Mission Media: Doomscrolling

Für unsere Vorfahren war es wichtiger, den Säbelzahntiger im Gebüsch zu entdecken, als schöne Blumen zu bewundern. Aber was hat diese Erkenntnis der Evolution mit unserem heutigen Medienkonsum zu tun?  

Wissenschaftler*innen sehen darin eine Ursache für das sogenannte Doomscrolling. Mit dieser Wortschöpfung aus dem englischen Wort Doom – das unter anderem Unheil bedeutet – und Scrolling, ist der ständige Konsum von negativen Nachrichten gemeint. Das kann zu einer regelrechten Sucht werden und starke Auswirkungen haben. Doomscrolling verursacht zum Beispiel Angst, Stress und Schlafstörungen, verstärkt psychische Erkrankungen und vermittelt uns allgemein ein negatives Weltbild.  

Doch woher kommt das? Unser Gehirn nimmt negative Nachrichten besser auf als positive. Das liegt an unserer Entwicklung. Für unsere Vorfahren konnten Informationen über potenzielle Gefahren den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Heute kann das zu einem ungesunden Umgang mit schlechten Neuigkeiten führen.  

Glücklicherweise lässt sich etwas gegen Doomscrolling tun:  Zuerst sollte man den eigenen Medienkonsum hinterfragen. Springe ich von einer schlechten Nachricht zur nächsten und geht es mir danach mies? Helfen können feste Nachrichten- und Bildschirmzeiten, ein Digital Detox am Morgen, mehr Aktivitäten in der realen Welt oder der bewusste Konsum konstruktiver Nachrichten. Sucht doch einfach mal gezielt nach „Good News”.

Was sind eure Strategien gegen zu viele negative News?

Weiterführende Links

https://goodnews-magazin.de/

https://perspective-daily.de

https://www.wdrmaus.de/hoeren/good-news.php5

Jede Form des Extremismus (z.B. Rechtsextremismus) ist für die evangelische Kinder- und Jugendarbeit eine Herausforderung, seien es Teilnehmende, die extremistische Aussagen äußern, oder Anfeindungen von außen gegenüber Kirchengemeinden, CVJMs und Jugendgruppen. Daher ist eine Verständigung über den Umgang damit wichtig, um im Ernstfall gewappnet zu sein. Diese Karten sind als Startpunkt für Diskussionen in Leitungsgremien, mit Jugendlichen, in Mitarbeitendenteams auf Freizeiten, sowie für Interessierte der Kinder- und Jugendarbeit konzipiert. Durch Impulse und Beispielsituationen wird im Laufe des Gesprächs bzw. der Karten dazu aufgefordert, selbst Standpunkte zu bilden und zu beziehen. Außerdem werden mögliche angemessene Handlungsweisen, besonders im Falle rechtsextremistischer Äußerungen oder Anfeindungen, diskutiert.


Hinweise zum Einsatz der Karten:

Wir haben uns dem Thema “Umgang mit politischem Extremismus und Populismus” angenommen.

Zum aktuellen Zeitpunkt sind besonders die Gefahren des erstarkenden Rechtsextremismus bemerkbar, daher fokussieren wir uns in den Beispielen mehrfach auf Rechtsextremismus, was an der aktuellen politischen Lage liegt.

Zudem verlinken wir Methoden und Hinweise, die in der Praxis anwendbar sind. Ausgearbeitet wurden die Karten durch den AK Jugendpolitik im EJW.

Jede Form des Extremismus ist für die evangelische Kinder- und Jugendarbeit eine Herausforderung, weshalb eine Verständigung über den Umgang damit wichtig ist.

Diese Karten sind als Startpunkt für Diskussionen in Leitungsgremien, mit Jugendlichen, in Mitarbeitendenteams auf Freizeiten, sowie für Interessierte der Kinder- und Jugendarbeit, u.v.m. gedacht.

Durch Impulse und Beispielsituationen wird im Laufe der Denkwerkstatt dazu aufgefordert, selbst Standpunkte zu beziehen und es soll über angemessene Handlungsweisen im Falle extremistischer Äußerungen diskutiert werden.

Selten hat ein Hintergrundtext von mir so den Puls der Zeit berührt wie in diesem Fall. Ich hatte vermutet, dass dieses Thema in der Gesellschaft immer mehr Raum einnehmen würde – aber die Veröffentlichung der Vorwürfe von Collien Fernandes gegen ihren Ehemann Christian Ulmen hat es noch einmal auf eine ganz andere Ebene gehoben. Klar, der Fall Gisèle Pelicot hat die Gesellschaft schon erschüttert – auch hier bei uns. Und trotzdem gab es da immer noch Menschen, die das weggeschoben haben: »Naja, das ist in Frankreich gewesen. Bei uns gibt es so etwas ja nicht!«

Doch schon im letzten Jahr, schon in den letzten Jahren, wurden die Stimmen immer lauter, die gesagt haben: »Doch. Frauenfeindlichkeit gibt es auch hier. Auch in Deutschland erleben Frauen sexualisierte Gewalt. Psychische Gewalt. Sind sie gefährdet. Durch Männer.« Und durch den Mut von Collien Fernandes wurde auf einmal ein heller Scheinwerfer auf etwas gerichtet, was nicht nur unser Bundeskanzler Friedrich Merz mit seiner Stadtbild-Debatte und dem ungelenken »Fragen Sie doch mal Ihre Töchter« gerne ausblenden möchte: Die Gefahr für Frauen geht nicht von Menschen mit Migrationsbiografie, von Zugewanderten oder Geflüchteten aus – sondern von Männern allgemein . Von Männern, die glauben, ein »Recht« auf Frauen zu haben. Egal, ob in einer Partnerschaft oder nicht. Der gefährlichste Ort für Frauen ist das eigene Zuhause und soziale Umfeld. Doch warum ist das so? Versuchen wir eine Spurensuche. Und schauen wir, warum es so wichtig in unserer Arbeit ist, zu diesem Thema sprachfähig zu sein und eine Haltung zu entwickeln.

