Christsein in BeziehungenChristsein in Beziehungen

Christsein in Beziehungen

Hintergrund/ Grundsatz

Verband: CVJM-Westbund
Zeitbedarf: 20 Min. (Vorbereitung: 15 Min.)
Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene (18+), Mitarbeitende, Teens (12-16 Jahre), Mädchen
Einsatzgebiete: Gruppenstunde, Schulung
Redaktion: KON

Christsein in Beziehungen ist immer wieder ein Thema – vor allen Dingen für Menschen, die eine Freundschaft eingehen oder einen Partner fürs Leben suchen. Wie geht man damit um, wenn der/die andere den Glauben nicht teilt? Hier zwei sehr persönliche Berichte von Frauen, die ihre Erfahrungen gerne weitergeben, um einen eigenen Standpunkt zu finden. Es geht nicht darum, die eine richtige Meinung zu übernehmen, sondern die Erfahrungsberichte sollen helfen, dem eigenen Weg auf die Spur zu kommen.

Als Ergänzung findest du für deine Gruppe noch einen Stundenentwurf zum Thema mit hilfreichen Ideen, sprachfähiger über den Glauben zu werden und eigene Werte zu bilden.

Eine Beziehung/Ehe mit einem Atheisten – funktioniert das?

Um gleich auf den Punkt zu kommen, meine Antwort ist ja! Allerdings berichte ich hier von meinen eigenen Erfahrungen – keine Erfolgsgarantie, kein Masterplan, kein »so soll es sein und nicht anders«. Jede*r muss für sich selbst entscheiden, ob man es als Christ*in vertreten kann, eine Beziehung mit einem Menschen einzugehen und zu führen, der nicht den eigenen Glauben teilt. Und mit vertreten meine ich nicht, dass man seine Entscheidung vor seinen Mitmenschen rechtfertigen soll und muss. Diese Entscheidung triffst du für dich mit Gott. Es wäre gelogen, wenn ich schreiben würde, dass dies eine einfache Entscheidung ist und sie nicht immer wieder mit Zweifel – zumindest am Anfang – durchzogen wäre. Man muss als Paar seinen Weg finden, aber wie sagt man so schön: »Wo ein Wille ist …« – du weißt schon.

Unser Trail war schon ein anspruchsvoller für fortgeschrittene Wanderer. Wir lernten uns kennen, als ich kurz zuvor meine Ausbildung bei der »Malche« (Pädagogisch-Theologisches Seminar Malche e.V.) begonnen hatte. Die »Malche« ist also ein »Christen-Hotspot« und da es zum Konzept gehörte, wohnte ich dort auch. Es hat eine gefühlte Ewigkeit gebraucht, bis Jonas sich dazu durchringen konnte, mich dort zu besuchen. Allerdings war ich da wohl auch ein wenig selbst Schuld, weil ich ihm erzählt hatte, wie der ein oder andere über unsere Beziehung denkt. Glücklicherweise hat Jonas aber auch gemerkt, dass zumindest meine Freunde dort so ähnlich tickten wie ich und es kein Problem darstellte, dass er nicht glaubt, was wir glauben.

Zu Beginn unserer Beziehung machte es mir absolut nichts aus, dass er nicht an Gott und Jesus glaubte, was aber wohl daran lag, dass ich die Floskel (für mich ist es zumindest eine Floskel) »Gott hat uns füreinander bestimmt«, nicht hören wollte und konnte.

Mit der Zeit fand ich es dann aber doch schade, dass Jonas meinen Glauben nicht teilt. Es kam mir so vor, als ob ich einen Teil ausklammern würde – entweder vor ihm oder vor Gott. Ich wollte wissen, was Jonas für Erfahrungen gemacht hatte, warum er nicht glauben möchte. Als Kind ist er wohl begeistert in den Kindergottesdienst gegangen und war in einem evangelischen Kindergarten. Ich war aber zu penetrant in meinem Forschen nach Beweggründen. Jonas blockte immer mehr ab – generell jedes Gespräch in Richtung Glauben.

Für uns beide war das nicht schön. Für mich war es ein sehr emotionales Thema und Jonas hatte ständig das Gefühl, dass ich ihn missionieren wollte, was wahrscheinlich auch zutraf – wäre ja auch leichter, wenn er einfach meinen Glauben teilen würde.

