Team-Abend „Neue Kraft“

Die Idee

Dieser Entwurf ist für das Mitarbeitende-Team einer Kirche Kunterbunt gedacht. Wir haben einen Teil des Materials als Paket zusammen gepackt und den Mitarbeitenden-Teams geschickt sowie den Impuls als Video zur Verfügung gestellt, dass es für die KiKu Verantwortlichen mit geringem Aufwand durchführbar ist. Hier findet ihr alle Infos, um den Team-Abend selbst zu gestalten – ohne Paket.
Für den Team-Abend müsst ihr ca. 2-3 Stunden einplanen. Der Abend kann bei jemandem zu Hause oder auch im Gemeindehaus stattfinden. Ihr braucht eine Küche und einen Raum, in dem ihr gemeinsam essen könnt und die Möglichkeit habt gemeinsam ein Video anzuschauen (Smart-TV oder Beamer, Laptop und WLan). Gut wäre außerdem, wenn sich irgendwo eine Treppe befindet. Inhaltlich geht es an diesem Abend um Jes. 40,31. Es wird eine Aktiv-Zeit mit 3 Stationen zum Thema geben, dann eine kleine Feier-Zeit mit einem Impuls über ein kleines Video (oder zum selbst halten). Schön ist es, wenn ihr die Zeit für ein gemeinsames Essen einplant.

Einführung in den Team-Abend

Schön, dass ihr euch für den Team-Abend Zeit nehmt. Immer wieder eine Kirche Kunterbunt zu wuppen, erfordert viel Einsatz, Engagement, Kreativität und Liebe. Heute Abend kommt ihr in den Genuss selbst eine kleine Kirche Kunterbunt zu feiern. Sie soll euch stärken für eure Mitarbeit, neue Kraft geben und eure Gemeinschaft fördern. Dieser Team-Abend startet mit einer Aktiv-Zeit, danach gibt es eine kleine Feier-Zeit und dann eine gemeinsame Essens-Zeit. Inhaltlich geht es um folgenden Bibelvers: Aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (Jes. 40,31). Das dürft ihr jetzt ganz konkret erleben. Einen gesegneten Team-Abend euch!

Aktiv-Zeit

Station: NEUE KRAFT

Material: 200g weiche Datteln, 100g gemahlene Mandel, 2 EL Kakaopulver, optional: 1 Prise Salz, Kokosraspeln. Butterbrottüten, Zettel „neue Kraft“, Kleb, Wolle, Mixer, Messer, Schneidebrett

Hier dürft ihr euch Engeryballs zubereiten. Füllt die gemahlenen Mandeln, 2 EL Kakaopulver und das Salz in ein hohes Gefäß ein. Schneidet die Datteln in kleine Stückchen und gebt sie dazu. Mixt die Zutaten so lange, bis eine Art „brauner, fester, zusammenklebender Teig“ entstanden ist. Sollte die Masse nicht zusammenkleben, ein kleines bisschen Wasser hinzufügen. Entnehmt mit einem Löffel kleine Portionen und formt Bällchen mit einem Durchmesser von 1-2cm. Entweder in Kokosraspel rollen oder so verwenden. Auf die Tütchen den Zettel kleben, die Bällchen hinengeben und mit der Wolle verschließen. Die Energyballs sind ca. eine Woche haltbar.

Gesprächsimpulse
Während ihr eure Energyballs herstellt, dürft ihr euch darüber austauschen:

  • Was sind in deinem Leben Kraftquellen? Wo und bei was schöpfst du Kraft – was sind in übertragener Art deine Energyballs?
  • Welche „Zutaten“ brauchst du, um wieder Kraft zu tanken?
  • Was macht dich kräftig & energiegeladen?
  • Wen kennst du, der etwas Energie gebrauchen könnte und wie könntest du die Person dabei unterstützen wieder aufzutanken?

Station: FLÜGEL

Material: Kleiderbügel, Kombi-Zangen, Federn, Wolle, Perlen, Kärtchen, Schere, Locher, Kleb

Die letzten Monate sind und waren sehr anstrengend für die meisten von uns. Es ist fast schon überwältigend, was uns an negativen Berichten von Krieg und Corona erreicht und auf den Boden zieht. Es scheint fast so, als wären wir mitten in Leid, Aussichtslosigkeit und Krankheit gefangen. Wie schön wäre es, wenn wir einfach mal wie ein Vogel weithinaus fliegen könnten und Abstand zu unserem Alltag gewinnen könnten? Wir brauchen so dringend für viele Dinge eine andere Sicht – eine himmlische Perspektive. Gott möchte uns dies auch ermöglichen, damit wir voller neuer Einblicke in unserem Alltag landen können, um dann irgendwann wieder abzuheben.

Deshalb lassen wir uns jetzt sinnbildlich Flügel wachsen und basteln einen Flügel-Ring, der uns daran erinnert.

Nehmt euch dazu jeder einen Kleiderbügel und biegt mit der Zange einen Ring mit dem Haken oben. Nehmt euch dann ein Stück Wolle und ein Kärtchen. Locht das Kärtchen und fädelt die Wolle ein. Nehmt euch dann von den Perlen und eine Feder. Fädelt mehrere Perlen auf und steckt in eine Perle die Feder. Zum Schluss befestigt ihr die Wolle am Haken. Fertig ist eurer Flügel-Ring.

Gesprächsimpulse:

  • Von wem oder was braucht du Abstand?
  • Was denkst du, wie Gott die Dinge oder den Menschen aus seiner Perspektive sieht? Was kannst du daraus hilfreich für dich annehmen?
  • Aus der Ferne verschwimmen Einzelheiten und Proportionen. Der Vogel gleitet in der Luft. Lass dich nach „oben“ ziehen und mache in Gedanken einen Höhenflug. Was siehst du vor deinem inneren Auge? Mache ein mentales „Erinnerungsfoto“.

Station: LAUFEN UND WANDELN STATT MÜDE UND MATT

Material: Treppen-Kärtchen, Klebestreifen
Die Kärtchen solltet ihr nach Möglichkeit vor eurem Team-Treffen an einer geeigneten Treppe anbringen.

Diese Station darf jeder von euch allein durchführen. Auf der Treppe sind Kärtchen angebracht. Startet unten an der Treppe. Geht nun langsam Stufe für Stufe nach oben. Stoppt auf jeder Stufe kurz und lest die blauen Kärtchen. Wenn ihr oben seid, lest dort ebenfalls das Kärtchen und macht euch auf den Weg nach unten. Stoppt dabei wieder auf jeder Stufe und lest die gelben Kärtchen.
Am Ende der Treppe gibt es nochmal ein kleines Kärtchen.

Feier-Zeit

Bei der Feier-Zeit wäre es schön, wenn ihr eine Kerze entzündet, vielleicht ein Kreuz aufstellt und alle gemeinsam im Kreis sitzen. Die Feier-Zeit wird ca. 10-20 Minuten dauern. Mit folgenden Elementen könnt ihr diese Zeit gestalten:

Impuls zu Jesaja 40,31

Aber alle, die auf den Herrn hoffen, bekommen neue Kraft. Sie fliegen dahin wie Adler. Sie rennen und werden nicht matt, sie laufen und werden nicht müde. (Jesaja 40,31)
Dieser Vers steht heute bei diesem Team-Abend im Mittelpunkt. Weil es unsere Sehnsucht ist, nicht müde und matt zu werden, wie bei der Treppen-Aktion erlebbar, sondern neue Kraft zu bekommen, wie durch die Energyballs.
Dahin zu fliegen wie Adler.
Aber wie wachsen mir Flügel? Wie schaffe ich das? Ich habe euch eine Raupe mitgebracht – die kleine Raupe Nimmersatt. Weil ich glaube, dass diese Frage – wie wachsen mir Flügel mit dem zu tun hat, was die Raupe erlebt. Sie ist eine Raupe mit viel Hunger, sie krabbelt, robbt da am Boden entlang und ist mühsam auf der Suche nach Futter – vielleicht ist sie müde und matt. Doch dann passiert etwas mit der Raupe. Sie verpuppt sich. Sie zieht sich in den Kokon zurück und dann passiert es – diese wundervolle Metamorphose – sie wird ein wunderschöner Schmetterling. Der Raupe sind Flügel gewachsen. Sie kann dahin fliegen wie ein Adler.

Aber wie hat sie das geschafft? Diese Wandlung zu vollbringen? Wie schaffen wir diese Veränderung? Wie bekommen wir neuen Kraft? Wie ging das oben auf der Treppe? Harre auf den Herrn stand da. Das sagt uns der Bibelvers:
Aber alle, die auf den Herrn harren/hoffen, bekommen neue Kraft. Sie fliegen dahin wie Adler. Sie rennen und werden nicht matt, sie laufen und werden nicht müde. (Jesaja 40,31)
Und ich glaube diese Veränderung hat etwas mit diesem Harren zu tun. Auf den Herrn harren. Ich kann also ganz wenig tun. Wie übrigens auch die Raupe. Sie wartet in dem Kokon darauf, dass die Zeit zum Fliegen kommt. Sie verbringt Zeit in einem geschützten Raum und dort geschieht dann die Veränderung.
Und dieses Bild will ich euch heute mitgeben. Dieses Bild vom Kokon, von diesem Schutzraum. Den wir brauchen, um wieder neue Kraft zu bekommen. Den wir brauchen, damit uns Flügel wachsen. Und ich will euch Mut machen Zeit im Kokon zu verbringen. Auszuhalten, zu warten, zu hoffen, zu harren. Auf den Herrn harren, mit Zeit, in einem besonderen Schutzraum. Dafür will ich euch heute Mut machen.

Den Video-Impuls findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=f-QkenL0NBU

Segens-Gebet

Material: für jeden eine Feder

Steht zusammen auf und stellt euch in einen Kreis. Sprecht gemeinsam und schaut dabei auf den Boden.
Vieles verstehen wir nicht und macht uns müde, Gott.
Aber: Blick geht in die Mitte
Wir wollen uns daran festhalten, dass Gottes Kraft uns stärkt und uns mit Leichtigkeit segnet.
Jede:r nimmt eine Feder, legt sie auf die Handinnenfläche und dreht sich zu seine:r linken Nachbar:in und spricht reihum
Ich segne dich mit Gottes Kraft, dass dir Flügel wachsen und Leichtigkeit in dein Leben kommt.
Feder wegpusten
Nach der letzten Person sagen alle gemeinsam AMEN

Gebet

Plopp-Gebet oder Seifenblasen-Gebet

Lieder

  • Du bist stark (Adlerlied), Glaubenszentrum Family Worship –> auch zu finden als Video bei YouTube
  • Wie ein Adler – Gott sei mit Dir, Hans-Joachim Eckstein
  • Auf Schwingen getragen und frei, Johannes M.Roth

Ideen für zu Hause

Für jeden Mitarbeitenden gibt es die „Geschichte vom Adler, der nicht fliegen wollte“ (James Aggrey) zum Mitnehmen.

Die Geschichte findet ihr hier: Der Adler, der nicht fliegen wollte – Lehrerermutigungstreffen oder als Bilderbuch: Der Adler, der nicht fliegen wollte (ejw-buch.de)

Essens-Zeit


Genießt es gemeinsam als Team zu Essen. Kocht doch einfach gemeinsam Nudeln und reicht Pesto dazu.