Das Frauenbild in der Gesellschaft und die Folgen

Die Gesellschaft, in der wir leben, ist seit Jahrhunderten geprägt durch das Patriarchat. Das bedeutet, dass unsere Werte und Normen, die Fragen unserer sozialen Beziehungen durch Männer geprägt werden, die als Väter, Ehemänner und Männer der Gesellschaft diese Verhaltensmuster repräsentieren, einfordern und deren Einhaltung auch kontrollieren.

Das hat z. B. dazu geführt, dass Frauen in Deutschland erst seit 1958 ihren Führerschein machen dürfen, ohne vorher ihren Mann um Zustimmung zu bitten. Arbeiten gehen, ohne vorher darüber nachzudenken, ob das mit den Pflichten von Ehe und Familie zu vereinbaren ist, dürfen Frauen erst seit 1977. Vorher konnte der Ehemann das verbieten. Und erst seit 1997 ist Vergewaltigung in der Ehe strafbar.

Wir merken also: Obwohl die Frauen seit 1949 laut dem Grundgesetz gleichberechtigt zu den Männern sein und leben sollen, spricht das alltägliche Erleben der Frauen dagegen. Alexandra Zykunov zeigt in ihren Büchern sehr deutlich auf, was Frauen stattdessen durchmachen. Gerade ihr Buch »Was wollt ihr denn noch alles« zeigt anhand von Zahlen und Studien, dass diese strukturelle (weil patriarchal geprägte) Benachteiligung nicht nur z. B. das Risiko von Altersarmut bei Frauen drastisch erhöht, sondern auch ein echtes (Über-)Lebensrisiko darstellt.

Doch diese Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen sind definitiv kein neuzeitliches Problem, sondern ziehen sich durch die Jahrhunderte der Menschheitsgeschichte. Immer wieder mussten Frauen erleben, dass sie im Vergleich zu Männern benachteiligt wurden – das fing nicht erst beim Zugang zur Bildung an und endete leider auch nicht damit, dass man(n) Frauen um ihre Lebensleistung betrog und z. B. bahnbrechende Erkenntnisse der Wissenschaft für sich beanspruchte. Das Buch »Beklaute Frauen« von Leonie Schöler zeigt an einigen Lebensgeschichten, mit was für Herausforderungen sich Frauen auch schon vor Jahrhunderten herumschlagen mussten. Und manche davon haben die Frauen dann auch das Leben gekostet.

Die Zeit der »Hexenverbrennung« war im Grunde nichts anderes als eine dunkle Zeit der Geschichte, in der Frauen dafür verbrannt wurden, dass sie anders waren: zu laut, zu unangepasst, zu fordernd, zu selbstbewusst, zu wissend … Aber mit diesem dunklen Kapitel der Geschichte möchte man(n) sich nur ungern beschäftigen – und darum sprechen wir auch heute noch lieber von »Hexenverbrennung« als von »Mord an Frauen«. Die Autorin Tara Luise Wittwer hat sich in ihrem Buch »Nemesis Töchter« intensiv damit auseinandergesetzt. Sie zeigt auf, dass wir es in unserer Gesellschaft sogar schaffen, die althergebrachten Vorstellungen aus der Antike so umzudeuten, dass aus Nemesis und den Furien männerhassende Frauenbilder werden, die mit den ursprünglichen Mythen nichts mehr zu tun haben. Und sie erklärt, warum »female rage« ein wichtiges Gefühl und Instrument ist, um den Zustand der Gesellschaft zu verändern.

Das Frauenbild in der Politik

Der Zustand der Gesellschaft, das sind wir und was wir (er-)leben. Als Frau gehöre ich lt. www.destatis.de am 07.04.2026 zu den 42,3 Millionen Frauen dieses Landes – die andere Hälfte der Bevölkerung sind die 41,2 Millionen Männer. Wir stellen fest: Der Zensus, dem diese Zahlen zugrunde liegen, ist nach wie vor in der binären (Geschlechter-)Welt unterwegs. Sei’s drum. Frauen machen also etwas mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus.

Aber woran erkennen wir das in der Gesellschaft und der Politik? In einem Bundestag, dessen Frauenquote aktuell bei 32,4 % liegt, sicher nicht. Auffällig ist dabei, wie groß der Unterschied der einzelnen Parteien ist. Während bei Bündnis 90/die Grünen der Anteil bei 61,2 % liegt, sind bei der AfD nur 11,8 % der Abgeordneten weiblich. Und das hat etwas damit zu tun, in welche Richtung sich eine Partei entwickeln will, in welche Richtung eine Partei unser Land entwickeln will.

Es ist keine persönliche Meinung von mir, sondern lässt sich durch zahlreiche Zitate von AfD-Mitgliedern bzw. deren Parteiprogramm einerseits und dem Parteibild von Bündnis90/die Grünen andererseits belegen. Die Grünen tun viel dafür, dass Frauen sich in der Politik engagieren (z. B. gibt es die Regel, dass alle ungeraden Listenplätze bei Wahlen von Frauen besetzt werden und alle Gremien mindestens zur Hälfte von Frauen besetzt sind). Die AfD dagegen vertritt ein Frauenbild, dass sich an dem traditionellen der 1950er Jahre orientiert: Die Frau ist Hausfrau und Mutter, die Gleichstellung von Männern und Frauen wird abgelehnt.

Es gibt also Parteien, die sich stark machen für die Gleichberechtigung der Geschlechter (vor allem Bündnis 90/die Grünen und die Linken) und andere, die ein sehr rückwärtsgewandtes und traditionelles Rollenklischee bedienen (hier besonders die AfD und die Union).

