Mission Media: Politische Bildung

Landtagswahl in Baden-Württemberg – und wieder einmal müssen wir über Medien sprechen. Warum? Ganz einfach: Weil junge Menschen heute vor allem online entscheiden, wem sie vertrauen!

Am 8. März wird der baden-württembergische Landtag gewählt und zum ersten Mal dürfen auch 16- und 17-Jährige ihr Kreuzchen setzen. Viele von diesen jungen „Neuwähler:innen“ informieren sich über die sozialen Medien, stolpern dabei über Wahlwerbung, Memes, Meinungen und Desinformation. Und genau da kommst du ins Spiel. Du musst kein Medienprofi sein, um junge Menschen auf ihre demokratische Teilhabe vorzubereiten, aber du kannst ihnen helfen, den Überblick zu behalten.

Hier kommen drei einfache Tipps, wie du Jugendliche im digitalen Raum fit für die Wahl machen kannst:

1. Nicht alles verteufeln, was auf Social Media passiert. Viele politische Infos, Meinungen und Diskussionen gelangen zu jungen Menschen heute über Instagram, TikTok oder YouTube. Frag doch einfach mal: Welche politischen Inhalte bekommt ihr eigentlich in eurem Feed angezeigt – und welche Reaktionen rufen sie bei euch hervor? Was spricht euch an, was nicht? Was weckt Begeisterung, was lässt euch kalt, was ärgert euch vielleicht auch?

2. Gemeinsam hirnen statt alleine predigen. Schaut gemeinsam unterschiedlichen politischen Content an und stellt dabei diese Fragen: Wer spricht oder schreibt? Was wird gesagt? Und was will die Person oder die Partei mit diesem Inhalt bezwecken?

3. Fake News entlarven. Zeig den Menschen, mit denen du unterwegs bist, einfache Faktencheckseiten wie „Korrektiv“, „Mimikama“, „Quellencheck“ oder die Angebote der Zentralen für politische Bildung. Das regelmäßige Prüfen von Inhalten fördert oft erstaunliche Ergebnisse zutage. Menschen vergessen leicht, dass man auch deutlich schlauer lügen kann als so mancher US-Politiker mit roter Basecap.

Und ganz wichtig bei alledem: Am besten, soweit es geht, neutral bleiben. Deine Aufgabe sollte nicht sein, Meinungen anderer zu formen, sondern Räume zu öffnen, in denen Jugendliche und junge Erwachsene valide Informationen erhalten, ein sprachfähiges Gegenüber erleben und so eine Grundlage schaffen können für die Entwicklung von eigenen Standpunkten. Das heißt natürlich nicht, dass du zum rückgratlosen Werkzeug werden musst. Wenn es um Spaltung, Menschenfeindlichkeit und Hetze geht, sind nämlich klare Worte von Bezugspersonen unerlässlich. Gerade wenn man als Christ oder Christin in dieser Welt unterwegs ist, steht man hier – meiner Auffassung nach – in einer ganz klaren Verantwortung.

Weiterführende Links:

Jugendgerechtes Erklärvideo zum Ablauf der Landtagswahl in BW 2026 von der Landeszentrale für politische Bildung.
https://www.youtube.com/watch?v=3r2jby0Lpzc

Gruppenstunden-Entwurf zum Thema Landtagswahl BW 2026 vom Evangelischen Jugendwerk in Württemberg.
https://www.jugendarbeit.online/dpf_thema/nutze-deine-stimme/

Seite zur Kampagne „Spaltung Sucks“ vom Landesjugendring BW – Für Zusammenhalt und Solidarität in Baden-Württemberg.
https://spaltung-sucks.de

Wahlprogramm-Check der antretenden Parteien für die Landtagswahl BW 2026 vom Landesjugendring BW.
https://www.ljrbw.de/kampagnen/visionen-2026-bis-2031/detail/wahlprogramm-check-zur-landtagswahl-2026

Gestaltungsvorlagen für Jugend-Bildungs-Einheiten zum Thema Landtagswahl BW 2026 von der „Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Baden-Württemberg“ (SKJB).
https://kinder-jugendbeteiligung-bw.de/angebote/wahlalter-16/landtagswahl-bw-2026/

Sonderseite der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zur Landtagswahl BW 2026 inklusive Kampagnen-Templates („Für Alle – mit Herz und Verstand“).
https://www.elk-wue.de/gesellschaft/landtagswahl-2026#c84127

Erstwähler-Guide der Initiative „Medien-Fokus BW“.
https://www.medienfokus-bw.de/landtagswahl-2026-ein-guide-fuer-erstwaehler/

Wahl-O-Mat zur Landtagswahl BW (Zwar nicht explizit für Jugendliche – aber sehr verständlich formuliert).
https://wahl-o-mat.de/bw2026

»Das habe ich noch nie versucht, also bin ich völlig sicher, das ich es schaffe.« (Pippi Langstrumpf) Mit der richtigen Einstellung geht meistens mehr, als man denkt oder sich im Vorfeld zugetraut hat.

Das neue KON-Thema »…weil ich’s kann« startet mit viel Selbstbewusstsein ins neue Jahr: Themenartikeln für MitarbeiterInnen und Bibelarbeiten für Gruppen vermitteln Stärke trotz Schwäche, einen konstruktiven Umgang auch mit Niederlagen und geben Tipps, wie inklusive Jugendarbeit funktionieren kann. Dazu werden Stundenentwürfe mit kooperativen Spielideen vorgestellt.

Was haben das Ende eines Zuges, der 18. Tabellenplatz der Fußballbundesliga und die letzte Platzierung bei der Tour de France gemeinsam? Alle drei werden mit der »roten Laterne« verbunden – und wem die »rote Laterne« zugesprochen wird, der hat so richtig »abgeloost«, wie die Jugend vor noch nicht wenigen Jahren zu sagen pflegte. Und das bedeutet nichts anderes, als dass man etwas verloren bzw. verpasst hat. – ganz egal, ob es sich dabei um ein wichtiges Spiel, um eine Wettbewerbsplatzierung, um eine wichtige Chance oder schlicht die letzte Bahn nach Hause handelt.

Niemand möchte gerne verlieren. Oder? Und so geben wir uns größte Mühe, der »roten Laterne« zu entgehen. Das kann aber manchmal auch dazu führen, dass wir bestimmte Dinge unseres Lebens gar nicht mehr angehen und sie direkt unversucht lassen. Das ist auch nicht immer clever. Darum lohnt es sich vielleicht, das Ganze etwas differenzierter zu betrachten. Dabei sollen uns zwei Zitate helfen.

Das eine wird dem deutschen Dramatiker Berthold Brecht zugeschrieben (wobei andere Quellen es eher der Studentenbewegung der 1970er Jahre zuordnen): »Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.«

Das andere Zitat stammt vom ehemaligen britischen Premierminister Winston Churchill: »Es ist von großem Vorteil, die Fehler, aus denen man lernen kann, recht früh zu machen.«

Doch wie sollen uns nun diese Sätze aus dem letzten Jahrhundert in der heutigen Zeit helfen? Gehen wir rein …

Wer sich die Mühe macht und es noch selbst in die Suchmaschine eingibt, wird zum Thema »verlieren« vor allem Einträge finden, die sich mit der Themenkombination »verlieren/Kind« beschäftigen. Warum es gerade für Kinder schwierig ist, zu verlieren – und warum es gleichzeitig so wichtig ist, dass Menschen in jungen Jahren lernen zu verlieren. Denn nicht wenige Probleme von Erwachsenen im Umgang miteinander lassen sich auf Fehlentwicklungen von sozialen Kompetenzen zurückführen, die im Kindes- und Jugendalter nicht entsprechend ausgebaut wurden. Doch wir machen mal langsam …

Ganz grob kommen Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren in die sogenannte »Trotzphase« (eigentlich »Autonomiephase« genannt), die meist bis zum Eintritt in die Grundschule durchlaufen wird. In dieser Phase beginnen Kinder, bekannte Grenzen und Regeln zu hinterfragen und zu überschreiten – und mitunter mit heftigen Verhaltensweisen auf die Anweisungen bzw. Handlungen der Eltern zu reagieren. Vielleicht hast du das selbst schon erlebt, wenn Kleinkinder mit Quengeln an der Kasse beginnen, weil sie so gerne noch etwas Süßes haben wollen – und sich mit lautem Geschrei auf den Boden werfen, weil die Eltern »Nein« gesagt haben?! Oder nur unter lautem Protest und Geheule den Spielplatz verlassen, weil sie gerne noch bleiben möchten – die Eltern aber aufbrechen? Oder lautstark zeigen, dass sie keine Lust haben, sich dem Wetter entsprechend noch eine Jacke anziehen zu lassen, nur weil die Eltern meinen, es sei zu kalt?

Diese heftigen Verhaltensweisen lassen sich häufig darauf zurückführen, dass die Kinder in diesen Momenten eine große Reizüberflutung erleben, sich hilflos fühlen oder ganz verzweifelt sind. Sie werden mit so einer Wucht von Emotionen überrannt, dass der innen aufgestaute Druck sich dann ganz plötzlich entlädt, wie bei einem Schnellkochtopf.