1. Das Bibel Projekt

„Das Bibel Projekt“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die biblischen Erzählungen und Themen in kurzen, kreativen Videos anschaulich zu vermitteln.

Diese Videos helfen dir, den Aufbau eines biblischen Buches oder ein biblisches Thema besser zu verstehen und anderen weiterzugeben. Die kurzen Videos sind besonders für junge Menschen hilfreich, um die komplexen Zusammenhänge der biblischen Erzählungen zu verstehen. Die Videos können aber auch in Gottesdiensten, Jungschar- und Teenkreisen, im biblischen Unterricht oder in vielen anderen Kontexten verwendet werden. Mir helfen sie persönlich in der Vorbereitung einer Bibelarbeit, um schnell und unterhaltsam große Zusammenhänge zu verstehen. Aktuell gibt es die fünf Bücher Mose und die vier Evangelien als Serie. In Zukunft sollen weitere Videos folgen.

http://www.dasbibelprojekt.de

2. Stay on fire

Du kennst keine christlichen YouTuber? Dann solltest du dir mal Thaddäus Schindler von „Stay on fire“ reinziehen. Ein unglaublich flippiger und begeisternder Typ, der mit kurzen Motivationsclips Evangelium auf den Punkt bringt. Seine Videos finden immer mehr Follower und seine Themen reichen von Alltagsthemen wie Angst und Reichtum bis hin zu Gottes Versöhnung durch Jesus am Kreuz. Die Machart der Videos ist professionell und passt super in die Teen- und Jugendarbeit. Für Leitende ist der Blog gut, denn dort kommen auch andere Autoren zu Wort und schreiben über Veränderung, Scheitern und Gemeinde. Mich persönlich begeistern seine Videos, seine kurzen Erklärungen und es sind auch Clips, die ich gern mit meinen Jungen Erwachsenen und Mitarbeitern teile.

Youtube: Stay on fire

3. Bibelentdeckungen.de

Der Geheimtipp für guten und unterhaltsamen Input zur Welt der Bibel. Guido Baltes, Dozent am Marburger Bibelseminar, reist nach Israel und filmt historische Orte und Schauplätze biblischer Geschichten. Die Videos sind nicht professionell, aber durch Selfiestick, Sonnenbrille und 3-Tage Bart nimmt dich Guido mit in eine interessante Zeitreise. Die Videos erklären viel Kontext, zeigen, wie es heute dort aussieht und Guido hat immer auch ein FunFact dabei, den ich so noch nie gehört habe. Außerdem verlinkt er zu interessanten Büchern und Veröffentlichungen. Auch einige seiner Vorträge und Texte findest du auf diesem Blog. Was für mich besonders interessant ist, sind die historischen Texte aus der Zeit Jesu. Für alle historisch Interessierten und Hobby-Archäologen eine tolle Seite.

http://www.dasbibelprojekt.de

4. The Bible Tool

Das ultimative Hilfsmittel für alle sprachbegeisterten Bibelforscher. Das „Bible Tool“ zeigt dir die parallele Darstellung der Bibeltexte von Englisch, Hebräisch und Griechisch. Vielleicht nicht für den kurzen Einstieg in eine Jungscharandacht geeignet, aber zur Vorbereitung von sprachlichen Nuancen einer Bibelarbeit. Du findest dieses mächtige Werkzeug unter

www.crosswire.org/study/parallelstudy.jsp

5. Bibelwissenschaft.de

Das Nachschlagewerk, das weltweit Maßstäbe in Sachen Qualität und Wissenschaftlichkeit setzt. Die wissenschaftlichen Textausgaben vom wissenschaftlichen Bibellexikon (WiBiLex) zählen zu den international anerkannten Standardwerken. Es ist fundiert und wird regelmäßig mit den neuesten Erkenntnissen der Bibelwissenschaft aktualisiert. Das Beste daran: Diese hochqualitativen Texte gibt es kostenlos. Es entsteht als Projekt der Bibelgesellschaft, um ein umfangreiches wissenschaftliches Lexikon zur gesamten Bibel zusammenzustellen. Aktuell sind über 1700 Artikel, vor allem zum Alten Testament, eingestellt. Bei seiner Fertigstellung wird das Lexikon über 3000 Artikel zum Alten und Neuen Testament umfassen. Die Stichwortsuche und der Themenkatalog führen dich zu deinem gewünschten Text voller Hintergrundinfos aus mehreren Hundert Jahren der Bibelforschung. Ich nutze das WiBiLex gern zu Predigtvorbereitungen oder Bibelarbeiten, wo ich historischen Kontext, Lebensumstände und Denkweisen der Menschen der Bibel nacherzählen will. Und es ist mal was anderes als ständig Wikipedia zu fragen.

http://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/

Gott ist Gut?!?

Lied im Gottesdienst

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Er, der mein Herz regiert
Sei mein Fels und sei mein Schutz
Der Quell aus dem ich trink
Oh, er ist mein Lied
Er, der mein Herz regiert
Sei der Schatten, der mich birgt
Mein Retter allezeit
Oh, er ist mein Lied
Du bist GUT, GUT, oh
Du bist GUT, GUT, oh
Du bist GUT, GUT, oh
Du bist GUT, GUT, oh

Sonntag, 09. Januar 2022 – Tote und Verletzte in Brasilien – Felswand stürzt auf Ausflugsboote –

Die Menschen, die ums Leben kamen, waren alle auf dem gleichen Boot, das den Namen „Jesus“ trug.

„Hiobsbotschaft“
Da brauste ein Sturm aus der Wüste heran. Der packte das Haus an den vier Ecken. Es stürzte über den jungen Leuten zusammen. Alle kamen dabei ums Leben. Hiob 1,19

Wie kann Gott angesichts des Bösen und des Leides in der Welt zugleich allmächtig, gerecht und gut sein?

Hiob wird sich bei näherem Hinsehen und einer ernsthaften Auseinandersetzung als ein Trostbuch erweisen. (Rüdiger Lux)

„Und Hiob starb alt und lebenssatt. (Hiob 42,17)

„Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder.“ (Hiob, Joseph Roth)

Entstehung & Aufbau des Buches Hiob

CHRISTLICHER KANON: Poetische Lehrbücher: Hiob, Psalmen, Sprüche, Prediger, Hoheslied

HEBRÄISCHER KANON: Ketuvim (TaNaK: Tora, Neviím, Ketuvim)

NAME: Ijob איוב„ = Wo ist der (göttliche) Vater? o. „Der von Gott Angefeindete“

URTEXT: Griechisch 2.Jh.v.Chr. Aramäisch 100 v.Chr., Syrisch 2.Jh.n.Chr. Hebräisch 900‐950 n.Chr.

Entstehung des Buches Hiob

Einzigartiges Buch in der Bibel:

  • spielt in Uz, weit weg von Israel
  • alle Charaktere sind keine Israeliten
  • es gibt keine klare historische Einordung

Der Punkt: Der Autor möchte, dass wir uns auf die Fragen konzentrieren, die durch Hiobs Leben aufgeworfen werden.

  • ZEITANGABEN: Fehlanzeige (nachexilisch, 5.‐2. Jhd.v.Chr oder ältestes Buch/Zeit der Erzväter?)
  • GESCHICHTLICHE EINORDNUNG: Fehlanzeige (Verbindung AT: Hesekiel)
  • ORT: Uz („im Osten“: arabische Halbinsel?, Edom?, …)
  • AUTOR: Fehlanzeige (Weisheit, nachexilisch, Prozess)
  • ADRESSATEN: Fehlanzeige
  • TEXTGATTUNG: Poetisches Lehrbuch, Novelle („kleine Neuigkeit“, kurze geradlinige Erzählung mit Ziel) & Dialogdichtung („Drama in Versform“)

Kennzeichen einer symbolhaften Personifaktion
In einer Person wird die Geschichte von vielen erzählt. Hiob als Modell.

Der Aufbau des Buches Hiob

Kapitel 1-2: Prolog –> Erde – Himmel

Kapitel 3-37: Hiob und seine Freunde –> Elihu 19%, Zofar 6%, Bildad 5%, Elifas 13%, Hiob 57% –> 10 Reden, 1 Klage & 9 Antworten incl. Kap. 28 Lied der Weisheit

Kapitel 36-41: Gottes Antwort –> Hiob 8%, Gott 92%

Kapitel 42: Epilog –> Hiob, Gott-Freunde, Gott-Hiob

Insgesamt: Novelle-Rahmen 5%, Poesie-Redeanteil 95%

Der Prolog

  1. Stichwort: Gutes Leben (Segen = Reichtum, Glück), Hiobs früheres Glück –> schuldlos, gerecht, ehrt Gott
  2. Stichwort: Wohlstandsevangelium
  3. Stichwort: … ein geläufiges BILD Hofstaat Gottes
  4. Stichwort: Satan –> Hebr.: Ankläger, Widersacher

„Wo kommst du her? Ich habe die Erde hin und her durchzogen.“ (1,7 + 2,2)

Unterscheidung: verschiedene Formen des Leidens:

a) Von Menschen verursacht
b) Schicksalhaft (Krankheit, Umweltkatastrophe …)
c) Verschiedenste Mischungen von a) und b) (Unfall, Verhalten über Generationen …)

Liebe & Freiheit

  • Gott lässt Leid zu
  • Gegenteil von Liebe ist Kontrolle, nicht Hass!

Warum? Wir nehmen an, das Buch beantwortet die Frage, warum Gott Leid zulässt.

Aber: Das tut es nicht …

Die wirklichen Fragen: Ist Gott gerecht? Regiert er die Welt in Gerechtigkeit?

Rolle von Hiobs Frau

a) Eva‐Rolle als Versucherin, „törichtes Weib“?
b) Fürsorge, wünscht ihm dass er sterben kann? Hiobs „österliche“ Antwort: Das ganze Leben ist eine Mischung aus Freude und Leid, und wir müssen beides akzeptieren.“

Hervorragende Seelsorge der Freunde

  • sehen Hiob
  • leiden und trauern mit Hiob
  • schweigen 7 Tage und Nächte mit ihm
  • „sein Schmerz war sehr groß“

Hiob und seine Freunde

Auftakt im Kapitel 3: Mit Hiob beten lernen

Klage heißt meine Gefühle und Gott ernst zu nehmen Schweigen Gottes aushalten (37 Kapitel sagt Gott nichts!)

Hiobs Diskussion mit seinen Freunden:

1. Ist Gott gerecht? 2. Regiert Gott die Welt nach dem strengen Grundsatz der Gerechtigkeit? 3. Wie kann Hiobs Leiden erklärt werden?

