Einheit: Wer nicht zweifelt …

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 60-75 Min. (Vorbereitung: 60-90 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Teens (12-16 Jahre)
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Redaktion: TEC:
Benötigte Materialien: Bilder (zum Thema "Zweifel"), kopierter Bibeltext, Stimmkarten (s. Datein)
Bibelstelle: Johannes 20,19-20,31
Johannes 20,19-20,31

Die Vollmacht der JĂĽnger

(Mk 16,14-18; Lk 24,36-49)

19Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

21Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist! 23Welchen ihr die SĂĽnden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Thomas

24Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich’s nicht glauben.

26Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! 27Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 29Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

30Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen JĂĽngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. 31Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, das Leben habt in seinem Namen.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

… der nicht glaubt?!

1. Vorbemerkungen

Zweifel kennt jeder. Mancher zweifelt an seinen Fähigkeiten (oder denen von anderen), an einer Aussage oder Theorie, vielleicht auch an der Selbstlosigkeit des Gegenübers o. Ä. Und dann gibt es die großen, schweren Zweifel. Die Zweifel, die einen psychisch kaputt machen können. Zweifel am Glauben oder an Gott. Solche Zweifel können durch Schicksalsschläge auftauchen, die Teenager erleben. Oder durch die Konfrontation mit anderen (theologischen) Lehrmeinungen in der Schule. Manche Zweifel entstehen auch durch die Veränderung des Kinderglaubens oder durch falsche Vorstellungen von Gott und Glauben.

Teenager haben Fragen und Zweifel. Erwarte, dass sie diese benennen und erschrecke nicht darĂĽber. Es lohnt sich auch zu sagen, wenn man selbst keine Antwort auf brennende Fragen hat.

2. Zielgedanke

Es soll die Angst vor Glaubenszweifeln genommen werden. Die Teens sollen erfahren, dass Zweifel zum lebendigen Glauben dazugehören.

3. EinfĂĽhrung inkl. Exegese

Zweifel sind auch ein groĂźes Thema in der Bibel. Selbst Personen, die Jesus gut gekannt und mit ihm gelebt haben, zweifelten an ihrem Glauben, an ihm.

Zwei der bekanntesten Geschichten, an denen sogar Jünger Jesu zweifelten, stehen in Johannes 20,19ff. und Matthäus 28,16ff.

In beiden Stellen wird die Auferstehung Jesu angezweifelt. Ein Thema, das einigen von uns nicht ganz unbekannt ist. Die Jünger haben so viel mit Jesus erlebt, und trotzdem zweifeln manche (vgl. Mt 28,16 f.). Ein Jünger mit dem Namen Thomas war sogar als „der Zweifler“ bekannt. Er glaubte nur, was er sah. Zum Glück konnte Jesus sich ihm damals zeigen. Thomas sah Jesus als Auferstandenen und konnte deswegen glauben.

Vielleicht gibt es auch unter den Teenagern den einen oder anderen, der es ganz genau nimmt mit der Bibel und dem Glauben und alles erklärt haben möchte. Diesen Menschen, die einen rationalen Zugang zum Glauben haben, fällt es oft schwer, „einfach“ zu glauben. Sie müssen es „gesehen“ oder Beweise haben. So wie der Jünger Thomas.

Diese beiden Bibelstellen können Trost spenden: Die Teens sind nicht die Ersten, die zweifeln. Und Jesus begegnet diesen Zweifeln. Damals sicher anders als heute. Aber er verurteilt keinen seiner Jünger, seiner Schüler dafür, dass sie Fragen stellen, es genau wissen wollen. Und es ihm eingestehen, dass sie zweifeln.

4. Einstieg

Legt in die Mitte Bilder in Postkartengröße. Auf den Karten sind Motive abgebildet, die bei Menschen Zweifel an Gott auslösen können: Menschen in Hungersnot, Krieg, Gewalt, Naturkatastrophen, Tod, Trennung, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Armut, verschiedene Lehrmeinungen (Evolutionstheorie, andere Religionen usw.) und falsche Gottesbilder (Gott als Oberkontrolleur usw.).

Nach einer kurzen Betrachtungszeit sollen sich alle Teilnehmenden und Mitarbeitenden jeweils ein Bild aussuchen, das eine Situation oder Meinung beinhaltet, welche bei ihnen am ehesten „Glaubenszweifel“ bzw. „Zweifel an Gott“ auslöst. In einer Austauschrunde kann jeder kurz sagen, wieso er sein Bild ausgewählt hat und ob bzw. was für Zweifel er kennt.

Eine andere Möglichkeit ist, die Bilder größer auszudrucken und damit die Wände des Raums zu dekorieren. Gerne können auch Bilder, die Zweifel an Gottes Gerechtigkeit auslösen, aufgehängt werden, z. B. ein unterernährtes Kind mit sichtbaren Mangelerscheinungen und ein Kind, das sich bei McDonalds satt isst. Ein Bild, wo jemand geheilt wird und jemand an einer Krankheit leidet/gestorben ist usw.

Zu Beginn lasst ihr die Teens durch den Raum gehen und sich die Bilder anschauen. Dazwischen könnt ihr auch Zettel aufhängen, auf denen „Zweifel“, „Gibt es Gott?“, „Wo ist Gott hier?“, „Kann ich noch glauben?“ oder Ähnliches steht.

