Wie kann die erste Begegnung mit Jesus aussehen?

Überlegungen und Hilfen zur methodischen Gestaltung einer ersten Begegnung mit Jesus

Warum sollen Jugendliche überhaupt öffentlich auf die Einladung zum Glauben reagieren?

Jugendliche zeigen gern, was ihnen wichtig ist. Sicher ist es in unserer schnelllebigen Zeit schwierig, Entscheidungen zu treffen, die ein ganzes Leben betreffen. Dennoch wollen wir Jugendliche dazu ermutigen. Was daraus wird, liegt in Gottes Hand. Aus folgenden Gründen ermutigen wir Jugendliche zu einer konkreten Reaktion:

1. Das öffentliche Bekenntnis entspricht dem Wesen des christlichen Glaubens

In unserer Gesellschaft wird Religion häufig als Privatsache angesehen. Doch das Evangelium zeigt: Die Nachfolge Jesu ist immer auch eine soziale und damit öffentliche Angelegenheit. Es gehört nicht nur in den persönlichen Bereich und ist erst recht keine Privatsache.

2. Das öffentliche Bekenntnis hilft zur Gemeinschaft

Der Glaube an Jesus ist immer Gemeinschaftssache. Wer Jesus nachfolgt, braucht dazu die Gemeinschaft mit anderen Glaubenden. Eine wahrnehmbare Reaktion auf die Einladung zu Jesus hilft, Menschen zu begleiten und ihnen in der Gemeinde geistliche Heimat zu geben.

3. Was passiert beim öffentlichen Aufruf?

In der Verkündigung laden wir ausdrücklich dazu ein, das Gebet als einen Beginn der Beziehung mit Gott zu verstehen. Bei Jugendwochen erleben wir, dass etwa ein Drittel derer, die nach vorne kommen, diesen Schritt als einen Beginn des Glaubens an Jesus verstehen. Ein zweites Drittel sieht darin eine Erneuerung des Glaubens. Das dritte Drittel kommt, um konkrete Lebensfragen anzusprechen oder auch, um einfach für sich beten zu lassen.

Möglichkeiten, wie die erste Begegnung mit Jesus gestaltet werden kann

Es gibt viele Möglichkeiten, wie eine erste Begegnung mit Jesus aussehen kann. Natürlich ist es zuerst eine Sache des Herzens. Ein Jugendlicher kann die Beziehung mit Jesus ganz unspektakulär mit einem einfachen Gebet in seinem Herzen beginnen. Aber vielleicht hilft auch eine der folgenden konkreten Gestaltungsmöglichkeiten.

1. Die Einladung zum Kreuz

Die Einladung zum Treffpunkt Kreuz ist eine hilfreiche Möglichkeit, Menschen zu helfen, aus der Masse herauszutreten, und ihr Ja zu Jesus Christus öffentlich und fröhlich zu bekennen. Das Kreuz ist und bleibt das Markenzeichen von Jesus. Gerade auch für junge Menschen, die bereits in christlichen Kreisen unterwegs sind, kann diese Form eine hilfreiche Möglichkeit sein, um für sich Klarheit im Blick auf Jesus zu schaffen. Viele Menschen sind in christlichen Kreisen unterwegs, ohne jemals eine Beziehung zu Jesus zu beginnen. Diese Form kann eine geeignete Möglichkeit sein, um das zu ändern. Dabei hilft ein Kreuz, das irgendwo im Raum positioniert ist und an dem sich Jugendliche gemeinsam mit Mitarbeitern zu einem ersten Gebet treffen.

2. Sich an Jesus festmachen

Jugendliche können einen Wollfaden an ein Kreuz binden und sich so symbolisch an Jesus festmachen. Besonders eindrücklich ist es, wenn diese Wollfäden noch eine Zeit lang am Kreuz bleiben und verdeutlichen, dass Jugendliche mit Jesus begonnen haben.

3. Symbolische Handlungen

Symbolische Handlungen sind bei Jugendlichen beliebt und helfen eine erste Begegnung mit Jesus zu gestalten. Vielleicht ist es der Stein, den ich ans Kreuz legen kann, um sinnbildlich meine Schuld bei Jesus abzugeben. Vielleicht ist es das kleine Herz, das ich in Empfang nehme und das mir deutlich macht: Ich bin von Gott unendlich geliebt. Auch die Schatzkiste am Kreuz, aus der ich einen goldenen Stein nehmen kann, hilft, um deutlich zu machen: Ich habe Jesus als Schatz für mein Leben entdeckt. Vielleicht ist es auch der Briefkasten am Kreuz, in den ich einen kleinen ersten Brief an Jesus schreibe. Auch die Kerze, die ich am Kreuz anzünde, kann Symbol dafür sein, dass mir ein Licht aufgegangen ist und ich Jesus entdeckt habe.

Hier gibt es viele kreative Möglichkeiten. Wichtig ist, dass das Ziel vor Augen bleibt: Wir wollen Jugendlichen helfen, diese erste Begegnung mit Jesus zu gestalten. Die Aktion an sich muss dieser Sache dienen.

4. Der persönliche Segenszuspruch

Ein persönlicher Segenszuspruch kann die erste Begegnung mit Jesus zu einem besonderen Ereignis machen. Durch Handauflegung oder ein Salbkreuz in die Hand oder auf die Stirn des Jugendlichen kann deutlich werden: Du gehörst zu Jesus.

1. Das Bibel Projekt

„Das Bibel Projekt“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die biblischen Erzählungen und Themen in kurzen, kreativen Videos anschaulich zu vermitteln.

