Zweifeln erlaubt / Wie können wir an die Gegenwart Gottes glauben, wenn es so schwierig ist, diese zu erfahren.Zweifeln erlaubt / Wie können wir an die Gegenwart Gottes glauben, wenn es so schwierig ist, diese zu erfahren.

Einheit: Zweifeln erlaubt / Wie können wir an die Gegenwart Gottes glauben, wenn es so schwierig ist, diese zu erfahren.

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 60-90 Min. (Vorbereitung: 45-60 Min.)
Materialart: Bibelarbeit
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Teens (12-16 Jahre)
Einsatzgebiet: Gruppenstunde
Redaktion: TEC:
Benötigtes Material:
Bibelstelle: 1. Mose 16,22

1. Erklärungen zum Text

(Die Bibelarbeit folgt keinem speziellen Text)

2. Bedeutung für den heutigen Hörer

Jeder Mensch kennt Zweifel. In der Regel sind sie nicht gewollt und treten trotzdem auf, weil jeder in Situationen kommt, in denen das bisher Feste und Tragende durch Widersprüche ins Wanken kommt. Gerade im Glauben können Zweifel besonders schwere Folgen haben, weil der Glaube in besonderen Notsituationen Halt geben soll, es aber manchmal nicht kann. Ein ständiges Thema für Zweifel ist in diesem Zusammenhang die Frage nach der Gegenwart Gottes im Leben des Christen, obwohl für ihn diese oftmals nicht wahrnehmbar ist. Nicht wenige sind an dieser Frage gescheitert, haben sich vom Glauben an Gott verabschiedet oder, infolge mancher Enttäuschung, nie zum Glauben gefunden. Die Bibelarbeit will diesen Fragen nachgehen und Mut zur eigenen Entdeckungsreise machen.

3. Methodik fĂĽr die Gruppe

Austauschrunde

(Jeder darf seine persönliche Meinung sagen):

  • Auf der Skala von 0 bis 10: Wie anwesend ist Gott fĂĽr dich im Alltag? 0 bedeutet: Er ist gar nicht da. 10 bedeutet: Er ist immer da.
  • Wo erlebe ich Gott? Wo erfahre ich seine Nähe?
  • In welchen Situationen ist er mir besonders fremd? Wo erfahre ich ihn gar nicht, obwohl ich es gerne wĂĽrde?

Impuls 1: Die Gegenwart Gottes

Das Besondere am christlichen Glauben – im Vergleich zu allen anderen Religionen – ist die Gegenwart Gottes mitten in dieser Welt – der Ewige mitten in allem Begrenzten, Vergänglichen und Irdischen. In Jesus Christus wurde Gott Mensch, weil er bei ihnen sein will. Folgende Bibelstellen belegen dies: Johannes 1,14; 14,16.17; Psalm 139,7-12; Philipper 2,6-7; Matthäus 28,20; Apostelgeschichte 2,4.

Diese Bibelstellen und noch viele andere betonen die permanente und stetige Anwesenheit Gottes auf der Erde. Zunächst in der allumfassenden Gegenwart des Schöpfers in seiner Schöpfung (Ps 139), dann in der leiblichen Anwesenheit seines menschgewordenen Sohnes (Joh 1, Phil 2 …) und zuletzt auch in der AusgieĂźung des Heiligen Geistes in die Herzen der Menschen (Joh 14, Apg 2) ist Gott gegenwärtig. Es gibt keine Aussagen in der Bibel, die dieser Tatsache grundsätzlich widersprechen.

Fazit: Gott ist da! Immer und ĂĽberall!

Impuls 2: Gegenwärtig, aber unsichtbar

Mit Ausnahme der kurzen leiblichen Gegenwart Gottes in Jesus Christus, der greifbar, betastbar, mit menschlicher Stimme hörbar und in menschlicher Form sichtbar war, begegnet uns Gott heute unsichtbar, bzw. so, dass wir ihn mit unseren fĂĽnf Sinnen nicht wahrnehmen können. Theologen reden gern von inneren Augen, Ohren, … und dem Herzen, die es braucht, damit man Gottes Stimme wahrnimmt. Allein mit den äuĂźeren fĂĽnf Sinnen bleibt Gott dem Menschen verborgen. Aussagen, wie „Gott hat zu mir gesprochen …“ sind meist nur schwammig und schwierig zu erklären oder leider nur Floskeln, um der eigenen Meinung Gewicht zu verleihen.

Hinzu kommt, dass Christen ihre Bitten in vielen Gebeten zu Gott bringen und erleben, dass Gott diese Bitten nicht erhört. Diese Menschen fühlen sich von Gott zusätzlich zu aller Unsichtbarkeit im Stich gelassen und fragen sich, ob er denn nicht doch schläft. Hiobs verzweifelter Schrei (Hiob 30,20-22) haben Menschen in ähnlich katastrophalen Situationen wieder und wieder gesprochen. Und oft genug „von oben“ keine Antwort erhalten.

Fazit: Gott ist mit den äußeren Sinnen nicht wahrnehmbar. Er bleibt für die menschlichen Sinne verborgen und unverfügbar. Gerade in Notsituationen warten Menschen oft vergeblich auf das Eingreifen Gottes und werden enttäuscht.

Austauschrunde

  • Wie können Christen mit diesem Widerspruch umgehen?
  • Wie leicht fällt es mir, an die Gegenwart Gottes trotz aller Unsichtbarkeit zu glauben?
  • Was wĂĽrde ich einem an der Gegenwart Gottes zweifelnden Menschen mitgeben wollen?