Dass Kinder nicht immer ihren Willen bekommen, dass sie auch mal warten müssen, dass sie eben auch mal ein Spiel verlieren oder im Wettlauf nicht die ersten sind – all das sind Situationen, in denen die Kinder langsam, aber Schritt für Schritt lernen, dass so etwas a) in Ordnung ist und sie b) angemessen darauf reagieren können. Und so entwickeln die Kinder eine Frustrationstoleranz, die für ihr weiteres Leben eine wichtige Bedeutung hat.

Schwierig wird es, wenn dieser Entwicklungsprozess von den Eltern verhindert oder eingeengt wird: Wenn Eltern mit Härte und Strafen reagieren, sobald das Kind in so einen wütenden Trotzanfall gerät, lernen Kinder nicht, mit ihren Emotionen umzugehen, sondern der innere Druck wird immer stärker und damit auch die Reaktionen, wenn diesem Druck dann nachgegeben wird. Wenn die Eltern weiteren Druck dadurch aufbauen, dass die Kinder nur bei »Leistung« Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit erhalten und Kinder dadurch nicht lernen, dass sie einfach für ihr »Sein« geliebt werden und genug sind. Wenn Eltern aus einer Überfürsorge heraus versuchen, den Kindern alle Hürden und Herausforderungen aus dem Weg zu räumen, haben die Kinder keine Chance, ein angemessenes Verhalten in solchen Situationen zu erlernen und werden später als schlechte Verlierer immer wieder anecken.

Jetzt haben wir also einen Eindruck davon bekommen, warum manche Mitmenschen (und vielleicht auch wir?) als schlechte Verlierer gelten und was dazu geführt hat. Aber wie gehen wir mit diesem Wissen um?

Manche versuchen, sich möglichst in keine Situation mehr zu bringen, in der sie verlieren könnten. Sie scheuen den Wettkampf (egal ob im Sport, im Spiel oder der Schule) und igeln sich regelrecht ein. Das ist aber auch mit negativen Konsequenzen belegt: man verliert unter Umständen soziale Kontakte, erlebt kaum persönliches Wachstum und kommt darum nicht wirklich weiter in seinem Leben.

Andere haben für sich erkannt: nicht die Niederlage, nicht der persönliche Fehler ist das Problem. Dass uns so etwas passieren kann, ist zutiefst menschlich. Der Wirtschaftspsychologe Michael Frese drückt es so aus: »Wir müssen scheitern, weil Scheitern eine natürliche Begleiterscheinung menschlichen Handelns ist. Weil die Komplexität unserer Umwelt immer größer ist als unser Verständnis davon.« Darum ist der Umgang mit dem Scheitern entscheidend dafür, wie das eigene Leben weitergeht.

Erfolgreiche Menschen versuchen, die Niederlagen als eine Art persönliche Wachstumschance zu sehen und daraus zu lernen. Auch Bill Gates, Steve Jobs und Walt Disney haben ihre ganz persönlichen Niederlagen erlebt, »gescheiterte Geschichten« geschrieben und dann doch noch große Erfolge gefeiert: Bill Gates erstes Unternehmen »Traf-O-Data« konnte sich am Markt nicht behaupten. Steve Jobs wurde 1985 wurde aus seinem eigenen Unternehmen gedrängt, bevor er 1997 zu Apple zurückkehrte und das Unternehmen zu dem machte, was wir heute kennen. Walt Disney wurde in seinen Anfängen als Cartoon- und Comiczeichner unter anderem bei einer Zeitung abgelehnt, weil er dort nicht als kreativ genug erachtet wurde.

Was kann uns und anderen helfen, mit dem Scheitern, den Niederlagen und Fehlern unseres Lebens, umzugehen?

Simon Sinek (US-amerikanischer Hochschullehrer, Autor [u.a. »Frage immer erst: Warum?«] und Unternehmensberater) empfiehlt, darin nach »vier Geschenken« zu suchen:

1) Demut: nicht als Schwäche, sondern als Kraft anzusehen, die es uns ermöglicht, Feedback einzuholen und lernbereit in unseren Beziehungen zu agieren.

2) Klarheit: die echten Prioritäten und Werte zu erkennen, die in unserem Leben eine Rolle spielen.

3) Resilienz: die Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen und dadurch unser Vertrauen zu verstärken, auch künftige Herausforderungen zu meistern.

4) Authentizität: als Erkenntnis, zu verstehen, wer wir in all unseren Stärken und Schwächen wirklich sind und daraus resultierend die Grundlage für unsere Beziehungen zu anderen Menschen.

Darüber hinaus kann es helfen, wenn ich anderen Menschen die Möglichkeit gebe, aus meinen Fehlern zu lernen. Da gibt es zum Beispiel die »FuckUp-Nights«: wenn Menschen einander vom Scheitern eigener Ideen erzählen. So kommt das Thema aus dem Tabu-Bereich unserer Gesellschaft heraus. Hier gilt: gerne mal selbst im Internet suchen.

Doch zurück zu Brecht und Churchill und dem, was die beiden schon vor Jahrzehnten erkannt haben. Ihre Lebensweisheiten würde ich heute so formulieren: Wer immer nur zögert, sich für seine Sache einzusetzen, wird sie nie erlangen. Je eher ich auf diesem Weg aus meinen Fehlern lerne (oder die Fehler anderer zum Lernen nutze), umso schneller komme ich an mein Ziel. Dann markiert die »rote Laterne« nicht mehr den Endpunkt, sondern nur einen Zwischenstand.

»Fair sein« – ein besonders im Sport tief verankerter Gedanke. Da gibt es z. B. die »Fair Play«-Medaillen, die der DFB am Saisonende an Spieler*innen, Mannschaften und sogar Funktionär*innen verleiht und so besonderes faires Verhalten belohnt. Aber auch in anderen Sportbereichen wird »Fair Play« gelebt und gelobt Es soll verdeutlicht werden, dass faires Verhalten nicht den Erfolg im Sport gefährdet. Im Sport ist das für uns auch ein sehr nachvollziehbarer Gedanke, dem sich wohl die meisten von uns anschließen können. Egal, ob besonders »robuste« Fouls im Spiel, Doping in der Tour de France oder zu große Anzüge im Skispringen: Wir wollen, dass es fair zugeht und alle Athlet*innen die gleichen Chancen haben.

Aber wie sieht es in unserem Alltag aus, außerhalb der bunten Welt des Sports? Wie weit geht da unsere Bereitschaft, dass wir uns fair verhalten? Und was bedeutet es überhaupt, fair zu sein?

Über Moral, Ethik und Gerechtigkeit

In der Begriffsdeutung fällt uns auf, dass der im Laufe des 19. Jahrhunderts »eingedeutschte« Begriff »fair« eigentlich aus dem Englischen stammt und übersetzt so viel wie »hübsch, schön, ehrlich, gerecht, angemessen« bedeutet. In der deutschen Sprache wird »fair« aber vor allem als Synonym für die moralischen bzw. ethischen Begriffe »ehrlich«, »gerecht« und »angemessen« genutzt und nicht für die ästhetischen Eigenschaften wie »hübsch« oder »schön«.

Diese Erkenntnis führt uns zu der Frage: Was sind Moral und Ethik?

Laut dem Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de) haben wir es hier mit zwei Begriffen zu tun, die das Handeln von Personen in den Blick nehmen. Dabei versteht sich unter »Ethik« die wissenschaftliche Betrachtung des menschlichen Handelns vor der Fragestellung, nach welchen Werten das Handeln als »gut« oder »böse« eingeschätzt wird. »Moral« ist ein verwandter Begriff, der das Handeln des Menschen mehr aus der Praxis heraus bewertet und fragt, ob es den in der Gesellschaft geltenden Regeln und Werten entspricht.

Für diese Regeln und Werte ist der Aspekt der Gerechtigkeit ganz wichtig. Aber auch dieses Wort ist mehr eine Hülle, die von den Menschen ganz individuell gefüllt wird, als denn ein festverankerter Begriff, der von allen genau gleich verstanden wird. Auch hier verweise ich auf die Definition, die man bei der bpd findet. Danach geht es darum, dass zwischen zwei verschiedenen Arten von Gerechtigkeit unterschieden werden kann: der ausgleichenden Gerechtigkeit, die zwischen verschiedenen Individuen herrscht und zum Beispiel in Kaufverträgen Gestalt gewinnt (ich gebe dir Geld und du gibst mir die Ware) und der austeilenden Gerechtigkeit, die das Verhältnis zwischen dem Individuum und der Gemeinschaft gestaltet. Zum Beispiel, wenn ich im Rahmen meiner Möglichkeiten Steuern zahle und der Staat das Geld nutzt, um zum Beispiel Sozialleistungen zu zahlen, die ich im Notfall auch erhalten würde.