Das schlagende Argument war dann: »Warum willst du mich bekehren? Ich bringe dich ja auch nicht von deinem Glauben ab!« Und das stimmt. Er ist sogar derjenige, der mich ermutigt, mal wieder einen Gottesdienst zu besuchen oder Ähnliches, wenn er merkt, dass ich meine Beziehung zu Gott schleifen lasse. Ich muss dazu sagen, dass ich keine große Gottesdienstgängerin bin und auch nicht täglich in der Bibel lese. So war das auch schon vor unserer Beziehung. Also fehlt es mir auch nicht, dass ich das mit Jonas nicht teilen kann. Zu besonderen Anlässen kommt er auch mal mit in den Gottesdienst.

Meinen Zugang zu Gott finde ich oft in der Natur und da sind Jonas und ich regelmäßig anzutreffen. Auch wenn Jonas nicht das Gleiche damit verbindet, ist es doch schön, diese Momente mit ihm zu teilen. Außerdem mag ich den Austausch mit ihm, seine Sicht auf die Welt und den Glauben – an der Stelle würde ich es auch interessant finden, wie ein gemeinsamer Hauskreis mit ihm wäre, aber ich möchte nichts erzwingen. Das musste ich lernen. Wenn es funktionieren soll, müssen beide Akzeptanz und Respekt füreinander haben. Das sollte sowieso der Fall sein, wenn man eine Beziehung führen möchte. Es war schwer, aber ich denke inzwischen haben wir für uns einen Weg gefunden, der beiden gerecht wird. Immerhin haben wir letztes Jahr geheiratet.

Julia Bechtel

Wenn ich meinen Glauben nicht teilen kann

Zunächst möchte ich dir sagen, dass dies nicht für jede Beziehung gelten muss und der Weg für dich ganz anders aussehen kann. Es ist mein persönlicher Erfahrungsbericht:

Als ich 15 Jahre alt war, bin ich mit meinem ersten richtigen Freund zusammengekommen. Damals dachte ich natürlich, dass es ewig halten würde …

Mir war von Anfang an bewusst, dass er kein Christ ist. Auch da habe ich mir bereits Gedanken zu dem Thema »Christsein in Beziehungen« gemacht, doch ich dachte immer, dass er ja noch zum Glauben kommen könnte und das ich ihm dabei helfen will. Tatsächlich habe ich allerdings sehr früh gemerkt, wie schwer es mir selbst fiel, das Thema überhaupt anzusprechen und meine Ansichten darüber mit ihm zu teilen. Ich hab mir immer wieder gesagt, dass das alles ja noch werden könnte und dass wir ja noch viel Zeit haben.

Leider hatte sich nach drei Jahren Beziehung jedoch immer noch nicht viel geändert. Meinen Freundinnen aus einer Mädchengruppe unserer Gemeinde ist dann irgendwann aufgefallen, dass ich oft schon eher gegangen bin oder auch mal abgesagt habe wegen meines Freundes. Natürlich wollte ich immer viel Zeit mit meinem Freund verbringen und der Glaube musste darunter leiden. Er hatte nie etwas dagegen, dass ich zum Mädchentreff oder zu Gottesdiensten ging und fand das auch nicht schlimm, ist aber so gut wie nie mitgekommen. Deshalb bin auch ich oft nicht lange geblieben, um dann wieder zu ihm zu gehen.

Natürlich habe ich immer gehofft und auch viel gebetet, dass Gott ihn doch zum Glauben bringt. Mittlerweile glaube ich, dass ich viel mehr aus der Beziehung lernen und in meinem eigenen Glauben wachsen sollte.

Die ersten zwei Jahre habe ich mir nicht so viele Gedanken zum Thema »Beziehung für die Ewigkeit« gemacht, denn ich war noch so jung und wollte es einfach nur genießen. Je länger unsere Beziehung dauerte und je älter ich wurde, desto mehr kam der Gedanke, ob er wirklich »der Mann fürs Leben« ist. Ich merkte immer mehr, wie sehr es mir fehlte, mit meinem Freund den Glauben zu teilen. Auch wenn sonst alles perfekt zwischen uns war, blieb  immer dieser eine wichtige Teil in meinem Leben, der mir in unserer Beziehung fehlte.

