Wieso, weshalb, warum … ?

Einheit | Bibelarbeit
Einheit | Bibelarbeit

Wieso, weshalb, warum … ?

Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Studenten
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Verband: Deutscher EC-Verband
Redaktion: echt.
Zeitbedarf: 60-90 Min. (Vorbereitung: 15-25 Min.)
Bibelstelle: Hiob 1,1-1,22 anzeigen
Bibelstelle
Hiob 1,1-1,22

1

Hiobs Bewährung

1Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Der war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse. 2Und er zeugte sieben Söhne und drei Töchter, 3und er besaß siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen und sehr viel Gesinde, und er war reicher als alle, die im Osten wohnten. 4Und seine Söhne gingen hin und machten ein Gastmahl, ein jeder in seinem Hause an seinem Tag, und sie sandten hin und luden ihre drei Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken. 5Und wenn die Tage des Mahles um waren, sandte Hiob hin und heiligte sie und machte sich früh am Morgen auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl; denn Hiob dachte: Meine Söhne könnten gesündigt und Gott abgesagt haben in ihrem Herzen. So tat Hiob allezeit.

6Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den Herrn traten, kam auch der Satan mit ihnen. 7Der Herr aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen. 8Der Herr sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse.

9Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet? 10Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher bewahrt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande. 11Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: Was gilt’s, er wird dir ins Angesicht fluchen! 12Der Herr sprach zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging der Satan hinaus von dem Herrn.

13Eines Tages aber, da seine Söhne und Töchter aßen und Wein tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen, 14kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide, 15da fielen die aus Saba ein und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte.

16Als der noch redete, kam ein anderer und sprach: Feuer Gottes fiel vom Himmel und verbrannte Schafe und Knechte und verzehrte sie, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte. 17Als der noch redete, kam einer und sprach: Die Chaldäer machten drei Abteilungen und fielen über die Kamele her und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte. 18Als der noch redete, kam einer und sprach: Deine Söhne und Töchter aßen und tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen, 19und siehe, da kam ein großer Wind von der Wüste her und stieß an die vier Ecken des Hauses; da fiel es auf die jungen Leute, dass sie starben, und ich allein bin entronnen, dass ich dir’s ansagte.

20Da stand Hiob auf und zerriss sein Kleid und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief 21und sprach: Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; der Name des Herrn sei gelobt!22In diesem allen sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes wider Gott.

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

Benötigtes Material: Papier und Stift
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1. Erklärungen zum Text

Das Buch Hiob ist keine historische Erzählung. Es geht um theologische Fragen, die über eine Erzählung und mittels Dialoge behandelt werden. Es geht nicht um das Berichten einer im historischen Sinne wahren Begebenheit. Das ist wichtig für das Grundverständnis des Buches und unseres Abschnitts.

Das Buch Hiob setzt sich schwerpunktmäßig mit drei Fragestellungen auseinander:

  1. Wie verhalte ich mich richtig im Leid?
  2. Wie kann es sein, dass der Gerechte leiden muss?
  3. Woher kommt das Leid und welchen Zweck hat es?

Die Verse 1-5 zeichnen ein beeindruckendes Bild von Hiob. Er wird als einmalig reich und fromm beschrieben. Viel mehr geht da nicht und das ist vom Autor so auch wohl beabsichtigt. Diese einleitenden Verse werden für Satans Kritik und seine Vorschläge in den Versen 9-11 benötigt. Das Wissen darum, dass es in seiner Familie die Tradition des Festessens gibt, welches hausweise reihum geht, ist für das anschließende Schicksal, das Hiob ab Vers 13 ereilt, wichtig.