Dann folgt eine Austauschrunde. Mögliche Fragen:

  • Was haben die Bilder bei euch ausgelöst?
  • Wie fĂĽhlt ihr euch, wenn ihr sie so seht?
  • Welche Gedanken sind euch in den Kopf gekommen?
  • Kennt ihr Zweifel? An Gott? Am Glauben?

5. Hauptteil

Geht auf die Austauschrunde ein, indem ihr betont, dass es normal ist, zu zweifeln. Wir haben von Gott einen Verstand bekommen, und der arbeitet bei manchen Menschen sehr kritisch, bei anderen eher weniger kritisch. Manche Menschen haben einen rationalen Zugang zu Gott, andere begegnen Gott eher auf der GefĂĽhlsebene. Jeder ist anders. Mit den groĂźen Fragen der Menschheit kann aber sicher jeder was anfangen oder verstehen, was Zweifel sind.

Nun folgt eine Gruppenarbeit:

Druckt im Vorfeld für jede Kleingruppe Zettel mit den Bibelstellen Johannes 20,19-29 und Matthäus 28,16-20 sowie einen Zettel mit den untenstehenden Fragen aus.

Jede Gruppe bekommt nun einen Zettel mit folgenden Aufgaben:

  1. Lest gemeinsam beide Bibelstellen.
  2. Tauscht euch über die Geschichten aus, ggf. mit Ampelmethode (Jede Person bekommt drei verschiedene Impulskarten und kann pro Bibeltext eine Karte hochhalten und etwas dazu äußern).
  3. Diskutiert anschlieĂźend ĂĽber folgende Fragen bzw. ĂĽberlegt, was die Bibeltexte dazu sagen:
    • Woran zweifeln die Personen?
    • Wie geht Jesus mit den Zweiflern um?
    • Verliere ich durch meine Zweifel den Glauben? Oder lerne ich mehr zu vertrauen?
  4. Lasst die Teens in den Gruppen nochmals sagen oder aufschreiben, was sie schon an Zweifeln erlebt haben. AnschlieĂźend sollen Tipps gesammelt werden, wie man mit diesen Zweifeln umgehen kann.

Alternativ oder ergänzend können die Teilnehmenden mit ihren Smartphones eine Definition zu „Zweifel“ googeln. Gerne können auch die Mitarbeitenden befragt werden.

Löst die Kleingruppen nach 20 bis 30 Minuten auf und sammelt in der großen Runde, was Zweifel sind und wie damit Personen der Bibel umgegangen sind. Fragt, was wir heute davon lernen können.

Macht den Teens Mut, ihre Zweifel zu akzeptieren, sie als eine Art Wachstumsschmerzen zu sehen und zu fragen, was man von ihnen lernen kann. Zweifel können zu neuen Entdeckungen im Glauben helfen. Zweifel zeigen, dass dir etwas am Glauben liegt. Sie helfen neu zu denken, Sachen zu überdenken, etwas zu verändern. Frei nach dem Motto: „In jeder Krise steckt eine Chance “. Wer zweifelt, zeigt, dass ihm etwas an Gott liegt und er einen lebendigen Glauben möchte.

6. Abschluss

Zum Abschluss sollte noch mal betont werden, dass Zweifel ganz normal sind, in manchen Lebensphasen mehr als in anderen. Sie zeigen, dass der eigene Glaube lebendig ist und sich immer wieder mal neu überprüft. Dies ist eine Chance nach dem Motto: „Wer nicht zweifelt, glaubt nicht “. Glaube ohne Zweifel gibt es nicht. Wer glaubt ist immer auch hin und her gerissen. Zwischen dem, was die äußere Wirklichkeit sagt und dem, was ich von Jesus höre und mit ihm erlebe. Zweifel sind ganz normal und sogar hilfreich. Ich kopiere nicht nur leere Floskeln von anderen, sondern setze mich selbst mit Gott, mit dem Glauben, dem Vertrauen an Gott auseinander.

Und wer sich mit seinen Zweifeln und Fragen an Jesus wendet, der wird im Glauben gestärkt werden. Wir müssen mit unseren Zweifeln nicht hinter dem Berg halten, sondern können sie offen und ehrlich zugeben! Das ist doch mal eine gute Nachricht, oder?!

Weitere Ideen zum Umgang mit Zweifeln:

  • Gebetsanliegen austauschen – quasi Zweifel-Kumpels finden?!
  • Idee: ein Zweifeltagebuch – beobachten, was daraus wird.
  • Leute interviewen, die selbst schon gezweifelt haben; Leute interviewen, die „mehr“ glauben und welche, die scheinbar „weniger“ glauben als man selbst.

Buchtipps: „Gott braucht dich nicht“ von Esther Maria Magnis; „Geduld mit Gott“ von Thomas Halik; Die Bibel: Buch Psalmen, Buch Hiob oder Buch Prediger.

Gebete, wie: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ (vgl. Mk 9,22-24) oder Lieder in Dauerschleife hören, wie „Herr, wohin sonst“ oder „How long o Lord“ (unter www.youtube.com eingeben).

  • Autor / Autorin: Annelene Neumann
  • © Deutscher EC-Verband