Die Herausforderung in der Frage nach »Ist das gerecht?« liegt also nicht in der Unterscheidung dieser zwei Arten, sondern in der konkreten Umsetzung. Das, was Menschen als gerecht empfinden, hängt häufig von der persönlichen Betroffenheit ab. Das erleben wir immer wieder in politischen Diskussionen, wenn es zum Beispiel um die Fragen nach sozialer Gerechtigkeit, Generationsgerechtigkeit oder Klimagerechtigkeit geht. Und das erleben wir auch im persönlichen Miteinander mit unseren Nachbarn, Familienmitgliedern oder Kollegen.

Menschen, die auf der durch den Klimawandel vom Untergang bedrohten Insel Kiribati leben, haben da vielleicht ganz andere Gedanken zum Thema Klimagerechtigkeit als Deutsche, die Angst davor haben, kein neues Dieselauto mehr kaufen zu können.

Menschen, die allein durch ein Erbe zu Millionären werden, haben einen ganz anderen Blick auf die Fragen der sozialen Gerechtigkeit als Menschen, denen es aufgrund ihrer sozialen Herkunft kaum gelingt, die Armutsbarrieren zu durchbrechen, weil sie schon mit der Ungerechtigkeit der Bildungschancen in diesem Land hadern.

Menschen, die in diesem Land unter Armut leiden, haben vielleicht eher Angst davor, finanziell weniger Unterstützung vom Staat zu bekommen, wenn der auch Asylsuchende und Geflüchtete finanziell unterstützt als jemand, dessen Geldsorgen nicht in existentielle Krisen führen – sondern mehr darüber entscheiden, wie oft man dieses Jahr in den Urlaub fährt.

Das klingt alles ganz schön schwierig, abstrakt und theoretisch, oder? Ich würde sagen, das ist es gar nicht – aber … Trotzdem möchte ich versuchen, dir an Beispielen zu erläutern, dass diese Verhaltenstheorien für deinen Alltag eine große Relevanz haben – und es gleichzeitig wichtige Bausteine sind, um das Gesicht unserer Welt zu verändern. Los geht’s!

»Fairtrade« im Alltag leben

Bestimmt kennst du das »Fairtrade«-Logo, oder? Beim Einkaufen triffst du immer wieder darauf. Vielleicht wohnst du sogar in einer »Fairtrade«-Stadt oder hast eine »Fairtrade«-Schule besucht? »Fairtrade« ist aber mehr als das hübsche Logo. Es ist das Versprechen, das Leben von Menschen zu verändern. Und im Grunde gehörst du dazu. Zu den Menschen, deren Leben verändert wird. Zu denen, die das Leben anderer verändern.

»Fairtrade« ist ein Sozial-Siegel, dass dafür einsteht, dass die Menschen auf der produzierenden Seite in angemessener, ehrlicher und gerechter Art behandelt und bezahlt werden. Die Unternehmen, die dieses Siegel für ihre Produkte verliehen bekommen, setzen sich für fairen Handel ein, der dabei die Aspekte »Soziales«, »Ökonomie« und »Ökologie« besonders in den Blick nimmt.

Auf der Homepage www.fairtrade.net findest du dazu noch eine Vielzahl an Informationen, was das im Einzelnen bedeutet und wie sich das genau auf die Menschen in den produzierenden Ländern (vor allem im globalen Süden) auswirkt und wie dieses Siegel dazu beiträgt, ihr Leben positiv zu verändern.

Veränderungen in der Produktion und in der Entlohnung kosten jedoch Geld, darum sind diese Dinge teurer als andere. Aber wenn du dazu bereit bist, deinen Konsum an solchen Fairtrade-Produkten zu erhöhen, bist du Teil der Veränderung, die diese Welt braucht – und deine Anteilnahme an dem Leben und Leiden anderer Menschen verändert auch dich und dein Herz.

Dabei ist klar: Vielleicht möchtest du gerne mehr fair gehandelte Produkte kaufen, aber deine eigenen finanziellen Ressourcen sind dafür zu knapp – auf keinen Fall will ich dir kein schlechtes Gewissen machen. Aber ich möchte dich ermutigen, dieses Thema einfach mitzunehmen und andere Menschen und Institutionen damit in Kontakt zu bringen, die den Fairtrade-Gedanken auch finanziell unterstützen können. Oder dir wenigstes ein Produkt auszusuchen, dass du zukünftig fair gehandelt kaufst. Bei uns zu Hause ist das übrigens Kaffee 😊

Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl anderer Möglichkeiten, einen eigenen Beitrag zu leisten, um diese Welt fairer und gerechter zu gestalten, zum Beispiel

  • Konsum überdenken und reduzieren (mehr Second Hand, weniger Fast Fashion, nicht immer alles neu kaufen …)
  • CO2 verringern (mehr ÖPNV, mehr Fahrrad, weniger Fliegen …)

All unsere Entscheidungen haben eine Auswirkung auf andere Menschen – so ist das, wenn man in einer Gesellschaft lebt. Niemand lebt allein für sich, man steckt immer auch in einem sozialen Netzwerk. Und selbst, wenn ich nicht alle Auswirkungen direkt miterlebe, hat mein Handeln Konsequenzen. Für andere – und damit auch für mich.

Fair zu sein und mich für Gerechtigkeit einzusetzen, macht Arbeit. Aber fair zu sein und mich für Gerechtigkeit einzusetzen, macht (besonders gemeinsam mit Freunden) auch Spaß. Und es ergibt Sinn. Für die Welt und für mein Leben.

Immer dann, wenn du nicht genau weißt, ob dein Verhalten fair ist, empfehle ich dir die »3-Fragen-Methode«, die ich bei der »Fachstelle Jugendschutz Niedersachsen« gefunden habe:

  1. Geht es mir gut damit?
  2. Geht es anderen gut damit?
  3. Ist es erlaubt?

Und damit verbunden der Rat: Bei einem Nein – lass es sein!

Der deutscher Wirtschaftswissenschaftler Axel Ockenfels hat in seinen Studien übrigens herausgefunden, dass Fairness ein Verhalten ist, das einem in den meisten Situationen auch persönlich nutzt. Denn immer dann, wenn ich als Teil einer Gruppe unterwegs bin, verhilft mir mein faires und kooperatives Verhalten dazu, dass die anderen auch in Zukunft vertrauensvoll mit mir kooperieren.

Es braucht übrigens nicht viel, um eine Gesellschaft zu einem fairen und gerechten Umgang miteinander zu begeistern, wenn sie solche Werte noch nicht lebt – oder einfach noch fairer werden könnte. Studien zum Thema »committed minority« (engagierte Minderheit) kommen zu dem Schluss, dass es maximal 25 Prozent Beteiligte einer Gruppe braucht, um die Werte und Normen der Gruppe zu beeinflussen. Je engagierter diese Menschen sind, umso weniger Menschen braucht es. Die niedrigste Zahl ermittelte eine Studie mit dem Schwerpunkt »soziale Bewegung und ziviler Ungehorsam«: Hier war nur die Beteiligung von 3,5% der Bevölkerung nötig, um erfolgreich zu sein. Darum würde ich sagen: Fangen wir an!

Das Themenpaket “Mission Schöpfung” bildet das nachhaltige Kondenz der gleichnamigen Tagung der CVJM-Hochschule, der VRK-Akademie und der SCM-Verlagsgruppe vom 24.-25. Oktober 2025 in Köln. Gestaltet und aufbereitet wurden die Inhalte von verschiedenen Studierenden der CVJM-Hochschule. Mit dabei sind ganz konkrete Andachts-, Gruppenstunden- und Gebets-Formate, sowie Hintergrundgedanken für die Schulung von Mitarbeitenden oder die eigene Weiterbildung. Viel Freude beim Stöbern und in die Praxis umsetzen!

Warum braucht es christliche Naturspiritualität? Was ist das überhaupt? Der hier enthaltene Vortrag, die schriftliche Zusammenfassung und die Reflexionsfragen sollen helfen sich als Mitarbeitende weiter zu schulen, die eigene Haltung in Bezug auf Nachhaltigkeit und Jugendarbeit zu reflektieren und dadurch die eigene Sprachfähigkeit im Dialog mit Jugendlichen und Jungen Erwachsenen auszubauen.


  • Ist die Haltung das Grundlegendste – noch vor der Bearbeitung politischer Systeme?
  • Wie ist das Verhältnis der Betonung von Schöpfung und Gott zu verstehen?
  • Was wird unter Natur überhaupt verstanden?
  • Wie kann man das Segnen, wie Franziskus es betont, in der christlichen Jugendarbeit einfließen lassen, sodass es Jugendliche auch anspricht?
  • Geht solidarische Schöpfungsgemeinschaft über Menschen hinaus?
  • In welchem “Abschnitt” finde ich mich gerade wieder: Erlebe ich Natur eher als stille Oase, als Spiegel meiner Selbst, als Ort der Gottesbegegnung oder als Raum für Abenteuer?
  • Wie möchte ich künftig die Haltung einüben, Natur als Schöpfung zu begreifen, was verändert sich dadurch in meinem Handeln?
  • Was bedeutet für mich persönlich “Schöpfung” im Glauben? Wie verknüpfe ich mein Schöpfungsbewusstsein mit meiner Gottesbeziehung?