Hiobs Freunde: Menschliche Logik zerbricht

Mechanistisches Weltbild:
Tat – Ergehen (Kausalitätsdenken stimmt und stimmt nicht!)
„Wer Unheil sät, erntet es auch.“ „Der Mensch erzeugt sich selbst das Unheil.“ Elifas 4,8 + 5,7
Gnadenlose Seelsorge
„Ihr seid Lügentüncher und seid alle unnütze Ärzte“ Hiob 13,4

Grundannahme:

Menschliches Handeln = Weise & Gut –> Erfolg & Belohnung = Gottes Gerechtigkeit Menschliches Handeln = Böse & Dumm –> Unglück & Bestrafung = Gottes Gerechtigkeit

Hiob und seine Freunde

Gefährdungen Hiobs

• Opferrolle, Selbstmitleid
• Selbstgerechtigkeit – späte Erkenntnis: „Darum hab ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe.“ 42,3

Hiob: Argument: Ich bin schuldig! –> Folge: Mein Leind ist keine göttliche Strafe –> Schlussfolgerunge A: Gott regiert die Welt nicht in Gerechtigkeit ODER Schlussfolgerung B: Gott ist ungerecht

Die Freunde: Argument: Gott ist gerecht –> Folge: Gott regiert die Welt in Gerechtigkeit –> Schlussfolgerug: Hiob „muss“ gesündigt haben

Gottes Antwort

Richard Rohr:
„Unser grundlegendstes theologisches Problem besteht darin, dass Gott Gott ist und wir nicht. Die meisten von uns regen sich im Grunde furchtbar darüber auf, dass sie nicht Gott sind. Es macht uns fertig, dass irgendjemand anders als wir die Fäden in der Hand hat, dass wir nichts weiter sind als Geschöpfe.“

Warum gibt es Leid in der Welt? –> Wir leben in einer wunderbaren Welt, die im Moment nicht dazu ausgelegt ist, Leid zu verhindern.

Hiob: Du bist ungerecht –> Gott: Du bist nicht in der Position, mich anzuklagen

Hiob: Ich verlange eine Erklärung! –> Gott: Ich lade dich ein, meiner Weisheit zu vertrauen

Hiob und sein Bruder Christus

Gott durchbricht endgültig den Zusammenhang von Tat‐Ergehen
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen …“ Psalm 22 & Mt 27,46

Philipper‐Christushymnus Phil 2,6‐11

Jesus ist das Ineinanderfallen der Gegensätze: Ein unendlicher Gott, der die Endlichkeit angenommen hat.

„Wenn wir wirklich einen schmerzlichen Verlust erlitten haben, verlieren Aussagen wie: ´Gott hat einen größeren Plan´ ihren Sinn.“

Der Epilog

Hiob – eine Bekehrungsgeschichte

Hiob hat neu gelernt zu glauben, zu vertrauen in allem Widerstand, in aller Klage – zuletzt in aller Demut.

Das Hiobbuch ist in hohem Maß riskant: Gott riskiert Hiob zu verlieren. Hiob riskiert Gott zu verlieren.

Aber Hiob hat gelernt: Ein Abschied von Gott löst nicht die Probleme


Hiob – Eine Einladung, Gottes Weisheit zu vertrauen

Hiob 19,25: Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staub sich erheben. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen.

Hiob 28,20 ff: Woher kommt denn die Weisheit? Und wo ist die Stätte der Einsicht? … Gott weiß den Weg zu ihr. … Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und meiden das Böse, das ist Einsicht

Das winterliche Turnier im Wüstenstaat erhitzt die Gemüter bereits jetzt. Während Christinnen und Christen hierzulande in der Adventszeit der Feier der Geburt Jesu Christi entgegenfiebern, werden die weltbesten Fußballer ab dem 20. November unter sengender Sonne um die Krone ihrer Sportart ringen. Das Endspiel im Emirat am Persischen Golf wird pünktlich am 4. Advent ausgetragen. Hinzu kommen Menschenrechtsverletzungen im autoritären Königreich, fragwürdige Arbeitsbedingungen und weltweite Boykottforderungen. Das alles stellt die kirchliche Arbeit im Advent 2022 vor besondere Herausforderungen.

Anti-Turnier und Fußball auf der Kanzel

Die evangelische Kirche hat deshalb jetzt spezielle Hilfsmaterialien für Kirchengemeinden herausgegeben. Unter der Überschrift „Macht hoch die Tür, die Tooor macht weit“ gibt ein Arbeitsheft auf 36 Seiten Tipps für einen konstruktiv-kritischen Umgang mit der umstrittenen WM. Die Broschüre mit dem Titel in Anlehnung an das bekannte Adventslied enthält Anregungen für Gottesdienste an den vier Adventssonntagen im Schatten der WM und Aktionsvorschläge für die Gemeindearbeit. Warum nicht mit lokalen Vereinen ein „Anti-Turnier“ organisieren oder Fußballerinnen und Fußballer zur Predigt auf die Kanzel bitten?

Gastbeitrag von DFB-Präsident Neuendorf

Ergänzt wird das Heft durch Gastbeiträge unter anderem von DFB-Präsident Bernd Neuendorf, ZDF-Sportmoderatorin Claudia Neumann oder Hessen-Nassaus Kirchenpräsident Volker Jung sowie dem EKD-Sportbeauftragten und rheinischen Präses Thorsten Latzel. Zudem gibt es auch Impulse rund um das jüdische Lichterfest Chanukka, auf das die WM ebenfalls fällt. Das Heft will dabei keine endgültigen ethischen Antworten und Lösungen rund um die WM in Katar präsentieren, sondern die Licht- und Schattenseiten des Turniers beleuchten und vor allem zu einem praxisorientierten Umgang vor Ort ermutigen.

Tipps als Gemeinschaftsproduktion

Gedacht ist die Broschüre vornehmlich für das Gemeindeleben vor Ort, für Gottesdienste, die Arbeit mit Jugendlichen und Gesprächskreise. Entwickelt und herausgegeben haben das Heft der Evangelische Bund und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Kirche und Sport sowie der Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung „midi“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). 

Was, wenn »Alles« zu viel wird? Wenn Chaos, Krisen und Katastrophen auf uns stürzen – wie auch schon zu Jesu Geburt? Wenn alles an Weihnachten wichtig ist, nur nicht das Kind in der Krippe?

Hilfreiche Themenartikel und Bibelarbeiten zu alledem bietet euch KON »Mit alles«. Darüber hinaus findet ihr kreative Stundenentwürfe, wie man z. B. aus Alltagsgegenständen Spiele entwickeln oder einen Adventskalender basteln kann.

Kreativität, Spontanität, Flexibilität – alles das braucht dieser Stundenentwurf.

Am besten kündigt ihr diese Gruppenstunde eine Woche vorher an. Denn für diese Stunde ist wichtig, dass alle von zu Hause 2–5 Gegenstände mitbringen. Diese Gegenstände können ganz unterschiedlich sein. Es gibt überhaupt keine Vorgaben, außer, dass sie in der Gruppenstunde benutzt werden dürfen, also z. B. von anderen angefasst werden dürfen. Es sollten also eigene Gegenstände sein und nichts, was man sich von anderen geliehen hat, die nicht über die Gruppenstunde Bescheid wissen. Und es sollten auch keine Dinge sein, die leicht kaputt gehen und schwer zu ersetzen sind, denn man weiß bei diesem Stundenentwurf ja nie, was genau passiert.

Spielideen entwickeln

Die Stunde beginnt damit, dass alle mitgebrachten Gegenstände in eurer Mitte gesammelt werden. Betrachtet, was dort alles zusammengekommen ist und bildet anschließend Kleingruppen von 2–5 Personen. Jede Kleingruppe hat nun ca. 30 Minuten Zeit, sich einige Gegenstände auszusuchen (es müssen nicht die selbst mitgebrachten sein) und ein Spiel zu entwickeln, das mit diesen Gegenständen gespielt werden kann. Hier sind der Kreativität nur die Grenzen der Machbarkeit mit euren Möglichkeiten gesetzt – alles was in euren Räumen, mit eurer Gruppe in dieser Gruppenstunde machbar ist (und kein besonderes Verletzungsrisiko birgt), ist erlaubt.
Nach 30 Minuten ungefähr trefft ihr euch wieder. Nun stellen allen Gruppen ihre Spielideen vor und ihr spielt diese Spiele natürlich auch. Probiert sie aus und gebt der Gruppe anschließend auch gerne Rückmeldung, welche tollen Ideen sie hatten und was euch vielleicht noch als Ergänzung dazu eingefallen ist. Wenn ihr es zeitlich nicht schafft, alle Spiele auszuprobieren, könnt ihr natürlich einfach beim nächsten Treffen weitermachen.
Dieser Stundenentwurf eignet sich auch gut für Freizeiten und auch für Schulungen zum Thema Spieleentwicklung und Spielepädagogik. Denn um ein eigenes Spiel zu entwickeln, muss sich jede Gruppe zahlreichen Gedanken machen:

  • Welche Materialien und Räumlichkeiten haben wir zur Verfügung?
  • Mit welcher Zielgruppe und mit wie vielen Menschen spielen wir unser Spiel?
  • Was soll das Ziel unseres Spieles sein?
  • Welche Regeln sind wichtig?
  • Was muss unbedingt beachtet werden (Stichwort: Verletzungsrisiko)?
  • Wie viel Zeit benötigt unser Spiel und wie viel Zeit die Vorbereitung?

Andacht:

Auch die Andacht kann passend zu dieser Stunde sehr kreativ und spontan gestaltet werden.
Ich habe schon mehrfach in unterschiedlichen Gruppen gute Erfahrungen mit dieser Art Andacht gemacht und kann nur empfehlen, diese Methode einfach selbst mal auszuprobieren.

  1. Beginn/Begrüßung zur Andacht
    Wer möchte, kann ein Votum sprechen oder die Andacht mit einem kurzen Gebet oder einem Lied eröffnen.
  2. Aktion
    Alle, Mitarbeitende und Teilnehmende bekommen nun folgende Aufgabe gestellt:
    »Schaut euch in diesem Raum/auf dieser Wiese … um. Was sehr ihr? Was gibt es hier alles?«
    »Steht auf und sucht euch einen Gegenstand aus (einen Stein, eine Spielfigur, einen Ball, eine leere Flasche … was immer gerade da ist) und bringt ihn mit zurück in diesen Kreis.«
    Sind im Raum besonders viele Gegenstände greifbar, könnt ihr die Aufgabe auch noch etwas mehr konkretisieren. Zum Beispiel: „Bringt den leichtesten/erstaunlichsten/kleinste n… Gegenstand mit in den Kreis.“
  3. Runde 1
    Sind alle wieder zurück im Kreis mit ihren Gegenständen, startet eine kurze Austauschrunde, in der nun alle ihren Gegenstand kurz vorstellen, also einfach erzählen, was sie da ausgewählt haben.
    Wer mag kann zusätzlich auch noch in 1–2 Sätzen erklären, warum die Wahl genau auf diesen Gegenstand gefallen ist.
  4. Runde 2
    In dieser zweiten Runde sollen nun alle einmal berichten, was der ausgewählte Gegenstand mit Gott zu tun haben könnte.
    Es gibt zahlreiche Möglichkeiten und ich bin sicher, dass jeder und jedem etwas einfällt. Richtig und falsch gibt es hier natürlich sowieso nicht. Alle Gedanken und Ideen sind gut!
  5. Abschlussgedanken:
    Gott ist in dieser Welt, in allem und durch alles können wir Zugang zu ihm finden. Denn Gott ist vielseitig. Mindestens so vielseitig wie wir. Jeder Gegenstand kann uns etwas von Gott sagen und zeigen.
    In jedem Menschen können wir Gott entdecken. Und manche von uns können Gott vielleicht in einem Lied spüren. Andere in einem Gebet im Gottesdienst in der Kirche.
    Wieder andere vielleicht aber auch in dem Spaß, den wir hier als Gruppe beim Spielen zusammen haben. Oder auf Freizeiten, wenn wir am Lagerfeuer zusammen sitzen. Oder beim (Bibel-)Lesen.
    Gott ist so groß, dass es nicht nur eine oder zwei Arten gibt, wie wir ihm begegnen können.
    Gott findet auch den Zugang zu dir, wenn du das möchtest. Er findet dann bestimmt genau den richtigen Zugang zu dir.
    Du kannst iGott auch finden. Probier es einfach aus. Du kannst dabei nichts falsch machen.
  6. Abschlusslied und/oder Segen

Natürlich könnt ihr gern auch zwischendurch noch Lieder einbauen, wenn ihr mögt.

