Freiheit im Alltag?

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auferlegen. (Gal 5,1)

Der Tag beginnt, der Wecker klingelt, die To do-Liste wartet. Schnell rutschen wir hinein in den Modus des Tages: etwas leisten, funktionieren, eigene oder fremde Erwartungen erfüllen – im Job, in der Familie, vielleicht sogar im Glauben. Freiheit fühlt sich da oft weit weg an.

Für unseren Alltag weist Paulus uns in diesem Vers auf etwas Entscheidendes hin: Du bist frei – durch Christus. Nicht, weil du alles im Griff hast oder stark genug bist. Sondern weil er dich befreit hat. Jesus hat uns durch seine Liebe aus dem herausgeholt, was uns gefangen hält und klein macht.

Er befreit uns von dem Zwang, sich beweisen zu müssen. Von dem Druck, perfekt zu sein. Von Gedanken wie: „Ich bin nicht genug.“

Diese Freiheit ist nicht theoretisch. Sie entfaltet ihre Wirkung in unserem Alltag und in den Herausforderungen, die sich so stellen. Wenn du also denkst, du musst mehr tun, um gut dazustehen, wenn Schuldgefühle dich festhalten oder wenn du meinst, du solltest stärker glauben, dann erinnere dich: Jesus ist für dich! Du bist angenommen und geliebt, mit allem, was dich ausmacht. Du darfst frei, aufrecht und mutig leben.

„Zur Freiheit befreit“ heißt nicht, dass alles einfach läuft. Doch es ermutigt uns, uns darin zu üben, dieser Freiheit mehr Platz in uns und in unserem Leben zu geben: nichts leisten zu müssen, um wertvoll zu sein. Fehler machen zu dürfen. Anderen Menschen aus dieser Freiheit heraus zu begegnen – vielleicht geduldiger, liebevoller oder freier. Freiheit wächst, wenn wir Gottes Stimme lauter werden lassen als die anderen Stimmen in und um uns.

Nimm dir ein paar Minuten Zeit. Erinnere dich daran, wer du in Jesus Christus bist.

Gebet: Jesus, danke, dass du mich frei machst. Hilf mir, dies im Alltag nicht zu vergessen. Zeig mir, wo ich mich immer wieder einsperren lasse. Und hilf mir, heute aufrecht und mutig zu leben. Amen.

Der HERR wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Schwerter zu Pflugscharen umschieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg. (Jes 2,4 E)

Was ist heute deine Vision? Jetzt, in Zeiten, wo das Licht schwindet? Stellst du eine Kerze in dein Schaufenster und zeigst, was dir wichtig ist? Wo steht dein Glaube heute?

Jesaja hat eine kraftvolle Vision Gottes für unsere Zukunft. Eine, die uns Hoffnung und eine tiefere Einsicht in Gottes Plan für uns Menschen gibt. In einer Welt, die oft von Konflikten, Gewalt und Ungerechtigkeit geprägt ist, erinnert uns Jesaja daran, dass Gott einen anderen Weg für uns vorgesehen hat. Es ist der Gott des Friedens, der uns aufruft, die Waffen des Krieges abzulegen und stattdessen Werkzeuge des Lebens und des Wachstums zu schaffen.

Die Metapher von Schwertern zu Pflugscharen ist besonders eindrücklich. Sie zeigt, dass der Frieden nicht nur das Fehlen von Krieg ist, sondern Schaffung von Bedingungen, die das Leben fördern. Wenn wir unsere Konflikte in Dialog und Verständnis umwandeln, tragen wir zur Verwirklichung dieser Vision bei. Wir sind eingeladen, in unseren eigenen Beziehungen und Gemeinschaften Frieden zu stiften, anstatt uns in Streitigkeiten zu verlieren.

Gerade heute, wo wir mit Spannungen und Konflikten konfrontiert sind, erinnern wir uns an die Verheißung: Wir sind berufen, Botschafterinnen und Botschafter des Friedens zu sein. Das bedeutet, dass wir nicht nur für unseren eigenen Frieden sorgen, sondern auch aktiv für den Frieden eintreten.

Gebet: Gott, gib uns die Kraft, Frieden zu stiften. Hilf uns, die Vision von Jesaja in unserem Leben und in der Welt umzusetzen. Mach uns bereit, dass wir die Werkzeuge des Lebens in die Hand nehmen und gemeinsam an einer Zukunft arbeiten, in der Frieden und Gerechtigkeit herrschen. Damit dein Wille auf unserer Erde sichtbar wird. Amen.