Impuls 3: Zweifeln erlaubt

Als Christen, die trotz aller Unsichtbarkeit an die stete Anwesenheit Gottes glauben, müssen wir den Widerspruch aushalten. Wir können uns selbst und allen anderen die Anwesenheit Gottes nicht einfach präsentieren. Oft genug reden wir von Gottes sichtbarem Eingreifen in dieser Welt, erleben aber, dass andere diese Situationen nicht mit Gott in Verbindung bringen wollen oder können. Zweifel bei anderen über unsere Aussagen, aber auch bei uns selbst in allem eigenen Erleben sind mehr als normal. Mit diesen Zweifeln müssen wir leben, denn wir begegnen zwei Aussagen, die beide wahr sind und sich doch widersprechen. Ausgesprochene Zweifel dieser Art finden sich in der Bibel an vielen Stellen (z. B. Hiob 2,9; Ps 13; 73,1-16; Joh 20,25).

Impuls 4: Mitten in allen Zweifeln Gott suchen

Eine dreifache Entdeckungsreise …

1. Sich Gott zuwenden, auch wenn er fern zu sein scheint.

Petrus macht in Johannes 6,68 eine faszinierende Aussage. Viele haben Jesus verlassen, seine Botschaft hat sie enttäuscht, und auch unter den Jüngern scheint sich diese Enttäuschung breitgemacht zu haben. Jesus fragt sie offen und ehrlich: „Wollt ihr auch gehen?“ Und da antwortet Petrus: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Er macht damit klar: Mitten in aller Enttäuschung und allen Zweifeln gibt es nur einen Ort, der Sinn macht, der Ort, wo Jesus ist. Alle Alternativen helfen auch nicht. Weggehen ist keine Lösung und dem Glauben absagen auch nicht. Auch wenn ich in meiner momentanen Situation an der Gegenwart Gottes verzweifle, will ich so tun, als wäre er dennoch da, mich ihm zuwenden, zu ihm beten und dabei stets so tun, als ob es ihn wirklich gibt. Dies erfordert viel Mut, denn es widerspricht der eigenen Vernunft und der eigenen Befindlichkeit. Es sind aber viele, die auf diesem Weg wieder Gott begegnet sind, seine Gegenwart erlebt haben und damit alle Zweifel ausräumen konnten. Der Jünger Thomas, der sich trotz aller Zweifel mit seinen Freunden traf, hat diese überraschende Begegnung mit Jesus erlebt (vgl. Joh 20,24-29).

2. Gott in der Gemeinschaft mit anderen Christen finden

Jesus spricht davon (Mt 18,20), dass er dort, wo zwei oder drei Menschen sich in seinem Namen treffen, er gegenwärtig ist. In 1. Korinther 12,12-27 spricht Paulus sogar von der Gemeinde Gottes als Leib. Jesus ist der Kopf, die Gemeinschaft der Christen bildet seinen Körper. Dieses Bild drückt anschaulich aus, wie erfahrbar Gott mitten in der Gemeinschaft von Christen ist. An seiner Gemeinde macht Gott sich selbst fest. So ist es für zweifelnde Menschen ein guter Weg, sich in eine Gemeinschaft von Christen einzubringen. Am Glauben des anderen darf sich mein (Un-)Glaube festmachen, ermutigt und gestärkt werden. Für eine gewisse Zeit darf der andere für mich glauben und für mich beten. Ich lasse es geschehen und erfahre im anderen Gottes Nähe und sein Handeln.

3. Entdecken, dass mitten in aller Unsichtbarkeit Gott mich sieht

Es gibt in 1. Mose zwei Geschichten, in denen Menschen bis an die Grenze des Erträglichen geführt werden. Hagar sitzt mit ihrem Sohn Ismael in der Wüste und muss zuschauen, wie der Sohn zu verdursten droht. Inmitten ihrer Hilflosigkeit und Not erscheint ein Engel und gibt ihr den Rat zurückzukehren. Aus Dankbarkeit nennt sie fortan Gott „ein Gott, der mich sieht“ (1. Mose 16,13). Wenige Kapitel später (1. Mose 22) erfährt Abraham selbst die größte Herausforderung, die ein Mensch erleben kann. Er soll das Liebste und Wichtigste des Lebens, seinen eigenen Sohn, hergeben. Auch dort erscheint in höchster Not ein Engel und rettet die Situation. Und was tut Abraham? Er nennt den Ort „Der Herr sieht“ (1. Mose 22,14). Später wird genau dieser Ort der Platz sein, an dem der Tempel errichtet wird. Hagar und Abraham stehen jeweils in Situationen, die zutiefst an der Gegenwart Gottes zweifeln lassen und entdecken, dass es in diesen Situationen nicht darauf ankommt, Gott zu sehen, sondern viel mehr darauf, von ihm gesehen zu werden. Wie tröstlich kann diese Erfahrung sein: Auch wenn ich selbst Gott nicht sehe, so werde ich doch von ihm gesehen. Im Segen, den Aaron im Auftrag Gottes seinem Volk zuspricht (4. Mose 6,24-26), und den wir heute oft in unseren Gottesdiensten einander zusprechen, wird zweimal betont, dass Gott sein Angesicht über uns erhebt, bzw. über uns leuchten lässt. Der Segen hängt somit nicht an unserem Sehen, sondern allein daran, dass Gott uns sieht. Und wie tut er dies? Freundlich, leuchtend und wohlwollend.

Austauschrunde

Die Teilnehmer können erzählen, was ihnen in schwierigen Situationen geholfen hat oder ein Mitarbeiter erzählt aus seiner eigenen Erfahrungen. Wie ist er mit Zweifeln umgegangen? Was hat ihm geholfen, zum Glauben zurückzufinden?

Abschluss

mit dem Segenszuspruch aus 4. Mose 6,24-26 (dem Aaronitischen Segen).

  • Autor / Autorin: Hans Ulrich Dobler
  • © Deutscher EC-Verband