Sooo viele Baustellen! Sooo viele Ideen! Sooo viele Möglichkeiten!

Es gibt Menschen, die sprudeln permanent über vor Ideen. – Gehörst du zu ihnen? Dann kennst du bestimmt den Schmerz, wenn wundervolle Ideen, Träume und Visionen nicht ins Leben kommen. Da ist einfach zu wenig Zeit, um all die tollen Gedanken umzusetzen, die dir im Kopf rumspuken. Vom Geld und von der Manpower ganz abgesehen. Manchmal ist es auch ein „zu viel“ an Widerstand oder „zu wenig“ Begeisterungsfähigkeit bei anderen. Oder zu wenig Entscheider-Mut. Das kann sehr viel Kraft kosten – mehr, als Projekte umzusetzen. Und du merkst, wie sich Bitterkeit, Frust, Enttäuschung & Co. breit machen.

Wie kann ich einen – für mich und andere – guten Weg finden, damit umzugehen, wenn ich ein vor Ideen sprudelnder Mensch bin?

Sooo viel zu erledigen! Sooo eine lange To Do-Liste! Sooo viele unsortierte Stapel!

Vielleicht sind die Visionen und Ideen ja gar nicht dein Problem?! Du kämpfst viel mehr mit dem vielen Kleinkram, der sich in jeder Ecke sammelt. Oder mit den Tagesordnungspunkten auf der Sitzungsliste. Mit organisatorischen Dingen im Hintergrund, die halt sein müssen, damit der Laden läuft. Mit all dem Kram, den außer dir irgendwie keiner zu sehen scheint, an dem du aber nicht vorbeikommst.

Wie kann ich einen auf Dauer gesunden Umgang mit all diesen Dingen finden, damit ich nicht still und heimlich ausbrenne?

Sooo viel zu entscheiden! Sooo viel anzupacken! Sooo viel Verantwortung zu tragen!

Manchmal kann sich das ganz schön einsam anfühlen, wenn man jemand ist, dem es leicht fällt, Entscheidungen zu treffen. Denn natürlich finden nicht immer alle das Ergebnis toll. Und da kann schon mal Frust aufkommen, wenn keiner eine klare Meinung hat – bis du eine Entscheidung getroffen hast. Es ist so leicht, die Entscheidung eines anderen zu kritisieren und es besser zu wissen. Vor allem, wenn ich mich in der Menge verstecken kann. Und es braucht Rückgrat, sich in eine exponierte Position zu begeben und notfalls alleine da zu stehen, wenn es Kritik oder Häme hagelt.
Wie kann ich da die Freude behalten und nicht alles hinschmeißen, wenn es zu viel wird?

Sooo viele Menschen! Sooo viele Bedürfnisse! Sooo viele Erwartungen!

Den Juden eine Jude, den Griechen ein Grieche – allen alles sein?! Alle Ansprüche aller Menschen erfüllen – und ihre Erwartungen noch dazu! All ihren Bedürfnissen gerecht werden und allen Nöten begegnen.

Wie kann ich da fröhlich engagiert bleiben ohne unter den (vermuteten) Erwartungen der anderen und der Not der Welt zusammenzubrechen?

Ich vermute mal, du hast dich in einer der vier Beschreibungen zumindest ein Stück weit wiedergefunden. Hintergrund ist das DISG-Modell. Mehr dazu in der Literatur- und Linkliste.

Auch vom Guten kann es ein „zu viel“ geben.

Immer wieder stoßen wir auf die Frage der Balance. Und da geht es mehr darum, mich gut zu kennen und zu reflektieren, als etwas nach „Schema F“ zu machen. Viel Arbeit ist ja per se nicht schlecht. Mich beflügelt das, wenn ich ordentlich was zu tun habe und dadurch was bewegen kann. Es kommt aber sehr darauf an, was ich zu tun habe und wie leicht mir das fällt. Wie viel Unwägbarkeiten dabei sind oder wie überschaubar meine Aufgabe ist. Und, ob ich alleine arbeite oder ein Team an meiner Seite habe, das mich unterstützt und beflügelt.

Energiekiller

Manchmal wird aus „viel“ einfach dadurch ein „zu viel“, weil da zu viele ungeklärte Fragezeichen sind. Oder zu viele Menschen, die da auch noch mitreden wollen. Ich habe gelernt, auch darauf zu achten, ob sich „Energiekiller“ an Aufgaben dranhängen und welche das sind. Das ist so eine Mischung aus allgemeinen und individuellen Komponenten. Kennst du deine Energiekiller? Es lohnt sich, Zeit darauf zu verwenden, sie zu identifizieren. Achte in den nächsten Tagen mal darauf, was dich frustriert oder dir die Freude an einer Aufgabe nimmt. Alternativ kannst du auch ein bereits abgeschlossenes Projekt reflektieren, an das du dich gut erinnerst. Schreibe die „Energiekiller“ auf und male zu jedem eine Skala, die von „0 = macht mir nichts aus“ bis „10 = macht mir sehr zu schaffen“ reicht. Dann kreuze aus dem Bauch raus für jeden einzelnen Faktor an, wie sehr er dich belastet. (Siehe Schaubild)

Was machst du jetzt damit? Wähle die Faktoren aus, die dir am meisten Energie rauben und überlege, was du ändern kannst, damit du günstigere Arbeitsbedingungen schaffen kannst. Vielleicht sprichst du mit deinem Team darüber? Dann bitte alle, für sich selbst so eine Übersicht zu erstellen, und dann tauscht euch aus, wie ihr euch gegenseitig unterstützen wollt, dass ihr mehr Energie in euer gemeinsames Projekt stecken könnt.

Du kannst für dich oder mit deinem Team zusammen Strategien entwickeln, damit ihr eure „Energiekiller“ zumindest in Schach halten könnt. Meine beschreibe ich gleich in Kombination mit meiner Strategie, ihnen wirksam entgegenzutreten:

Verzetteln

Da hilft mir ein sehr praktisches Tool aus Papier: mein Schreibtischkalender. Da trage ich keine Termine ein, sondern alle To Do’s, wenn sie mir einfallen. Dann haben sie einen Platz und sind terminiert. Und ich brauche mich nicht mehr sorgen, ob ich auch ja nichts vergesse.

Sorgen machen

Ein allgemein sehr beliebter Energiefresser, den ich mittlerweile weitgehend in Schach halten kann. Durch Logik: Kann ich etwas daran ändern? Wenn ja, was und wann mache ich das? Wenn nein: Weg damit. Beten und konsequent bei Gott ablegen hilft mir sehr. Da sind die Dinge, die mir Sorgen machen in kompetenten Händen. Und ich habe Kopf, Herz und Hände frei, um mich um meine Aufgaben zu kümmern.

Unklare Absprachen

Ich frage nochmal nach und bitte mein Gegenüber, sich klar auszudrücken. Wenn ich eine Rückmeldung per E-Mail möchte, schreibe ich Tag – und manchmal Uhrzeit – bis wann ich die brauche. Danach treffe ich eine Entscheidung anhand der Rückmeldungen, die bis dahin eingegangen sind.

Unklare Erwartungen

Ich frage nach: „Was wünschst du dir?“ Und wenn sich herausstellt, dass es keine Wünsche sondern Forderungen sind, die ich zu erfüllen habe, dann lohnt es sich, mit meinem Gegenüber eine Runde zu drehen und zu klären, was davon in meinem Verantwortungsbereich liegt und was nicht. Wer sagt denn, dass ich alle Forderungen anderer zu erfüllen habe? Wenn du an diesem Punkt immer wieder Schwierigkeiten hast, lohnt es sich, dich mal mit deinem „inneren Team“ auseinanderzusetzen. Entweder zusammen mit einem Coach oder einer Mentorin. Oder auch mit diesem kleinen Übungsbuch von Jutta Heller: „So bin ich stark. Gut aufgestellt mit dem inneren Team.“

Missstimmung im Team

Offen ansprechen: „Ich nehme wahr, dass …“ – „Wie nehmt ihr das wahr?“ Sag auch, was dir wichtig ist für eine gelingende Zusammenarbeit und gib den anderen ebenfalls die Gelegenheit, sich dazu zu äußern. Und dann findet einen Konsens.

Übergehen wir Missstimmung im Team auf Dauer, schadet das allen im Team: denen mit denen ihr unterwegs seid – und eurem Auftrag könnt ihr auch nicht richtig gerecht werden. Die Zeit und Kraft und den Mut, die ihr an dieser Stelle in Aussprachen investiert, die lohnen sich wirklich. Und wenn am Ende dabei herauskommt, dass ihr eigentlich gar nicht zusammenarbeiten wollt/könnt, dann ist das nicht unbedingt ein Scheitern – auch wenn es sich zuerst so anfühlt.

Leute wollen sich möglichst lange alle Optionen offen halten.

Mir hilft es zu prüfen, wo ich gut mit Ungewissheit leben kann und wo ich Klarheit brauche, um mich konzentriert und effizient vorzubereiten. Umgekehrt achte ich darauf, dass ich selbst in Absprachen möglichst klar bin und den anderen nicht hinhalte, nur weil es mir schwer fällt, eine Entscheidung zu treffen.

Apropos Entscheidungen treffen: KEINE Entscheidung zu treffen, bzw. es möglichst lange rauszuziehen habe ich für mich als großen Energiekiller identifiziert. Immer wieder kreisen die Gedanken darum. Ich wäge ab, prüfe, eiere rum… Und heimlich still und leise verpufft dabei einiges an Energie. Also: einmal Zeit nehmen, Optionen prüfen und abwägen, in mich reinhören, Entscheidung treffen, Entscheidung kundtun. Und dann dazu stehen. Nicht verknöchert ein Gesetz draus machen. Es gibt Situationen, da habe ich Ja gesagt und dann ändert sich auf dem Weg etwas Entscheidendes. Da wäge ich dann so gut wie es mir möglich ist nach allen Seiten ab und überprüfe meine Entscheidung unter diesen neuen Voraussetzungen noch einmal. Und dann kommuniziere ich sie zeitnah und klar.

Das A & O bei der Auseinandersetzung mit den Energiekillern: Sei barmherzig. Mit dir selbst. Mit anderen. Wir sind alle unvollkommen. Uns wird nie alles 100% so gelingen, wie wir das gerne hätten.