Es ist vermutlich auch kein Zufall der Geschichte, dass es gerade in der Zeit des Nationalsozialismus schon mal eine Rückwärtsrolle bei den Frauenrechten gegeben hat und alle Errungenschaften, die Frauen sich bis dahin erkämpft hatten, zurückgenommen wurden. Und es ist vermutlich auch kein Zufall, dass gerade die Parteien, die sich gegen die Gleichberechtigung von Frauen und Männern aussprechen, auch ein Problem mit Diversität und queeren Lebensrealitäten haben. Das geht sogar so weit, dass sich sowohl von Alice Weidel (AfD) als auch von Jens Spahn (CDU) Zitate finden lassen, sie seien wohl durchaus lesbisch bzw. schwul, aber eben nicht queer.

Und dass ein im November 2022 beschlossener Aktionsplan »Queer leben«, der die Zielsetzung hatte, die Lebenssituation queerer Menschen in Deutschland zu verbessern, von der neuen Bundesregierung direkt wieder eingestampft wurde. Wer sich an die »Zirkuszelt«-Aussage von Friedrich Merz zum CSD 2025 (Christoper Street Day) in Berlin und dem Klöckner-Verbot, dazu eine Regenbogenfahne am Bundestag aufzuhängen, erinnert, wird nicht überrascht sein. Den wird es auch nicht verwundern, dass die CSDs in unserem Land zunehmend in Bedrängnis geraten. Auf der einen Seite stiegen die Zahlen der Angriffe durch rechte Kräfte auf CSDs 2025 auf ein Rekordhoch, auf der anderen Seite kommt aus dem politisch rechtskonservativen Lager zunehmend Gegenwind, wenn z. B. die sächsische Landesregierung dem CSD Dresden das Merkmal einer politischen Versammlung abspricht.

Doch warum ist das wichtig? Es ist wichtig, weil es unser Zusammenleben deutlich verändern wird. Das bedeutet nichts anderes, als dass es Strömungen in unserer Gesellschaft gibt, die das Rad der Zeit zurückdrehen wollen: Die zurückdrehen wollen, dass sich queere Menschen (und es mag sie überraschen, aber auch Alice Weidel und Jens Spahn gehören dazu!) in der Öffentlichkeit bewegen und als queer erkennbar sind. Und tatsächlich geben jetzt schon immer mehr queere Menschen an, sich in der Öffentlichkeit nicht mehr sicher zu fühlen, weil die Gewalt- und Ausgrenzungserfahrungen immer weiter zunehmen.

Die zurückdrehen wollen, dass Frauen niemandem gehören, sondern selbstbewusst den Raum in der Gesellschaft einnehmen, der ihnen zusteht und zunehmend laut einfordern, dass ihre Themen behandelt werden. Und dass, obwohl Frauen die Hälfte der Bevölkerung in diesem Land ausmachen und es nur unser gutes und im Grundgesetz festgeschriebenes Recht ist, dass wir neben den Männern gleichberechtigt sind. Die zurückdrehen wollen, dass sich die Welt verändert: dass wir frei leben, lieben und glauben, wie wir es wollen. Wir als Frauen, wir als Teil einer queeren Community, wir als Menschen der Gesellschaft. Denn all das bedeutet, dass sich die patriarchalen Strukturen verändern. Verändern müssen. Dass Männer sich verändern müssen. Und auch wenn es im Zusammenhang mit Tätern immer wieder heißt »Not all men« so muss es doch heißen »alle Männer«.

Veränderung ist ein »Muss«

Es muss »alle Männer« heißen, weil alle Männer patriarchal geprägt wurden und werden. Weil alle Männer Teil dieser Gesellschaft sind. Und weil es einfach nicht genügt, nicht selber Täter zu sein. Sondern weil es mehr sein muss: eine männliche Stimme der Gegenrede, wenn frauenverachtend gesprochen wird – auch wenn es »nur ein Spaß« ist. Denn Sprache schafft Wirklichkeit. Eine männliche Stimme, die für Frauen spricht, die bedrängt werden. Die nicht mitmacht, wenn der Kumpel für sein Deepfake-Porno über die Ex gefeiert wird. Die dagegen hält, wenn Incels ihre kruden Gedanken ausbreiten. Die Raum gibt. Frauen ernst nimmt. Betroffenen von sexualisierter Gewalt glaubt. Und nicht fragt, was sie denn getragen haben.

Und auch wir Frauen müssen uns verändern. Dürfen uns verändern. Wir dürfen den Raum einfordern, der uns zusteht. Wir dürfen uns wehren, wenn uns Unrecht geschieht. Wir dürfen laut werden. Wir dürfen Grenzen setzen. Wir dürfen Nein sagen. Und wir müssen laut werden. Für die, die es nicht können. Für die, die ebenfalls Gewalt erfahren. Für die, die anders sind als wir – und ungleich schwerer am Patriarchat leiden. Darum liegt es auch an uns, wie sich die Gesellschaft verändert. Indem wir jene stärken und ermutigen, die ihre Stimme einsetzen für ein gleichberechtigtes Miteinander – und auch selber unsere Stimme erheben, berufen durch Sprüche 31,8: »Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind«. Indem wir nicht nur darauf schauen, Töchter zu ermahnen – sondern auch, Söhne zu erziehen. Indem wir Männer in die Verantwortung nehmen, Veränderungen zu ermöglichen. Patriarchale Strukturen zu verändern, wird am Ende nicht nur den Frauen helfen, sondern allen Menschen zugutekommen.

Die neue KON-Einheit stellt Frauen und Mädchen vor, die Großartiges geleistet oder mit Gott erlebt haben. Beleuchtet wird auch, wie Gesellschaft und Politik das Frauenbild geprägt haben und auch heute noch prägen.

In Stundenentwürfen geht es um unbekannt gebliebene Frauen, die trotz patriarchaler Strukturen Geschichte geschrieben haben. Interaktive Bibelarbeiten zeigen (Traum)Frauen der Bibel, die durch ihr Handeln ein wichtiger Teil in Gottes Plan wurden und heute noch Vorbilder für den Glauben sind.