Die Ausarbeitung der Reflexionsfragen erfolgte von Studierenden der CVJM-Hochschule. Grundlegend war der Vortrag von Pfr. Dr. Detlef Lienau bei einer Tagung zu “Mission Schöpfung” der VRK-Akademie, der CVJM-Hochschule und der SCM Verlagsgruppe.

Biblische Survivaltipps für Mitarbeiterinnen (und andere Überlastete)

Ein wahrscheinlich nicht ganz so bekannter Bibeltext ist die Grundlage für diesen Programmvorschlag. Und weil er eine lange, lange Vorgeschichte hat, stellen wir vor allem einen einzigen Satz in den Mittelpunkt, der es aber durchaus in sich hat: »Mach dir’s leichter!«. Aber auch der Rest des Textes hält einige »Nuggets« bereit, kleine Schätze für Menschen, denen etwas Entlastung guttun würde.

Gut passen würde diese Bibelarbeit zum Beispiel im Rahmen eines Mitarbeiterkreises oder MA-Wochenendes, auch eines kleineren Teams oder z. B. eines Frauenabends.

Optionaler Einstieg: Eine Belastungs-Challenge

Gerade wenn ihr viele Jüngere im Team habt, kann diese Aktion zu Beginn dabei helfen, das Thema zu veranschaulichen und erlebbar zu machen:

Ihr braucht einen oder eine Freiwillige, gerne jemanden mit etwas Belastungspotenzial. Für einen bestimmten, begrenzten Zeitraum (beispielsweise 10–15 Minuten) bekommt sie oder er eine Reihe von Aufgaben und Auflagen, die zu erledigen sind, z. B. während ihr mit der gesamten Gruppe noch vor dem eigentlichen Programmstart einen Abendimbiss genießt oder eine Austauschrunde zum Ankommen macht. Die Person kann gerne dabei sein und mitmachen/mitessen, muss aber dabei ihre Aufgaben für die Challenge innerhalb des festgesetzten Zeitraums erledigen. Vielleicht überreicht ihr dazu sogar eine To-Do-Liste, damit nichts vergessen wird. Das Material für die Aufgaben habt ihr zuvor bereitgelegt, eventuell läuft irgendwo (über Beamer?) sichtbar ein Countdown mit – oder die Zeit ist irgendwann einfach ganz überraschend vorbei, das hat auch einen guten Effekt.

Zu den To-Do’s könnte z. B. gehören:

  • Einen richtig, richtig schweren Tourenrucksack während der ganzen Challenge auf dem Rücken tragen (gefüllt mit Büchern, Steinen oder anderen schweren Gegenständen)
  • Einen Kerzenhalter oder ein Teelicht (bitte mit »Tropfschutz«!) die ganze Zeit in der Hand halten, dessen Flamme nicht ausgehen darf und das aber nicht abgesetzt werden darf – ansonsten: sofort zurück zum Auftraggeber und sich dort neues Feuer holen!
  • 15 Kniebeugen machen (müssen nicht alle hintereinander sein, aber alle innerhalb des Zeitrahmens)
  • Eine Mandarine schälen (ja, mit dem Teelicht in der anderen Hand!) und essen
  • Jemanden aus der Gruppe erkennbar portraitieren
  • Einen längeren Bibelvers auswendig lernen und am Ende der Challenge aufsagen
  • Einen flugfähigen Papierflieger falten
  • Einmal das Gemeindehaus außen umrunden (evtl. mit Begleitung zum Flamme-Überwachen)
  • Einen Faden einfädeln
  • Drei Leuten aus der Gruppe ein originelles Kompliment machen
  • Insgesamt 3x unter einem Tisch durchkriechen
  • Ein Bilderrätsel lösen
  • Jemandem ein Glas zu trinken eingießen
  • … oder vielleicht habt ihr noch ganz andere Ideen …

Was der Kandidat bzw. die Kandidatin vorher nicht gesagt bekommt: Es ist natürlich nicht schlimm, wenn nicht alle Aufgaben geschafft werden – im Gegenteil, das unterstreicht ja das Gefühl von Überforderung und das Ziel der Challenge.

Anschließend darf die Person berichten, wie es ihr ergangen ist und wie sich das angefühlt hat – und in einem zweiten Schritt überlegen, was vielleicht geholfen hätte, es leichter zu machen: z. B. den blöden Rucksack absetzen oder zumindest teilweise entleeren; jemanden bitten dürfen, zwischendurch mal die Kerze zu übernehmen und so die Flamme am Leben zu halten; überhaupt: mal jemanden als »dritte Hand« zur Unterstützung zu haben; die To-Do-Liste abkürzen; einen Anhaltspunkt haben, welche Aufgaben die Wichtigsten sind; usw.

Gegebenenfalls können anschließend noch andere aus der Gruppe Ideen beisteuern, was es dem- oder derjenigen leichter gemacht hätte. Und letztendlich hätte es ja immer noch die Möglichkeit gegeben zu sagen: »Nö! Es reicht mir jetzt! Warum mache ich das hier eigentlich?!«

Mose: Eine Blitz-Biografie

In unserem Bibeltext geht es um einen Mitarbeiter, der ebenfalls am Rande seiner Belastungsgrenze agiert und es anscheinend noch nicht so richtig gemerkt hat: Es geht um Mose. Und weil sein persönlicher Hintergrund nicht ganz unwichtig für die Geschichte ist, um die es gleich geht, hier ein kurzer Blick auf seine Lebensgeschichte in ganz groben Zügen:

Mose wurde als Sohn einer Israelitin geboren, während das Volk Israel in Ägypten in der Gefangenschaft lebte. Weil der Pharao alle jüdischen Jungen umbringen lassen wollte, setzte Moses Mutter ihn – aus Angst um sein Leben – in einem kleinen Korb im Fluss aus. Die Tochter des Pharaos fand ihn dort und nahm ihn bei sich auf, so dass er am ägyptischen Königshof aufwuchs. Als er später von seiner israelischen Herkunft erfuhr und miterlebte, wie brutal die Ägypter sein Volk behandelten und wie ein Aufseher einen israelischen Sklaven erschlug, brachte er den Ägypter um. Daraufhin musste er fliehen, kam in das Land Midian und verdiente sich dort seinen Lebensunterhalt als Schafhirte bei dem Priester Jitro. Er heiratete dessen Tochter Zipporah und bekam mit ihr zwei Söhne.

Eines Tages beim Hüten der Schafe hat Mose eine eindrückliche Begegnung mit Gott (die Geschichte mit dem brennenden Dornbusch …) und bekommt von ihm den Auftrag, nach Ägypten zurückzukehren und das Volk der Israeliten in die Freiheit zu führen. Obwohl er ein sprachliches Handicap hat und ziemlich Respekt vor der Aufgabe, stellt Mose sich der Herausforderung. Es folgen 40 Jahre Wanderung durch die Wüste auf der Suche nach dem verheißenen Land, inklusive der spektakulären Flucht durchs Rote Meer, täglichem Brot vom Himmel, mit dem Gott sein Volk versorgt, viel Nörgelei und Zoff unter den Israeliten – und später (erst nach unserer heutigen Geschichte) dann die Zehn Gebote, das Goldenen Kalb, die Bundeslade und andere Abenteuer.

Wüste Zeiten in der Wüste – und ein Familienbesuch

Mitten in dieser langen, langen Wanderung durch die Wüste als Anführer eines ganzen Volkes, das nicht ganz pflegeleicht ist und Mose viel Mühe und Kopfzerbrechen bereitet, ergibt sich die Gelegenheit, dass er Besuch von seiner Familie bekommt: Sein Schwiegervater Jitro macht sich gemeinsam mit Moses Frau und ihren beiden Söhnen auf den Weg, um Mose zu treffen. Und dieser Besuch wird zu einem Wendepunkt in Moses Art zu leiten und Gott zu dienen – und das genau zur richtigen Zeit.

Wir lesen gemeinsam den Bibeltext: 2. Mose 18, 1–27.

Ein gutes Gespräch, ein weiser Rat – und eine entlastende Veränderung

Im Grunde ist es ein einziger zentraler Satz, ein einzelner kluger Rat, der den Knoten löst und Mose dabei hilft, wieder mit neuer Kraft seinen Dienst zu tun: »Mach dir‘s leichter!«. Gar nicht so einfach, wenn man bis zum Hals in Verantwortung steckt… Aber die Geschichte gibt uns ein paar kleine Schätze und Tipps mit, wie das mit dem »es sich leichter machen« gehen kann.