Diese Videos helfen dir, den Aufbau eines biblischen Buches oder ein biblisches Thema besser zu verstehen und anderen weiterzugeben. Die kurzen Videos sind besonders für junge Menschen hilfreich, um die komplexen Zusammenhänge der biblischen Erzählungen zu verstehen. Die Videos können aber auch in Gottesdiensten, Jungschar- und Teenkreisen, im biblischen Unterricht oder in vielen anderen Kontexten verwendet werden. Mir helfen sie persönlich in der Vorbereitung einer Bibelarbeit, um schnell und unterhaltsam große Zusammenhänge zu verstehen. Aktuell gibt es die fünf Bücher Mose und die vier Evangelien als Serie. In Zukunft sollen weitere Videos folgen.

http://www.dasbibelprojekt.de

2. Stay on fire

Du kennst keine christlichen YouTuber? Dann solltest du dir mal Thaddäus Schindler von „Stay on fire“ reinziehen. Ein unglaublich flippiger und begeisternder Typ, der mit kurzen Motivationsclips Evangelium auf den Punkt bringt. Seine Videos finden immer mehr Follower und seine Themen reichen von Alltagsthemen wie Angst und Reichtum bis hin zu Gottes Versöhnung durch Jesus am Kreuz. Die Machart der Videos ist professionell und passt super in die Teen- und Jugendarbeit. Für Leitende ist der Blog gut, denn dort kommen auch andere Autoren zu Wort und schreiben über Veränderung, Scheitern und Gemeinde. Mich persönlich begeistern seine Videos, seine kurzen Erklärungen und es sind auch Clips, die ich gern mit meinen Jungen Erwachsenen und Mitarbeitern teile.

Youtube: Stay on fire

3. Bibelentdeckungen.de

Der Geheimtipp für guten und unterhaltsamen Input zur Welt der Bibel. Guido Baltes, Dozent am Marburger Bibelseminar, reist nach Israel und filmt historische Orte und Schauplätze biblischer Geschichten. Die Videos sind nicht professionell, aber durch Selfiestick, Sonnenbrille und 3-Tage Bart nimmt dich Guido mit in eine interessante Zeitreise. Die Videos erklären viel Kontext, zeigen, wie es heute dort aussieht und Guido hat immer auch ein FunFact dabei, den ich so noch nie gehört habe. Außerdem verlinkt er zu interessanten Büchern und Veröffentlichungen. Auch einige seiner Vorträge und Texte findest du auf diesem Blog. Was für mich besonders interessant ist, sind die historischen Texte aus der Zeit Jesu. Für alle historisch Interessierten und Hobby-Archäologen eine tolle Seite.

http://www.dasbibelprojekt.de

4. The Bible Tool

Das ultimative Hilfsmittel für alle sprachbegeisterten Bibelforscher. Das „Bible Tool“ zeigt dir die parallele Darstellung der Bibeltexte von Englisch, Hebräisch und Griechisch. Vielleicht nicht für den kurzen Einstieg in eine Jungscharandacht geeignet, aber zur Vorbereitung von sprachlichen Nuancen einer Bibelarbeit. Du findest dieses mächtige Werkzeug unter

www.crosswire.org/study/parallelstudy.jsp

5. Bibelwissenschaft.de

Das Nachschlagewerk, das weltweit Maßstäbe in Sachen Qualität und Wissenschaftlichkeit setzt. Die wissenschaftlichen Textausgaben vom wissenschaftlichen Bibellexikon (WiBiLex) zählen zu den international anerkannten Standardwerken. Es ist fundiert und wird regelmäßig mit den neuesten Erkenntnissen der Bibelwissenschaft aktualisiert. Das Beste daran: Diese hochqualitativen Texte gibt es kostenlos. Es entsteht als Projekt der Bibelgesellschaft, um ein umfangreiches wissenschaftliches Lexikon zur gesamten Bibel zusammenzustellen. Aktuell sind über 1700 Artikel, vor allem zum Alten Testament, eingestellt. Bei seiner Fertigstellung wird das Lexikon über 3000 Artikel zum Alten und Neuen Testament umfassen. Die Stichwortsuche und der Themenkatalog führen dich zu deinem gewünschten Text voller Hintergrundinfos aus mehreren Hundert Jahren der Bibelforschung. Ich nutze das WiBiLex gern zu Predigtvorbereitungen oder Bibelarbeiten, wo ich historischen Kontext, Lebensumstände und Denkweisen der Menschen der Bibel nacherzählen will. Und es ist mal was anderes als ständig Wikipedia zu fragen.

http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/

Das winterliche Turnier im Wüstenstaat erhitzt die Gemüter bereits jetzt. Während Christinnen und Christen hierzulande in der Adventszeit der Feier der Geburt Jesu Christi entgegenfiebern, werden die weltbesten Fußballer ab dem 20. November unter sengender Sonne um die Krone ihrer Sportart ringen. Das Endspiel im Emirat am Persischen Golf wird pünktlich am 4. Advent ausgetragen. Hinzu kommen Menschenrechtsverletzungen im autoritären Königreich, fragwürdige Arbeitsbedingungen und weltweite Boykottforderungen. Das alles stellt die kirchliche Arbeit im Advent 2022 vor besondere Herausforderungen.

Anti-Turnier und Fußball auf der Kanzel

Die evangelische Kirche hat deshalb jetzt spezielle Hilfsmaterialien für Kirchengemeinden herausgegeben. Unter der Überschrift „Macht hoch die Tür, die Tooor macht weit“ gibt ein Arbeitsheft auf 36 Seiten Tipps für einen konstruktiv-kritischen Umgang mit der umstrittenen WM. Die Broschüre mit dem Titel in Anlehnung an das bekannte Adventslied enthält Anregungen für Gottesdienste an den vier Adventssonntagen im Schatten der WM und Aktionsvorschläge für die Gemeindearbeit. Warum nicht mit lokalen Vereinen ein „Anti-Turnier“ organisieren oder Fußballerinnen und Fußballer zur Predigt auf die Kanzel bitten?

Gastbeitrag von DFB-Präsident Neuendorf

Ergänzt wird das Heft durch Gastbeiträge unter anderem von DFB-Präsident Bernd Neuendorf, ZDF-Sportmoderatorin Claudia Neumann oder Hessen-Nassaus Kirchenpräsident Volker Jung sowie dem EKD-Sportbeauftragten und rheinischen Präses Thorsten Latzel. Zudem gibt es auch Impulse rund um das jüdische Lichterfest Chanukka, auf das die WM ebenfalls fällt. Das Heft will dabei keine endgültigen ethischen Antworten und Lösungen rund um die WM in Katar präsentieren, sondern die Licht- und Schattenseiten des Turniers beleuchten und vor allem zu einem praxisorientierten Umgang vor Ort ermutigen.

Tipps als Gemeinschaftsproduktion

Gedacht ist die Broschüre vornehmlich für das Gemeindeleben vor Ort, für Gottesdienste, die Arbeit mit Jugendlichen und Gesprächskreise. Entwickelt und herausgegeben haben das Heft der Evangelische Bund und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Kirche und Sport sowie der Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung „midi“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). 

