Andachtsreihe „Augenblicke“Andachtsreihe „Augenblicke“

Andachtsreihe "Augenblicke"

Andacht

Verband: EJW - evangelisches Jugendwerk in Württemberg
Materialart: Andacht
Zielgruppen: Jugendliche, Jugendliche (15-19 Jahre), Kinder/ Pre-Teens (10-13 Jahre), Konfis, Teens (12-16 Jahre)
Einsatzgebiete: Corona Spezial, Freizeiten
Themenstellung: Abendabschluss
Redaktion: 5 Sterne Sommer

Ein Augenblick, der nie vergeht

Und Gott sah an, alles was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.  (1.Mose 1, 31)

Das muss ein ganz besonderer Augenblick gewesen sein.
Als Gott sich… nachdem er die Welt geschaffen hat, Pflanzen, Tiere, Menschen…
als Gott sich dann zurücklehnt,
um sich seine Schöpfung noch einmal kritisch anzuschauen.
Jetzt, wo alles fertig ist.

Sein Blick wandert nochmal prüfend über die Welt.
Gott kennt jedes Detail.
Er weiß, auf was es ankommt.
Er weiß auch, wo die heiklen Punkte liegen.
Nicht umsonst schaut er sich den Menschen noch mal ganz genau an…
und dann, nach allem Abwägen, sein abschließendes Urteil: „Es ist…sehr gut!“

Der Hammer.
Gott hat nicht gesagt: Naja… im Großen und Ganzen, der Kosmos, die Welt, alles wirklich toll, aber der Mensch… also…wenn ich beide Augen zudrücke: 3-4 oder so!
Hat er nicht gesagt!
Er hat gesagt: sehr gut.
Und das hat er nie zurückgenommen.
Das steht so bis heute – auch über dir und mir: Gott sagt: Du bist sehr gut!

Das können wir manchmal gar nicht richtig glauben.
Sehr gut?
So wie ich aussehe, bei den Pickeln, der schiefen Nase und den irgendwie viel zu groß geratenen Ohren?

„Sehr gut“ – sagt Gott

Und meine Ecken und Kanten?
Wie ich mich manchmal aufführe… lebe, als gäbe es Gott gar nicht… das kann Gott nicht wirklich „sehr gut“ finden, oder?

Stimmt… tut er auch nicht.
Das sieht er alles, das entgeht ihm nicht… und trotzdem… er nimmt das „sehr gut“ über deinem Leben nicht zurück.

Vergiss es nicht, wenn du heute an einem Spiegel vorbeiläufst:
Du bist ein Meisterwerk Gottes.
Gott hat dieses Urteil über dich nie zurückgenommen: Du bist die Eins!

Du bist in seinen Augen… rundherum gelungen!

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Getragen

Du hast gesehen, dass der Herr, dein Gott, dich getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt. (5.Mose 1,31)

Vierzig Jahre sind sie durch die Wüste gelaufen.
Vierzig Jahre hat Mose das Volk Israel geführt.
Jetzt steht er vor ihnen, alt geworden, am Ende seiner eigenen Kräfte, aber mit hellwachen Augen.

Und sie…sie spüren es: dies ist ein besonderer Augenblick.
Jetzt beginnt etwas Neues.
Jetzt nach all den Jahren sind sie kurz davor, Neuland zu betreten.
Endlich!
Das Land, das ihnen Gott versprochen hat, es liegt vor ihnen.

Diesen Moment haben sie herbeigesehnt.
Vierzig Jahre… zerschlissene Kleider, wundgelaufene Füße, diese ewig brennende Sonne auf der Haut… immer das Ziel vor Augen…
und jetzt, jetzt ist der Augenblick da.
Nur noch über diesen Fluss… und dann…

Dann… ja, was dann… was wird da drüben auf sie warten?
Was kommt auf sie zu?
Bei aller Freude macht sich tief in ihnen Unsicherheit breit…

Mose spürt das: Ihr habt Angst?
Ihr habt Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten?
Dann seht doch mal auf das, was war.
Dreht euch um, schaut zurück, woher ihr kommt…

Schau auf deine Geschichte, die du hast.
Wie oft warst du am Verzweifeln?
Wie oft wusstest du nicht, wie‘s werden wird?
Wie oft hattest du keine Ahnung, wohin dich dein Weg führt…
und wie oft hast du dann erlebt… dass dich Gott getragen hat, durchgetragen hat… wie ein Vater sein Kind trägt… warum sollte sich das ändern?

Du hast es erlebt.
Du hast es mit deinen eigenen Augen gesehen: Gott ist da.
Er trägt dich durch.
Du… du bist ein Getragener.

Jetzt, in diesem Augenblick.

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Unfassbar

Wir haben so etwas noch nie gesehen. (Markus 2, 12)

Eine Fischerhütte… eine Fischerhütte am See Genezareth.
Vollgestopft wie eine Sardinenbüchse.
Die Leute darin stehen eng zusammengedrängt.
Sie hören auf das, was Jesus erzählt.

Plötzlich beginnen die Öllampen zu wackeln.
Man hört dumpfe Schläge.
Risse zeigen sich in der Decke.
Der Kalk beginnt zu rieseln.
Und dann fällt plötzlich das Licht von oben in den kleinen, dunklen Raum.
Eine Lücke entsteht – grad so groß, dass man eine Matratze hindurchzwängen und hinunterlassen kann.
Und dann liegt er da… ein gelähmter Mann… direkt vor den Füssen von Jesus.

Was für ein Augenblick!

Der Hauseigentümer ist fassungslos… wer soll den Sachschaden bezahlen?
Die anderen Leute sind nicht weniger entsetzt…
Alle sehen sie nach oben, starren auf die vier Männer, die dort durch das Loch in der Decke sehen und alle, alle sind sich einig: Das… ist eine Unverschämtheit!

