Wer, wenn nicht wir?

Einheit | Bibelarbeit
Einheit | Bibelarbeit

Wer, wenn nicht wir?

Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Mitarbeitende, Studenten
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Verband: Deutscher EC-Verband
Redaktion: echt.
Zeitbedarf: 45-60 Min. (Vorbereitung: - Min.)
Bibelstelle: Esra 5,1-17 anzeigen
Bibelstelle
Esra 5,1-5,17

5

Wiederaufnahme des Tempelbaus

1Es weissagten aber die Propheten Haggai und Sacharja, der Sohn Iddos, den Juden in Juda und Jerusalem im Namen des Gottes Israels, der über ihnen war. 2Da machten sich auf Serubbabel, der Sohn Schealtiëls, und Jeschua, der Sohn Jozadaks, und fingen an, das Haus Gottes zu Jerusalem aufzubauen, und mit ihnen waren die Propheten Gottes, die sie stärkten.

3Zu der Zeit kamen zu ihnen Tattenai, der Statthalter des Gebietes jenseits des Euphrat, und Schetar-Bosnai und ihre Genossen. Und so sprachen sie zu ihnen: Wer hat euch Befehl gegeben, dies Haus aufzubauen und sein Gebälk zu vollenden? 4Dann sagten sie zu ihnen: Wie heißen die Männer, die diesen Bau aufführen? 5Aber das Auge ihres Gottes war über den Ältesten der Juden, dass ihnen nicht gewehrt wurde, bis die Sache an Darius gegangen wäre und darauf eine Antwort käme.

6Dies ist die Abschrift des Briefes Tattenais, des Statthalters jenseits des Euphrat, und Schetar-Bosnais und ihrer Genossen, der Beamten, die jenseits des Euphrat waren, an den König Darius. 7Der Bericht, den sie ihm sandten, lautete:

Dem König Darius allen Frieden! 8Es sei dem König kundgetan, dass wir in die Provinz Juda gekommen sind zu dem Hause des großen Gottes; dieses baut man mit behauenen Steinen und legt Balken in die Wände, und die Arbeit geht unter ihren Händen gut voran. 9Wir aber haben die Ältesten gefragt und zu ihnen gesagt: Wer hat euch befohlen, dies Haus zu bauen und sein Gebälk zu vollenden? 10Auch fragten wir, wie sie hießen, damit wir es dir kundtäten und die Namen der Männer aufschrieben, die an ihrer Spitze stehen. 11Sie aber gaben uns dies zur Antwort: Wir sind Knechte des Gottes des Himmels und der Erde und bauen das Haus wieder auf, das einst vor vielen Jahren hier gebaut war und das ein großer König Israels gebaut und vollendet hat. 12Da aber unsere Väter den Gott des Himmels erzürnten, gab er sie in die Hand Nebukadnezars, des Königs von Babel, des Chaldäers; der zerstörte dies Haus und führte das Volk weg nach Babel. 13Aber im ersten Jahr des Kyrus, des Königs von Babel, befahl der König Kyrus, dies Haus Gottes wieder zu bauen. 14Auch die goldenen und silbernen Geräte des Hauses Gottes, die Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem genommen und in den Tempel zu Babel gebracht hatte, nahm der König Kyrus aus dem Tempel zu Babel und gab sie einem mit Namen Scheschbazar, den er zum Statthalter einsetzte, 15und sprach zu ihm: Nimm diese Geräte, zieh hin und bringe sie in den Tempel zu Jerusalem, und das Haus Gottes soll wieder aufgebaut werden an seiner Stätte. 16Da kam jener Scheschbazar und legte den Grund zum Hause Gottes zu Jerusalem. Seit der Zeit baut man, und es ist noch nicht vollendet. 17Und nun: Gefällt es dem König, so lasse man suchen im Schatzhaus des Königs, das dort in Babel ist, ob es von dem König Kyrus befohlen sei, das Haus Gottes zu Jerusalem wieder aufzubauen, und man sende uns des Königs Meinung darüber.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

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1. Erklärungen zum Text

Obwohl das Buch den Titel Esra trägt, befinden wir uns in den ersten sechs Kapiteln lange vor dem Beginn der Wirkungszeit von Esra. Berichtet wird, wie es dem jüdischen Volk nach seiner Rückkehr aus Babylon erging. Ca. 48 Jahre mussten die Menschen aus Jerusalem und Juda in Babel bleiben (586-538 v.Chr.). Nach so langer Zeit entschieden sich zunächst nur Wenige in ihre Heimat zurückzukehren. Dort angekommen fingen die Rückkehrer an, die zerstörte Stadt und den Tempel wieder aufzubauen. Der Tempel war sehr wichtig für die Menschen, weil um ihn herum das religiöse Leben der Gemeinde stattfand und weil Gott selbst in ihm anwesend war. Der Grundstein des Tempels war nun bereits gelegt worden, aber die Menschen hatten den Mut verloren, weil sie angefeindet wurden. So lag nach der Grundsteinlegung die Arbeit am Tempel etwa 16 Jahre lang brach… Und hier setzt unser Bibeltext ein.