(An dieser Stelle könnt ihr – je nachdem, wie es für eure Gruppe am besten passt – einzeln oder in kleinen 2er/3er-Gruppen am Text und den folgenden Punkten arbeiten und hinterher zusammentragen – oder ihr geht gemeinsam die Punkte durch, die sich aus dem Text ergeben, und gebt als Leitung den Impuls in die Gesamtgruppe hinein. Die Fragen dienen als Anregung zum Austausch miteinander, können aber auch zuvor jeweils von jeder und jedem für sich bearbeitet werden.)

Platz schaffen in einem vollen Alltag (Vers 5-7)

Obwohl Mose alle Hände voll zu tun hat und mit seiner Leitungsaufgabe stark gefordert ist, nimmt er sich in diesem Moment Zeit für seine Familie, die er so lange nicht gesehen hat – seine Frau, die ihn vermisst hat, und die Söhne, die ihn vermutlich kaum kennen, weil er schon so lange weg ist. Sein Zelt bietet einen geschützten Raum für Begegnung und Gespräche. Mose hat erkannt, was jetzt gerade »dran« und wichtig ist und Priorität hat.

Fragen: Wann ist bei mir eine Pause dran? Wann nehme ich mir Zeit für Beziehungen, die mir wichtig sind – obwohl ich vielleicht gerade wirklich viel zu tun habe? Wann bräuchten wir als Team mal wieder eine Unterbrechung, um nicht atemlos von Einem ins Andere zu stolpern? Wie schaffen wir uns Pausen-Raum?

Einfach mal erzählen tut gut! (Vers 8)

Mose nimmt sich die Zeit, von all den Erlebnissen und Ereignissen der letzten Zeit zu erzählen – vielleicht auch, wie es ihm selbst dabei ergangen ist. Vermutlich hat er gemerkt, wie gut das tut. Gerade auch, wenn jemand echtes Interesse zeigt, der oder die selbst nicht zum »System« gehört und deshalb neutral und unvoreingenommen ein offenes Ohr hat. Und: Mose schreibt sich die Erfolge und das Positive nicht nur auf die eigene Fahne, sondern weiß und bezeugt, dass in allem Gott derjenige ist, der sein Tun gelenkt hat und seine Hand über das Volk gehalten hat.

Fragen: Bei wem kann ich mal unbefangen erzählen, wie es mir geht? Meine Highlights, aber auch Misserfolge offen und ehrlich teilen? Verantwortung kann einsam machen – wem möchte ich vertrauen und mich anvertrauen? Wo kann ich mich – ohne falsche Bescheidenheit – über Gelungenes freuen, und gleichzeitig Gott die Ehre dafür geben? Wer freut sich mit?

Zwischendurch: dankbarer Rückblick und das Gute feiern (Vers 9–12a)

Jitro scheint ein empathischer und aktiver Zuhörer zu sein: Er freut sich über die guten Erfahrungen, die die Israeliten unterwegs mit Gott gemacht haben. Das verändert sogar sein eigenes Bild, das er von Gott hatte (»jetzt weiß ich: Der Herr ist größer!«), und bewegt ihn dazu, einen spontanen Dankgottesdienst zu feiern. Weitere Verantwortungsträger kommen dazu und feiern mit einem Festmahl Gottes Treue auf dem bisherigen, herausfordernden Weg.

Fragen: Wie sieht es mit unserer Dank- und Feierkultur aus in unserem Vorstand, MA-Team, im CVJM, in der Gemeinde? Gönnen wir uns dankbaren Rückblick, gemeinsames Feiern, sich gegenseitig ruhig auch mal loben, und Gott die Ehre geben für alles Gelungene? Wofür hat Gott (und haben wir) längst mal wieder eine Party verdient?

Transparenz: Einblick gewähren in Leitungsarbeit (Vers 13)

Nach dem Fest, dem Gottesdienst, dem »Sonntag«, geht der Alltag wieder los: Bei Mose ist es hier das Sortieren, Vermitteln, Schlichten, Beruhigen, Brückenbauen, Ermahnen und Urteilen in Streitfällen – und das waren wohl nicht wenige, wenn man bedenkt, dass er die Verantwortung für ein großes Volk hatte in einer lange andauernden Situation höchster Anspannung. Sein Schwiegervater Jitro ist dabei anwesend, bekommt den Stress mit, die Anspannung, unter der Mose steht, die Ungeduld der Menschen, die logistischen Herausforderungen bei solchen Menschenmassen – kurz: Er bekommt keine makellose Hochglanz-Performance zu sehen, sondern einen überforderten Menschen in seiner alltäglichen Arbeit.

Fragen: Wem gewähren wir einen ehrlichen und auch schonungslosen Einblick in unsere Abläufe als Verantwortungsträger? Wer darf mitbekommen, wo wir überfordert sind oder auch mal scheitern trotz unserer guten Absichten? Bei wem ist ein ehrliches Bild von uns gut aufgehoben? Wo könnte uns – persönlich oder als Team – mehr Transparenz guttun?

Offenheit für Korrektur und guten Rat (Vers 14–16)

Jitro schreibt keine seitenlange Unternehmens-Analyse, sondern stellt dem Mose ganz einfache Fragen: Warum machst du es dir selbst so schwer? Warum machst du das alles alleine? Dadurch hilft er ihm, einen Schritt zurückzutreten, quasi auf eine Meta-Ebene, und mit etwas Abstand sein eigenes Handeln und die Situation anzuschauen und zu reflektieren – und auch, für seine Überforderung und Ratlosigkeit Worte zu finden.

Fragen: Von wem lasse ich mich hinterfragen und mir etwas sagen, ohne mich dauernd rechtfertigen zu müssen? Wer darf mir reinreden? Wem gebe ich Autorität, mein Handeln wohlwollend anzuschauen, kritische Fragen zu stellen und zu korrigieren?

Von »So geht’s nicht mehr!« hin zu »Mach dir’s leichter!“« (Vers 17–23)

»Es ist nicht gut, wie du das tust.« – So schonungslos und ehrlich ist Jitros Feedback. Sicher nicht das, was man gerne hören möchte – aber es ist realistisch: Es tut dir nicht gut, du verheizt dich selber. Und den anderen Menschen tut es auch nicht gut – sie müssen lange warten, bis ihr Anliegen bearbeitet wird, und erleben einen angespannten und irgendwann wahrscheinlich ausgebrannten Leiter. Aber Jitro kritisiert nicht einfach stumpf, sondern hat auch konkrete und hilfreiche Vorschläge, was Mose verändern könnte, um es sich »leichter zu machen«: Delegieren, sortieren, priorisieren, ausmisten, loslassen, sich entbehrlich machen … Alles Dinge, die vielen Leitungspersönlichkeiten nicht unbedingt leicht fallen oder die sie gar nicht erst hören wollen. Geteilte Verantwortung bedeutet ja letztendlich z. B. auch geteilte Macht und geteilte Anerkennung. Wenn ich andere mehr beteilige, kann es auch durchaus sein, dass etwas nicht so oder so gut gemacht wird, wie ich es gerne hätte oder selber machen würde.


Fragen: Wann ist bei mir oder bei uns der Zeitpunkt, wo es so nicht mehr geht? Haben wir selbst ein Gespür dafür, oder brauchen wir vielleicht den Impuls von außen? Wer könnte konstruktive Ideen beisteuern, wie Entlastung möglich wäre? Woran hänge ich besonders, was würde mir schwerfallen loszulassen? Wo steht mir vielleicht mein Perfektionismus im Weg? Wem könnte ich/könnten wir durchaus mehr zutrauen bzw. zumuten? Wenn nicht Überforderung oder Überlastung – was könnten andere Faktoren sein, die ein gesundes, effektives und fröhliches Weiterarbeiten erschweren? Welche Veränderung würde mir/uns und unseren Abläufen mal guttun? Was würde passieren, wenn sich nichts ändert, bzw. wenn wir nichts ändern?

Und dann: einfach mal machen! (Vers 24–26)

In der Geschichte passiert etwas Erstaunliches: Mose ist nicht eingeschnappt, verärgert oder frustriert, als ihm gesagt wird »Es ist nicht gut, wie du das tust«. Zum einen kommt diese Rückmeldung von einem Menschen, der ihm wohlgesonnen ist und nicht will, dass er irgendwann komplett ausbrennt. Und zum anderen hört Mose genau hin: Die Botschaft lautet nicht »Es ist nicht gut, was du tust«, sondern »wie du es tust«. Und es folgen ganz konkrete Ideen und Vorschläge, was er ändern könnte, um die Situation zu verbessern. Mose gehört nicht zu denen, die sich endlos viele Expertenmeinungen und Gutachten einholen, aber nicht bereit sind, etwas zu ändern; oder die haufenweise Selbstoptimierungs-Ratgeber ansammeln, aber es dann bei der Theorie belassen. Stattdessen probiert er die Idee seines Schwiegervaters einfach mal aus: strukturiert die Arbeit, die er bisher alleine gemacht hat, neu und verteilt sie auf mehrere Schultern; holt Menschen mit ins Boot, die das Potenzial haben, Verantwortung zu übernehmen, schafft sich selbst damit Entlastung und den Anderen die Möglichkeit, in Aufgaben hineinzuwachsen. Eine wichtige Aufgabe von Leitungsmenschen übrigens: das Potenzial in anderen entdecken, sie fördern und ihnen Möglichkeiten und Handlungsfelder eröffnen.

