Von der Freiheit der Bibelauslegung – Grundfragen des SchriftverständnissesVon der Freiheit der Bibelauslegung – Grundfragen des Schriftverständnisses

Von der Freiheit der Bibelauslegung - Grundfragen des Schriftverständnisses

Theologischer Artikel

Verband: CVJM Deutschland
Zeitbedarf: 10-20 Min. (Vorbereitung: 10-20 Min.)
Materialart: Theologischer Artikel
Zielgruppen: Jugendliche (15-19 Jahre), Junge Erwachsene, Mitarbeitende
Einsatzgebiete: (Jugend-)Gottesdienst, Predigtvorbereitung, Schulung
Redaktion: CVJM Deutschland

Dr. Reinhard Hempelmann beschäftigt sich mit der Frage von Bibelauslegung und verschiedenen Auslegungsarten. Er plädiert dafür, die Vielfalt der Schrift von ihrer Mitte her zu verstehen: Jesus Christus.


Vorschau:

Dass die Bibel ein „Bestseller ohne Leser“ (Siegfried Meurer) wird oder geworden ist, hat u.a. in zahlreichen Vorurteilen ihren Grund. Wo man die Bibel nur noch als ehrwürdiges Dokument schätzt, das unabdingbar zur geistigen Entwicklung der Menschheit gehört, wird man genau das in ihr finden, was man in ihr sucht: die Welt von gestern, den Menschen und den Gott von gestern. Die Bibel als Orientierungsquelle ist damit erledigt. Ich nenne diese Einstellung gegenüber der Bibel das „aufgeklärte Vorurteil“.

Ein „fundamentalistisches Vorurteil“ macht die Bibel freilich auch nicht unbedingt attraktiv: Man sucht und findet in der Bibel einen Vorrat zeitloser, unfehlbarer Wahrheiten, die allen geschichtlichen Bedingtheiten entnommen sind. Wenn in der Bibel die Weltschöpfung in einem Sieben-Tage-Schema erzählt wird, so nimmt man dies wortwörtlich als Entstehungsgeschichte unserer Erde. Wenn es im 1. Korintherbrief heißt, dass die Frauen in der Gemeindeversammlung schweigen sollen (1 Kor 14, 34), meint man darin den grundsätzlichen Ausschluss der Frau aus dem Verkündigungsamt begründet zu sehen. Das Zitieren von Bibelsprüchen wird dabei nicht selten zum Ersatz für das eigene Nachdenken und eine verantwortliche Schriftauslegung.

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  • Autor / Autorin: Dr. Reinhard Hempelmann
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