1. Erklärung zum Text

Auf den Weg von Galiläa nach Jerusalem erzählte Jesus zahlreiche Gleichnisse, unter anderem auch das Gleichnis über den verlorenen Sohn. Unser Gleichnis wird mit zwei anderen Gleichnissen in Kapitel 15 verpackt. Die ersten beiden Gleichnisse sollen uns zeigen, wie sehr sich Gott darüber freut, wenn ein schuldbeladener Mensch zu ihm zurückkehrt (siehe Verse 7 und 10). Ebenso geht es auch im dritten Gleichnis um die große Freude des Vaters über die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Doch diesmal handelt es sich beim Verlorenen nicht um einen Gegenstand, sondern um einen Menschen. Das dritte Gleichnis wirft nochmal ein anderes Licht auf die große Liebe Gottes zu den Verlorenen. Um die Situation zu verstehen, beginnen wir mit den Versen 1 und 2. Jesus ist dafür bekannt, dass er keine Berührungsängste mit Zolleinnehmer oder Sünder hat. Es handelt sich hier aus jüdischer perspektive, um verachtete Bevölkerungsgruppen mit denen er sich abgibt. Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, weil sie ein lasterhaftes Leben führen. Sie waren in den Augen der Juden Gesetzeslose, mit denen man keinen Kontakt wollte. Aber Jesus war nicht nur von den sogenannten Sündern umgeben, sondern auch von den Pharisäern. Das waren Schriftgehlehrte, die die Tora in und auswendig kannten und denen die Gesetze sehr wichtig waren. Die gesetzesliebenden Pharisäer können die Sünder daher nicht ausstehen und verstehen nicht, warum Jesus sich mit ihnen beschäftigt. Und da beginnt Jesus mit seinen 3 Gleichnissen.

Im Gleichnis über den verlorenen Sohn gibt es 3 Hauptfiguren: der Vater, der jüngere Sohn und der ältere Sohn.

Der jüngere Sohn verlangt zu Beginn des Gleichnisses seinen Erbteil vom Vater und entscheidet sich, sein Zuhause zu verlassen (V.11-12). Diese Entscheidung, sich vom Vater abzuwenden, führt zu schwerwiegenden Konsequenzen. Von seinem Erbe bleibt schließlich nichts mehr übrig (V.13-15). Er sinkt tiefer und tiefer, bis er hungernotleidend über seine Fehler nachzudenken beginnt. Er bereut, was er getan hat und würde es gerne rückgängig machen. Doch er erkennt, dass er es nicht mehr vollständig rückgängig machen kann und kehrt demütig zum Vater zurück (V.16-20).

Der Vater handelt durchgehend barmherzig, liebevoll und geduldig. Und das sieht man im Gleichnis, wie er dem jüngeren verlorenen Sohn entgegenläuft und ihn herzlich umarmt (V.20). Bevor der jüngere Sohn irgendetwas sagen kann, wird er mit Liebe überhäuft. Ohne Tadel, ohne Wenn und Aber begegnet der Vater dem Sohn. Seine Freude über die Rückkehr ist größer als jeder Groll.

Der ältere Sohn taucht erst später im Gleichnis auf. Er fühlte sich ungerecht behandelt. Er war schließlich der, der den Regeln des Vaters gefolgt ist, nicht sein Bruder. Er war der, der nicht abgehauen ist oder sein ganzes Geld verprasst hat. Eigentlich sollte ihm eine solche Party gebühren (V.25-31).

Der Vater begegnet dem älteren Sohn ebenso liebevoll und barmherzig wie dem jüngeren Sohn. Er lädt ihn ein, sich für seinen Bruder zu freuen (V.31-32).

Springen wir nochmal zurück zu Vers 2. Dort beschweren sich die Pharisäer, dass Jesus sich mit den Sündern abgibt. Und daraufhin erzählt Jesus das Gleichnis vom verlorenen Sohn, wo beide, Pharisäer und Gesetzlose, in einer verschlüsselten Botschaft vorkommen. Der jüngere Sohn soll ein Bild für die Gesetzlosen sein. Der ältere Sohn ist das Bild für die Pharisäer. Beide Söhne wenden sich vom Vater ab, nur auf unterschiedliche Arten und Weisen. Der eine wendet sich vom Vater ab, indem er ein zügelloses Leben führt. Der andere wendet sich ebenso vom Vater ab, indem er die Einhaltung der Gebote über die Liebe stellt. Beide blicken weg vom Vater. Der eine blickt auf sein scheinbar erschwingliches freies Leben (wie die Gesetzeslosen) und der andere klammert sich an die scheinbar freimachenden Gebote (wie die Pharisäer). Doch in Wirklichkeit machen beide Wege nicht frei und tragen schwerwiegende Folgen mit sich. Beide, der Gesetzeslose und der Pharisäer, stehen am Ende als Sünder da. Beide haben ihren Fokus verloren.  Die dritte Hauptfigur des Gleichnisses ist der Vater. Immer wenn von ihm die Rede ist, tritt er als versöhnender liebender Vater auf. Ein Vater, der nicht zuerst an Tadel denkt, wenn sein Sohn etwas falsch gemacht hat. Nein, er ist ein Vater, der seine Söhne überhäuft mit Liebe und Barmherzigkeit. Ohne Wenn und Aber. Er begegnet dem älteren und dem jüngeren Sohn liebevoll und versöhnend. Das bedeutet, Gott begegnet den Pharisäern und den Gesetzeslosen gleichermaßen ohne Wenn und Aber mit all seiner Liebe. Und das möchte Jesus seinen Zuhörern klar machen: Keiner ist ohne Schuld. Nicht einmal die Pharisäer. Aber es gibt Hoffnung für beide. Denn der Vater möchte sich mit beiden Versöhnen.

