Jesus und seine RasselbandeJesus und seine Rasselbande

Jesus und seine Rasselbande

Hintergrund/ Grundsatz

Verband: CVJM Deutschland
Zeitbedarf: 5-10 Min. (Vorbereitung: 5-10 Min.)
Materialart: Hintergrund/ Grundsatz
Zielgruppen: Jugendliche, Junge Erwachsene, Mitarbeitende
Einsatzgebiete: Freizeiten, Gruppenstunde, Schulung
Redaktion: CVJM Deutschland

Die Beziehung zu den Jüngern

Jesus war schwer angesagt in der jüdischen Bevölkerung. Und so fanden sich viele Fans in seiner Nachfolge, Männer und Frauen. Ihre Namen hat der Fluss der Zeit davon getragen, nur wenige sind heute noch bekannt.

Zwölf unter ihnen stachen im Besonderen hervor, weil sie von Jesus direkt berufen wurden. Später bildeten sie dann- mit einer tragischen Ausnahme- die Apostel der ersten Stunde, und verbreiteten das Christentum in der antiken Welt. Die Rede ist von den zwölf Jüngern, mit Namen Petrus, Andreas, Jakobus Zebedäus, Jakobus Alphäus, Johannes, Philippus, Bartholomäus, Thomas, Matthäus, Simon, Thaddäus und Judas Iskariot.

Reibereien blieben nicht aus

Es war ein bunter Haufen, den Jesus in seinen innersten Nachfolgekreis berufen hatte, mit den unterschiedlichsten Herkünften und Ansichten. Fischer, Zöllner, Zeloten fanden sich in den Reihen der Jünger, die allesamt mit unterschiedlichen Temperamenten ausgestattet waren – klar, dass dabei Reibereien nicht ausblieben. Die Jesus allerdings stets aufs seine souveräne Art löste. Beispiel?

Jakobus und Johannes, die sogenannten „Donnersöhne“, schossen eines Tages mit einer Bitte weit über das Ziel hinaus. Die höchsten Plätze wollten sie im Himmelreich einnehmen; das ging dem Rest der Jünger gegen den Strich, und sie ließen es die beiden spüren. Jesus dagegen nahm die Bittenden in Schutz, nicht ohne deutlich zu machen, wie überzogen ihre Bitte war.

Überhaupt nahm Jesus seine Jünger ständig in Schutz und legte sich dabei auch mehrere Male mit der Obrigkeit an. Wenn es sein musste, wies er die Ankläger scharf in die Grenzen, zeigte die Zähne, wenn seine Jünger wieder einmal in der (manchmal berechtigten) Kritik standen, weil sie sich danebenbenommen hatten.

Sie waren ihm näher als seine eigene Verwandtschaft und er stattete sie mit seiner besonderen Kraft aus, so dass sie so wie er selbst Wunder tun konnten und Jesus Satan aus dem Himmel fallen sah. Sie mochten ihn manchmal mit ihren Taten oder ihrem Unverstand in die Verzweiflung getrieben haben, weil sie, obwohl er sie wiederholt in die Geheimnisse seiner Gleichnisse einwies, den Sinn seiner Predigten nicht immer verstanden, ihre Berufung aber reute ihn nicht.

Selbst dann nicht, als sie bei seiner Gefangennahme Hals über Kopf flohen und Petrus – der von ihm berufene Oberhirte – dreimal wie angekündigt seine enge Beziehung zu dem in Ungnade gefallenen Nazarener leugnete. Auch Thomas, der den Berichten über die Auferstehung keinen Glauben schenkte, darf seine Finger in die Wunden Jesu legen, ohne dass seine Berufung gefährdet war.

Kritische Distanz?

An dieser Stelle wage ich die Behauptung, dass dies auch auf Judas Iskariot zutraf, den Verräter, dessen Name heute gerne im Zusammenhang mit besonders hinterhältigem Verrat gebraucht wird. Johannes zeichnet ein düsteres Bild von diesem Judas, er sei ein Dieb und von Anfang an mehr Jünger Satans denn Jesu – dagegen spricht allerdings die Verzweiflungstat am Galgen. Mag sein, dass er eine kritische Distanz gewahrt hatte und Jesus nicht so nahe stand wie Johannes, der nachweislich dessen Lieblingsjünger war. Im Abseits stand er aber deswegen nicht – auch wenn er so wie einige andere Jünger selten namentlich erwähnt wird. Einige, so wie Bartholomäus oder Simon Thaddäus, treten meisten nur im Pulk auf, von daher ist wenig darüber bekannt, wie nahe sie Jesus standen. (Anm. des Autors: Ich muss gestehen, dass ich sie bei der Auflistung der zwölf Jünger gerne unterschlage, weil sie in den Evangelien kaum namentlich erwähnt werden.) Sie traten kaum in Erscheinung, ganz im Gegensatz zu Petrus, der mit seiner impulsiven Art ständig auffiel, die ihn zuweilen in Schwierigkeiten brachte.

Beispiel 1: Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit auf den Berg der Verklärung. Dort tätigte Petrus eine unsinnige Aussage (Stichwort: Hütten bauen), sodass Gott sich genötigt fühlte, aktiv einzugreifen.

Beispiel 2: Jesus begegnete den in Seenot geratenen Jüngern auf dem Wasser wandernd. Petrus stieg, ohne nachgedacht zu haben, über Bord und wanderte einige Meter auf Jesus zu. Dann aber, als in sein Bewusstsein eindrang, worauf er ging, sank er ein. Jesus rettete ihn und brachte ihn ins sichere Boot.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Fakt ist, dass Petrus hinterher die Mission nach Europa vorantrieb und der erste Papst wurde. Jesus sorgte in Hinblick auf das Ende seiner Erdenzeit für die Jünger vor. In jeder Zeile des hohepriesterlichen Gebets, in dem er sie seinem Vater anbefiehlt, tritt die seelsorgerliche Fürsorge für seine berufenen Nachfolger deutlich zutage. Er beließ es nicht dabei, sondern zeigte anhand praktischer Beispiele, wie Gottes Reich auf der Welt funktioniert. „Einer diene dem anderen“ erklärte er, und wusch seinen Schülern die Füße.

Kein Platz für Misstrauen

Jesus rüstete sie mit allem Handwerkszeug aus, die eine weltweite Missionsarbeit erforderte. Vor allem aber machte er aus ungelernten und teilweise ungehobelten Männern fähige Mitarbeiter, die die Kirche Christi gründeten. Dies gelang, weil Petrus und Co. in der Beziehung zu Jesus ein massives Urvertrauen erlangten, nach dem sich die Menschen in ihrer Umgebung bis dahin vergeblich gesehnt hatten. In diesem Urvertrauen war kein Platz für Misstrauen, vielmehr fingen sie an, Gott mit Papa anzureden – aus dem unnahbaren Gott der Juden war ein zärtlicher, liebender Vater geworden.

Fazit

Selten waren Lehrjahre besser investiert gewesen als im Falle der zwölf Apostel. Nach Jesu Himmelfahrt dauerte es nicht lange bis zur ersten Massenbekehrung, die aufgrund einer großartigen Predigt des impulsiven Fischers Petrus zustande kam, der danach, ganz in der Manier Jesu Christi einen Gelähmten heilte. Jesus hatte also alles richtig gemacht.

  • Autor / Autorin: Peter Brenner
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