Nur Jesus steht da und sagt: Das? Das ist nicht unverschämt. Das ist Glauben!
Glauben, der sich was traut, der ihm… der Jesus… alles zutraut.

Als Jesus die vier Freunde dort oben auf dem Dach sieht,
die alle Hoffnung auf ihn setzen,
da sagt er zu dem Mann vor sich: „Deine Sünden sind dir vergeben“.
Und dann… heilt er ihn auch körperlich.

So ist Jesus.
Er macht immer ganze Sache.
Er sieht den ganzen Menschen –  den inneren und den äußeren.
Er sieht unsere Schuld, die Krankheit, die uns von innen zerfrisst,
und er sieht das, was den Körper leiden lässt.

Damals in Kapernaum ist der Gelähmte am Schluss aufrecht hinausgegangen.
Innerlich und äußerlich geheilt.

Und die Leute standen da und sagten: Augenblick… das gibt’s doch gar nicht!
Das ist unfassbar!
So etwas haben wir noch nie gesehen!

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Da geht was

 „…dass ich sehend werde“ (Markus 10, 51)

Es war nicht geplant.
Niemand hatte es vorhergesehen – keiner damit gerechnet.
Er selber wäre vermutlich nie auf den Gedanken gekommen,
dass er einmal in so eine Situation geraten könnte… und doch befand er sich nun plötzlich mitten drin.
Er fühlte wie sein Herz schlug,
wie seine Kehle schlagartig trocken wurde vor Aufregung.
Seine Hände wurden feucht; er spürte: es geschieht etwas…
aber er wusste noch nicht was.

Seine Vorgeschichte liegt im Dunkeln – wir wissen nicht viel von ihm.
Wir wissen wo er wohnte, wie er hieß, dass er blind und in Folge dessen auch arm war und… dass er am Wegrand saß, als Jesus Jericho verlassen wollte.

Ein Riesentumult, Stimmengewirr, Schritte, Wortfetzen…
Wer hat ihm was erklärt? Woher wusste er, wer Jesus war?
Was hatte er von ihm gehört?
Und woher eigentlich nahm er den Mut,
auf einmal so laut er nur konnte nach Jesus zu rufen?

Die Reaktion der Menschen in seiner Umgebung war die übliche: er solle ruhig sein, es sei unangemessen so rumzuschreien, ob es nicht etwas weniger emotional ginge, was das überhaupt solle…
Und er? Er schrie!

Da bleibt Jesus stehen.
Er geht nicht vorbei wenn einer zu ihm will.
Wenn einer zu schreien beginnt, weil er nicht mehr anders kann.
„Ruft ihn her!“ sagt Jesus.

Der Blinde wirft seinen Mantel von sich, springt auf, geht auf Jesus zu…
„Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ fragt Jesus ihn
Und er sagt: „Dass ich sehen kann.“

Heute stehst du vor Jesus.
Er sieht dich an und fragt dich: Was… kann ich für dich tun?
Was wirst du ihm sagen?
Was wirst du ihm zutrauen?
Was es auch ist… Jesus wird damit nicht überfordert sein.
Keinen Augenblick!

Übrigens: den Blinden damals hat Jesus geheilt… weil er ihm vertraut hat.

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

Ein Mensch

Und als Jesus von dort wegging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen… (Matthäus 9,9)

Die Situation war milde gesagt… bescheiden.
Die Römische Armee stand als Besatzungsmacht im Land.
Die eigenen Leute hatten nichts mehr zu sagen.
Die Weltmacht Rom hat alles diktiert und… hat abkassiert.
An jedes Eck, an jede wichtige Straße, an jedes Stadttor haben sie einen Zolleinnehmer gesetzt und den dazu verdonnert die Leute abzukassieren.

Matthäus war so einer.
Wer durch wollte musste bei ihm blechen – so einfach war das.
Nur für ihn war das alles andere als einfach.
Denn er… er war eigentlich ein armer Kerl.
Er hat selbst von dem ganzen Zaster, den er da reingescheffelt hat,
keine müde Münze zu sehen bekommen.
Er musste alles fein säuberlich an Rom abdrücken.

Naja, wirst du sagen… die Römer werden ihn fürstlich belohnt haben, dafür, dass er das Geld in ihre Staatskassen geschaufelt hat… Pustekuchen!
Zolleinnehmer bekamen keinen Lohn.

Ja toll, von was haben die dann gelebt?
Eben!
Die waren dazu gezwungen mehr zu verlangen, als nötig, um überhaupt leben zu können…
Ein ganz mieser Trick, den die Römer angewandt haben, um Menschen abhängig zu machen.
Aber das hat die Leute, die von den Zöllnern abkassiert wurden, nicht interessiert.
Für die waren alle Zöllner Verbrecher,
mit die verrufensten Leute überhaupt.
Zöllner waren abgeschrieben…

Umso erstaunlicher:
Als Jesus an die Zollstation von Matthäus kommt, beschreibt die Bibel diesen Augenblick so: Jesus kam und sah… einen Menschen am Zoll sitzen…

Einen Menschen – verstehst du – keinen Betrüger – keinen miesen Kerl – einen Menschen!
Einen… wie du und ich.
Er sieht dich an… und egal, was andere über dich sagen…
egal was für eine Geschichte du hast… Jesus sieht einen Menschen in dir.

Er hat dich nicht abgeschrieben – keinen Augenblick.
Er geht auf dich zu und sagt es zu dir, was er damals einem Matthäus gesagt hat: Komm mit – folge mir nach – ich will mein Leben mit dir teilen.

Was für ein Augenblick.

(Dieter Braun, Evangelisches Jugendwerk in Württemberg)

  • Autor / Autorin: Dieter Braun
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