Fragen: Wie reagiere ich persönlich bzw. reagieren wir als Team, als Gemeinschaft, auf kritische Rückmeldungen? Lassen wir uns davon entmutigen und ziehen wir uns zurück? Ignorieren wir sie, weil sie unsere Abläufe stören könnten oder wir vielleicht zu überzeugt sind von unseren gewohnten Abläufen? Welche Rückmeldung sollten wir ernst nehmen, und welche konkrete Idee von außen sollten wir einfach mal ausprobieren, welche Anregung umsetzen? Was hätten wir zu verlieren? Und wen sollten wir endlich ins Boot holen, wem etwas zutrauen, wen empowern für neue Aufgaben? An welcher Stelle könnte uns das entlasten – wofür könnten wir die freiwerdende Energie nutzen?

Und schließlich: Begleitung auf Zeit (Vers 27)

Nach diesem Besuch mitten in der Wüste, der sich – unerwarteterweise – zu einer so intensiven Begegnung mit Elementen von Coaching, Seelsorge, Therapie, geistlicher Gemeinschaft und Unternehmensberatung entwickelt hat, verabschiedet Mose seinen Schwiegervater, als die ersten Umsetzungsschritte Wirklichkeit geworden sind und die Veränderungen greifen. Er lässt ihn ziehen und Jitro kehrt zurück in sein eigenes Land. Ein schönes Bild dafür, dass Begleitung »auf Zeit« geschehen kann – intensiv, situationsangepasst. Und dass Mose als kompetenter, mündiger, selbständiger Leitungsverantwortlicher ernstgenommen wird, der mit dieser kleinen Hilfestellung seines weisen Beraters im Gepäck seinen Weg neu und erfrischt und selbst ein bisschen weiser weitergeht.

Fragen: Wer könnte mich, könnte uns eine Zeitlang auf unserem Weg begleiten? Was könnte unsere konkrete Fragestellung sein? Welche Kompetenzen oder Perspektive könnte jemand mitbringen, der uns auf unserem Weg ein Stück weiterhilft? Welche Art von »Weisheit« bräuchten wir? Und woran würden wir merken, dass sich etwas verändert hat?

Und ein Fazit?

»Mach dir’s leichter« – sagt sich so leicht, aber mit Offenheit und Ehrlichkeit von beiden Seiten ist in dieser Geschichte viel möglich geworden. Der Rucksack wurde leichter, die müden Schultern entlastet, die To-Do-Liste etwas kürzer und menschenfreundlicher, die eigene Überforderung wurde weniger und die Förderung Anderer nahm zu – und die Flamme ist nicht verloschen. Und wo war Gott in dem ganzen Prozess? Mittendrin. Im dankbaren Rückblick und Feiern wurde er in den Mittelpunkt gerückt, und in allem, was danach kam, war er der entscheidende Faktor: »Ich will dir raten, und Gott wird mit dir sein.« (Vers 19). Jitro hat seine Begleitung, sein Zuhören, seine Kritik, seinen Rat immer ganz eng an Gottes Begleitung und Rat angebunden gesehen. So wurde Neues, Frisches, Befreiendes möglich im Leben und Wirken von Mose.

Vieles in der Welt und im persönlichen Leben macht ratlos und braucht die Unterstützung guter Berater. Das gilt für Erwachsene genauso, wie für junge Menschen in ihren zahlreichen Entscheidungsprozessen. Wo gibt es Orientierung? Wer oder was ist noch vertrauenswürdig?

Die neue KON-Einheit »Rat-Los!« bietet vielfältige Anregungen, der Ratlosigkeit entgegenzutreten: in Themenartikeln, Bibelarbeiten und Stundenentwürfen gibt es »weise Ratschläge« und ist »guter Rat nicht teuer« . Eine umfangreiche Ideensammlung, die spielerische, biblische und thematisch ausgearbeitete Konzepte für die Arbeit mit Gruppen bietet und in interaktiven Themenartikeln auch Mitarbeitenden persönlich Hilfestellung für Seelsorge- und Beratungsangebote gibt.

Vielleicht hast du das schon erlebt: nach der Gruppenstunde bleibt ein Mädchen zurück, schaut dich ernst an und erzählt dir etwas, das sie beschäftigt. Manchmal ist es nur ein kurzer Satz, manchmal ein ganzes Durcheinander von Gedanken und Gefühlen. In dir taucht sofort die Frage auf: »Was mache ich jetzt mit dieser Info?« Oder du weißt schon vorher: das nächste Gespräch mit einer Teilnehmerin wird nicht einfach. Es wird Tränen geben, vielleicht auch Vorwürfe oder Schweigen. Und du spürst deine eigene Unsicherheit: »Was sage ich bloß als Nächstes?« Genau in solchen Momenten bewegen wir uns im Feld der Seelsorge.

Seelsorge gehört ganz selbstverständlich zur christlichen Jugendarbeit. Sie ist keine Spezialdisziplin für Profis mit langen Ausbildungen, sondern kommt ungefragt auf uns zu, wenn wir mit anderen Menschen zusammenarbeiten.

Überlege doch mal, wer waren für dich Vertrauenspersonen außerhalb deiner Familie und Schule?

Bei unserer ehrenamtlichen Arbeit begleiten wir Kinder und Jugendliche im Glauben aber auch in ihrem ganz normalen Alltagsleben. Seelsorge heißt, Mädchen ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören, mit ihnen zu beten und sie zwei Dinge spüren zu lassen: Gott ist da, mitten in ihren Sorgen, Ängsten und Fragen. Und: Ich höre dir zu und nehme das ernst, was du sagst.

Was macht Seelsorge eigentlich aus?

Wenn wir ein vertrauliches Gespräch führen und jemand dabei auf Unterstützung von einer anderen Person hofft, kann man das Seelsorge nennen. Wir fragen gemeinsam: Was ist los? Wie geht es dir? Wie lange geht es dir schon so?

Wir fragen aber auch: Wo ist Gott in dieser Situation? Was gibt mir Hoffnung, wenn ich keine Lösung sehe? Wie kann ich spüren, dass ich geliebt bin – so wie ich bin? Seelsorge setzt nicht nur beim Problem an, sondern bringt die geistliche Dimension ins Spiel. Wer Gott ist und was sein Wesen ausmacht. Wie man diese Zusagen für den herausfordernden Alltag nutzen kann.

In der Bibel stehen dazu auch einige gute Verse. Beispielsweise schreibt Paulus: »Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen« (Galater 6,2). Genau das geschieht in der Seelsorge: Wir tragen ein Stück der Last mit – ohne sie den Jugendlichen vollständig abzunehmen. Oder Jakobus erinnert: »Seid schnell zum Hören, langsam zum Reden« (Jakobus 1,19). Zuhören ist vielleicht die wichtigste Grundlage in der Seelsorge. Es geht um echtes, aufmerksames Zuhören. Du musst nicht denken, dass du jetzt sofort das Problem von jemand anderem lösen musst oder gute Ratschläge parat haben sollst. Erstmal geht es darum, jemandem Trost zu geben und Mitgefühl zu zeigen. Vielleicht möchte jemand einfach mal erzählen und dabei auch Gefühlen oder Tränen Raum geben, ohne sich zu schämen.

Zwei einfache erste Übungen dafür können dir vielleicht am Anfang die Angst nehmen, wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst:

1. Spiegeln

Ein Tool, das dir sofort hilft, ist das Spiegeln des Gehörten – wie ein »Echo«. Wenn ein Mädchen dir etwas erzählt, wiederholst du in eigenen Worten kurz das, was du verstanden hast, mit eigenen Worten.

  • Mädchen: »Alle in meiner Klasse ignorieren mich, ich bin ihnen egal.«
  • Du: »Du hast das Gefühl, dass dich deine Mitschüler gar nicht wahrnehmen und du ganz allein bist?«

Dieses kleine »Echo« hat eine große Wirkung:

  • Das Mädchen merkt, dass du wirklich zuhörst.
  • Sie kann klarstellen, wenn du etwas falsch verstanden hast.
  • Dein Gegenüber hört, wie ihre Worte aufgenommen und verstanden werden – sie lernt sich auszudrücken oder die Worte ggf. zu korrigieren.

Das ist die Grundlage der Seelsorge: präsent sein, zuhören, spiegeln – ohne vorschnelle Ratschläge.

2. Die „Drei Fragezeichen“-Übung

Als Gesprächsübung kannst du dir drei einfache Fragen merken, die dir helfen, tiefer ins Gespräch zu kommen – auch wenn dir selbst gerade nichts einfällt. Frage dein Gegenüber:

  1. »Wie fühlst du dich dabei?«
    – Damit lenkst du das Gespräch von den Fakten auf die Gefühle.
  2. »Was ist dir daran am wichtigsten?«
    – So erfährst du, was das Mädchen wirklich bewegt.
  3. »Was würde dir jetzt gut tun?«
    – Damit öffnest du die Tür zu konkreten nächsten Schritten.