Aus der Partnerschaft des CVJM-Westbundes mit dem YMCA Ghana ist ein gemeinsamer Beitrag entstanden, der Mädchen und Frauen inspiriert, sich mit den Lebensrealitäten anderer Frauen und Mädchen weltweit auseinanderzusetzen. In dem Zusammenhang gibt das Angebot für ein digitales Treffen mit den Mädchen und Frauen in Ghana, um sich gegenseitig auszutauschen und zu ermutigen.

Stell Dir vor, jemand heißt Dich herzlich willkommen und versperrt Dir gleichzeitig den Weg! Nicht anders ist es, wenn wir online kommunizieren und Barrierefreiheit im digitalen Raum vergessen.

Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass Websites und digitale Dienste so gestaltet sind, dass sie von allen Menschen genutzt werden können – unabhängig davon, ob sie körperliche oder geistige Beeinträchtigungen haben. Auch ältere Menschen, Personen mit Sprachbarrieren oder temporären Einschränkungen – etwa nach einem Unfall – profitieren davon.

Dazu gehört, dass sich eine Website auf dem Handy automatisch an den Bildschirm anpasst und ausreichend Farbkontrast und logische Struktur vorhanden ist. Untertitel in Videos, Alternativtexte für Bilder und einfache Sprache machen Inhalte zugänglicher. 

Wenn Du Dir die Grenzen und den Abbau derer immer wieder bewusst machst, wird es leichter, Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken. Vieles ist schnell gemacht und dank KI wird die Umsetzung in Zukunft immer einfacher.

Wer Barrieren abbaut, zeigt: Alle sind willkommen! Ich finde es gerade im kirchlichen Kontext wichtig, dass niemand außen vor bleibt.

Prüfe doch mal Deinen nächsten Post! Wer kann ihn lesen, hören, verstehen – oder eben nicht?

Weiterführende Links:

Alle reden über Intelligenz – aber was meinen Psychologie und Informatik eigentlich damit? Für Psycholog:innen heißt Intelligenz: Aus Erfahrung lernen, Probleme lösen, Wissen in neuen Situationen einsetzen.

Einige Menschen sprechen von einer allgemeinen Intelligenz. Andere unterscheiden verschiedene Intelligenzarten – sprachlich, sozial, musikalisch usw. Allerdings: Intelligenz ist immer mit Bedeutung, mit Verstehen verbunden.

Für die Informatik bedeutet ‚Künstliche Intelligenz‘: Muster in Daten erkennen, Wahrscheinlichkeiten berechnen, Zuordnungen vornehmen. Ob regelbasiert oder mit Hilfe von neuronalen Netzen. Die KI versteht weder die Eingaben noch das, was sie ausgibt. Die Antworten haben nur eine bestimmte Wahrscheinlichkeit wahr zu sein.

Das Gehirn versteht Bedeutung. KI erkennt Muster. Beide wirken ‚intelligent‘ –  sie funktionieren aber sehr unterschiedlich. Wenn wir von künstlicher Intelligenz sprechen, werten wir den Menschen, der zu echter Intelligenz in der Lage ist ab und stellen ihn mit Maschinen auf eine Stufe, die letztlich nur statistische Berechnungen durchführen. Frage an deine Jugendgruppe: Wann handelt jemand wirklich intelligent – braucht es dafür nicht ein Bewusstsein, besser noch ein Selbstbewusstsein, über das KI-Systeme nicht verfügen?

Weiterführende Links:

https://www.die-tagespost.de/kultur/feuilleton/kuenstliche-intelligenz-bedeutet-nicht-kuenstliche-vernunft-art-250894?utm

https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8108480

https://www.iks.fraunhofer.de/de/themen/kuenstliche-intelligenz.html

https://www.transcript-verlag.de/shopMedia/openaccess/pdf/oa9783839444689.pdf?utm

Stratmann, J.  (2025). Künstliche Intelligenz im interdisziplinären Dialog und ihre Potentia-le für die Hochschullehre aus einer lerntheoretischen Betrachtung. In Preiss, F., Reichle, H. & Wendorff , J. (Hrsg.), Dynamische Hochschule entwickeln – ein multiperspektivischer Ansatz. Waxmann

Landtagswahl in Baden-Württemberg – und wieder einmal müssen wir über Medien sprechen. Warum? Ganz einfach: Weil junge Menschen heute vor allem online entscheiden, wem sie vertrauen!

Am 8. März wird der baden-württembergische Landtag gewählt und zum ersten Mal dürfen auch 16- und 17-Jährige ihr Kreuzchen setzen. Viele von diesen jungen „Neuwähler:innen“ informieren sich über die sozialen Medien, stolpern dabei über Wahlwerbung, Memes, Meinungen und Desinformation. Und genau da kommst du ins Spiel. Du musst kein Medienprofi sein, um junge Menschen auf ihre demokratische Teilhabe vorzubereiten, aber du kannst ihnen helfen, den Überblick zu behalten.

Hier kommen drei einfache Tipps, wie du Jugendliche im digitalen Raum fit für die Wahl machen kannst:

1. Nicht alles verteufeln, was auf Social Media passiert. Viele politische Infos, Meinungen und Diskussionen gelangen zu jungen Menschen heute über Instagram, TikTok oder YouTube. Frag doch einfach mal: Welche politischen Inhalte bekommt ihr eigentlich in eurem Feed angezeigt – und welche Reaktionen rufen sie bei euch hervor? Was spricht euch an, was nicht? Was weckt Begeisterung, was lässt euch kalt, was ärgert euch vielleicht auch?

2. Gemeinsam hirnen statt alleine predigen. Schaut gemeinsam unterschiedlichen politischen Content an und stellt dabei diese Fragen: Wer spricht oder schreibt? Was wird gesagt? Und was will die Person oder die Partei mit diesem Inhalt bezwecken?