2. Bedeutung für Heute:

Zunächst finden wir Versöhnung zwischen dem Vater und dem jüngeren Sohn. Blicken wir auf das Handeln des jüngeren Sohns, können wir einiges für unser heutiges Leben lernen. Sein Handeln kann man in 3 Abschnitte teilen:

  1. Sünde: Er wendet sich vom Vater ab. Es folgen im Gleichnis eine Reihe von Fehlschlägen bis hin zu Hungersnot. Auch wir wenden uns oft von Gott ab, gehen falsche Wege und meinen, es selbst besser zu wissen. Am Ende bemerken wir auch, dass so ziemlich viel schiefläuft.
  2. Buße: „Buße tun“ – Was für ein altes Wort. Aber genau das macht der jüngere Sohn. Er erkennt, dass sein Handeln falsch war. Noch mehr, er erkennt, dass er sich von Gott und dem Vater abgewandt hat. Er erkennt, dass es ihm nicht guttut, ohne Gott und ohne den Vater unterwegs zu sein. Wir nennen es oft „schlechtes Gewissen“, wenn wir unser eigenes Handeln bereuen. Am liebsten wollen wir es rückgängig machen, doch wir wissen, dass die Zeit nicht zurückgedreht werden kann.
  3. Versöhnung: Nach der Zeit des Umdenkens folgt ein Fest. Ein Fest? Keine Strafe? Keine Standpauke? Nein, der Vater wartet auf den jüngeren Sohn mit offenen Armen. Und überhäuft ihn mit all seiner Liebe, weil er sich über die Rückkehr freut. Genau diese Liebe kommt uns auch entgegengestürmt, wenn wir unsere Fehler einsehen, wenn wir unseren Blick wieder auf Gott richten.

Schließlich erkennt man auch einen Versöhnungsversuch zwischen dem Vater und dem älteren Sohn. Der Vater sieht, wie verbittert der ältere Sohn die Gerechtigkeit des Vaters kritisiert. Sein Verhalten zeigt, dass am Ende die äußere schön geputzte Fassade bröckelt und die Liebe zu kurz kommt. Auch er benötigt die liebende Hand des Vaters entgegengestreckt. So geht es auch uns manchmal. Wir setzen uns für die Gemeinde ein, gehen jede Woche in die Kirche, sind bei jeder Jugendstunde aktiv dabei und versuchen die 10 Gebote zu halten. Genau in den Momenten, wo wir dann erschöpft von der Arbeit dasitzen und man womöglich keine Anerkennung spürt, genau da fängt es in uns zu brodeln an. Im Gleichnis begegnet der Vater dem älteren Sohn barmherzig und ohne Tadel. Und so begegnet er auch uns in solchen bitteren Situationen. Wir wissen nicht, wie der ältere Sohn sich entschieden hat. Aber ich wünsche uns, dass wir in solchen Situationen mit dem Vater auf die Versöhnungs-Party gehen und feiern. Solch eine Liebe übersteigt menschlichen Verstand.

3. Methodik für die Gruppe

Einstieg: Brainstorming

Ihr könnt gemeinsam Brainstormen und euch mit der Frage auseinandersetzen: „Was ist Versöhnung?“ Die Antworten können auf ein Blatt Papier oder auf eine Flipchart gesammelt werden.

Bibeltext gemeinsam lesen

Entweder liest einer den gesamten Text vor oder man liest der Reihe nach ein paar Verse.

Austausch

In Kleingruppen wird der Bibeltext nochmal gemeinsam gelesen und anschließend wird über folgende Fragen diskutiert (Dauer ca. 30 Min):

  • Wie kommt der jüngere Sohn auf seine neuen Gedanken? Was bewegt ihn? (V. 17-19)
  • Mit welcher inneren Einstellung kehrt er zum Vater zurück?
  • Aus welchen Gründen wird der ältere Bruder zornig? Ist es berechtigt?
  • Sucht alle Verse, in denen der Vater handelt oder redet. Wie reagiert er auf den jüngeren und auf den älteren Sohn?
  • Was war bisher der Tiefpunkt in deinem Leben? Bei welchen „Schweinen“ bist du vorbeigekommen? (finanziell, schulisch, Beziehungskrise, Tod, Glaubenskrise etc.)
  • Wo stehst du gerade in deiner Beziehung zu Gott? Und was hat Gott zu geben, das du bisher noch nicht angenommen hast? (V. 31)

Anschließend kann über die Entdeckungen im Plenum gesprochen werden.

Ergänzendes Material:

  • Falls Begriffe wie Sünde, Buße, Versöhnung, Pharisäer, Gesetz nicht ganz klar sind, kann im Bibelserver nachgeschlagen werden (https://www.bibleserver.com/)
  • Liedvorschläge aus „Feiert Jesus 5“
    • Nr. 73 Guter Vater / Good Good Father
    • Nr. 21 Krüge aus Ton / Broken Vessels
    • Nr. 22 Die Liebe des Retters
    • Nr. 68 Gnade, so wunderbar / This is amazing Grace

Heute steigen wir in die Geschichte von Zachäus ein. Ja, die aus der Kinderbibel. Mit dem kleinen Mann, dem Steuerhinterzieher. Aber mach den Artikel nicht gleich wieder zu. Lass uns die Geschichte anschauen aus einem “erwachsenen” Blickwinkel. Versprochen (!), die Moral von der Geschichte wird nicht sein, dass Gott auch die kleinen Leute sieht (Obwohl das natürlich weiterhin stimmt!

Aber für heute, eine (hoffentlich) neue Perspektive.

Einzige Anmerkung zur Durchführung meinerseits: Lass dich berühren, merke auf, wenn dich etwas anspricht, oder dir jemand einfällt oder auffällt. Vielleicht hat gerade da Gott etwas mit dir vor?

1 Jesus kam nach Jericho; sein Weg führte ihn mitten durch die Stadt. 2 Zachäus, der oberste Zolleinnehmer, ein reicher Mann, 3 wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus war. Aber es gelang ihm nicht, weil er klein war und die vielen Leute ihm die Sicht versperrten. 4 Da lief er voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum; Jesus musste dort vorbeikommen, und Zachäus hoffte, ihn dann sehen zu können. 5 Als Jesus an dem Baum vorüberkam, schaute er hinauf und rief: »Zachäus, komm schnell herunter! Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.« 6 So schnell er konnte, stieg Zachäus vom Baum herab, und er nahm Jesus voller Freude bei sich auf. 7 Die Leute waren alle empört, als sie das sahen. »Wie kann er sich nur von solch einem Sünder einladen lassen!«, sagten sie. 8 Zachäus aber trat vor den Herrn und sagte zu ihm: »Herr, die Hälfte meines Besitzes will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand etwas erpresst habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück. 9 Da sagte Jesus zu Zachäus: »Der heutige Tag hat diesem Haus Rettung gebracht. Denn«, fügte er hinzu, »dieser Mann ist doch auch ein Sohn Abrahams. 10 Und der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Ihr habt diese Geschichte sicherlich schon tausend mal gehört und gerade deshalb wollen wir ganz strategisch an die Sache heran gehen, ok? Ok.