Beispiel: Ein Mädchen erzählt, dass sie ständig Streit mit ihrer Mutter hat.

  • Du fragst: »Wie fühlst du dich dabei?« – Sie antwortet: »Wütend und gleichzeitig traurig.«
  • Du fragst: »Was ist dir daran am wichtigsten?« – Sie sagt: »Dass meine Mutter mich nicht mehr anschreit.«
  • Du fragst: »Was würde dir jetzt gut tun?«– Das könnte vieles sein – beispielsweise: »Vielleicht, wenn ich einmal ehrlich mit ihr rede.« Oder »Ich möchte erst mal ein paar Gedanken mit jemandem sortieren, bevor ich wieder mit ihr über das Thema spreche.«

Diese drei Fragen helfen dir, im Gespräch eine klare Struktur zu haben. Sie zeigen: Du bist interessiert, du hörst zu, und du begleitest das Mädchen dabei, eigene Antworten zu finden.

Mit wem könntest du so ein Gespräch vielleicht mal als Rollenspiel üben?

Verantwortung abgeben

Es ist immer am besten, wenn ein Mädchen selbst Antworten und Lösungen findet. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und hilft ihr, in schwierigen Situationen zu wachsen. Gleichzeitig schützt es auch dich davor, zu viel Verantwortung zu übernehmen. Denn du möchtest ja nicht die Rolle einer Ersatz-Mama oder Dauer-Problemlöserin übernehmen, die für jedes Detail im Leben zuständig ist. Denk dran: Deine Aufgabe ist nicht, fertige Lösungen zu liefern, sondern eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, in dem die Mädchen ihre eigenen Schritte entdecken – im Vertrauen darauf, dass Gott sie führt und sie nicht alleine ist.

Sobald du dich unwohl fühlst mit dem, was ihr besprecht, gilt: Sorge gut für dich selbst. Du musst kein Gespräch »aushalten«, das dir zu viel wird. Es ist völlig in Ordnung, ein Gespräch zu unterbrechen, zum Beispiel mit Worten wie: «Das ist gerade ganz schön viel für mich. Lass uns mal kurz eine Pause machen.« Oder du holst dir Unterstützung dazu, wenn du spürst: »Das ist mir zu heiß, da sollten wir zusätzlich noch mit [Name einer Leiterin] reden. Wäre es ok, wenn wir zu dritt weitersprechen oder du mit ihr weitersprichst, denn ich denke, sie kann dir besser helfen«.Das schützt dich – und es schützt auch das Mädchen. Wir alle müssen lernen mit eigenen Grenzen umzugehen. Du kannst auch darin ein Vorbild für andere sein.

Manchmal wirst du von einem Mädchen ausgesucht. Sie kommt bewusst zu dir – und nicht zu jemand anderem. Vielleicht, weil sie dir vertraut. Vielleicht, weil sie dich sympathisch findet oder weil sie spürt, dass du zuhörst, ohne gleich zu urteilen. Das ist ein Geschenk – und zugleich eine Verantwortung. Manchmal will sie sogar »nur mit dir« reden. Das ist natürlich eine Ehre, aber es kann auch schnell zur Überforderung werden. Dann darfst du ehrlich sein und ihr Mut machen: »Wenn du es einmal geschafft hast, dich mir zu öffnen, dann kannst du das auch bei anderen. Und manche von ihnen können dir vielleicht sogar noch besser helfen«.

Bleib dir bewusst: Am Ende bist nicht du allein gefragt, sondern Gott wirkt durch dich. Du kannst sogar während des Zuhörens still beten und Gott bitten, dir Weisheit und Mut zu schenken. Denn Seelsorge bedeutet nicht nur Trost spenden – manchmal braucht es auch eine liebevolle Konfrontation, die zur Veränderung ermutigt.

Beispiel: Ein Mädchen erzählt dir, dass sie regelmäßig mit jemanden in der Klasse Stress hat. Sie erzählt dir ein paar Dialoge. Dabei teilt auch sie scharfe Worte aus. Sie findet das »aber nur fair«. Hier darfst du auch mal behutsam eine Rückmeldung geben: »Das war ganz schön bissig. Achte darauf, dass auch deine Worte verletzen können«. Solch ein Hinweis ist unbequem, aber er zeigt dem Mädchen, dass du versuchst beide Sichtweisen im Blick zu behalten.

Die eigenen Grenzen kennen und Gott wirken lassen

Seelsorge ist nicht immer nur Zuhören, manchmal ist es ein Begleiten hin zum nächsten Schritt – im Vertrauen darauf, dass Gottes Geist Veränderung wirkt und Mut macht.

In diesen Prozessen passieren auch Fehler. Manchmal schätzt du eine Situation zu krass ein und machst sie größer, als sie ist. Ein anderes Mal verharmlost du etwas, das eigentlich ernst genommen werden müsste. Oder du mischst dich zu sehr ein und reißt dem Mädchen die Lösungsbausteine aus der Hand, um sie selbst zusammenzusetzen – weil es einfacher oder spannender scheint, bei anderen Ordnung zu schaffen, als im eigenen Leben vorwärtszukommen.

Das gehört dazu. Fehler sind kein Zeichen von Versagen, sondern ein Hinweis, dass wir Lernende bleiben. Wichtig ist, diese Momente zu reflektieren – im Gebet, im Austausch mit anderen Leiterinnen oder in der eigenen Seelsorge. Denn Gott gebraucht auch unsere Unvollkommenheit. Er ist größer als unsere Unsicherheiten und kann durch unsere Schwächen wirken. Was dich ermutigen kann ist dieser Vers:
»Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.« (2. Korinther 12,9)

Trotz allem ist es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen. Manche Situationen brauchen professionelle Hilfe – etwa, wenn es um Gewalt, Missbrauch oder ernsthafte psychische Erkrankungen geht. Dann ist es ein Zeichen von Verantwortung, solche Anliegen nicht allein besprechen zu wollen – selbst wenn das Mädchen dir sagt, dass sie mit niemand anderem darüber reden möchte.

Du darfst und kannst solche Themen nicht bearbeiten. Deine Aufgabe ist es nicht, Lösungen für solche Themen zu entwickeln. Höre zu (sofern es dir möglich ist), aber versuche das Gespräch immer wieder behutsam darauf zu lenken, was passieren müsste, damit sich dein Gegenüber einer Leiterin, den Eltern oder einer Beratungsstelle öffnen kann. Versuche, Hilfe zu vermitteln – das ist in solchen Fällen der wichtigste und wertvollste Beitrag, den du leisten kannst.

Kennst du Beratungsangebote in deiner Umgebung? Gibt es in eurem CVJM oder deiner Gemeinde ein „Schutzkonzept“?

Für dich als Mitarbeiterin heißt das: Sei präsent, höre zu, bete mit den Mädchen, sprich ihnen Gottes Zuspruch zu – und nimm dich selbst nicht zu wichtig. Gott wirkt oft gerade durch deine Begrenztheit, durch einfache Worte, durch die Stille, die du aushältst.

Und vergiss nicht dich selbst. Auch Seelsorgerinnen brauchen Seelsorge. Wenn du öfters solche Gespräche führst, dann suche dir auch Menschen, mit denen du reden kannst.

Wer könnte das für dich sein?

Bete regelmäßig für deine Teilnehmerinnen, aber auch für dich. Paulus schreibt: »Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit« (2. Timotheus 1,7). Genau das ist die Haltung, die wir in der Mädchenarbeit brauchen: Kraft, um schwierige Gespräche zu führen. Liebe, um Mädchen so anzunehmen, wie sie sind. Und Besonnenheit, um eigene Grenzen zu erkennen.

Am Ende ist Seelsorge ein toller Weg um Mädchen spüren zu lassen: Du bist wertvoll. Du bist von Gott geliebt. Und du bist nicht allein. Danke!! Dass du in andere investierst und die Sorgen von anderen ernst nimmst! Wenn dich das Thema mehr interessiert mach doch mal eine Schulung zu dem Thema!

Es ist so eine Sache mit dem »Rat«

»Guter Rat ist teuer!« – »Ratschläge sind auch Schläge!« Diese Sätze gehören schon fast zu den Klassikern, wenn es ums Rat geben und bekommen geht. Wie geht’s dir mit diesen Worten?

Ein bisschen Wahrheit steckt in beiden. Wenn man nicht mehr weiterweiß und einiges richtig im Argen liegt, kann es teuer werden – weil man sich vielleicht von Expertinnen beraten lassen möchte … und die arbeiten nicht umsonst.

Rat»schläge« können weh tun, gerade, wenn sie von jemandem kommen, die dich nicht kennt, sich womöglich aber als Fachfrau für dich sieht oder ihre Erfahrungen raushängen lässt.