Prävention

Wir haben uns angeschaut, wie wir mit Energiekillern umgehen können. Jetzt möchte ich dein Augenmerk noch auf drei Komponenten lenken, die deine seelische Gesundheit und deine Lebensfreude auf Dauer stärken können. Komponenten also, die dich widerstandsfähiger, resilienter gegen negativen Stress machen, der dir Motivation, Schaffenskraft und Freude raubt. Und damit sind wir mitten drin in der Prävention. Wie kann ich als engagierte Person so mit meinen Ressourcen umgehen, dass sie für die ganze Strecke reichen? Es gibt weit mehr, doch mir liegen diese drei besonders am Herzen:

Resilienzfaktor „Gesehen werden“

Kurz gesagt steckt hinter vielen ausgebrannten Menschen ein Mangel an „gesehen werden“. Ihnen fehlt schlicht die Rückmeldung von anderen:

Ich sehe dich. Ich sehe deine Gaben. Ich sehe, was du in die Gemeinschaft einbringst. Mir ist auch wichtig zu verstehen was du brauchst, damit es dir in unserer Gemeinschaft gut geht. Ich bin bereit, genau hinzuschauen und hinzuhören, um dich besser kennen zu lernen. Ich habe Interesse an dir. Ich schätze dich. In deiner Einzigartigkeit – inklusive deiner Eigenarten. Ich sehe und achte deinen Wert und deine Würde.

Es ist von unschätzbarem Wert für uns als Gemeinschaftswesen erschaffene Menschen, von unserem Gegenüber genau diese Botschaft zu bekommen. Also lasst uns einander positive Rückmeldungen geben, wo immer wir eine Gelegenheit dafür finden. Lasst uns kreativ darin werden, anderen unsere Wertschätzung auszudrücken.

Resilienzfaktor „Dankbarkeit“

Und das lässt sich wunderbar verknüpfen mit dem „Danke sagen“. Eine wertschätzende Rückmeldung auf Augenhöhe enthält diese drei Bausteine:

1) Beobachtung. 2) Wie es dir damit geht/Was es dir bedeutet. 3) Danke.

Beispiel gefällig? „Ich habe mich so über den aufgeräumten Bastelschrank gefreut – hast du das gemacht? Vielen Dank für die Zeit, die du uns allen geschenkt hast!“ Oder: „Danke, dass du meine Mails innerhalb eines Tages beantwortest. Es ist mir eine wertvolle Unterstützung, so zügig und zuverlässig deine Rückmeldung zu meinen Fragen zu bekommen.“
Sowohl das mit der Wertschätzung als auch mit der Dankbarkeit ist weit mehr als eine Einbahnstraße. Dankbare Menschen treffen auf dankbare Menschen. Wer Wertschätzung verschenkt wird Wertschätzung ernten. Frei nach dem Motto: „Liebe ist das einzige, was wächst, wenn wir es verschwenden.“ (Ricarda Huch)

Resilienzfaktor „TEAM“

TEAM = together everyone achieves more

Ich liebe dieses „Wortspiel“. Gemeinsam sind wir nicht nur stärker. Leben wir tatsächlich den Teamgeist „Einer für alle – alle für einen“, wird jeder von uns durch die anderen so ergänzt, dass er dank dieses Teams mehr erreicht als alleine. Und wertvolle Ergänzung und dadurch auch Entlastung erlebt. Wenn ich Teil eines Teams bin, muss ich nicht alles wissen, können oder tun. Ich muss nicht allen alles sein – es gibt ja noch die anderen. Wo mir die Geduld oder Kraft fehlt und ich einen Schritt zurücktrete und den anderen Raum gebe, blüht vielleicht meine Teamkollegin voll auf, weil die Herausforderung ihren Stärken entspricht. Viele Jahre unterwegs zu sein in unterschiedlichsten Teams hat mir gezeigt: Da, wo Menschen gerne, wertschätzend, gabenorientiert und zielgerichtet miteinander unterwegs sind, können wir oftmals viel mehr erreichen, als manch ein Skeptiker für möglich halten würde. UND wir mögen nach einem großen langen Camp zwar fix und fertig, aber eben auch glücklich und zufrieden sein. Und beflügelt für weitere Abenteuer.

Es braucht Pausen

Ausruhen. Nichts leisten müssen. Genießen. Kraftreserven auffüllen – zwischendurch braucht es auch die Pausen. „Batterie fast leer!“, zeigt mein Laptop gerade an. Wie merkst du, dass deine Akkufüllung sich dem Ende entgegen neigt, deine Kraftreserven sich erschöpfen? Wie zeigt dir dein Körper, dass eine Pause dran ist? Und schenkst du dem Beachtung? Planst du Pausenzeiten von vorneherein mit ein? Wie schnell bist du bereit, über deine Grenzen zu gehen?

In einer Zeit der grenzenlosen Möglichkeiten und eines grenzenlosen Angebotes an Abenteuern, Aufgaben und Ablenkung tun wir uns logischerweise schwer mit dem Abgrenzen. Und doch brauchen wir sie dringend, die Grenzen, die uns schützen. So wie die Mauern deiner Wohnung deinen Rückzugsort markieren und dich vor Wind und Wetter, Hitze und Kälte schützen, kann auch ein Nein eine wichtige Schutzfunktion haben. An der richtigen Stelle „Nein“ sagen schützt dein „Ja“. Wenn du dich schwertust, anderen eine Bitte auszuschlagen, dann frag dich, bevor du das nächste Mal Ja sagst: „Wenn ich jetzt hierzu Ja sage – wozu sage ich dann Nein?“ Wenn ich zu dieser Aufgabe in der Gemeinde Ja sage – was bedeutet das für meine Freundschaften, meine Zeit für mich, meine Arbeit …? Wenn ich den letzten freien Abend in der Woche für diese Sitzung hergebe – wozu sage ich dann Nein? Und was hat das für Auswirkungen?

Wir sind permanent herausgefordert, das, was uns wichtig ist, zu schützen. Je klarer du dir darüber bist, was dir das Kostbarste im Leben ist und was dir auch noch wichtig ist, desto leichter fällt es dir, deine Entscheidungen danach auszurichten. Es lohnt sich, dir Zeit zu nehmen um deine Vision für deine aktuelle Lebensphase zu klären. Eine Klarheit an diesem Punkt bringt Einfachheit und Freiheit mit sich. Das wiederum wirkt sich positiv auf dein Energielevel aus und auf deine Freude an deinem Tun.

Alles hat seine Zeit

Gott hat die Zeit eingeteilt. In Tag und Nacht, Sommer und Winter. Werktag und Sonntag. Und als Extra obendrauf gibt’s noch die Feiertage! Ich liebe Feiertage! Vor allem die, an denen ich als engagierte Christin nichts zu tun habe. Kein Gottesdienst – einfach mal ausschlafen! Davon schwärmte ich am 3. Oktober, von diesem extra geschenkten freien Tag gestern. Für den ich mir Werken im Kreativkeller vorgenommen hatte. Und dann schien nach einem Regentag die Sonne und ein Spaziergang mit Freundinnen lockte in die bunt gefärbten Weinberge! Hach, ist das schön, einfach in den Tag leben und sich überraschen lassen können. Weil heute alles darf, aber nichts muss. Und rate mal, was meine Freundin, die engagierte Lehrerin und Ehrenamtliche, antwortete? „Bisher war das für mich ein extra Tag, an dem ich ungestört Klausuren korrigieren konnte. Erinnere mich nächstes Jahr daran, dass ich mich entschieden habe, mir zwischendurch mal extra frei zu gönnen!“

Wann gönnst du dir das nächste Mal frei? Um dich selbst mit der Feststellung zu überraschen: Die Welt dreht sich weiter – auch wenn ich Pause mache.

Für alles gibt es ein Buch

Und nicht nur eins! Hier eine kleine Liste, wenn du das eine oder andere Thema, das ich angerissen habe, weiter vertiefen willst:

  • Härry, Thomas: Von der Kunst, sich selbst zu führen. SCM-Verlag
  • Heller, Jutta: So bin ich stark. Gut aufgestellt mit dem inneren Team. Kösel-Verlag
  • MacDonald, Gordon: Warum Jesus kein Burnout hatte. Von innen heraus stark sein. Brunnen-Verlag
  • Niemeyer, Susanne: Soviel du brauchst. Sieben Sachen zum besseren Leben
  • Seiwert, Lothar; Gay, Friedbert: Das neue 1×1 der Persönlichkeit. Sich selbst und andere besser verstehen mit dem DISG-Modell. Der Praxisleitfaden zu mehr Menschenkenntnis und Erfolg. G&U-Verlag
  • Sellin, Rolf: Bis hierher und nicht weiter. Wie Sie sich zentrieren, Grenzen setzen und gut für sich sorgen. Kösel-Verlag

Und als Zugabe noch ein Link:www.persolog.de – mehr zum DISG-Modell und zum Thema Resilienz

Dies ist eine persönlich gefärbte Auseinandersetzung mit „Kirche“ und dem schönsten Fest des Jahres.

Es ist ein offenes Geheimnis: Den großen Kirchen laufen die Mitglieder davon. Nicht weltweit, keine Angst. Es gibt immer noch Regionen in der Welt, wo sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche wächst und sich keine Sorgen um die Zukunft machen muss. Besonders auf dem afrikanischen Kontinent sowie in Asien lassen sich die Menschen zum Glauben einladen, aller Not und Verfolgung zum Trotz.

Deutlich anders und düsterer sieht es aber in Westeuropa aus. In Deutschland waren Ende 2021 erstmals weniger als die Hälfte der Menschen Angehörige einer der beiden Kirchen. Und die Experten befürchten, dass diese Zahl noch weiter steigen wird. Insgesamt alarmierend, scheint es doch zugleich widersprüchlich zu sein, denn viele Deutsche sehen sich durchaus als spirituell und auf der Suche nach Sinn-Antworten für ihr Leben. Doch diese finden sie zunehmend auch außerhalb der Kirchen, finden sie in sozialen Netzwerken, in selbst zusammengestelltem „Patchwork-Glauben“ – und kehren den altbackenen Strukturen und Antworten der offiziellen Kirchen den Rücken.

Warum laufen den Kirchen die Mitglieder davon?

Was mag der Auslöser für diese Entwicklung sein? Die erste Antwort, die vielen einfällt: der Kirchenaustritt als Reaktion auf die systematische Missbrauchsvertuschung der Kirche. Immerhin sind die Austrittszahlen der katholischen Kirche ja auch noch schlechter als die der evangelischen. An dieser Antwort ist auch etwas dran, aber sie greift dennoch zu kurz bzw. beleuchtet nur einen Teil der Gründe. Die „Evangelische Kirche Deutschlands“ (EKD) hat zu der Austrittsentwicklung 2021 eine Studie veröffentlicht, die einen differenzierteren Blick auf die Austrittszahlen wirft – sowohl in der evangelischen als auch in der katholischen Kirche. Sie stellte fest, dass die Missbrauchsskandale und der kirchliche Umgang damit nur für 24% der ehemals evangelischen und 37% der vormals katholischen Kirchenmitglieder der Grund zum Austritt gewesen sind.