Ich werde das mal mit den Gedanken ausfüllen, die mir kommen. Wenn du es in deinem Jugend- oder Hauskreis anleitest oder du dir das selbst einmal durchliest, starte doch mit einer leeren Tabelle und mach dir vorerst deine eigenen Gedanken. Wenn dir die Tabelle doof vorkommt, redet doch einfach drüber oder wählt 2 aus eurer Gruppe aus, die den beiden Seiten ihre Stimme und Worte geben (quasi als Improtheater, wo laut gedacht wird).

Was passiert?Was denkt/fühlt/sieht Zachäus?Was denkt/fühlt/sieht das Volk?
Zachäus klettert auf einen Baum, um Jesus zu sehen.Große Menschenmenge und er sieht nichts. Warum dann nicht auf einen Baum klettern und es versuchen? Er ist doch so neugierig zu sehen, ob dieser Jesus tatsächlich so besondere Sachen machen kann, die er so gehört hat.Wahrscheinlich sind nur wenige allein unterwegs, Zachäus fällt in diesem Trubel gar nicht auf, bis er auf den Baum klettert. Muss das denn sein? Dieser Schnösel klettert einen Baum hoch, wieso? Ist er verrückt geworden?
Jesus sieht Zachäus.Wow. Jesus sieht ihn. In dieser Menge, schaut er zu ihm hoch, er wird gesehen, wert geschätzt, bei seinem Namen genannt.Warum weiß Jesus seinen Namen? Warum spricht er nicht die Familie dort drüben an, die ist doch total rechtschaffen? Übersieht er uns? 
Jesus lädt sich bei Zachäus ein.Es scheint wahr zu sein, dieser Jesus stülpt alles auf den Kopf. Jetzt kommt er zu ihm zum Essen.Warum er? Wir hätten ihn doch aufnehmen können. Bei diesem Zöllner gibt es zwar sicherlich alles, aber netter hätte es bei jemandem von uns sein können.
Hinterm Rück von Z&J wird getuscheltJesus hat sein Leben umgedreht. Er zahlt seine Schulden zurück und ist gerettet. Was für ein Fest.Zu so einem schlimmen Typen geht er. Hat er sich das gut überlegt? Als ob Zachäus auf einmal alles richtig macht.

1. Jesus verändert Leben, radikal und direkt

Tief im Inneren spürt Zachäus, dass Jesus etwas Besonderes ist. Wie viel er von ihm vorher gehört hat, können wir nur raten. Zachäus möchte mehr sehen und wagt den Perspektivwechsel. Er will sehen, warum dieser Jesus so einen Hype macht.

Das erinnert mich sehr an meine ersten richtigen Schritte im Glauben. Irgendwann, ich kann es gar nicht mehr so richtig festmachen wann, habe ich kapiert, dass Jesus Leben verändert – Aber mein Leben auch? Ich bin auf die Suche gegangen, habe selbst die Bibel gelesen, mich mit Freunden unterhalten, neue Perspektiven gesucht.

Wie war das bei dir?

Was wahrscheinlich gleich ist, bei mir, Zachäus, dir und allen anderen Menschen ist: → Jesus kehrt bei ihm ein, gibt ihm alle Möglichkeiten

Und er nimmt diese Möglichkeiten, zahlt seine Schulden zurück.

Was würde passieren, wenn Jesus bei dir praktisch einkehrt? Welche Schulden würdest du dann am liebsten sofort begleichen? Und wie würde es sich anfühlen, wenn Jesus sagt, dass diese schon beglichen sind? 

2. Das Volk kommt nicht ganz mit

Andere Leute sind neidisch oder verwirrt: “Bei einem Sünder ist er eingekehrt.” Wer kennt das nicht aus manchen Gemeinden. Jesus verändert Leben, nicht nur das eigene, sondern auch das anderer Menschen in deinem Leben. Und das überrascht, weil man selbst oder andere nicht mehr damit gerechnet haben. Zachäus war abgeschrieben von der Gesellschaft, verstoßen, angeschwiegen, nicht willkommen.

Ich finde das spannend, da ich diese Muster im Kontext von Jugendlichen und Jungen Erwachsenen immer wieder sehe. Man darf sich verändern, auch fernab jeglicher Erwartung des Umfeldes.

  • Zachäus fühlt den Lernerfolg, es schwappt in sein tägliches Leben über, nachdem sein Herz berührt wurde. Er geht seinen Weg, mit Blick auf Jesus, ohne davon abzulassen. Anfangs noch recht unperfekt – aber die Herzenseinstellung ist da.
  • Das Volk kann ihm jedoch nicht in den Kopf schauen, wahrscheinlich ist noch einiges an Misstrauen da, dass sich nicht so schnell wieder herstellen lässt.

Am Ende ist es doch so: Niemand von uns kann in die Herzen und Köpfe unseres Gegenüber schauen. Außerdem hat jeder von uns Baustellen, an denen noch verändert, gebohrt, zertrümmert und wieder aufgerichtet wird.

Aber was wäre, wenn wir wirklich daran glauben, dass Jesus Herzen verändert? Musst du vielleicht deine Haltung gegenüber jemandem nochmal überdenken?

(Dabei sage ich ganz klar “überdenken” – es gibt leider auch immer wieder Menschen, die unser Vertrauen mutwillig ausnutzen und uns verletzen.)

Was wäre, wenn wir anfangen die Begegnungen, die wir mit Gott haben, wirklich Ernst zu nehmen und zu feiern?

Was wäre, wenn wir uns für unterschiedliche Fähigkeiten und Perspektiven wert schätzen, statt um die Wahrheit zu diskutieren?