Wie kann es im Team unter Mitarbeiterinnen und im Miteinander einer Gemeinschaft gelingen, dass in wunderbarer Weise Rat gegeben oder angenommen werden kann? Grundsätzlich gilt für mich: miteinander als Team oder mit mehreren Teams zusammen zu arbeiten und gute Jugendarbeit zu machen, ist ein Ort für alle, voneinander und miteinander zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam zu wachsen. Dabei passiert manchmal automatisch, dass man sich schon gut kennt.

Damit ihr euch noch besser kennenlernen und einschätzen könnt, probiert einfach folgende Spielidee: 

Positive Eigenschaften zuordnen

Ein Spiel zu Fremd- und Selbsteinschätzung

So geht’s:

Sammelt positive Eigenschaftsworte und schreibt sie auf Karten. Legt den Kartenstapel verdeckt in die Mitte des Tisches.

Gebt pro ca. vier Personen einen Würfel in die Runde – in gleichmäßigem Abstand. Es wird nun mit allen Würfeln gleichzeitig und in der gleichen Richtung gewürfelt. Legt vorher die Richtung fest. Wer eine sechs würfelt, zieht eine Karte aus der Mitte, liest das Wort nur für sich (nicht laut) und legt es verdeckt vor jemandem ab, von dem sie denkt, dass es auf die Person zutrifft. Die zugeordneten Karten bleiben verdeckt liegen, bis der Stapel leer ist.

Die Zuordnung muss schnell erfolgen – am besten, bevor der nächste Wurf gemacht ist. Die Würfel dürfen sich nicht überholen, wer zu lange zögert, behält die Karte bei sich (verdeckt).

Dann nimmt sich jede ihre Karten, die sie bekommen hat, liest sie durch und sortiert sie pyramidenartig. Unten (also direkt vor sich) legt sie die Begriffe, von denen sie selbst denkt, dass sie auf sie zutreffen, gleichwertig nebeneinander. Darüber dann die nächsten und so weiter. So wird nach und nach ein Ranking, so dass ganz oben das liegt, was in der Selbstwahrnehmung am wenigsten zutrifft.

Dann stellt jede vor – was und warum sie so geordnet hat, welche Gedanken sie dazu hatte, wo Verwunderung, Freude o.ä. war und auch, welche Karte nicht zugeordnet werden konnte oder welche sie behalten musste, weil sie auf die Schnelle nicht wusste, wem sie diese zuordnen sollte.

Hinweise:

  • Bei einer kleinen Gruppe (z. B. 6 Leute) benutzt einfach nicht alle Karten.
  • Achte drauf, dass jede eine Karte bekommt. Ordne also die Karten, die du gezogen hast, aufmerksam zu und bleibe trotzdem ehrlich dabei.
  • Die Gruppe darf nicht zu groß sein, sonst wird das Spiel zu lang oder zäh.

Einige Beispiele für positive Eigenschaftsworte:

mutig, offen, nachdenklich, gesellig, unabhängig, engagiert, tiefsinnig, zurückhaltend, freundlich, intelligent, flexibel, humorvoll, authentisch, herzlich, respektvoll, motiviert, spontan, zielstrebig, interessiert, hilfsbereit, geduldig, sportlich, musikalisch, kritisch, kreativ, chaotisch, gründlich, fröhlich.

Was ist guter Rat?

»Guter Rat ist wie Schnee. Je sanfter er fällt, desto länger bleibt er liegen und desto tiefer dringt er ein.« Simone Signoret

Guter Rat hat die Person im Blick. Ihre Eigenschaften, ihre Stärken und Fähigkeiten. Gute Ratgeberinnen ahnen etwas davon, was noch in der Person schlummern könnte. Sie sehen schon das, was in ihr schöpferisch zutage kommen könnte. Sie fördern und unterstützen. Das tun sie nicht aus heiterem Himmel, sondern weil es eine gute Verbindung oder Beziehung zwischen dir und ihr gibt.

Auf der anderen Seite ist es auch nicht immer einfach, Rat (ungefragt) zu bekommen und noch etwas schwieriger, diesen auch anzunehmen. Wer darf dir Rat geben? Muss der Rat dann auch umgesetzt werden? Lässt die Ratgeberin dir die Freiheit und auch die Würde, selbst zu entscheiden, was du mit ihrem Rat machst?

Manchmal ist man so im Tunnel, dass man den Weg oder die Lösung nicht sieht. Da kann Rat von jemand anderem unterstützend und gut sein. Ein Fingerzeig, der etwas entwirrt, eine Hilfestellung, die weiterhilft oder ein Hinweis, der etwas erhellt.

Von wem kannst du gut Rat annehmen und wer darf dir auf keinen Fall Rat geben? Überlegt das gerne jede für sich und dann tauscht euch aus. Was sind das für Personen, die euch Rat geben dürfen? In welcher Situation könnt ihr gut einen Rat hören und warum? Welche Art und Weise des Ratens lässt euch wütend werden und warum?

Feedback als Haltung mit Strahlkraft

Feedback ist anders als Rat, aber doch ähnlich. Einen Rat kann ich annehmen und umsetzen, manchmal wird auch genau das erwartet. Feedback hat die Person und ihre Entwicklung im Blick. Feedback bewertet nicht einfach in Gut oder Schlecht oder sieht nur auf das, was wir tun. Im Feedback geht es auch darum, wer und wie wir sind – um uns als Person und um unser Verhalten.

Erzählt euch gerne in der Teamrunde von euren positiven und negativen Erfahrungen mit Ratschlägen und Feedback. Da kommen vielleicht Verletzungen, Gefühle und wunde Punkte zutage. Es ist gut zu wissen, wie die andere das geworden ist, was sie ist. So lernt ihr euch noch besser kennen und v.a. auch, euch gegenseitig zu verstehen. Zusätzlich könnt ihr noch besser dazu beitragen, dass Feedback seine schöpferische und stärkende Kraft und Wärme entfalten kann.

Die Feedback-Sonne

Schaut euch das Foto (Feedback-Sonne) an. Feedback hat zwei Seiten: Geben und Nehmen. Auf jeder Seite findet ihr die jeweiligen Regeln. Wenn du Feedback gibst, finde erst heraus, ob es der richtige Zeitpunkt und die richtige Situation für Feedback ist. Du kannst es keiner aufzwingen und die andere sollte auch offen und bereit sein, etwas zu hören oder zu lernen. Rede von dir, also das, was du gesehen, beobachtet oder empfunden hast. Würdige, was die Andere gut gemacht hat, was gelungen ist und was wertvoll an ihr ist.  Sei konkret und hilfreich, so dass es aufbauend ist und zugleich benannt wird, wo noch etwas möglich sein könnte, damit die Andere sich weiterentwickeln kann. Lass ihr dabei ihre Würde und Persönlichkeit. Erwarte nicht, dass sie sich ändert oder anpasst, denn das muss sie nicht. Sei behutsam, liebevoll und bleib trotzdem ehrlich. 

Wenn du Feedback bekommst, hör gut und in Ruhe zu. Würdige vor allem, dass sich jemand Zeit nimmt und den Mut hat, dir Feedback zu schenken. Bleib lernbereit und offen. Verteidige oder rechtfertige dich  nicht, aber vielleicht könnt ihr am Ende im Gespräch Gründe oder Ursachen besprechen und gemeinsam überlegen, wie es z.B. beim nächsten Mal anders gelöst, kommuniziert oder vorbereitet werden könnte. Du kannst nachfragen, damit du etwas besser verstehst und du darfst dich entscheiden, wie du mit dem Feedback umgehen möchtest. Auch hier ist die Strahlkraft der Feedback-Sonne wichtig: Du musst dich nicht ändern, kannst es aber – kannst es, wenn du willst und wenn es dir sinnvoll erscheint oder du einen anderen Weg ausprobieren willst. Denk immer dran: Es geht im besten Sinne ums Lernen und Weiterkommen.

Was können wir in der Bibel entdecken?

Zwei biblische Rat-Texte

Nehmt euch die Zeit, zusammen in diese Texte reinzulesen.

Jesaja 9,5 -6a:

Dort ist die Rede vom kommenden Messias. Er bekommt dort u.a. den Titel »Wunder-Rat“« Wir beziehen diesen Vers auf Jesus Christus: das erfahrbare Wunder der Liebe Gottes zu uns. Bei Jesus, in seinem Reden und Tun, an seinem Leben, Sterben und Auferweckt-werden, können wir sehen, wie die Liebe Gottes auch uns gewinnt und uns voller Rat begleitet.

2. Mose 18, 13-27:

Dort wird erzählt, wie Mose von seinem Schwiegervater Jitro Besuch bekommt. Jitro beobachtet die Lage, sieht die Überlastung von Mose und hat einen guten Rat für ihn.

Zu guter Letzt

Ich wünsche euch, dass ihr euch gegenseitig wunderbare, schöpferische Ratgeberinnen seid.

Ich hoffe, dass es wunderbare Menschen gibt, die euch begleiten und im besten Sinne (be)raten. Seid und bleibt gesegnet!

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