Kuh und Bärin werden zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. (Jes 11,7 L)

„Stellt euch vor, ihr befindet euch im Jahr 2030. In eurer Jugendarbeit hat sich alles erfüllt, was ihr euch erträumt habt!“ So beschreiben wir Szenarien in unseren Lernenden Gemeinschaften.

In dieser Phase begeben sich die Teilnehmenden in die „Futur II“, die vollendete Zukunft. Sie werden ermutigt, über den eigenen Horizont hinaus zu denken und sich eine wundervolle Zukunft vorzustellen. Es ist die Einladung, sich in Gottes Zeitzone hineinnehmen zu lassen. Diese setzt die Vollendung bereits voraus: Es wird gut ausgegangen sein! Das setzt Mut und Kraft frei für Veränderungsprozesse. Es entstehen verheißungsvolle Bilder von einer kraftvollen Jugendarbeit, in der junge Menschen in eine lebendige Beziehung zu Jesus finden und aus dieser heraus ihr Leben gestalten.

„Stellt euch vor, ihr seid Teil der neuen Schöpfung, wo Kuh und Bärin zusammen weiden, ihre Jungen beieinanderliegen.“ Die Worte in Jesaja 11 sind Futur II-Worte. Sie malen ein Bild der neuen Schöpfung, in der Frieden herrscht, Gerechtigkeit für alle Völker und sogar die ganze Schöpfung mit sich versöhnt ist. Statt „fressen und gefressen werden“ ist es ein friedvolles und heilvolles Miteinander aller Kreaturen. Dieser umfassende Frieden ist mehr als ein frommer Wunsch. Es ist Schalom, Gottes Wirklichkeit.

Mit der Geburt von Jesus dem Heiland hat diese Wirklichkeit in unserer Welt Einzug gehalten – so unwirklich es uns erscheint angesichts von Aufrüstung, Kriegen und zunehmendem Hass im kleinen wie im großen Weltgeschehen. Mit dem Glauben an Jesus zieht sein Schalom in unser Herz ein und breitet sich von dort aus in unser Leben und unsere Umgebung. Dieser Friede lässt uns über den eigenen Horizont hinausdenken und aktiv für ein gerechtes Miteinander einsetzen.

Gebet: Betet, dass Gottes Wirklichkeit sichtbar und erfahrbar wird in eurem Leben und eurer Jugendarbeit!

Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie eine nie versiegender Bach. (Am 5,24 L)

„We will not be satisfied until justice rolls down like waters and righteousness like a mighty stream.“ Mit diesen Worten erhob Martin Luther King Jr. seine Stimme vor Hunderttausenden auf den Stufen des Lincoln Memorials in seiner Rede „I have a dream“. Es war nicht nur eine politische Rede, sondern ein prophetischer Ruf – tief verwurzelt in der Heiligen Schrift zitiert er Amos 5,24.

Der Prophet Amos wurde von Gott berufen, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Er kritisierte ein Volk, das prachtvolle Gottesdienste feierte und zugleich Ungerechtigkeit duldete. Er sprach gegen ein System, das Äußerlichkeit vor Echtheit stellte – Religion ohne Rückgrat, Frömmigkeit ohne Gerechtigkeit.

Martin Luther King Jr. nahm diese Worte auf. In einer Zeit, in der Menschen wegen ihrer Hautfarbe benachteiligt wurden, in der Gewalt, Armut und Ausgrenzung herrschten, sagte er, dass Gottes Gerechtigkeit sich nicht durch schöne Worte ersetzen lässt.

Mit Blick auf unsere Welt sollten diese Rede und das Bibelwort geradezu hinausgeschrien werden. Wo das Recht oft eine Frage der Herkunft, des Geldbeutels oder des Passes ist. Wo Antisemitismus, Rassismus, Sexismus und rechte Gewalt wieder laut werden. Und wir sind mittendrin.

Das Bild von Wasser und Bach gefällt mir. Das Eintreten für die Rechte aller soll fließen, nicht tröpfeln. Der Strom der Gerechtigkeit soll nie versiegen, sondern soll uns dauerhaft durchströmen. Wir müssen eine innere Haltung der Treue, Barmherzigkeit und Verantwortung für andere entwickeln. Für Amos und Martin Luther King Jr. ist eine Gesellschaft, die sich christlich nennt und zugleich Rassentrennung, Armut und Ungleichheit duldet, nicht gottgefällig. Für sie ist Glaube und Gerechtigkeit untrennbar verbunden. Damit sind auch wir heute gefragt.