Irritierend und schwer verständlich ist wohl die himmlische Ratsversammlung der Gottessöhne in den Versen 6-12. Besonders die Anwesenheit des Satans ist schwere Kost, die leider nicht näher erklärt wird. Vielleicht muss man es einfach erstmal als stilistisches Mittel der Geschichte verstehen und daraus nicht zu viele theologische und kaum zu beantwortende Fragen produzieren. Satan sagt, dass Hiob nur so vorbildlich ist, was ja sogar Gott persönlich lobend erwähnt, weil es sich für ihn lohnt. Satans Theorie ist, dass sich das schnell ändert, wenn Gott Hand an Hiobs Besitz legt. Er probiert, um Hiob zu spielen. Wichtig ist:

  1. Es ist nicht Gottes Idee.
  2. Gott ist nicht der Ausführende oder der Initiator.
  3. Gott schränkt ein, was Satan darf.

Mit der Fortführung der Geschichte wird ein Spannungsbogen aufgebaut: Was wird jetzt passieren?

V.13-19: Hiob widerfährt viel unvorstellbares Lied. Das, was dort steht, kann man sich nicht auf der Zunge zergehen lassen, so schwer ist das Mitfühlen dieser Ereignisse.

Aber V.20-22: Hiob klagt. Und er bleibt bei Gott, lobt ihn sogar. Ein überraschendes Ende unseres Abschnitts, auch wenn die Geschichte noch weiter gehen wird.

2. Bedeutung für heute

  • Was man sät, das erntet man.
  • Wie man in den hinein Wald ruft, so schallt es hinaus.
  • Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
  • Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
  • Jeder ist seines Glückes Schmied.

Diese Sprichwörter sind uns heute bekannt und geläufig. Sie meinen: Mein eigenes Verhalten hat Einfluss darauf, was mir selbst widerfährt. Bin ich ein guter Mensch, geht es mir selbst auch gut. Bin ich ein schlechter Mensch, erlebe ich selbst auch Schlechtes. Das klingt einleuchtend und nach einem logischen Zusammenhang. Die Folge daraus wäre: Ich muss mich nur gut verhalten, dann geht es mir auch gut. Und sonst habe ich es nicht anders verdient. Also: Ernähre ich mich gut, werde ich nicht krank. Wenn ich genug Sport mache, bleibe ich fit. Wenn ich eine gute Ausbildung mache, mache ich Karriere. Wenn ich ein netter Mensch bin, sind auch andere nett zu mir.

Aber: So schlüssig die Sprichwörter und ihre Bedeutung auch klingen: Ist das wirklich die Realität? Ist es nicht eher so, dass man häufig das Gefühl hat, dass die Falschen bestraft und belohnt werden? Fragt man sich nicht oft, warum ausgerechnet dieser Person so unverdient Schlimmes und Unverständliches widerfährt? Und warum Personen, die es zumindest nach einem ersten Gefühl nicht anders verdient haben, ungeschoren davonkommen?

Ja, leider ist es nicht so einfach. Ganz im Gegenteil: Es gibt sehr viele gute, gerechtfertigte und kritische Fragen im Zusammenhang mit diesem Thema und oftmals leider keine guten Antworten. Das, was in unserem Abschnitt beschrieben ist, ist auch das, was wir bei anderen oder auch uns selbst erleben und erleben müssen.

Mit diesen Fragen und Überlegungen sind wir mittendrin in der Geschichte von Hiob. Denn genau das, was uns heute bewegt, hat auch den Autor des Hiobbuches beschäftigt.

Hiob und auch unser Text lädt vor allem zu einer Sache ein: sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden zu geben und zu ringen, miteinander und auch mit Gott. Denn gerade mit den Fragen zum Thema Leid ist es nicht einfach und mit den Antworten sollte man es sich nicht einfach machen. Das macht Hiob deutlich. Es ist ein Suchen und Herantasten an Lösungen und eine immer wieder neue Herausforderung, nicht an Gott zu verzweifeln.

3. Methodik für die Gruppe

Hinweis

Erfahrungen mit Leid und der Umgang damit sind sehr persönliche Themen. Je nachdem ist es für die Gruppe möglich, darüber ehrlich und direkt ins Gespräch zu kommen. Es kann aber auch sein, dass ein abstrakteres Gespräch der Sache dienlicher ist, um sich dem Thema zu nähern und sich darüber auszutauschen. Es ist also möglich, über die eigenen Erfahrungen zu sprechen, aber genauso ist es möglich, über die Person Hiob zu reden und damit distanzierter in das Thema einzutauchen.

