Beziehung vor Programm – ohne echte Begegnung?Beziehung vor Programm – ohne echte Begegnung?

Beziehung vor Programm - ohne echte Begegnung?

Ideensammlung

Verband: EJW - evangelisches Jugendwerk in Württemberg
Materialart: Ideensammlung
Zielgruppen: Jugendliche, Mitarbeitende
Einsatzgebiet: Corona Spezial
Heft: der Steigbügel

Vor zwei Wochen hat es bei uns an der Tür geklingelt. Der Postbote – denke ich. Denn in den vergangenen Wochen hat niemand anderes geklingelt. „Ja?“, frage ich über die Sprechanlage. „Hier sind wir.“ Nein, das ist nicht der Postbote. Was für eine Überraschung! Zwei Freunde bringen Erdbeeren vorbei. Wir sitzen mit großem Abstand im Treppenhaus und tauschen uns aus. Danach merke ich, dass es mir unglaublich gut getan hat. Ich fühle mich wieder vollgetankt.

Seit dem Lock-Down wurden viele Angebote für Jugendliche im christlichen Kontext entwickelt. Gemeinsames Kochen, Bibellesen, Konzerte, Spiele, Challenges, Kreativ-Ideen …

Diese Angebote sind gut und wichtig, denn wir haben eine Botschaft: Jesus lebt und hat Interesse an jedem einzelnen Menschen dieser Erde. Er wünscht sich eine Beziehung zu uns. Es ist wichtig, dass wir diese Botschaft über verschiedene Kanäle weiterverbreiten.

Beziehung – im Moment nur begrenzt ausgelebt. Kaum sichtbar und kaum spürbar. Stattdessen Distanz. Dabei ist der Mensch auf Beziehung ausgerichtet: Beziehung zu Gott, zu sich selbst und zu anderen. Letzteres und somit 33,3 % müssen gerade neu gestaltet werden.

Wie können wir die Beziehung zu unseren Jugendlichen stärken, ohne ihnen in Gruppenangeboten direkt zu begegnen? Dazu gibt es im Folgenden einige Gedanken.

Das Telefon oder Smartphone

Es ist besonders, wenn in der digitalen Welt das „normale“ Telefon klingelt und ein Jugendleiter oder eine Jugendleiterin am anderen Ende nachfragt, wie es einem geht. Ins Gespräch kommen, einander erzählen, lachen, ermutigen und miteinander beten. Ein weiteres Mal kann man darüber austauschen, was aus dem Gebetsanliegen geworden ist. Natürlich ist das auch alles via Smartphone möglich, vor allem via Videocall, eine Chance sich beinahe face to face zu begegnen.

Sprachnachrichten

Ein kurzes „wie geht’s dir?“ und „hab gerade an dich gedacht“ über Sprachnachrichten zaubern ein Lächeln und schafft Verbindung. Halte dich kurz und schaffe so eine niedrige Hürde für die Jugendlichen, zu antworten.

Postkarten

Eine stylische Postkarte mit einem persönlichen, ermutigenden Text auf der Rückseite? Darüber freuen sich alle, vom Kleinkind bis zu den Senioren.

Virtuelle Räume

Die virtuellen Räume werden von den Jugendgruppen verschieden wahrgenommen. Einige schaffen es über den virtuellen Raum und über die darin stattfindenden Angebote, die Beziehung zu den Jugendlichen zu stärken. Besonders hilfreich sind spielerische Auflockerungen. Hier (Verlinkung) findet ihr dazu einige Ideen. Anderen fällt es schwer, ihnen emotional zu begegnen. Es ist auch abhängig davon, wie viel Zeit die Jugendlichen bereits durch die Schule vor den Medien verbringen und wie es ihnen damit geht. Viele sehnen sich gerade nach echten Begegnungen außerhalb der virtuellen Räume.

Gemeinsame Perspektive entwickeln

Plane gemeinsam mit den Jugendlichen, was eure erste Aktion sein wird, wenn man sich trotz Corona-Auflagen wieder treffen darf. Und was wird in der ersten Gruppenstunde stattfinden, die frei von Einschränkungen ist? Das schafft Vorfreude und einen gemeinsamen hoffnungsvollen Fixpunkt.

Gemeinsame Aktion vor Ort

Gemeinsame Aktionen schweißen eine Gruppe zusammen und stärken die Beziehungen sehr. Binde die Jugendlichen von Anfang an mit ein. Hilfreiche Fragen könnten sein:

  • Was könnte unserem Ort einen Mehrwert bieten?
  • Woran haben wir Freude?
  • Welche Gaben könnten wir einsetzen?

Vielleicht bemalt ihr ein großes Leintuch mit einem ermutigenden Spruch und hängt ihn ans Gemeindehaus? Oder ihr gestaltet Plakate, die zum Lächeln bringen und hängt sie im Dorf verteilt auf. Ihr backt gern? Dann werft den Ofen an und bringt die Ergebnisse systemrelevanten Arbeitenden oder einsamen Menschen aus eurer Gemeinde. Mit Abstand und Beachtung der aktuellen Personenanzahl kann inzwischen einiges durchgeführt werden. Es wäre auch möglich, gemeinsam T-Shirts zu gestalten und dieses immer an einem festgelegten Tag der Woche zu tragen.

Etwas „vorbeibringen“

Bringe deinen Jugendlichen etwas an die Haustür. Vielleicht Material für das nächste Online-Angebot? Dabei hast du die Möglichkeit, sie persönlich zu treffen und sich ein bisschen auszutauschen.

Kleingruppen

Treffen in kleineren Gruppen ist mittlerweile unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln wieder erlaubt. Wie wäre es, wenn ihr aus eurem Jugendkreis Kleingruppen bildet und wieder mit kleinen Treffen startet? Vielleicht finden sich gerade jetzt neue Mitarbeitende, die euch dabei unterstützen.

Seid mutig und wagt neue Wege innerhalb des möglichen Rahmens. Wir sind gespannt, auf welche Weise du die Beziehung zu deinen Jugendlichen stärkst. Würdest du uns davon berichten? Wir würden uns sehr freuen. Schreib einfach an melissa.decker@ejwue.de

  • Autor: Melissa Decker
  • © EJW - evangelisches Jugendwerk in Württemberg