Blind Date / Ein Plädoyer, das Leben zu teilen!Blind Date / Ein Plädoyer, das Leben zu teilen!

Blind Date / Ein Plädoyer, das Leben zu teilen!

Hintergrund/ Grundsatz

Verband: Deutscher EC-Verband
Zeitbedarf: 30-90 Min. (Vorbereitung: 20 Min.)
Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Konfis, Mitarbeitende, Teens (12-16 Jahre)
Einsatzgebiete: Evangelisation/ missionarisches Event, Schulung
Redaktion: TEC:

Lebenslinien

Er sitzt vor mir. Weit über 90 Jahre alt. Ich habe den Mann nie zuvor gesehen, aber jemand hat mir den Hinweis gegeben: „Geh diesen alten Mann besuchen. Frag ihn, ob er dir aus seinem Leben erzählt.“ Darum sitze ich nun an seinem Küchentisch und sehe in sein faltiges Gesicht. Die Falten haben sich wie Linien in seine Haut gegraben. Sie erzählen die Geschichte eines bewegten Lebens.

Dramen

Das Drama begann, als seine Frau und er am Rande eines Baggersees zusehen mussten, wie ihre beiden kleinen Kinder vor ihren Augen ertranken. Sie konnten nichts tun. Das allein – meint man – hätte ja schon gereicht, um den Glauben an einen liebenden Gott zu ersticken. Aber das war nur der Anfang. Denn dann kamen die Kriegsjahre, Vertreibung und Flucht. Zusammengepfercht in einem engen Güterwaggon landen die beiden auf einem überfüllten Bahnhof. Im Gedränge auf dem Bahnsteig lassen sie ihre Hände los. Sie verlieren sich aus den Augen. Er hat seine Frau nie mehr gefunden.

Neustart

Jahre später – der Krieg ist vorbei und in ihm ist die Gewissheit gewachsen, dass seine Frau in der ewigen Heimat ist. So zieht er los um zu sehen, wo er, der er nun alles verloren hat, noch gebraucht wird. Er geht durch seinen Ort und findet eine Frau in höchster Not. Drei Kinder, der Mann ist gefallen, sie selbst ist gesundheitlich angeschlagen. Er hat diese Frau noch nie gesehen. Das erste Zusammentreffen ist wie ein Blind Date – ein Treffen mit einem unbekannten Menschen. Bei diesem Treffen macht er der Frau einen für mich unvorstellbaren Vorschlag. Er sagt zu ihr: „Ich habe nichts mehr. Aber du hast viel Not. Und ich kann dir helfen. Wenn du willst, dann lass uns heiraten. Ich weiß, da ist jetzt keine Liebe, aber vielleicht kommt sie ja. Auf jeden Fall kann ich helfen, dich und die Kinder durchzubringen.“ Und diese Frau lässt sich tatsächlich darauf ein.

Glück

Die Liebe kam tatsächlich. Als er vor mir sitzt, liegen Jahrzehnte einer glücklichen Ehe hinter ihm. Und die Leute im Ort erzählen mir, wie liebevoll er seine zweite Frau gepflegt hat, bis sie in seinem Arm gestorben ist. Wenige Wochen nach unserem Gespräch wacht er selbst nicht mehr von seinem Mittagsschlaf auf. Er ist ganz leise dorthin gegangen, wo er nun endlich sehen kann, was er durch all die Jahre seines dramatischen Lebens geglaubt hat: dass es Jesus wirklich gibt!

Diese Begegnung liegt Jahre zurück. Aber sie fällt mir plötzlich wieder ein, als wir in einem Mitarbeiterkreis überlegen, welche Brücke in die kontinuierliche Arbeit wir interessierten Jugendlichen nach einer Jugendevangelisation bieten könnten. Welchen Schritt, dass eigener Glaube wächst? Es ist der Augenblick, in dem ich wieder an den alten Mann denken muss und in mir die Idee für „Blind Date“ entsteht: Ein Treffen mit einer unbekannten Person.

Konzept

Die Idee ist denkbar simpel. Drei Wochen lang trifft man sich beispielsweise immer mittwochs um 18 Uhr an der alten Linde vor der Kirche. Gemeinsam bricht man auf zu einem „Blind Date“ – einer Begegnung mit einem unbekannten Menschen, der aus seinem Leben erzählen wird. Niemand außer dem Mitarbeiter weiß, wohin es geht. Mit im Gepäck hat er: einen Ofenkäse und ein Baguette. Kurze Zeit später stehen sie im Wohnzimmer einer fremden Person. Sie werfen den Ofen an, schieben den Ofenkäse hinein und schneiden das Baguette auf. Der Gastgeber muss sich nicht um die Verpflegung kümmern, der Mitarbeiter hat alles dabei. 20 Minuten braucht der Käse im Ofen. Zeit genug, um „einen-Ofenkäse-lang“ zwei oder drei wesentliche Episoden aus dem Leben zu erzählen, immer unter dem Vorzeichen: „Hat sich der Glaube im Leben bewährt?“ Nach 20 Minuten kommt der Käse raus, das Baguette wird eingetunkt und gegessen. Das eröffnet weitere 20 Minuten Zeit für die Jugendlichen, um während des Essens nachzuhaken: „Hast du nie gezweifelt? Wie bist du damit umgegangen? Was glaubst du heute?“

Staunen

„Blind Date“ schlägt ein. Am ersten Ort führen sie es über ein Jahr durch. Viele Orte folgen. Wir können in unseren Predigten und Andachten viel über den Glauben sagen. Das Leben schreibt noch einmal andere Geschichten. Und die sind nicht weniger eindrucksvoll. Im Gegenteil.

  • Autor / Autorin: Dieter Braun
  • © Deutscher EC-Verband