Auf beiden Seiten überwiegt das Gefühl, dass die Kirche nicht länger relevant für ihr Leben ist. Und das ist ein viel tiefgreifenderer Punkt: dass „Kirche“ nicht länger die Antworten auf die Sinnfragen geben kann, die man sucht, dass Kirche nicht mehr mit den Werten und Überzeugungen in Einklang zu bringen ist, die man selber vertritt – und dass es sich unter diesen Umständen, mit Blick auf die automatisch eingezogene Kirchensteuer, auch finanziell nicht länger lohnt, Mitglied der Kirche zu sein.

Es ist ein schleichender Prozess gewesen, dass die Kirchen über die letzten Jahrzehnte hinweg sich immer schwerer damit getan haben, eine tiefe und tragfähige Beziehung zu ihren Mitgliedern aufzubauen. Das religiöse Selbstverständnis derer, die seit 2018 aus der Kirche ausgetreten sind, ist auf einem kritischen Tiefpunkt. Viele bezeichnen sich nicht als religiös, obwohl die Hälfte der Befragten in ihrer Erziehung noch religiöse Elemente wahrgenommen und erlebt haben. Und die Konfirmation war dann für viele der Moment, der als Höhe- und zugleich Endpunkt der persönlichen Gottes-Beziehung wahrgenommen wurde.

Es zeigt sich: Kinder, die zunehmend areligiös aufgewachsen sind, die Taufe und Konfirmation maximal noch als gesellschaftliches Fest wahrnehmen, trennen sich von der Kirche. Eine ganze Generation an Menschen, die wir für die Gemeinschaft der Heiligen (vorerst) verloren haben. Die Werte, die diese junge Generation vertritt, finden sich zwar auch in der Kirche, aber eben genauso in alternativen Weltanschauungen.

Doch hier mag ein Ansatzpunkt sein. „Kirche“ hat erkannt, dass ein Wandel stattfinden muss. Nicht nur, aber auch im Inhalt. Die systematische Ausgrenzung transidenter Personen, homosexuell lebender Menschen und anderer, die heute eine Alternative zum traditionellen binären Lebensentwurf ersehnen – das lässt sich nicht länger mit dem Gott in Einklang bringen, der in Jesus Christus doch vor allem die bedingungslose Liebe gepredigt hat. Und dann haben wir über eher „katholische Themen“ wie die Rolle der Frau und das Zölibat noch gar nicht nachgedacht.

Über den Inhalt hinaus geht es auch um die Frage der Form. „Kirche“ kann nicht länger existieren oder gar wachsen, wenn sie sich einfach darauf verlässt, dass „Mensch“ schon zu ihr kommen wird. »Kirche« muss raus zu den Menschen, muss mal wieder das tun, wozu Jesus von Anfang an unmissverständlich aufgefordert hat: „Gehet hin!“ Zu den Menschen gehen, sie in ihren Nöten sehen und darin begleiten und zur Not auch mal „dem Rad in die Speichen fallen“, wie Bonhoeffer es formuliert hat.

Und wenn sich Menschen zunehmend auch im digitalen Raum begegnen, dann gehört Kirche dort auch rein. Mitten hinein. Dann hilft es nicht, an den liebgewonnenen alten „realen“ Strukturen und Gemeindeformen festzuhalten, sondern die Erfahrungsgewinne durch Corona weiter auszubauen und Gemeinde-Leben zu exportieren ins world wide web. Dafür muss dann aber auch das Geld vorhanden sein, um ernstzunehmenden Content zu produzieren. „Digitale Kirche“ ist keine Nische, keine Konkurrenz, sondern Schwester im Glauben, Gegenüber für Kirchenfremde, Gemeinschaft der Heiligen.

Osterhasen und Weihnachtsmänner

Ein anderer Aspekt: In einer Kolumne während der Vorbereitung habe ich gelesen, dass sich der Niedergang der Kirchen in Deutschland mitnichten an der Anzahl der Minarette im Land abzählen lässt, sondern eher an der Zahl der Osterhasen (und ich möchte ergänzen „der Weihnachtsmänner“) im Supermarktregal. Wir verkaufen den Glauben, alles wird Konsum. Die religiösen Feiertage in unserem Land verlieren an Bedeutung. Nicht wenigen fällt es immer schwerer zu erklären, was an den einzelnen Feiertagen überhaupt gefeiert wird. Ostern und Weihnachten sind noch verhältnismäßig einfach, aber Pfingsten, Karfreitag und dann vor allem Himmelfahrt sind für viele vor allem einfach „arbeitsfreie“ Tage, die keine religiöse Anbindung haben. Es ist schließlich nicht ohne Grund, dass der Karfreitag als „stiller Feiertag“ regelmäßig zumindest in den Medien auf den Prüfstand gestellt wird.

Was an den großen Feiertagen jedoch nach wie vor eine besondere Bedeutung hat, ist die Erwartungshaltung der Menschen an diese freien Tage. Weihnachten ist das Fest der Liebe, hier soll alles perfekt, harmonisch und besinnlich sein. Einfach wie im Bilderbuch bzw. wie im Werbespot. Und auch die Adventszeit wird mit einer Emotionalität überfrachtet, dass der eigentliche Kern „Advent“ = „Ankunft“ = „Vorbereitung auf die Geburt Jesu“ gar nicht weiter wahrgenommen wird. Bedeutsamer ist da der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, der auch bitte nicht umbenannt werden soll. Hier ist die „christlich-abendländisch-deutsche Bevölkerung“ dann auf einmal doch sehr sensibel und wenig gesprächsbereit. Dazu gehört ebenso das Kaffeetrinken am Adventssonntag mit der Oma im Altenheim (dann muss man Weihnachten nicht schon wieder los) und die fristgerechte Lieferung aller Internet-Einkäufe bis zum 24.12. – gerne natürlich über Nacht, denn Weihnachten kommt immer so plötzlich.

In dieser Gemengelage wundere ich mich darüber, dass Weihnachten überhaupt noch kommt. Ich meine, wenn ich ohnehin „die Krippe leer lasse“, kann ich Weihnachten doch auch einfach verschieben?! Auf den Sommer, wenn ich mit einem kalten Bier am Grill stehen kann und nicht Gefahr laufen muss, vielleicht bei Eis und Schnee auf der Autobahn festzustecken?

Auf den Herbst, weil dann das Kartoffelfeuer so einladend brennt und in der Jahreszeit sowieso nicht so viel los ist? Oder ich feiere einfach ganz individuell – und verteile alle meine Wünsche und Geschenke das ganze Jahr über an die Menschen, die mir wichtig sind?!

Damit Weihnachten nicht ohne „Inhalt“ bleibt

Genug gelästert. Wie will ich also umgehen mit dieser Situation – die mich wütend und traurig zugleich macht?
Wie will ich reagieren in einem Umfeld, dass sich vielleicht zunehmend von dem entfernt, den ich als König und Retter über mein Leben anerkannt habe?
Wie will ich einen relevanten Unterschied machen in einer Gesellschaft, die doch gerade die Diversität und Unterschiedlichkeit feiert?
Wie will ich Weihnachten feiern?
Wie will ich zu Weihnachten einladen?

Ich möchte leben, was ich glaube. Ich möchte die Zeiten feiern, wie sie fallen: Advent ist Advent und beginnt nicht vor dem Ewigkeitssonntag.
Der Heilige Abend und Weihnachten sind nicht beliebige Namen für Familienfeste – sondern SIND Feste der Liebe.
Ich möchte erzählen von dem, der als Kind auf diese Welt und in die Not des Lebens gekommen ist. Ich möchte erzählen, was sich in meinem Leben als tragfähig erwiesen hat.
Ich möchte erzählen, wie sich Frieden anfühlen kann, wenn er im Herzen ankommt.
Ich möchte unbequem sein und nicht schweigen. Ich möchte singen und beten.
Ich möchte die Menschen einladen, sich auf diese Beziehung einzulassen, die Jesus bietet – und nicht länger nur auf die Fehler und Katastrophen zu schauen, die Menschen im Rahmen der Institution „Kirche“ fabriziert haben und weiter fabrizieren. Gehen wir weg von dem starren Rahmen, den Kirche heute repräsentiert und wenden wir uns dem Gott zu, der heute noch lebt und wirkt und liebt.

Dieses Infoblatt ist hergestellt von Lilia Freier, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Hypnosetherapie, Traumatherapie, MET, Reiki, Fachberatung f. Darmgesundheit und Hormonbalance für die Psyche in Lauf.

Je nach Altersstufe gehen Kinder sehr unterschiedlich mit Verlust um. Ihre Reaktionen verunsichern oder irritieren die Erwachsenen, da manchmal der Eindruck entsteht, die Kinder würden gar nicht trauern. Dies ist aber nicht so. Kinder trauern anders.

Sehr häufig kann man beobachten:

  • plötzlicher Wechsel von Traurigkeit zu Spiel und Spaß
  • Schlafstörungen, Alpträume
  • Rückgang von Schulleistungen
  • Gereiztheit und Launenhaftigkeit, starke Trennungsängste
  • Rückkehr von bereits abgelegten Verhaltensweisen (z.B. Daumenlutschen, Bettnässen)
  • große Angst um die noch lebenden Angehörigen
  • Übernahme der Aufgaben des Verstorbenen
  • Vorwürfe gegen sich und andere, Schuldgefühle (subjektives Schuldempfinden)

Jüngere Kinder

Für manche ist ‘tot sein’ nur ein langer Schlaf, von dem man ja irgendwann wieder aufwacht. Oder es ist nur eine lange Reise, von der man wieder zurückkommen wird. Dies führt dazu, dass die Kinder häufig den Verstorbenen suchen oder der Meinung sind, er müsse doch jetzt dann wieder aufwachen. Dies ist wichtig zu wissen, da man gerade jüngeren Kindern sehr genau erklären sollte, was ‘tot sein’ bedeutet (siehe hierzu auch unter “Kinderfragen”).

Ältere Kinder

Sie haben meist schon ein besseres Verständnis über Tod und Vergänglichkeit. Häufig glauben sie jedoch, an dem Tod in irgendeiner Weise schuld zu sein. Zu Lebzeiten des Verstorbenen aus Wut gesagte oder gedachte Aussprüche wie z.B. “Ich will Dich nie wiedersehen”, auch wenn diese schon einige Zeit zurückliegen, haben plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Auch entwickeln die Kinder, vor allem wenn sie zu wenig Informationen erhalten, ganz eigene (und teils extreme) Phantasien über das Todesereignis oder den Tod selbst. Bei Jungen beobachtet man häufiger, dass sie ihre Gefühle zurückhalten bzw. nicht wissen, wie sie diese ausdrücken sollen.

Was Kinder brauchen:

Kinder brauchen Informationen. Dies ist der allerwichtigste und bedeutendste Punkt. Man sollte den Kindern in Ruhe und immer wieder erklären, was genau geschehen ist, und was die nächsten Schritte sind. Es ist ganz wichtig, die Kinder (sofern sie es wünschen) bei den wichtigen Dingen, die im Zusammenhang mit dem Tod bzw. dem Verstorbenen stehen, mit einzubeziehen (vor allem bei der Abschiednahme). Hierbei ist es gut, wenn eine weitere Bezugsperson oder auch ein eingeweihter „fremder“ Helfer hinzugezogen wird oder bereitsteht, damit das Kind dann da nicht alleine ist, wenn die Hauptbezugsperson selber überfordert ist.