Mit Gott und neuem Mut ans Werk (V.1-5)

Die zwei Propheten Haggai und Sacharja geben den Rückkehrern neuen Mut. Durch ihr Auftreten ändert sich die Einstellung der Menschen. Sie sprechen den mutlosen Rückkehren zu, dass Gott, der sie im Exil nicht verlassen und sie zurückkehren hatte lassen, jetzt auch über ihnen wacht.
Daraufhin machen sich Serubbabel (als geistlicher Leiter) und Jeschua (als politischer Leiter der Juden) ans Werk. Doch nicht überall stieß die Wiederaufnahme des Tempelbaus auf Gegenfreude. Die Samaritaner, die den Bau bisher erfolgreich behindert hatten(Esr 4,5), informieren jetzt die Verantwortlichen über dieses Bauvorhaben. Daraufhin werden Beamte gesandt, die sich die Baustelle anschauen und Fragen stellen sollen. Dennoch lassen sich die Rückkehrer nicht mehr abhalten. Sie wissen, dass Gott mit ihnen ist (V. 5).

Ein aramäischer Brief (V.6-17)

Die persische Bauaufsicht besichtigt den Tempelbau und schreibt nun an Darius, den König des persischen Reiches, um sich dessen Meinung zu der Bauaktion einzuholen. Die Beamten sind beeindruckt von der Tatkraft und loben die Arbeit der Bauleute.  Auf die Frage der Beamten erzählen die Bauenden die Geschichte ihre Volkes mit Gott und dem Tempel. Zuerst jedoch bekennen sie, dass sie Knechte Gottes sind, nicht Leute mit reiner Bauwut, sondern zu Gottes Ehren handeln. Sie stellen ungeschönt die Schuld ihres eigenen Volkes an der Zerstörung des Tempels dar. So viele Jahre waren sie verstoßen gewesen und nun, da sie mit neuem Mut am Werk sind, wissen sie sich von Gott gesegnet und bauen mit Freude an seinem Haus.

2. Bedeutung für den heutigen Hörer

Seit einigen Jahren bin ich nun unterwegs mit Jesus und ich kann mich noch sehr gut an die Zeit erinnern, als ich zum Glauben kam und anfing, Gott zu entdecken. In der Anfangszeit meines Glaubens schien alles noch so einfach, war alles so spannend und ich brannte regelrecht für Jesus und seine Sache. – Doch nun kommen immer wieder Fragen auf, warum Gott so entfernt ist, nicht hier und jetzt anwesend wirkt. Es gibt Zeiten, da bin ich mutlos, habe den Antrieb verloren, mich für diesen Gott zu interessieren, wie die Rückkehrer damals. Vielleicht habe ich mir auch vor ein paar Jahren schon etwas vorgenommen, woran ich „bauen“ möchte, doch nun hapert es an der Umsetzung… Oder gab es da nicht mal eine Sache, die mir so richtig am Herzen gelegen ist, als ich Gott kennengelernt habe – und was ist mit dieser Sache jetzt?

So stehe ich da und sehe, dass ich mich wieder von dem „Tempelbau“, also meiner Freude Gott zu dienen, entfernt habe und mutlos geworden bin. Ich spüre, dass Gott mehr für mich bereithält, als das, was ich mir selbst geben kann. Als die Propheten den Rückkehrern neuen Mut zusprechen, wissen diese genau, was zu tun ist. Sie packen an, was vor der Tür liegt. Sie beginnen, das lange stillgelegene Projekt Tempelbau wieder aufzunehmen. Vieles spricht dagegen, der Unwille der Menschen in ihrer Umgebung, ob es überhaupt klappen kann, so viel Material zu beschaffen. Aber es klappt, der Bau geht voran. Doch dann das: die Bauaufsicht kommt und fragt, ob da auch alles mit rechten Dingen zugeht. Jetzt ziehen sich die Bauleute aber nicht zurück und Gott tut es genauso wenig. Sie kämpfen für ihren Bau, setzen ihren Mut und ihre Hoffnung in Gott. – Nicht aufgeben, auch wenn andere oder ich selbst an Gott zweifeln. Was erreicht mein Herz so, dass ich meinen ganzen Eifer einsetze, um etwas in Bewegung zu bringen? Wo geht mein Herz über mit Freude, etwas zu erreichen, etwas aufzubauen?