1. Erklärungen zum Text

V.4-8:

Im Buch der Prediger spielt das Thema „Vergänglichkeit“ eine wichtige Rolle. Der Prediger fängt seine Gedanken ein und lenkt sie auf ein besonders sinnloses Unterfangen. Es geht um Arbeit, Reichtum und Erbe. Und es geht um einen Menschen, der nichts anderes im Leben hat. Keinen anderen Menschen, der mit ihm unterwegs ist. Das Leben dreht sich um Arbeit und Reichtum. Es ist sein ganzer Lebensinhalt. Doch irgendwann kommt die Frage: „Warum mache ich das? Für wen arbeite ich? Warum tue ich mir nichts Gutes?“ Das Ergebnis, zu dem der Prediger kommt, ist erschreckend: Es ist alles vergeblich. Ein äußerst schlechtes Geschäft, auf das sich dieser Mensch eingelassen hat. Es ist wohl der Inbegriff für Sinnlosigkeit: Ein Mensch sammelt pausenlos Reichtümer, gönnt sich nichts Gutes und hat am Ende niemanden, dem er seinen Reichtum überlassen könnte.

V.9-11:

Der Prediger sucht einen Schlüssel – und er findet ihn! Er erkennt, dass eine gute Beziehung ein weitaus höheres Gut ist als alle Reichtümer der Welt. Es lebt sich nicht nur besser zusammen. Es arbeitet sich auch besser gemeinsam. Aber nicht nur in guten Zeiten ist es die bessere Option. Auch wenn das Leben uns zusetzt, sind andere Menschen entscheidend. Denn an manchen Stellen können wir uns selbst nicht helfen. Wir brauchen einen anderen Menschen, der uns zur Seite steht und uns wieder auf die Beine stellt, wenn wir fallen. Denn auch das ist klar: Wenn uns niemand hilft, nützt uns unser ganzes Geld nichts. Jesus greift im Gleichnis vom reichen Kornbauern (Lk 12) eine ähnliche Geschichte auf und spitzt sie im Blick auf ein verfehltes Lebensziel zu.

V.12:

Der Prediger greift hier ein altes Sprichwort auf, das deutlich macht, dass ein aus drei Schnüren geflochtenes Seil stabiler ist und möglichen Beschädigungen besser standhält. Auch wenn es nicht explizit benannt ist, könnte die dreifache Schnur ein Hinweis darauf sein, dass Gott in einer solchen Beziehung ein stabiler Faktor ist und die Festigkeit erhöht.

2. Bedeutung für heute

Man könnte diese Geschichte 1:1 ins Heute übertragen. Wie oft dreht sich das Leben um diese Dinge: Wir mühen uns um eine gute Bildung, einen lukrativen Beruf. Wir suchen nach einem gutbezahlten Job und opfern diesem Beruf unser Privatleben. Beziehungen kommen zu kurz, weil sie binden und nicht in das Konzept passen. Es fällt vor lauter Geschäftigkeit nicht auf, bis irgendwann klar ist: Da ist niemand, dem ich meinen Reichtum vererben kann. Letztlich habe ich vergeblich gelebt.

Es gibt viele Lebensbereiche und Nöte, die hier anklingen und sehr aktuell sind:

  • Alte Menschen vereinsamen, weil sie keine Familie und keine Freunde haben. Die Pflege wird professionalisiert und zehrt ein vorhandenes Vermögen schnell auf.
  • Die Zahl der Singles nimmt beständig zu. Gerade im städtischen Bereich leben viele Menschen allein. Die Pandemie hat zu einer regelrechten Vereinsamung von Menschen geführt. Sogar das verbliebene Sozialleben am Arbeitsplatz musste dem Homeoffice weichen. Und an vielen Stellen wird künftig aus dieser Not eine vermeintliche Tugend.
  • Manche Unternehmenskonzepte verlagern das Leben komplett an den Arbeitsplatz.
  • Für viele Menschen ist es nach wie vor das höchste Ziel Wohlstand zu erlangen. Wir hören von Topmanagern, die Millionen verdienen, aber sich nichts Gutes tun können, sondern sich in 70-Stunden-Wochen systematisch verheizen.
  • Diana Kinnert beschreibt in ihrem Buch „Die neue Einsamkeit“, die um sich gegriffen hat. Offensichtlich ist es ein brandaktuelles Thema. (Diana Kinnert: Die neue Einsamkeit: Und wie wir sie als Gesellschaft überwinden können, Hoffmann und Campe-Verlag)
  • Gerade bei der Berufswahl junger Menschen werden wichtige Weichen gestellt. Welches Ziel wird definiert? Möglichst schnell zu Reichtum zu kommen? In Ellenbogenmanier und im Alleingang die oberen Etagen erklimmen, um zu den „Reichen und Schönen“ zu gehören?
  • Immer mehr junge Menschen erleiden erschreckend früh einen Burnout. Diese Krankheit ist nicht unbedingt auf eine Überlastung zurückzuführen, sondern hängt stark mit der Frage der Sinnhaftigkeit zusammen. Erfüllt mich das, wofür ich mich einsetze? Bereichert es mein Leben? Ist es meine Berufung, in der ich mich auch für Gott und andere Menschen einsetzen kann? Oder macht es mich zunehmend einsam? Ich kenne manche Führungskräfte, die Sinnkrisen erleben und in der Folge ausbrennen.

3. Methodik für die Gruppe

Impulsfrage:

Schreibt auf ein großes Papier: „Gott der HERR sprach:

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen – ein Gegenüber, das ihm entspricht.“ (Genesis 2,18). Legt das Blatt in die Mitte und überlegt miteinander, warum es nicht gut ist und warum Gemeinschaft für uns Menschen so wichtig ist. Anschließend lest den Text aus Prediger 4,7-12.

Schlagzeilen:

Sucht im Internet oder in Zeitungen nach Schlagzeilen, in denen es um Reichtum, Einsamkeit und Sinnlosigkeit geht.

Bildkarten:

(z. B. Claus Heragon: Emotionen, Bildimpulse maxi, Heragon-Verlag)

Lest den Bibeltext. Anschließend legt die Bildkarten in die Mitte und wählt die Karten, die eurer Meinung nach am besten zum Ausdruck bringen, was der Bibeltext aussagt. Begründet eure Auswahl.

Genießen:

Der Text spricht davon, sich etwas Gutes zu Gönnen. Gestaltet den Abend mit einem guten Essen, schönen Cocktails, guter Musik, etc., um anschaulich zu machen, dass Genießen ebenfalls eine Form des Gottesdienstes ist, wenn wir die Dinge dankbar aus Gottes Hand nehmen.