Abschiednahme bei Kriegsopfern ist oft nicht direkt möglich! – da sind daher andere Abschiedsrituale gefragt!

  • z.B. Brief schreiben an Verstorbenen, Bild malen -> dieses danach verbrennen- damit (kann man erklären) steigt es auf an den neuen „Ort“des Toten / in den Himmel…
  • Kerze anzünden, ein besonderes Lied dem Verstorbenen / dem Zurückgebliebenem singen oder ein Gebet sprechen
  • Blumen pflücken und zur angezündeten Kerze legen oder stellen. Wenn diese verblüht bzw. vertrocknet sind, diese an einer schönen Stelle in der Natur begraben, das kann man gut stellvertretend für den Körper des Verstorbenen tun. (Dies kann man auch als Basis für Erklärungen nutzen, für das Leben, Sterben und in Erde vergehen, aber auch für die bleibende Erinnerung)
  • Oder mit Kind besprechen, ob es selber eine Idee hat, wie es Abschied nehmen möchte

So können Sie den Kindern helfen.

  • Vermitteln Sie Ruhe und Zuverlässigkeit.
  • Bewahren und fördern Sie die alltäglichen Rituale.
  • Geben Sie den Kindern die Möglichkeit, durch freies Spielen oder Malen der eigenen Trauer Ausdruck zu geben (aber bewerten Sie dies nicht).
  • Geben Sie den Kindern ganz viel Geduld, Liebe, Aufmerksamkeit und Verständnis.
  • Bewahren Sie Erinnerungen und vermeiden Sie unnötige Änderungen im Tagesablauf.
  • Signalisieren Sie den Kindern, dass sie jederzeit kommen können, wenn sie erzählen oder weinen möchten.
  • Zeigen Sie selbst auch Ihre persönlichen Trauerreaktionen vor den Kindern, denn hierdurch können sie lernen, dass es wichtig ist, die eigene Trauer nicht zu unterdrücken.
  • Oft kann es hilfreich sein, wenn Sie sich bei der Trauerbegleitung Ihrer Kinder helfen lassen, denn die Kinder können mit Außenstehenden leichter über ihre Gefühle sprechen (bzw. diese äußern), als den selbst betroffenen Angehörigen gegenüber.

Bei Kriegserfahrung oder Katastrophenbeteiligten, ist es oft für das selber traumatisierte Elternteil schwer, nicht „panisch“ zu reagieren. Es fällt schwer, zwar emotional, aber ruhiger und gefasster und zuversichtlich zu erklären oder dem Kind beizustehen. Holen Sie bitte dabei gerne eine Helferperson hinzu, der Sie vertrauen, dass sie es in Ihrem Sinne macht. Besprechen Sie es untereinander, wie Sie sich diesen Beistand teilen können, wie Sie es formulieren können, wann und wie der Helfer/die Helferin „einspringen“ kann.

Was Kinder fragen

Kinder sind von Natur aus sehr neugierig und wollen erfahren, wie die Dinge des Lebens funktionieren.
Kinder müssen sich auf uns verlassen können (das erwarten wir ja auch von ihnen). Wir müssen ihnen Sicherheit, Geborgenheit, Anerkennung, Liebe und Struktur geben. Vor allem dann, wenn Kinder erfahren (erleben), dass Menschen auch sterben können, ist es ganz wichtig, ihnen deutlich zu machen, dass Sie als Eltern bzw. Elternteil (auch als Verwandter, Freund) für die Kinder da sind.
Viele Eltern werden mit Kinderfragen konfrontiert: “Wer kümmert sich um mich, wenn Du stirbst”. Solche Fragen kommen (wie alle “unangenehmen” Kinderfragen) meist ganz unvermittelt und manchmal scheinbar ohne direkten Zusammenhang mit einem aktuellen Ereignis. Manche Eltern antworten dann (ganz überrascht) mit “…aber wir sterben doch nicht”, oder versuchen, die Frage zu übergehen. Das ist nicht unbedingt hilfreich für das Kind. Solche Fragen sind eine wunderbare Chance, mit den Kindern ins Gespräch auch zu diesem ‘schwierigen’ Thema zu kommen.

Spätestens im Kindergarten lernen die Kinder den Jahreskreis. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Dies ist eigentlich nichts anderes als der Verlauf eines Lebens. Der Neubeginn im Frühjahr, die Entwicklung und Reifung im Sommer, das Verweilen im Herbst – und dann der Winter, in dem es zum Stillstand kommt.

Aber nach dem Winter kommt wieder der Frühling. Neues Leben beginnt. Diese Hoffnung vermittelt uns auch der Glaube – in verschiedenen Formen. Das ist das, was Sie als Eltern auch vermitteln können: die Hoffnung und das Vertrauen auf ein Wiedersehen.

Was Sie tun bzw. vermeiden sollten:

“Das verstehst Du noch nicht” , “Dafür bist Du noch zu klein” … sind Sätze, die gerade bei diesem Thema zu Verunsicherung bei den Kindern führen. Verunsicherung führt zu Ängsten und falschen Vorstellungen!

Benutzen Sie klare, eindeutige und für Kinder verständliche Worte, wenn Sie über Tod und Sterben sprechen.

“Oma ist friedlich eingeschlafen” … dies ist vor allem für kleinere Kinder keine geeignete Formulierung. So können Ängste vor dem eigenen Einschlafen entstehen.

Erklären Sie deutlich und kindgerecht den Unterschied zwischen schlafen und tot sein.

“Gott hat Opa so lieb gehabt, dass er ihn zu sich geholt hat” … auch dies vermittelt den Kindern ein falsches und teilweise Angst machendes Bild. Wenn Sie dann ein anderes Mal sagen: „Gott hat dich lieb“- könnte das Kind denken: “muss ich dann jetzt auch sterben?“, oder „lebe ich weiter, weil Gott mich nicht lieb hat?“

Versuchen Sie, innerhalb der Familie eine einheitliche Erklärung für die Kinder zu finden. Es verunsichert Kinder, wenn die Oma sagt : “Opa ist auf dem Friedhof”, während Sie Ihrem Kind vermitteln: “Opa ist im Himmel”. Es hilft Kindern, wenn man ihnen erklärt, dass der Körper (die Hülle) im Sarg auf dem Friedhof liegt, jedoch das, was einen Menschen ausmacht (viele nennen es ‘die Seele’) an einem anderen Ort ist. (siehe Abschiedsrituale). Die Vorstellung, wo dieser Ort ist und wie es dort aussieht, ist ganz individuell. Fragen Sie Ihr Kind, was es selbst darüber denkt, bevor Sie schon eine “Lösung” vorgeben.

Kindgerechte Information ist ganz wichtig, vor allem dann, wenn Kinder mit zu einer Beerdigung genommen werden.

Oder bei Fluchtrückkehr ins Kriegsgebiet/ Nachkriegsgebiet. Erklären Sie Ihrem Kind vorher (!), wie es dort aussieht, wie es sich anfühlt, was gemacht wird – und warum. Bereiten Sie sich hierfür auch auf typische Kinderfragen vor und besprechen Sie diese möglichst zuvor (!) mit Ihrem Kind.

„Was ist, wenn Oma wieder aufwacht? Friert denn Opa nicht in dem kalten Sarg? Warum werfen die Leute Erde auf den Sarg? Was passiert, wenn Oma stirbt – kommt sie dann in den Himmel? Wieso ist Opa gestorben? Kommt er niemals wieder? Kann ich / könnt ihr auch sterben?“

Am allerwichtigsten ist, dass Sie aufrichtig zu Ihren Kindern sind. Kinder spüren sehr genau, wenn wir ihnen etwas verheimlichen oder ihnen nicht die Wahrheit sagen. Es ist besser, ehrlich zuzugeben, dass man selbst keine Erklärung oder Antwort hat. Und – vergessen Sie nicht: Ihr Verhalten (als Eltern, als Bezugspersonen auch als Helfer in der Not, prägt Ihre Kinder. Wenn Sie selbst ein ‘schwieriges’ Verhältnis mit Tod und Sterben haben, wird sich das sehr deutlich auf Ihre Kinder übertragen. Nur Mut ! Sie schaffen das schon!

Dieses Infoblatt wurde von individualpsychologischen Beraterin Luise Hilckmann hergestellt.

Über die Referentin:

Schwerpunkte in ihrer IP-Praxis:

  • Erziehungsberatung
  • Ermutigungstrainings
  • Paarberatung und -therapie
  • Lebensstilanalyse
  • Vorträge und Workshops


Stationen der beruflichen Erfahrungen von Luise Hilckmann:

  • Ausbildung zur Erzieherin
  • Ausbildung zur Encouraging-Trainerin
  • Ausbildung zur Individualpsychologischen Beraterin
  • Seit 2005 Arbeit als Erzieherin in einer Jugendhilfeeinrichtung
  • Ausbildung in der Lebensstilanalyse
  • Dozentin in der Ausbildung Individualpsychologischer Berater am Adler-Schoenaker-Institut

Es ist nicht einfach über bedrückende Themen zu sprechen, doch sie zu meiden kann dazu führen, dass sich Kinder allein gelassen fühlen und ihre Angst noch größer wird.

Was man wissen muss, um eine Wahrnehmung zu erklären. Sie spielt sich auf drei Ebenen ab:

  • Außenwahrnehmung der Realität mit allen Sinnen
  • Innenwahrnehmung der eigenen Gefühle, also Körperwahrnehmungen, Befindlichkeit
  • Phantasiewelt
  • Alle Wahrnehmungen unterliegen einem Prozess des Beurteilens und Vergleichens
  • Unsere Erfahrungen und Erlebnisse verbinden sich mit Zukunftsvorstellungen
  • Die Ebenen vermischen sich und beeinflussen sich, z.B. Wirkung der Dunkelheit

Das ist wichtig, um uns und andere zu verstehen und um gut für sich und andere zu sorgen.

Das große Gefühl von Solidarität, wie wir sie gerade erleben, ist hilfreich, um nicht ausschließlich den Aggressionen und Nachrichten der aktuellen Ereignisse ausgesetzt zu sein.

Tipp 1: Ehrlich reden und keinen Platz für Fantasien lassen
Die meisten Kinder merken, dass etwas passiert, was die Erwachsenen in Sorge versetzt und ängstigt. Alfred Adler sagt: Kinder sind sehr gute Beobachter, aber schlechte Deuter. (Beispiel: Der Bruder vom Flüchtlingskind spielt nicht mehr mit ihr, obwohl früher ein enger Kontakt vorhanden war. Es denkt, er hat mich nicht mehr lieb – dabei orientiert er sich nur anders, neue Freunde, weiterführende Schule)
Die Persönlichkeit eines Kindes entwickelt sich vor allem in den ersten 4- 6 Jahren, hier werden die Grundlagen für eine gesunde psychische Entwicklung gelegt. Die Kinder interpretieren alles, was auf sie einwirkt. Daher ist es sehr wichtig, dass die Deutungen des Kindes nicht seiner Fantasie überlassen werden. Nichts ist schlimmer, als Kinder ihren Fantasien und den damit verbundenen Gefühle zu überlassen, denn wenn sie keine Erklärungen bekommen, blühen die Fantasien und Ängste. Deshalb ist es wichtig, die Gefühle zu benennen oder Erlebtes z.B. malen zu lassen. Dies gilt nicht nur für Eltern, sondern für alle Erwachsenen, die sich um die Erziehung/Betreuung von Kindern kümmern.