Einstieg: Sprichwörter

  • Was man sät, das erntet man.
  • Wie man in den hinein Wald ruft, so schallt es hinaus.
  • Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
  • Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.
  • Jeder ist seines Glückes Schmied.
  • Was bedeuten diese Sprichwörter?
  • Verwendest du sie und wenn ja, in welchem Zusammenhang?
  • Was denkst du über diese Sprichwörter?
  • Wo stimmst du ihrer Bedeutung zu und wo nicht?

Lied

Blessed be your name

Bibeltext lesen

Klären: Was für eine Art Text ist die Geschichte von Hiob? Es ist eine theologische Auseinandersetzung und Überlegung in Form einer Geschichte, keine historisch wahre Begebenheit.

Hiob 1,1-22 lesen

Fragen zum Einstieg

  • Wie empfindest du Hiob?
  • Wie sind deine Gefühle, wenn du diese Geschichte liest?
  • Was löst der Text in dir aus?
  • Was beschäftigt dich?
  • Wo bist du hängengeblieben?

Zu diesen Fragen gibt jeder aus der Gruppe eine kurze Antwort. Es geht nicht darum, die Fragen zu klären, zu beantworten oder zu diskutieren, sondern um ein erstes Votum, um den ersten Eindruck, um die erste Positionierung.

Gemeinsame Antworten auf Fragen zum Text

Nach den Einstiegsfragen stellen die Mitglieder der Gruppe die Fragen, die sie selbst zum Text beschäftigen. Diese Fragen werden nicht sofort beantwortet, sondern zunächst gesammelt. Es empfiehlt sich, die Fragen auf je ein einzelnes DIN-A4-Blatt zu schreiben.

Im Anschluss gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Die Gruppe wählt 3 Fragen aus, die sie besonders interessant findet. Dann wird probiert, eine Antwort auf die Fragen zu finden. Ein Ergebnis könnte natürlich auch sein, dass man keine Antwort findet.
  2. Die Gruppe wählt die gleiche Anzahl an Fragen aus wie die Gruppe stark ist. Jeder bekommt ein Blatt mit einer Frage und formuliert seine Antwort. Im Anschluss wird das Blatt nach links weitergereicht. Die Antwort wird gelesen. Die nächste Person findet ihre Antwort auf die Frage. Das Blatt wird wieder weitergereicht, so lange, bis jeder zu jeder Frage eine Antwort aufgeschrieben hat. Das Finden einer Antwort sollte dabei eher aus dem Bauch heraus geschehen als durch langes Nachdenken, so dass die Zettel relativ schnell weitergereicht werden. Diese Methode eignet sich besonders für größere Gruppen oder als Möglichkeit, dass jeder zu Wort kommen kann und auch ruhigere Charaktere partizipieren können.

Lied-Bibeltext

Das Lied, welches zum Einstieg gesungen wurde, ist geprägt von unserem heutigen Bibeltext.

  • Wie geht es dir mit dem Lied, wenn du weißt, welche Geschichte die Inspiration für den Text ist?
  • Kannst du das wirklich so einfach singen?
  • In welchen Situationen kann einem so ein Lied im Hals stecken bleiben?
  • Wie klingt dieses Lied aus Hiobs Mund?

Sprichwörter-Bibeltext

Denkt noch einmal zurück an die Sprichwörter vom Anfang und setzt sie in den Kontext unseres Bibelabschnitts.

Was würde Hiob zu den Sprichwörtern sagen?

Wir selbst-Bibeltext

Wie ist es bei dir – wie ist es bei euch:

  • Welche Erfahrungen mit dem Thema Leid hast du schon machen müssen?
  • Wie gehst du damit um?
  • Welche Fragen und welche Antworten hast du?
  • Was hilft dir?
  • Was hat dir schon geholfen?
  • Wie geht es deinem Glauben im Leid?
  • Autor / Autorin: Daniel Hägerbäumer
  • © Deutscher EC-Verband
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