3. Fake News entlarven. Zeig den Menschen, mit denen du unterwegs bist, einfache Faktencheckseiten wie „Korrektiv“, „Mimikama“, „Quellencheck“ oder die Angebote der Zentralen für politische Bildung. Das regelmäßige Prüfen von Inhalten fördert oft erstaunliche Ergebnisse zutage. Menschen vergessen leicht, dass man auch deutlich schlauer lügen kann als so mancher US-Politiker mit roter Basecap.

Und ganz wichtig bei alledem: Am besten, soweit es geht, neutral bleiben. Deine Aufgabe sollte nicht sein, Meinungen anderer zu formen, sondern Räume zu öffnen, in denen Jugendliche und junge Erwachsene valide Informationen erhalten, ein sprachfähiges Gegenüber erleben und so eine Grundlage schaffen können für die Entwicklung von eigenen Standpunkten. Das heißt natürlich nicht, dass du zum rückgratlosen Werkzeug werden musst. Wenn es um Spaltung, Menschenfeindlichkeit und Hetze geht, sind nämlich klare Worte von Bezugspersonen unerlässlich. Gerade wenn man als Christ oder Christin in dieser Welt unterwegs ist, steht man hier – meiner Auffassung nach – in einer ganz klaren Verantwortung.

Weiterführende Links:

Jugendgerechtes Erklärvideo zum Ablauf der Landtagswahl in BW 2026 von der Landeszentrale für politische Bildung.
https://www.youtube.com/watch?v=3r2jby0Lpzc

Gruppenstunden-Entwurf zum Thema Landtagswahl BW 2026 vom Evangelischen Jugendwerk in Württemberg.
https://www.jugendarbeit.online/dpf_thema/nutze-deine-stimme/

Seite zur Kampagne „Spaltung Sucks“ vom Landesjugendring BW – Für Zusammenhalt und Solidarität in Baden-Württemberg.
https://spaltung-sucks.de

Wahlprogramm-Check der antretenden Parteien für die Landtagswahl BW 2026 vom Landesjugendring BW.
https://www.ljrbw.de/kampagnen/visionen-2026-bis-2031/detail/wahlprogramm-check-zur-landtagswahl-2026

Gestaltungsvorlagen für Jugend-Bildungs-Einheiten zum Thema Landtagswahl BW 2026 von der „Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Baden-Württemberg“ (SKJB).
https://kinder-jugendbeteiligung-bw.de/angebote/wahlalter-16/landtagswahl-bw-2026/

Sonderseite der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zur Landtagswahl BW 2026 inklusive Kampagnen-Templates („Für Alle – mit Herz und Verstand“).
https://www.elk-wue.de/gesellschaft/landtagswahl-2026#c84127

Erstwähler-Guide der Initiative „Medien-Fokus BW“.
https://www.medienfokus-bw.de/landtagswahl-2026-ein-guide-fuer-erstwaehler/

Wahl-O-Mat zur Landtagswahl BW (Zwar nicht explizit für Jugendliche – aber sehr verständlich formuliert).
https://wahl-o-mat.de/bw2026

»Das habe ich noch nie versucht, also bin ich völlig sicher, das ich es schaffe.« (Pippi Langstrumpf) Mit der richtigen Einstellung geht meistens mehr, als man denkt oder sich im Vorfeld zugetraut hat.

Das neue KON-Thema »…weil ich’s kann« startet mit viel Selbstbewusstsein ins neue Jahr: Themenartikeln für MitarbeiterInnen und Bibelarbeiten für Gruppen vermitteln Stärke trotz Schwäche, einen konstruktiven Umgang auch mit Niederlagen und geben Tipps, wie inklusive Jugendarbeit funktionieren kann. Dazu werden Stundenentwürfe mit kooperativen Spielideen vorgestellt.

Was haben das Ende eines Zuges, der 18. Tabellenplatz der Fußballbundesliga und die letzte Platzierung bei der Tour de France gemeinsam? Alle drei werden mit der »roten Laterne« verbunden – und wem die »rote Laterne« zugesprochen wird, der hat so richtig »abgeloost«, wie die Jugend vor noch nicht wenigen Jahren zu sagen pflegte. Und das bedeutet nichts anderes, als dass man etwas verloren bzw. verpasst hat. – ganz egal, ob es sich dabei um ein wichtiges Spiel, um eine Wettbewerbsplatzierung, um eine wichtige Chance oder schlicht die letzte Bahn nach Hause handelt.

Niemand möchte gerne verlieren. Oder? Und so geben wir uns größte Mühe, der »roten Laterne« zu entgehen. Das kann aber manchmal auch dazu führen, dass wir bestimmte Dinge unseres Lebens gar nicht mehr angehen und sie direkt unversucht lassen. Das ist auch nicht immer clever. Darum lohnt es sich vielleicht, das Ganze etwas differenzierter zu betrachten. Dabei sollen uns zwei Zitate helfen.

Das eine wird dem deutschen Dramatiker Berthold Brecht zugeschrieben (wobei andere Quellen es eher der Studentenbewegung der 1970er Jahre zuordnen): »Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.«

Das andere Zitat stammt vom ehemaligen britischen Premierminister Winston Churchill: »Es ist von großem Vorteil, die Fehler, aus denen man lernen kann, recht früh zu machen.«

Doch wie sollen uns nun diese Sätze aus dem letzten Jahrhundert in der heutigen Zeit helfen? Gehen wir rein …

Wer sich die Mühe macht und es noch selbst in die Suchmaschine eingibt, wird zum Thema »verlieren« vor allem Einträge finden, die sich mit der Themenkombination »verlieren/Kind« beschäftigen. Warum es gerade für Kinder schwierig ist, zu verlieren – und warum es gleichzeitig so wichtig ist, dass Menschen in jungen Jahren lernen zu verlieren. Denn nicht wenige Probleme von Erwachsenen im Umgang miteinander lassen sich auf Fehlentwicklungen von sozialen Kompetenzen zurückführen, die im Kindes- und Jugendalter nicht entsprechend ausgebaut wurden. Doch wir machen mal langsam …