Drängen Sie dem Kind aber keine Gespräche über den Krieg auf, wenn es nicht darüber sprechen möchte.
Wenn Kinder z.B. bedrückt sind, sich absondern, oder zurückziehen oder wenn sie die Sprache noch nicht sprechen können, ist es wichtig einfach da zu sein und nonverbale Kommunikation einzusetzen.

Was, wenn Sie selbst stark belastet sind?
Starke Gefühle wie Hilflosigkeit, Wut und Ohnmacht angesichts der Geschehnisse in der Ukraine sind normal. Die sollten Sie aber mit anderen Erwachsenen besprechen.
Als Eltern/ Erwachsener ist es Ihre Aufgabe, Halt zu geben, indem Sie Orientierung und Sicherheit vermitteln. Was Kinder brauchen, um sich zu entwickeln ist: Verbundenheit (das ich mich verbunden fühle, dazu gehöre), Geborgenheit (mich angenommen fühle, geborgen bin), Sicherheit (um Vertrauen aufzubauen und entspannen zu können).

Jeder Mensch hat Grundbedürfnisse sagt Adler:

  1. Wachsen zu dürfen, und sein Potential zu entfalten,
  2. Dazu zu gehören. (vor allem Kinder)
    ➔ Es gibt nur eine Beziehungsform, die beides leisten kann, und das ist Liebe.

Trauer hat viele Gesichter. Erwachsene sind häufig mit sich selbst beschäftigt. Ihre Gefühle werden oft nicht gezeigt. Wie schon gesagt: Kinder sind sehr gute Beobachter. und so beobachten sie auch, wie Erwachsene damit umgehen. Wenn sie merken, dass Sie selbst zu stark durch die Kriegsgeschehnisse belastet sind und möglicherweise Ihre eigene Angst auf Ihr Kind übertragen, suchen Sie am besten den Austausch und die Unterstützung in Ihrem sozialen Umfeld. Oder suchen Sie fachliche psychologische Hilfe.

Tipp 2: Die richtigen Worte finden


Es ist wichtig, dem Kind die Wahrheit zu sagen, (wenn es danach fragt) aber die Wahrheit muss unbedingt dem Alter, also der kognitiven und somit emotionalen Bewältigungsmöglichkeit des Kindes angepasst werden.

Auf dramatische Zuspitzungen, Anschuldigungen und Flüche sollte verzichtet werden. Je nach Altersgruppe, können den Kindern auch mehr Details zu dem Thema gegeben werden. Mit Pubertierenden kann über Krieg rational und offen gesprochen werden, mit einem z.B. fünfjährigen Kind nicht.

Krieg kann zum besseren Verständnis bei jüngeren Kindern mit Streit verglichen werden, z.B. kann man sagen: Krieg kann entstehen, wenn Regierungen und Politiker nicht mehr miteinander reden, um ihre Konflikte auf friedliche Weise zu lösen. Dann versuchen diese Staaten, den Streit gewaltsam mit Waffen und Militär zu lösen. Dann kommt es zum Krieg, es wird viel zerstört und es leiden oft viele Menschen.

Tipp 3: Kindern Sicherheit und Orientierung vermitteln

Auch wenn man als erwachsene Person selbst in Sorge ist und sich hilflos fühlt, sollte man versuchen, Kindern in dieser Situation ein Gefühl von Geborgenheit zu vermitteln. Kleineren Kindern (Vorschulalter und frühes Grundschulalter) könnte man zum Beispiel sagen, dass in der Welt gerade ein großer Streit stattfindet. Aber dass dort, wo es Streit gibt, auch Lösungen gesucht und gefunden werden, und dass die Kinder diese nicht selbst finden müssen. Sie sind nicht dafür verantwortlich.

Tipp 4: Hoffnung machen
Bei älteren Schulkindern, die bereits wissen was Waffen sind und auch den Begriff Krieg kennen, könnte man als Eltern erklären, dass Erwachsene im Streit oft schlimmer sind als Kinder und dass es im Moment einen Bestimmer / Mächtigen in einem Lande gibt, der unbedingt den Konflikt gewinnen will. Dass aber fast alle Länder auf der ganzen Welt versuchen, dass er damit aufhört. Denn daran müssen Kinder glauben, egal wie schwierig die Umstände sind, es gibt immer eine Lösung. Kriege hat es in der Geschichte schon öfter gegeben, und auch dieser Krieg wird irgendwann ein Ende haben. Daher ist es meiner Meinung nach wichtig, dass wir den Fokus auf den Frieden legen. Wenn ein Krieg zu Ende ist beginnt die Arbeit am Frieden. Die Menschen müssen wieder Wege für ein Zusammenleben und Versöhnung finden. Kindern soll vermittelt werden, dass es nur eine Sorte Menschen gibt, die sich eine Heimat teilen, diesen Planeten! Wir sollen Einheit in der Vielfalt leben! (Damit leisten wir Präventionsarbeit gegen Vorurteile!)

Frieden beginnt im Kleinen (Familie, Schule, Kindergarten, Freunde u.s.w)

Was kann jeder dazu beitragen, dass wir friedlich miteinander umgehen? Mit den Kindern gemeinsam überlegen, wie wir im Kleinen anfangen können, zum Frieden beizutragen, wie sie zu Weltverbesserer werden können? Für Kinder ist es wichtig beizutragen und etwas zu tun, das macht weniger ohnmächtig. Zusammen etwas zu tun, macht stark und selbstbewusst!

Tipp 5: Nicht pauschalisieren!
Ich denke man sollte vermeiden, bei den kleineren Kindern das Land oder Namen zu nennen, von denen die Aggression ausgeht, um zukünftige Zuschreibungen, Vorurteile und Ausgrenzungen zu vermeiden.

Tipp 6: Beziehungsqualitäten anwenden!
Ganz konkret üben! Sich eine Qualität vornehmen und selbst mitmachen!

  • Der freundliche Blick
  • Die freundliche Stimme
  • Interesse zeigen
  • Aufmerksam zuhören
  • Humor
  • Für sich selbst gut sorgen

Die wichtigsten Punkte aus der Schulsozialarbeit
Kurz zusammengefasst zu der Fragestellung, was Schulen beachten sollten, wenn Schülerinnen und Schüler aus dem ukrainischen Kriegsgebiet aufgenommen werden:

Kinder und Jugendliche, die aktuell aus Kriegsgebieten fliehen müssen, werden mit einer Vielzahl von Belastungserfahrungen in den Schulklassen ankommen, die sich von Fall zu Fall sehr stark unterscheiden. Tod naher Angehöriger bzw. Unklarheit darüber, ob diese noch leben, Ungewissheit, wo sie wohnen können, oder die Frage nach dem weiteren Schicksal ihres Heimatlandes sind nur einige Beispiele für stark belastende Erlebnisse, die unter Umständen zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung führen können. (Geflüchtete Schüler verarbeiten auch auf dem Schulhof Kriegserlebnisse durch Nachspielen). -> Aufgreifen und mit allen Kindern darüber sprechen.

Doch längst nicht alle geflüchteten Kinder und Jugendliche sind traumatisiert. Selbst wenn die Erlebnisse auf der Flucht weniger belastend sind, stellen allein die Erfahrung von Entwurzelung von der Heimat und der Kulturschock, (Beispiel: Schwimmbad-Erleben von afghanischen Flüchtlingen) in einem fremden Land zu sein, dessen Sprache man nicht versteht, eine enorme Herausforderung dar.

In diesem Kontext ist der Schulbesuch dieser Kinder und Jugendlichen ein enorm wichtiges, stützendes Element, das im günstigen Fall durch die routinierten, strukturierten Abläufe einen Erlebnisraum von Sicherheit und Stabilität bieten kann.

Den betroffenen Schülerinnen und Schülern trotz der Sprachbarriere dieses Erlebnis zu ermöglichen, ist eine wichtige Aufgabe der Lehrkräfte. In diesem Zuge kann die Schulsozialarbeit an den Schulen vor Ort beratende Unterstützung bieten. Für die Geflohenen wie auch für alle anderen Schülerinnen und Schüler ist es jederzeit möglich, dass bei auftretenden Verhaltensauffälligkeiten in der Schule die schulpsychologische Beratung sowohl von Schulen als auch von den Erziehungsberechtigten angefordert wird.

Bei vermuteten Anzeichen einer Traumatisierung einer Schülerin oder eines Schülers ist in jedem Fall eine schulpsychologische Beratung sinnvoll und notwendig. Die weiterführende Diagnostik und Behandlung können nur durch approbierte Psychologinnen und Psychologen erfolgen.

Allgemeine Hinweise zum Umgang mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen in der Schule

  • Zusammengehörigkeit und Klassengemeinschaft fördern
  • Lernen durch Gleichaltrige, bspw. durch Patenschaften oder Lern-Buddies
  • Lernerfolge ermöglichen, auch im Kleinen: Es muss und darf weitergehen im Leben – Schule als heilsame Normalität.
  • Keine überbehütende, aber eine sensible Behandlung
  • Sensibilisiert sein für mögliche kulturelle Missverständnisse
  • Mitgefühl, nicht Mitleid: Mitleid erzeugt zwei Leidende, Mitgefühl hilft
  • Interesse am Kind bzw. Jugendlichen und ihrem/seinem Leben bekunden
  • Wertschätzung, Herstellen von Erfolgserlebnissen
  • Vorsicht: bestimmte Unterrichtsthemen (z. B. Krieg, Gewalt) könnten traumatische Erlebnisse „triggern“. In diesen Fällen wäre ein sensibler und behutsamer Umgang ratsam, bspw. sollte auf das Zeigen von entsprechenden Bildern verzichtet werden.
  • Spracherwerb fördern,
  • bei anhaltenden Auffälligkeiten oder Veränderungen Gespräch mit dem Kind/ Jugendlichen und deren Eltern suchen
  • bei Bedarf Einbeziehung von Schulsozialarbeit und Schulpsychologen

Selbst ohne traumapädagogische Kenntnisse kann durch die Schaffung eines sichereren Ortes in der Schule den Ankommenden schon viel geholfen werden.

Hilfreiche Internetseiten für Kinder und Erwachsene:

  • Frieden-Fragen.de
  • Frag Finn.de
  • Blinde Kuh
  • Logo Nachrichten für Schulkinder

Hilfreiche Bücher:

  • Mama, Papa…. Wie passiert Krieg (Gabriele Liesenfeld)
  • Wie ist es, wenn es Krieg gibt, (Louise Spilsbury)
  • Wie ist es, wenn man arm ist (Louise Spilsbury)
  • Wie ist es, wenn man kein Zuhause mehr hat (Louise Spilsbury)
  • Mit einem Koffer voller Bücher (Muzoon Almellehan)
  • Akim rennt (Claude K. Dubois)
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