Irgendwann wurde mir bewusst, dass mein damaliger Freund nicht der Mann ist, den ich mal heiraten möchte. Sehr lange hatte ich nicht den Mut, ihm genau das zu sagen, dass mir der Glaube so wichtig ist – und ich einen Freund brauche, der den Glauben mit mir teilt. Meine Gefühle für ihn waren ja schließlich auch nicht weg, es lag nur dieses eine Thema zwischen uns. So versuchte ich immer öfter, ihn mit in die Gemeinde zu nehmen, doch leider ließ er sich darauf nicht ein. Ich war schon sehr verzweifelt und hab Gott immer wieder gefragt, wieso sich nichts verändert, denn ich merkte, dass ich so nicht mehr lange weitermachen konnte. Meine Zweifel schleppte ich dann mehrere Monate mit mir rum.

In den letzten Wochen vor unserer Trennung hätte Gott nicht deutlicher sein können. Egal wo ich war, ob in einem Jugendgottesdienst oder in der Schule, ging es um das Thema »Beziehung zwischen Christen und Nichtchristen«. Jedes Mal kamen die Leute zu der Ansicht, dass dies Schwierigkeiten mit sich bringen kann. Ich wusste, dass diese Botschaft genau für mich bestimmt war und merkte, dass ich bald eine Entscheidung treffen musste. So fasste ich endlich den Mut und sprach das Thema offen mit meinem Freund an. Ich konnte einfach keine Kompromisse mehr machen und hoffte, dass wir eine Lösung finden würden. 

Auch wenn wir beide noch immer starke Gefühle füreinander hatten, wurde uns bewusst, dass wir beide jemanden brauchen, der unsere Ansichten teilt. So kam es, dass wir uns nach nur einem Gespräch ganz plötzlich trennten. Natürlich hatte ich mir vorher schon Gedanken gemacht, hätte aber nicht damit gerechnet, dass es so schnell vorbei sein würde.

Für mich brach erst mal eine Welt zusammen, denn schließlich war er mein erster richtiger Freund und wir waren immerhin drei Jahre zusammen. Ich war mir zwar sicher, dass es die richtige Entscheidung war, aber ich wollte von Gott eine Bestätigung. Es tat einfach unfassbar weh, weil wir uns ja weder gestritten, noch keine Gefühle mehr füreinander hatten. Der Grund unserer Trennung war einzig und allein, dass ich mir einen Partner wünschte, mit dem ich meinen Glauben teilen konnte.

Die Bestätigung von Gott, dass meine Entscheidung richtig war, spürte ich dann durch meine Familie und Freunde. Alle anderen konnten unsere (vor allem meine) Entscheidung natürlich nicht nachvollziehen. Meine Familie und meine engsten Freunde zeigten mir, wie mutig und für mich richtig diese Entscheidung war.

Als meinem Freund bewusst wurde, dass es wirklich vorbei war, wollte er mich wieder zurück haben. Heute weiß ich, dass ich einzig und allein durch Gott die Kraft hatte, nein zu sagen. Es war bis jetzt die schwerste Entscheidung in meinem Leben und ich konnte sie nur durch Gottes Hilfe fällen.

Ich kann sagen, dass die Zeit nach der Trennung sehr schmerzhaft war und es lange gedauert hat, bis es mir wirklich besser ging. Aber es hat sich gelohnt. Wahrscheinlich hätte ich viel früher auf meine leise Stimme hören sollen, die Zweifel gegenüber der Beziehung hatte. Mittlerweile glaube ich, dass Gott nicht unbedingt vorhatte, meinen damaligen Freund zu verändern, sondern mich. Natürlich hoffe ich weiter, dass er doch noch zu Gott findet.

Durch den Schritt der Trennung habe ich Gott nochmal auf eine ganz neue Weise kennengelernt und bin im Glauben gewachsen. Ich weiß jetzt, was ich im Leben will und was Gott dabei für eine Rolle spielen soll.

Ein Rat an dich: Wenn du auch gerade an deiner Beziehung zweifelst, weil dein Partner/deine Partnerin kein Christ ist, dann frage Gott um Rat. Für dich kann der Weg ganz anders aussehen – er wird dir zeigen, was für euch das Richtige ist. Aber wenn du merkst, dass es die Trennung ist, dann trau dich, diesen Schritt auch zu gehen. Mir ist klar geworden, dass mir so viel gefehlt hat, weil mein Freund kein Christ war und ich meinen Glauben mit ihm nicht teilen konnte. Meine Partnersuche habe ich jetzt in Gottes Hände abgegeben und vertraue darauf, dass  irgendwann »der Richtige« kommt und es sich lohnt, auf ihn zu warten.

Laura M.

  • Autor / Autorin: Julia Bechtel
  • Autor / Autorin: Laura M.
  • © CVJM-Westbund

Baustein speichern