Ganz grob kommen Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren in die sogenannte »Trotzphase« (eigentlich »Autonomiephase« genannt), die meist bis zum Eintritt in die Grundschule durchlaufen wird. In dieser Phase beginnen Kinder, bekannte Grenzen und Regeln zu hinterfragen und zu überschreiten – und mitunter mit heftigen Verhaltensweisen auf die Anweisungen bzw. Handlungen der Eltern zu reagieren. Vielleicht hast du das selbst schon erlebt, wenn Kleinkinder mit Quengeln an der Kasse beginnen, weil sie so gerne noch etwas Süßes haben wollen – und sich mit lautem Geschrei auf den Boden werfen, weil die Eltern »Nein« gesagt haben?! Oder nur unter lautem Protest und Geheule den Spielplatz verlassen, weil sie gerne noch bleiben möchten – die Eltern aber aufbrechen? Oder lautstark zeigen, dass sie keine Lust haben, sich dem Wetter entsprechend noch eine Jacke anziehen zu lassen, nur weil die Eltern meinen, es sei zu kalt?

Diese heftigen Verhaltensweisen lassen sich häufig darauf zurückführen, dass die Kinder in diesen Momenten eine große Reizüberflutung erleben, sich hilflos fühlen oder ganz verzweifelt sind. Sie werden mit so einer Wucht von Emotionen überrannt, dass der innen aufgestaute Druck sich dann ganz plötzlich entlädt, wie bei einem Schnellkochtopf.

Dass Kinder nicht immer ihren Willen bekommen, dass sie auch mal warten müssen, dass sie eben auch mal ein Spiel verlieren oder im Wettlauf nicht die ersten sind – all das sind Situationen, in denen die Kinder langsam, aber Schritt für Schritt lernen, dass so etwas a) in Ordnung ist und sie b) angemessen darauf reagieren können. Und so entwickeln die Kinder eine Frustrationstoleranz, die für ihr weiteres Leben eine wichtige Bedeutung hat.

Schwierig wird es, wenn dieser Entwicklungsprozess von den Eltern verhindert oder eingeengt wird: Wenn Eltern mit Härte und Strafen reagieren, sobald das Kind in so einen wütenden Trotzanfall gerät, lernen Kinder nicht, mit ihren Emotionen umzugehen, sondern der innere Druck wird immer stärker und damit auch die Reaktionen, wenn diesem Druck dann nachgegeben wird. Wenn die Eltern weiteren Druck dadurch aufbauen, dass die Kinder nur bei »Leistung« Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit erhalten und Kinder dadurch nicht lernen, dass sie einfach für ihr »Sein« geliebt werden und genug sind. Wenn Eltern aus einer Überfürsorge heraus versuchen, den Kindern alle Hürden und Herausforderungen aus dem Weg zu räumen, haben die Kinder keine Chance, ein angemessenes Verhalten in solchen Situationen zu erlernen und werden später als schlechte Verlierer immer wieder anecken.

Jetzt haben wir also einen Eindruck davon bekommen, warum manche Mitmenschen (und vielleicht auch wir?) als schlechte Verlierer gelten und was dazu geführt hat. Aber wie gehen wir mit diesem Wissen um?

Manche versuchen, sich möglichst in keine Situation mehr zu bringen, in der sie verlieren könnten. Sie scheuen den Wettkampf (egal ob im Sport, im Spiel oder der Schule) und igeln sich regelrecht ein. Das ist aber auch mit negativen Konsequenzen belegt: man verliert unter Umständen soziale Kontakte, erlebt kaum persönliches Wachstum und kommt darum nicht wirklich weiter in seinem Leben.

Andere haben für sich erkannt: nicht die Niederlage, nicht der persönliche Fehler ist das Problem. Dass uns so etwas passieren kann, ist zutiefst menschlich. Der Wirtschaftspsychologe Michael Frese drückt es so aus: »Wir müssen scheitern, weil Scheitern eine natürliche Begleiterscheinung menschlichen Handelns ist. Weil die Komplexität unserer Umwelt immer größer ist als unser Verständnis davon.« Darum ist der Umgang mit dem Scheitern entscheidend dafür, wie das eigene Leben weitergeht.

Erfolgreiche Menschen versuchen, die Niederlagen als eine Art persönliche Wachstumschance zu sehen und daraus zu lernen. Auch Bill Gates, Steve Jobs und Walt Disney haben ihre ganz persönlichen Niederlagen erlebt, »gescheiterte Geschichten« geschrieben und dann doch noch große Erfolge gefeiert: Bill Gates erstes Unternehmen »Traf-O-Data« konnte sich am Markt nicht behaupten. Steve Jobs wurde 1985 wurde aus seinem eigenen Unternehmen gedrängt, bevor er 1997 zu Apple zurückkehrte und das Unternehmen zu dem machte, was wir heute kennen. Walt Disney wurde in seinen Anfängen als Cartoon- und Comiczeichner unter anderem bei einer Zeitung abgelehnt, weil er dort nicht als kreativ genug erachtet wurde.

Was kann uns und anderen helfen, mit dem Scheitern, den Niederlagen und Fehlern unseres Lebens, umzugehen?

Simon Sinek (US-amerikanischer Hochschullehrer, Autor [u.a. »Frage immer erst: Warum?«] und Unternehmensberater) empfiehlt, darin nach »vier Geschenken« zu suchen:

1) Demut: nicht als Schwäche, sondern als Kraft anzusehen, die es uns ermöglicht, Feedback einzuholen und lernbereit in unseren Beziehungen zu agieren.

2) Klarheit: die echten Prioritäten und Werte zu erkennen, die in unserem Leben eine Rolle spielen.