Fragen zum Text:

  • Welche Schlagzeilen, Personen und Geschichten fallen euch zu diesem Thema ein?
  • Gott ist ein Gott der Gemeinschaft. Glaube ist keine Solodisziplin, sondern eine „Mannschaftssportart“. Welche biblischen Geschichten fallen euch ein, die einen Gegensatz zu dem Text in Prediger bilden?
  • Wie können wir Beziehungen fördern und dafür sorgen, dass Menschen nicht in die „Einsamkeits- und Sinnlosigkeitsfalle“ tappen, die der Prediger beschreibt?
  • Der Bibeltext wird oft als Trauspruch verwendet. Was lernen wir aus dem Text für eine gesunde und tragfähige Partnerschaft?

4. Ergänzendes Material

Videoclip: Ein Seil entsteht

Ein Seil entsteht – YouTube

Dieser kurze Videoclip beschreibt die Entstehung von Seilbahn-Seilen, die eine enorme Tragkraft aufweisen. Dieser Clip kann als Einstieg für den Bibeltext genutzt werden.

Viktor E. Frankl und der Sinn des Lebens

Videoclip: Viktor Frankl – Der Sinn des Lebens – YouTube

Viktor Frankl ist der Begründer der Logotherapie. Er hat sich sehr grundlegend mit der Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt. Schaut gemeinsam den Videoclip und tauscht euch aus: Wie hängen Frankls Erkenntnisse mit dem Bibeltext zusammen. Welche Antworten trägt der christliche Glaube dazu bei?

Filmtipp: „Dein Weg“ – Martin Sheen

Ein erfolgreicher Arzt begibt sich nach dem Unfalltod seines Sohnes auf dessen Spuren und wandert den Jakobsweg.

Themensammlung mit Bausteinen und Einheiten zum großen Oberthema „Beziehungen“ – zwischen Mensch und Mensch, aber auch zwischen Gott und Mensch – mit dabei Bibelarbeiten, Hintergrundartikel und ein Verweis auf ein Video

Abba (Keine Worte) – Poetry von Marco Michalzik & Manuel Steinhoff

Link zum offiziellen YouTube Video

Perfekt geeignet als Gesprächseinstieg für die Gruppenstunde

Die Geschichte von Juda und Tamar

Erklärungen und Gedanken zum Bibeltext

Was für ein spannender und voller Text, oder? Ich habe beim Vorbereiten dieser Bibelarbeit nochmal ganz neu Begeisterung und Feuer für diese Stelle gefangen und hoffe, euch geht es auch so!

Spannend finde ich ihn deshalb, weil er so viele verschiedene Identifikationsmöglichkeiten bietet: Ist der Leser*in für Onan? Hat Tamar richtig gehandelt oder ist sie eine Lügnerin? Und warum legt sich Juda, der erst vor kurzer Zeit seine Frau verloren hat zu einer vermeintlichen Prostituierten? Kann das überhaupt „richtig“ sein?

Voll ist er deshalb, weil er uns dadurch so viel über das damalige Verständnis von Ehe, Sexualität, Familie und Recht lehrt. Und gleichzeitig so lebensbejahend ist.

Doch eins nach dem anderen. Zunächst mal eine kurze Erklärung, weshalb dieser Text ermöglicht, über „toxische“ oder „ungesunde“ Beziehungen zu sprechen und wer hier überhaupt mit wem eine solche Beziehung hat. Denn eines ist klar: In diesem Text geht es eigentlich nur um Beziehungen. Und die meisten sind in irgendeiner Form ungesund.

Denn direkt am Anfang trennt sich Juda von seiner Familie, in der Beziehung mit Tamar sterben zwei Söhne von Juda und auch zwischen Juda und Tamar scheint nicht alles so sauber zu laufen. Wir könnten also auch andersrum fragen: Welche Beziehung ist in dieser Geschichte überhaut „gesund“?

Wichtig zu wissen ist, dass sich Tamar korrekt verhält und durch ihr Handeln ihr „Recht“ geltend macht. Sie wird in die Familie von Juda verheiratet und bleibt kinderlos. Eine, für die damaligen Verhältnisse, sehr schlechte Situation für Tamar. Denn sowohl waren Kinder damals, viel mehr noch als heute, Altersvorsorge als auch Zeichen der Zugehörigkeit zum Haus von Juda. Nachdem ihr erster und eigentlicher Mann ihr also keine Kinder schenkt, ihr Schwager ihr offensichtlich keine Kinder schenken will und ihr Schwiegervater ihr dann seinen jüngsten Sohn nicht zum Mann macht … sieht Tamar ihr Leben und ihre Existenz bedroht.

Als dann Juda die angemessene Zeit nach dem Tod seiner Frau getrauert hat, auch hier zeigt sich, wie korrekt Tamar handelt, nimmt Tamar die Zügel selbst in die Hand. Sie gibt sich als Prostituierte aus und verschafft sich dadurch das, was ihr zusteht: Kinder vom Hause Juda. Dass Tamars Handeln richtig und sogar das von Juda falsch war, erkennt dann am Ende sogar Juda selbst. Reumütig und mit schlechtem Gewissen gesteht er ein: „Sie ist gerechter als ich; denn ich habe sie meinem Sohn Schela nicht gegeben.“

Die Kinder, die dann als erste Zwillinge der Bibel auf die Welt kommen, werden in Matthäus 1 als direkte Vorfahren von Jesus genannt. Hätte Tamar hier also nicht auf ihr Recht bestanden und es eingefordert… Wer weiß, wie und wann Jesus dann auf die Welt gekommen wäre?

Und das macht den Text für mich so spannend! Auf den ersten und vielleicht auch auf den zweiten Blick interpretieren wir die Geschichte auf die eine oder andere Art und Weise. Aber wenn wir mehr Wissen über die damaligen Verhältnisse, das damalige Leben erlangen, eröffnen sich neue Dimensionen des Textes und damit neue Deutungen.

Bedeutung für Jugendliche und Junge Erwachsene

Beim Lesen der Geschichte habe ich an mehreren Stellen gedacht: Leute, warum redet ihr nicht einfach mal miteinander und klärt das alles?

Sicherlich werden zwischen den einzelnen Ehen und Schritten auch Gespräche geführt worden sein, aber davon lesen wir (leider) nichts in der Bibel.