Amos hatte eine Vision.
Martin Luther King Jr. hatte einen Traum.
Wir haben einen Auftrag.

Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. (Joh 10,10 E)

Es ist Sommer. Ich sitze im Garten und freue mich über die bunten Blumen, die leckeren Himbeeren, die süßen Weintrauben, den Geruch der grünen Wiese und den wohltuenden Schatten der Hecken. Dieser Genuss kommt nicht von ungefähr. Mehrmals die Woche fülle ich frühmorgens meine grüne Gießkanne und versorge die Pflanzen mit Wasser. Damit sie Leben haben in Fülle. Volle Kanne.

So ist das auch mit unserem Leben. Wir sehnen uns nach Leben in Fülle. Was gehört für dich zu einem erfüllten Leben dazu? Freude, Gesundheit, Beziehungen, Zuversicht, innerer und äußerer Friede, bleibende Erlebnisse und Erinnerungen?

Wie bekommen wir erfülltes Leben?
Jesus Christus macht uns ein Angebot:

ER füllt – Jesus Christus selbst ist das Leben. Am Kreuz hat er sich an uns verschenkt und an Ostern den Tod besiegt. Damit wir Leben haben – jetzt und für immer. An Jesus allein hängt alles. In unserem Leben und in der Jugendarbeit. Jesus, wir sehen auf dich.

Er FÜLLT – Jesus Christus will uns beleben. Er gibt großzügig, schenkt volle Kanne ein. Er schenkt im Überfluss, mehr als wir brauchen. Jesus will unser Leben füllen mit seiner Gegenwart, sodass es aufblüht und Früchte bringt. Dazu sollten wir hören, was er zu sagen hat. Die Bibel lesen. Mit Jesus im Gebet reden. Jesus, wir hören auf dich

ERFÜLLT von Gottes Geist dürfen wir fröhlich durchs Leben gehen, getragen und getröstet auch in herausfordernden Zeiten. Wir dürfen vom Überfluss weiterschenken, damit noch mehr Menschen Jesus kennenlernen und erfülltes Leben genießen dürfen. Wir dürfen begründet hoffen, weil Jesus wiederkommen wird. Jesus, wir warten auf dich.

Ein Haschen nach dem Wind ist aussichtslos, Luft kann man nicht festhalten. (Koh 4,6L)

Wie war dein Sommer? Ferien sind ein willkommener Ausgleich, Zeit für Erholung und Ruhe. Alltag ist oft stressig, alle Hände voll zu tun. „Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind“ (Koh 4,6).

Ein Haschen nach dem Wind ist aussichtslos, Luft kann man nicht festhalten. Ein Rat wie ein Bild: Eine offene Hand, in der die Ruhe sich ausruht, und zwei Fäuste, die verkrampft etwas festhalten. Wenn mindestens eine Hand offen wäre, könnte sie etwas empfangen, sich für Neues öffnen. Das wäre eine Balance.

In Schweden heißt das „lagom “ und bedeutet „genau richtig “. Arbeit ist wichtig, um Ziele zu erreichen. Doch zu viel Arbeit führt zu Stress und Burnout. Ruhe ist nötig, um neue Energie zu tanken. Doch zu viel Ruhe kann träge und faul machen.

Gutes Leben braucht Balance; wie bei einer Waage: Arbeit, Stress und Anspannung auf der einen Seite, Ruhe und Entspannung auf der anderen. Ist sie bei dir im Gleichgewicht?

Nimm dir einen Moment Zeit und überlege: Woran möchtest du festhalten, was willst du nicht abgeben an Dingen, die du gern machst? Notiere es auf einen Zettel, falte ihn, bis er in deine Hand passt. Schließe die Hand zur Faust. Nun öffne die andere Hand und strecke sie mit der Handfläche nach oben aus. Deine Hand ist geöffnet, offen für Neues. Sie hält nichts fest, sie ist locker und unverkrampft, wie eine Schale. Sie kann empfangen, was du nicht machen musst. Du bist empfangsbereit für Gottes Segen.

Gebet: Guter Gott, segne uns mit Ruhe, die uns guttut. Schenke uns Weisheit, eine Balance zwischen Arbeit und Ruhe zu finden, lass uns lagom leben, damit wir weder zu viel noch zu wenig tun. Du weißt, was genau richtig ist für uns. Schenke uns, was wir brauchen. Gib uns Mut, Kraft und die Fähigkeit, inmitten der Hektik des Lebens Momente der Besinnung und
Ruhe zu finden. Segne uns, Gott – unser Tun und unser Lassen. Amen

Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. (Joh 20,29 L)

Wahrscheinlich hat Thomas nie einen Persönlichkeitstest gemacht. Seine wenigen Äußerungen lassen jedoch ahnen, dass er starke Anteile eines Distanz- und Dauermenschen hatte. Zurückhaltend-kritisch, mit leicht depressiv-resignativen Zügen. Jesus hat ihn berufen und bis zum Schluss um sein Vertrauen geworben.