3) Resilienz: die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen und dadurch unser Vertrauen zu verstärken, auch künftige Herausforderungen zu meistern.

4) Authentizität: als Erkenntnis, zu verstehen, wer wir in all unseren Stärken und Schwächen wirklich sind und daraus resultierend die Grundlage für unsere Beziehungen zu anderen Menschen.

Darüber hinaus kann es helfen, wenn ich anderen Menschen die Möglichkeit gebe, aus meinen Fehlern zu lernen. Da gibt es zum Beispiel die »FuckUp-Nights«: wenn Menschen einander vom Scheitern eigener Ideen erzählen. So kommt das Thema aus dem Tabu-Bereich unserer Gesellschaft heraus. Hier gilt: gerne mal selbst im Internet suchen.

Doch zurück zu Brecht und Churchill und dem, was die beiden schon vor Jahrzehnten erkannt haben. Ihre Lebensweisheiten würde ich heute so formulieren: Wer immer nur zögert, sich für seine Sache einzusetzen, wird sie nie erlangen. Je eher ich auf diesem Weg aus meinen Fehlern lerne (oder die Fehler anderer zum Lernen nutze), umso schneller komme ich an mein Ziel. Dann markiert die »rote Laterne« nicht mehr den Endpunkt, sondern nur einen Zwischenstand.

»Fair sein« – ein besonders im Sport tief verankerter Gedanke. Da gibt es z. B. die »Fair Play«-Medaillen, die der DFB am Saisonende an Spieler*innen, Mannschaften und sogar Funktionär*innen verleiht und so besonderes faires Verhalten belohnt. Aber auch in anderen Sportbereichen wird »Fair Play« gelebt und gelobt Es soll verdeutlicht werden, dass faires Verhalten nicht den Erfolg im Sport gefährdet. Im Sport ist das für uns auch ein sehr nachvollziehbarer Gedanke, dem sich wohl die meisten von uns anschließen können. Egal, ob besonders »robuste« Fouls im Spiel, Doping in der Tour de France oder zu große Anzüge im Skispringen: Wir wollen, dass es fair zugeht und alle Athlet*innen die gleichen Chancen haben.

Aber wie sieht es in unserem Alltag aus, außerhalb der bunten Welt des Sports? Wie weit geht da unsere Bereitschaft, dass wir uns fair verhalten? Und was bedeutet es überhaupt, fair zu sein?

Über Moral, Ethik und Gerechtigkeit

In der Begriffsdeutung fällt uns auf, dass der im Laufe des 19. Jahrhunderts »eingedeutschte« Begriff »fair« eigentlich aus dem Englischen stammt und übersetzt so viel wie »hübsch, schön, ehrlich, gerecht, angemessen« bedeutet. In der deutschen Sprache wird »fair« aber vor allem als Synonym für die moralischen bzw. ethischen Begriffe »ehrlich«, »gerecht« und »angemessen« genutzt und nicht für die ästhetischen Eigenschaften wie »hübsch« oder »schön«.

Diese Erkenntnis führt uns zu der Frage: Was sind Moral und Ethik?

Laut dem Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de) haben wir es hier mit zwei Begriffen zu tun, die das Handeln von Personen in den Blick nehmen. Dabei versteht sich unter »Ethik« die wissenschaftliche Betrachtung des menschlichen Handelns vor der Fragestellung, nach welchen Werten das Handeln als »gut« oder »böse« eingeschätzt wird. »Moral« ist ein verwandter Begriff, der das Handeln des Menschen mehr aus der Praxis heraus bewertet und fragt, ob es den in der Gesellschaft geltenden Regeln und Werten entspricht.

Für diese Regeln und Werte ist der Aspekt der Gerechtigkeit ganz wichtig. Aber auch dieses Wort ist mehr eine Hülle, die von den Menschen ganz individuell gefüllt wird, als denn ein festverankerter Begriff, der von allen genau gleich verstanden wird. Auch hier verweise ich auf die Definition, die man bei der bpd findet. Danach geht es darum, dass zwischen zwei verschiedenen Arten von Gerechtigkeit unterschieden werden kann: der ausgleichenden Gerechtigkeit, die zwischen verschiedenen Individuen herrscht und zum Beispiel in Kaufverträgen Gestalt gewinnt (ich gebe dir Geld und du gibst mir die Ware) und der austeilenden Gerechtigkeit, die das Verhältnis zwischen dem Individuum und der Gemeinschaft gestaltet. Zum Beispiel, wenn ich im Rahmen meiner Möglichkeiten Steuern zahle und der Staat das Geld nutzt, um zum Beispiel Sozialleistungen zu zahlen, die ich im Notfall auch erhalten würde.

Die Herausforderung in der Frage nach »Ist das gerecht?« liegt also nicht in der Unterscheidung dieser zwei Arten, sondern in der konkreten Umsetzung. Das, was Menschen als gerecht empfinden, hängt häufig von der persönlichen Betroffenheit ab. Das erleben wir immer wieder in politischen Diskussionen, wenn es zum Beispiel um die Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, Generationsgerechtigkeit oder Klimagerechtigkeit geht. Und das erleben wir auch im persönlichen Miteinander mit unseren Nachbarn, Familienmitgliedern oder Kollegen.

Menschen, die auf der durch den Klimawandel vom Untergang bedrohten Insel Kiribati leben, haben da vielleicht ganz andere Gedanken zum Thema Klimagerechtigkeit als Deutsche, die Angst davor haben, kein neues Dieselauto mehr kaufen zu können.

Menschen, die allein durch ein Erbe zu Millionären werden, haben einen ganz anderen Blick auf die Fragen der sozialen Gerechtigkeit als Menschen, denen es aufgrund ihrer sozialen Herkunft kaum gelingt, die Armutsbarrieren zu durchbrechen, weil sie schon mit der Ungerechtigkeit der Bildungschancen in diesem Land hadern.

