicht kümmert. Sondern Gott wird wirklich einer von uns. Er lebt wie ein Mensch und er stirbt. Verrückt ist dieser Gedanke, weil er so völlig anders ist, als es sich Religionen normalerweise vorstellen: Dass Gott irgendwo weit weg im Himmel ist und Menschen ihn suchen und anbeten. Aber Gott ist so ganz anders: Er wird Mensch, um uns zu suchen und zu finden, mitten im Chaos und Trümmerfeld unseres Lebens. All die Trümmer und der Schutt stehen dafür, was geschieht, als Jesus an diesem Kreuz stirbt: Da zerbricht nicht nur das Leben einer Mutter, deren Kind stirbt. Sondern da trägt Jesus all das, was in unserem Leben zerbrochen ist. Das, was wir selbst zerbrochen haben und nie wieder gut machen können: Vielleicht ist zwischen uns und anderen etwas zerbrochen oder unser Vertrauen zu Gott ist zerbrochen oder in unserem Herzen ist etwas kaputt gegangen, weil uns jemand tief verletzt hat. Oder vielleicht sind wir über uns selbst enttäuscht – da wollten wir alles gut machen und am Ende bleiben nur die Scherben.

Die Botschaft des Neuen Testaments ist: Als Jesus stirbt, hält er all diese Trümmer unseres Lebens auf geheimnisvolle Weise aus. Und Jesus wird wieder lebendig. Der Tod kann ihn nicht festhalten. Aus Trümmern wird neues Leben! Was für eine krasse Vorstellung: Gott wird Mensch, um die Trümmer unseres Lebens zu tragen. Und das verändert alles. Es kann neu werden, was zerstört ist. Wenn es stimmt, dass Jesus am Kreuz die Trümmer meines Lebens getragen hat, dann muss ich mit nichts mehr allein zurechtkommen. Mein Schmerz ist der Schmerz von Jesus, meine Enttäuschung trägt er mit. Was ich nicht gutmachen kann und wo ich schuldig geworden bin, das trägt er, und ich kann es loslassen. „Siehe, ich mache alles neu“ – es wird sicher nicht alles in unserem Leben sofort gut und manche Enttäuschung und manche Trümmer bleiben. Aber diese Worte sind ein Versprechen, das Jesus uns gibt: Er ist bei uns in den Trümmern. Er hat es selbst erlebt, wie es ist, ganz am Ende zu sein. Und darum kann er uns helfen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen von dem, was bei uns zerbrochen ist. Er kann uns dabei helfen, aufzustehen und aufzubauen. Dass wir auf Menschen zugehen, obwohl sie uns innerlich verletzt haben. Dass wir anderen und uns selbst vergeben.

Und das Versprechen von Jesus geht über diese Welt hinaus. Es wird der Tag kommen, an dem er wirklich alles neu macht. Wenn eine neue Welt anbricht. Dann wird es keine Zerstörung mehr geben und keinen Krieg und kein Leiden. Wie das sein wird, kann ich mir nicht so richtig vorstellen. Aber eines ist klar: Entscheidend ist: Jesus wird da sein. Das ist für mich eine Hoffnung, die mir Mut macht, jetzt schon die Welt zu verändern. Denn dieser Jesus, der am Ende der Zeit alles neu machen wird, der ist jetzt schon da. Mit seiner Liebe und seiner Kraft.

Das Bild von der Altarruine berührt mich: Jesus ist da – mitten in dem, was ­zerbrochen ist. Und mit nichts lässt er uns allein.

  • Autor / Autorin: Cornelius Kuttler
  • © Dieser Beitrag stammt aus dem Buch/E-Book "Alles neu" zur Jahreslosung 2026 - © 2025 Praxisverlag buch+musik bm gGmbH, Stuttgart - mehr Infos unter www.praxisverlag-bm.de/jugendgottesdienstmaterial
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