Als Jesus mit seinen Jüngern nach Bethanien aufbricht und ihnen sagt, dass sein Freund Lazarus gestorben ist, will Thomas gleich mit ihm sterben (Joh 11,16). Die Totenerweckung bleibt bei ihm ohne Wirkung. Kurz danach redet Jesus davon, dass sein Tod der Bereitung einer ewigen Heimat für sie alle dienen wird. Er geht davon aus, dass die Jünger wenigstens diesen Part seiner Predigten begriffen haben. Weit gefehlt. Thomas kommentiert: „Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen“ (Joh 14,5)?


Thomas fehlt, als Jesus sich nach seiner Auferstehung seinen Jüngern offenbart. Ihr Zeugnis „Wir haben den Herrn gesehen“ prallt an ihm ab. Er stellt Bedingungen: „Wenn ich nicht …“. Eine Woche mutet er sich den anderen als Zweifler zu. Sie werden täglich mit den Augen gerollt haben. Dann kommt Jesus erneut zu ihnen und geht auf seine Bedingungen ein. Endlich kommt der Durchbruch: „Mein Herr und mein Gott!“ Jesu Frage muss er hinnehmen:


„Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du?“ Damit erinnert er seinen liebenswerten Zweifler an die vielen Zeichen und Wunder, die sie miteinander verbinden. Die Begegnung endet mit einer Seligpreisung: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“


Im Umgang Jesu mit seinem Jünger zeigen sich seine Geduld und sein Langmut, mit denen er unsere Glaubenswege begleitet. Er hält uns aus, unsere Zweifel, Widersprüche, Forderungen, unseren Unglauben. Dann preist er die Augenblicke selig, wenn sich der Nebel lichtet, wir ihn mit den inneren Augen als den Messias erkennen und neu ins Herz schließen.

Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele (Hebr 6,19 L)

Aufgrund des um ein bis zwei Meter niedrigeren Meeresspiegels im Mittelmeer und den oft vorherrschenden Westwinden kommt man in der Straße von Gibraltar nur gegen den Strom in den Atlantik. Die andauernde Sonneneinstrahlung im Mittelmeer führt dort zu einer stärkeren Salzkonzentration. Das salzhaltigere Wasser sinkt und fließt nah am Meeresgrund als Gegenströmung in den Ozean.

In der Antike konnten die Segler die Meerenge nach Westen nur mit Hilfe eines Treibankers durchqueren. Der trichterförmige Segeltuchsack wurde in die Tiefe des Meeres ausgeworfen. Mit der starken Gegenströmung dort verankert wurde das Schiff allen physikalischen Kräften an der Meeresoberfläche zum Trotz in den Atlantik gezogen.

Ob der unbekannte Verfasser des Hebräerbriefs, wenn er vom Festhalten an der Verheißung schreibt, an einen „klassischen“ Anker dachte oder einen Treibanker vor Augen hatte, bleibt offen. Aber er bezeugt: Beständige Hoffnung gibt es nur, wenn sie uns mit dem Allerheiligsten verbindet. Er verknüpft ewige
Hoffnung mit einer Person: Jesus Christus. Durch sein Sterben für uns am Kreuz von Golgatha hat er die tiefste Tiefe durchlitten. Und er hat damit die Grundlage für eine überlebensnotwendige Gegenströmung vom Tod ins Leben gelegt.

Seit der Auferstehung von Jesus gibt es eine begründete Hoffnung: der menschlich nicht zu überwindende Tod am Ende unseres Lebens führt mit Jesus in der Tiefe verankert unsere Seele in eine unendliche Weite und eine ewige Zukunft.

Dieser Rettungsanker gibt mir Mut und Orientierung für die kleineren und größeren Stürme meines Lebens. Es lohnt sich, sich auch in alltäglichen Fragen mit Jesus zu verankern. Ich möchte seine Gedanken zu meinen Gedanken machen. In hoffnungs-losen Situationen keimt dann neue Hoffnung. Ich erlebe Jesus als sicheren und festen Anker, der mich mit ihm verbunden hoffnungsvoll bewegt.

Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib. (Hebr, 13,3 E)

Die Nonnen Valentina und Tatjana aus dem rumänischen Kloster Piatra Fontanele sind einmal im Monat im Frauengefängnis in Cluj verabredet. Die Fahrt dorthin dauert drei bis vier Stunden und sie besuchen die 72-jährige Liana. Im Gepäck haben sie Hygieneartikel, frisches Obst, Lebensmittel und Kleidung, alles nach Vorschrift abgewogen und verpackt. Diese zweistündigen Treffen im Gefängnis sind den Nonnen wichtig und Liana weiß, sie ist nicht vergessen, sie wird liebevoll und freundschaftlich umsorgt.

Der Monatsspruch fordert uns auf, an diejenigen zu denken, die in Not sind. Zum Beispiel Menschen, die in Bedrängnis geraten sind durch ungerechte Arbeitspolitik, eigenes Fehlverhalten, zwischenmenschliche Konflikte oder gesellschaftliche Missstände. Der Bibelvers erinnert uns an die, die im Schatten der Gesellschaft stehen und oftmals übersehen werden. Die Bibel ruft uns dazu auf, in der Liebe Gottes und durch Gebet über den eigenen Tellerrand hinauszublicken.

Das bedeutet konkret, diesen Menschen beizustehen und für sie einzutreten, sie zu trösten und aktiv nach Lösungen zu suchen. Wir sind dazu aufgerufen, die Not der anderen zu spüren, als wäre sie unsere eigene.

Die Nonnen besuchen Menschen in Gefängnissen, empfangen Gefangene bei sich im Gottesdienst und laden diese anschließend zum gemeinsamen Essen an den reich gedeckten und liebevoll dekorierten Tisch im Kloster ein. Es ist ihr Herzensanliegen, dass wir gemeinsam Licht in das Dunkel des Leids bringen.

Gebet: Gott, du siehst das Leiden der Menschen, die in Gefangenschaft und Misshandlung leben. Hilf uns, diese Menschen nicht zu vergessen, sondern uns um sie zu kümmern. Schenke uns ein mitfühlendes Herz, das nicht nur aus der Ferne mitleidet, sondern auch bereit ist, zu handeln. Stärke uns, damit wir der Hoffnung und der Gerechtigkeit ein Zeichen in der Welt setzen. Amen.

Da weinte Jesus. (Joh 11,35 E)

Es war eine unendliche Traurigkeit im Herzen Jesu. Schmerz, Leere und dann die Tränen. Jesus heulte Rotz und Wasser! Er schämte sich nicht dafür. Hier, am Grab seines Freundes Lazarus, neben Maria und Martha, war Jesus einfach nur todtraurig.


Abschiede tun weh. Die Beziehung, um die wir vergeblich gerungen haben. Der geliebte Mensch, der nie mehr durch die Tür kommen wird. Jeder Verlust, von dem wir hören, lässt uns fürchten, wen wir noch verlieren können. Der Tod scheidet. Und dann ist nichts mehr, wie es war. Da fehlt, mit wem man alles besprechen konnte.


Und so stehen sie da, die traurigen Schwestern Maria und Martha und Jesus. Sie weinen und reden. Sie sprechen über das, was noch zu hoffen ist. Martha scheint weiterzugeben, was sie von den vielen Jüdinnen und Juden, die bei der Trauerfeier ebenfalls anwesend sind, gehört hat. „Unser Lazarus wird wieder leben, am jüngsten Tag wird er vom Tod auferweckt.“


Was wird Jesus dazu sagen? Lobt er das Wissen von Martha? Er sagt etwas Ungeheuerliches, etwas, das die, die dabei waren, niemals vergessen haben und so hören wir es bis heute: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.”


Jesus erzählt nicht von einem Leben nach dem Tod. Er sagt: Ich selbst, Jesus, bin das Leben und die Auferstehung. Wer sich mir anvertraut, bekommt daran Anteil: an Leben und Auferstehung. An der oder dem beißt sich der Tod die Zähne aus. Sie gehen zwar auch durch das bittere Sterben, aber nicht vom Leben in den Tod, sondern vom Leben ins Leben. Damit es nicht bei Worten bleibt, spricht Jesus zu dem toten Lazarus: „Komm heraus!“ Lazarus kommt aus dem Grab.


Wenn ein Toter zu neuem Leben erweckt wird, dann bricht Gottes neue Welt an. Die dabei stehen, erfasst fassungsloses Staunen. Jesus gibt ein starkes Zeichen, wie es nur dem Sohn Gottes möglich ist. Sein Trost erschöpft sich nicht in Worten. Sein Trösten ist ein Tun.

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