Und so ist davon auszugehen, dass sowohl Tamar als auch Juda wenig miteinander gesprochen haben. Juda wendet sich erst an Tamar, als er Angst um Schela hat und setzt sie dann vor vollendete Tatsachen: Ich habe Angst um meinen Sohn, daher gebe ich ihn dir nicht zum Mann. Kein Gespräch miteinander, kein gegenseitiges Verständnis und nicht der Versuch, eine gemeinsame Lösung zu finden. Und so muss Tamar einen eigenen Weg gehen und sich selber eine Lösung suchen. Auf den starken Impuls von Juda lässt Tamar einen ähnlich starken Impuls folgen: Sie verkleidet sich als Prostituierte und kommt so zu ihren Kindern.

„Bis einer weint.“ Ein Spruch, den ich oft von meiner Mama gehört habe, wenn meine Brüder und ich mal wieder zu doll miteinander gekämpft haben. Eskalation, bis einer weint, bis sich einer entschuldigt und sich zurückzieht.

Auch Juda und Tamar erleben dieses „bis einer weint.“ In dieser Geschichte ist es Juda, der einen Rückzieher macht und erkennen muss, wohin ihn seine Handlungen geführt haben. Er hat Tamar vor Tatsachen gestellt und wird jetzt von ihr vor Tatsachen gestellt: Du bist der Vater meiner Kinder.

Es grenzt tatsächlich schon an ein Wunder, dass aus dieser ungesunden Beziehung dann noch so großer Segen erwächst.

Dabei waren die jeweiligen Motive total nachvollziehbar und logisch: Tamar wollte ihr (Über)leben sichern und Juda seinen letzten Sohn und damit Stammhalter nicht verlieren. Beides für sich gesehen nachvollziehbare, sogar gute Gründe. Aber wie die beiden damit umgehen ist, was ihre Beziehung ungesund oder toxisch macht: Sie äußern ihre Bedürfnisse nicht. Sie bleiben damit alleine und suchen eigene Wege.

Warum äußert Tamar nicht ihre Bedürfnisse? Sie wird als so starke und eigenständige Frau dargestellt. Doch hier bleibt sie in der Kommunikation passiv.
Warum sucht Juda nicht einen gemeinsamen Weg mit Tamar? Er muss Tamar geschätzt und geachtet haben, sonst hätte er sie nicht seinem Sohn Er zur Frau gegeben. Doch hier setzt er sich über ihren Kopf hinweg.

Warum habe ich im letzten Gespräch mit meiner Frau nicht klar geäußert, was meine Bedürfnisse sind? Warum habe ich beim letzten Mal, als mich ein Mensch auf offener Straße um Geld gebeten hat, gelogen und ihm gesagt, ich hätte gerade kein Geld da? Warum, warum, warum?

Alles Fragen, auf die es schwer möglich ist, eine Antwort zu finden. Diese Dinge passieren, in den meisten Fällen unbewusst, weil wir uns selber unserer Bedürfnisse vielleicht nicht bewusst sind.  Und es auch unmöglich ist, sich jederzeit seiner Bedürfnisse bewusst zu sein.

Aber wie wäre die Geschichte wohl ausgegangen, wenn Juda gesagt hätte:
„Tamar, ich verstehe deinen Wunsch nach Kindern. Aber bitte verstehe auch meine Angst um meinen Sohn. Wie können wir es schaffen, dass du Teil unserer Familie bist und bleibst?“

Oder wenn Tamar gesagt hätte:
„Juda, so langsam mache ich mir Sorgen, dass du mir deinen Sohn nicht zum Mann geben wirst. Ich mache mir Sorgen um meine Gesundheit und meine Zukunft. Wäre es für dich denkbar, dass wir gemeinsam an einem Weg arbeiten, mir diese Sorgen zu nehmen?“

Ich-Botschaften senden, Bedürfnisse kommunizieren, Verständnis füreinander aufbringen. Alles Dinge, die wir theoretisch wissen, die wir schon hundertmal gehört haben. Und doch müssen wir es immer wieder hören und neu einüben.

Ideen für die Umsetzung in der Gruppenstunde, im Hauskreis

Eine Möglichkeit für eine Gruppenstunde kann die Beschäftigung mit der so genannten „Gewaltfreien Kommunikation“ sein. Diese Art der Kommunikation geht davon aus, dass Empathie, also das Einfühlen in die Gedanken und Gefühle des Gegenübers, Grundpfeiler eines gelungenen, gemeinsamen Lebens sein sollte. Und damit auch Grundpfeiler von Kommunikation und gesunden Beziehungen.

Wenn ihr wollt, schaut euch doch mal dieses Video an, welches sehr gut die Annahmen der Gewaltfreien Kommunikation erläutert: https://www.youtube.com/watch?v=r40L9NiH-ZY

Im Anschluss könntet ihr euch gegenseitig diese Fragen beantworten:

  • Welche Vorteile hat die gewaltfreie Kommunikation?
  • Wie wäre das Leben in deiner Familie, Partnerschaft, Stadt oder Schule, wenn die Menschen gewaltfrei kommunizieren würden?
  • Haben Juda und Tamar gewaltfrei miteinander kommuniziert? Haben die beiden Empathie füreinander aufgebaut?
  • Wie fördert und fordert der Glaube an Jesus eine gewaltfreie Kommunikation? Hat Jesus gewaltfrei kommuniziert?
  • Wie kannst du es schaffen die Gewaltfreie Kommunikation mehr in deinem Leben aktiv zu nutzen?
  • Wie wollt ihr innherhalb der Gruppe/des Hauskreises miteinander kommunizieren?
  • Wann fällt es dir leicht und wann fällt es dir schwer über deine eigenen Bedürfnisse zu reden?
  • In welchen Situationen bist du dir deiner Bedürfnisse bewusst und in welchen nicht?
  • Welchen Rahmen braucht Kommunikation, damit sie so gelingen kann, wie die “gewaltfreie Kommunikation” das vorschlägt?
  • Weshalb kann “gewaltfreie Kommunikation” ein Modell für gesunde Beziehung sein?

Themensammlung zu Dingen, Kräften, Mächten, wo wir das Gefühl haben: Die sind nicht von dieser Welt! Konkrete Inhalte des Themenpakets siehe einzelne Einheiten und Bausteine.

Click to access the login or register cheese
Wähle dein Team!

Wähle das Team, für das du jetzt Materialien suchst, oder auf dessen Materialien du zugreifen möchtest.

Du kannst jederzeit oben rechts über das Team-Menü ein anderes Team auswählen.

Wechsel zu deinem Konto