Menschen, die in diesem Land unter Armut leiden, haben vielleicht eher Angst davor, finanziell weniger Unterstützung vom Staat zu bekommen, wenn der auch Asylsuchende und Geflüchtete finanziell unterstützt als jemand, dessen Geldsorgen nicht in existentielle Krisen führen – sondern mehr darüber entscheiden, wie oft man dieses Jahr in den Urlaub fährt.

Das klingt alles ganz schön schwierig, abstrakt und theoretisch, oder? Ich würde sagen, das ist es gar nicht – aber … Trotzdem möchte ich versuchen, dir an Beispielen zu erläutern, dass diese Verhaltenstheorien für deinen Alltag eine große Relevanz haben – und es gleichzeitig wichtige Bausteine sind, um das Gesicht unserer Welt zu verändern. Los geht’s!

»Fairtrade« im Alltag leben

Bestimmt kennst du das »Fairtrade«-Logo, oder? Beim Einkaufen triffst du immer wieder darauf. Vielleicht wohnst du sogar in einer »Fairtrade«-Stadt oder hast eine »Fairtrade«-Schule besucht? »Fairtrade« ist aber mehr als das hübsche Logo. Es ist das Versprechen, das Leben von Menschen zu verändern. Und im Grunde gehörst du dazu. Zu den Menschen, deren Leben verändert wird. Zu denen, die das Leben anderer verändern.

»Fairtrade« ist ein Sozial-Siegel, dass dafür einsteht, dass die Menschen auf der produzierenden Seite in angemessener, ehrlicher und gerechter Art behandelt und bezahlt werden. Die Unternehmen, die dieses Siegel für ihre Produkte verliehen bekommen, setzen sich für fairen Handel ein, der dabei die Aspekte »Soziales«, »Ökonomie« und »Ökologie« besonders in den Blick nimmt.

Auf der Homepage www.fairtrade.net findest du dazu noch eine Vielzahl an Informationen, was das im Einzelnen bedeutet und wie sich das genau auf die Menschen in den produzierenden Ländern (vor allem im globalen Süden) auswirkt und wie dieses Siegel dazu beiträgt, ihr Leben positiv zu verändern.

Veränderungen in der Produktion und in der Entlohnung kosten jedoch Geld, darum sind diese Dinge teurer als andere. Aber wenn du dazu bereit bist, deinen Konsum an solchen Fairtrade-Produkten zu erhöhen, bist du Teil der Veränderung, die diese Welt braucht – und deine Anteilnahme an dem Leben und Leiden anderer Menschen verändert auch dich und dein Herz.

Dabei ist klar: Vielleicht möchtest du gerne mehr fair gehandelte Produkte kaufen, aber deine eigenen finanziellen Ressourcen sind dafür zu knapp – auf keinen Fall will ich dir kein schlechtes Gewissen machen. Aber ich möchte dich ermutigen, dieses Thema einfach mitzunehmen und andere Menschen und Institutionen damit in Kontakt zu bringen, die den Fairtrade-Gedanken auch finanziell unterstützen können. Oder dir wenigstes ein Produkt auszusuchen, dass du zukünftig fair gehandelt kaufst. Bei uns zu Hause ist das übrigens Kaffee 😊

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl anderer Möglichkeiten, einen eigenen Beitrag zu leisten, um diese Welt fairer und gerechter zu gestalten, zum Beispiel

  • Konsum überdenken und reduzieren (mehr Second Hand, weniger Fast Fashion, nicht immer alles neu kaufen …)
  • CO2 verringern (mehr ÖPNV, mehr Fahrrad, weniger Fliegen …)

All unsere Entscheidungen haben eine Auswirkung auf andere Menschen – so ist das, wenn man in einer Gesellschaft lebt. Niemand lebt allein für sich, man steckt immer auch in einem sozialen Netzwerk. Und selbst, wenn ich nicht alle Auswirkungen direkt miterlebe, hat mein Handeln Konsequenzen. Für andere – und damit auch für mich.

Fair zu sein und mich für Gerechtigkeit einzusetzen, macht Arbeit. Aber fair zu sein und mich für Gerechtigkeit einzusetzen, macht (besonders gemeinsam mit Freunden) auch Spaß. Und es ergibt Sinn. Für die Welt und für mein Leben.

Immer dann, wenn du nicht genau weißt, ob dein Verhalten fair ist, empfehle ich dir die »3-Fragen-Methode«, die ich bei der »Fachstelle Jugendschutz Niedersachsen« gefunden habe:

  1. Geht es mir gut damit?
  2. Geht es anderen gut damit?
  3. Ist es erlaubt?

Und damit verbunden der Rat: Bei einem Nein – lass es sein!

Der deutscher Wirtschaftswissenschaftler Axel Ockenfels hat in seinen Studien übrigens herausgefunden, dass Fairness ein Verhalten ist, das einem in den meisten Situationen auch persönlich nutzt. Denn immer dann, wenn ich als Teil einer Gruppe unterwegs bin, verhilft mir mein faires und kooperatives Verhalten dazu, dass die anderen auch in Zukunft vertrauensvoll mit mir kooperieren.

Es braucht übrigens nicht viel, um eine Gesellschaft zu einem fairen und gerechten Umgang miteinander zu begeistern, wenn sie solche Werte noch nicht lebt – oder einfach noch fairer werden könnte. Studien zum Thema »committed minority« (engagierte Minderheit) kommen zu dem Schluss, dass es maximal 25 Prozent Beteiligte einer Gruppe braucht, um die Werte und Normen der Gruppe zu beeinflussen. Je engagierter diese Menschen sind, umso weniger Menschen braucht es. Die niedrigste Zahl ermittelte eine Studie mit dem Schwerpunkt »soziale Bewegung und ziviler Ungehorsam«: Hier war nur die Beteiligung von 3,5% der Bevölkerung nötig, um erfolgreich zu sein. Darum würde ich sagen: Fangen wir an!

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