3. Methodik für die Gruppe

3.1 Einstieg – stilles Brainstorming

Es werde drei Plakate (min. DIN-A3) auf verschiedenen Tischen im Raum verteilt auf denen steht: Plakat 1. „… der über ihnen war“ (V.1), Plakat 2. „… wir bauen wieder auf“ (V. 11) und Plakat 3. „… legte den Grund“ (V. 16). Zu diesen drei Versteilen aus der Geschichte, die noch nicht genannt werden sollte, dürfen nun alle wild drauflos schreiben, was ihnen dazu einfällt. Ziel ist es, eine Auseinandersetzung mit den Bewegungsrichtungen des Textes zu fördern. Mit den Bewegungsrichtungen ist folgendes gemeint:

  1. die Grundlage, der Grundstein, der Baubeginn  (Plakat 3)
  2. das Tun, das Anpacken, das Bewältigen der Aufgabe  (Plakat2)
  3. Gott, der den Rahmen, den Segen schenkt (Plakat 1)

3.2 Text

Der Text wird gemeinsam in der Gruppe gelesen und eventuell aufkommende Fragen zum Verständnis geklärt. Hier kann es hilfreich sein, die historische Situation zu erläutern, um eine Einordnung zu ermöglichen. Die Lage der Rückkehrer aus dem Exil, die so viel erwartet hatten und mutlos nach der Grundsteinlegung aufgehört hatten, zu bauen. Die sich jetzt mit neuem Mut und auch neuen Schwierigkeiten für ihren Tempel einsetzen und darauf vertrauen, dass Gott mit ihnen ist.
Nun kann in Bezug auf die Plakate geschaut werden, wie sich eure Gedanken von dem des Textes unterscheiden. Habt ihr mit „dem, der über ihnen war“, Unterdrückendes oder Mut machendes verbunden? Welche Gedanken habt ihr zum Anpacken und Aufbauen und was verbindet ihr mit dem Grund, der gelegt ist? Wer ist der Grund eurer Freude? Ist es die Frohe Botschaft an uns in Jesus Christus (1.Kor 3,11)? Kommt darüber ins Gespräch.

Fragen zum Text (aus dem Spiel: „Slant – Der etwas andere Blickwinkel“, Born Verlag)

– Welche drei Wörter fassen den Bibeltext für dich gut zusammen?
– Wo berührt dieser Bibeltext deinen Alltag?
– Welche Erfahrung hättest du auch gern gemacht?
– Wenn du mit einem traurigen Menschen über diesen Bibeltext reden würdest – was würdest du ihm daraus erzählen?
– Worauf würdest du bei diesem Bibeltext nicht verzichten?

3.4 Vertiefung

Im Text begegnen uns Menschen, die einen Plan verfolgen, ohne nachzulassen oder sich entmutigen zu lassen. Die Friedensgebete für Menschenrechte und Frieden im September 1989 in Leipzig sind ein Beispiel, wo dies so geschehen ist. Horst Sindermann, der dem Zentral-Kommitee der SED angehörte, sagte damals: „Wir hatten alles geplant. Wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete.“ Diese Geschichte, die der Erzählung in Esra etwas ähnlich ist, kann Mut machen, den biblischen Text als aktuell zu erkennen (falls vorhanden, wäre ein Zeitzeuge toll!). Wichtig ist, diese Geschichte nicht nur zu nennen, sondern zu erzählen.

Von diesem Mut machenden Beispiel her, kann auf das Plakat mit dem Bauen eingegangen werden. Vielleicht gibt es etwas, was schon lange in euch brennt, was ihr tun wollt: ein soziales Engagement oder ein Projekt, Menschen in eure Gruppe einzuladen oder sonst wie als Gruppe die Botschaft Jesu deutlich zu machen. – Dann macht euch einen Plan und fangt an!

Zum Schluss könnt ihr für ein solches Projekt beten, egal ob ihr schon etwas Konkretes vor Augen habt oder noch auf der Suche seid. Wer, wenn nicht ihr?

Liedvorschlag: History Maker (FJ!4, Nr. 84).

  • Autor / Autorin: Tobias Diekmeyer
  • © Deutscher EC-Verband
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